Okay, hier geht's weiter mit Teil 2 vom Leserückblick und den Autoren mit den Anfangsbuchstaben H - W:
Elizabeth Haynes: Under a Silent Moon
Ein englischer Krimi, ganz spannend, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Fortsetzung lese. Die Schreibweise ist ein bißchen ungewöhnlich, aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven und nach Tagen und Uhrzeiten sortiert. Der Ex-Freund / Kollege der Inspektorin ist ein echter Versager, und dann werden noch ein paar echt krasse sexuelle Perversionen beschrieben. Igitt.
Caroline Kimberley: An Inconvenient Kiss
Das Buch wurde irgendwo wärmstens empfohlen - kann mich nicht mehr erinnern, wo, vielleicht All About Romance? Jedenfalls ist es ein Regency-Roman. Ich habe ihn zuende gelesen, und es war auch kein schlechtes Buch, aber einiges hat mich ganz gewaltig gestört. Die Heldin ist nämlich das bedauernswerteste Geschöpf der Welt. Am Anfang des Buches wird sie in einer kompromittierenden Situtation entdeckt, die noch nicht mal ihre Schuld ist, und von da an denkt jeder, daß sie die größte Schlampe der Welt ist. Sogar ihre Familie, die es ja eigentlich besser wissen sollte! Diese kompromittierende Situation fand auf einer Party der oberen Zehntausend in London statt, und das kuriose daran ist, daß offensichtlich jeder, ja wirklich jeder britische Staatsbürger bis hin zum letzten Soldaten im britisch besetzten Indien, von Georgianas Schande weiß - selbst viele Jahre später noch. Von so einer Publicity kann der Wendler nur träumen. Vielleicht sollte er sich mal in London auf einem Ball von einem Mitglied des Landadels abknutschen lassen.
Kimberly Kincaid: Gimme Some Sugar
Großstadtköchin verliebt sich in Kleinstadthandwerker mit OMG SCHLIMMER KINDHEIT. Joa. Ok. Kann man lesen, ist auch ganz unterhaltsam.
Kimberly Kincaid: Turn Up the Heat
Na dieses Buch war ja nun wirklich ne Vollkatastrophe. Der Held ist solch ein Depp. Er kann nicht mit der Heldin zusammensein, weil sie in der gleichen Stadt wie sein Vater lebt, und weil er mit seinem Vater Zoff hat. Ooookay. Das wäre vielleicht verständlich, wenn das eine "Stadt" mit 250 Einwohnern wäre, von denen 247 gelangweilte Rentner sind, die ständig die Nase in die Angelegenheiten ihrer Mitmenschen stecken. Tatsächlich geht es aber um Philadelphia.Und ich würde mal mutmaßen, daß man sich in einer Stadt mit über 1,5 Mio. Einwohnern ganz gut aus dem Weg gehen kann.
Laabs Kowalski: So zärtlich war das Ruhrgebiet
Da erzählt jemand haarsträubende Geschichten aus seiner Kindheit in Dortmund in den 70er und 80er Jahren. Interessant für mich, weil ich viele der erwähnten Orte kenne. Aber lest das Buch nicht euren Wellensittichen vor, ok?
Rose Lerner: In For a Penny
Meine Begeisterung über Rose Lerners Buch Sweet Disorder habe ich hier ja schon ausgiebig Ausdruck verliehen. In For a Penny ist ein etwas älteres Buch von ihr, und fast genauso toll.
Rose Lerner: A Lily Among Thorns
Die Heldin ist ein bißchen allzu unnahbar, aber der Held - seufz. Was für ein Traummann. (Wirklich. Lest es).
Rose Lerner: True Pretenses. Wie immer bei Rose Lerner supergut geschrieben, aber leider seeeeeeeeehr traurig. Ich schreibe noch was dazu.
Ava Lore: Hard Rock Arrangement
Der Held ist ein Rockstar und die Heldin ist eine Putzteufelin. Wirklich, sie putzt immer, wenn sie gestreßt, ärgerlich oder ängstlich ist. Die könnte gerne bei mir einziehen, dann wär die Wohnung immer schön sauber, wenn ich nach Hause komme. Das Kiffen müßte sie aber aufgeben.
Ava Lore: Hard Rock Improv
Die Fortsetzung der Fortsetzung von Hard Rock Arrangement. Die Heldin ist die Schwester der Heldin aus dem ersten Buch. Leider ist sie unfaßbar dumm. Der Held ist auch ein ziemlicher Schwachmat.
Ava Lore: Hard Rock Remix
In der Reihenfolge dieser Ava Lore-Bücher gehört dieses hier zwischen Hard Rock Arrangement und Hard Rock Improv. Ziemlich schräge Geschichte. Sektenflüchtling trifft Säufer.
Ava Lore: Record, Rewind
Eine Kurzgeschichte, aber ich kann mich an die Handlung nicht so richtig erinnern. Jedenfalls werden Held und Heldin bei eisiger Kälte beim Rauchen auf dem Dach eines New Yorker Hotels ausgesperrt.
Stuart MacBride: The 45 % Hangover
Eine Logan McRae Kurzgeschichte, die zum Zeitpunkt der Abstimmung spielt, als die Schotten gewählt haben, ob sie weiterhin zum UK gehören wollten.
Stuart MacBride: Blind Eye
Ich habe die Logan McRae-Krimis von Stuart MacBride inzwischen alle mit großer Begeisterung gelesen, weil sie spannend, sehr, sehr finster, und teilweise eben auch sehr witzig sind. Blind Eye gehört in die Kategorie ultrakraß. Ein Verbrecher sticht seinen Opfern die Augen aus.
Stuart MacBride: Broken Skin
Uiuiui, dieser hier ist auch ganz schön schlimm. Es geht um Vergewaltigung, Mord und sexuelle Perversionen.
Stuart MacBride: Close to the Bone
Noch ein kurioser Fall aus der Logan McRae-Krimireihe. Logan wurde inzwischen mit Hilfe einer Gesprächstherapie mehr oder weniger von seinem Dasein als Vegetarier geheilt, bekommt es aber mit einem irren Teenager-Mädchen zu tun, das sich einbildet, eine Romanfigur zu sein.
Stuart MacBride: Cold Granite
Das erste Buch aus der Krimireihe. Logan McRae hilft bei der Aufklärung einer Serie von Kindermorden und versucht, es sowohl seinem Süßigkeiten vernichtenden Chef und seiner kettenrauchenden, fluchenden Chefin rechtzumachen. Dazwischen werden eine Menge fettiger Schinkenbütterchen vertilgt.
Stuart MacBride: Dark Blood
In diesem Buch wird mal wieder unter sehr widrigen Witterungsverhältnissen gegen das organisierte Verbrechen gekämpft.
Stuart MacBride: Dying Light
Ein Krimi, in dem es (unter anderem) um Morde an Prostituierten geht. Letzten Endes ist es dann aber doch etwas völlig anderes.
Stuart MacBride: Flesh House
Das hier war nun definitiv das grauenhafteste, gruseligste und finsterste Buch aus der Logan McRae Reihe. Nix für schwache Nerven.
Stuart MacBride: Partners in Crime
Eine Kurzgeschichte, ein bißchen lustig, aber eher nur so mittelspannend.
Stuart MacBride: Shatter the Bones
Noch ein Buch aus der Logan McRae-Reihe. Eine Casting-Show Teilnehmerin wurde entführt.
Erin McCarthy: Perfect
Eine Kurzgeschichte über eine junge Frau, die durch einen peinlichen Facebook-Zwischenfall ihre große Liebe findet. War ganz okay.
Cara McKenna: Lay it Down
Ein Liebesroman mit einem Hauch von Suspense. Die Heldin ist Fotografin und der Held, wenn ich mich richtig erinnere, ein motorradfahrender Steinbrucharbeiter. Irgendwer in dem Buch - ich glaube der Bruder des Helden? - wird verletzt und läßt sich von einem Bekannten unter zweifelhaften hygienischen Umständen in einem Wohnwagen verarzten, weil er AUS GRÜNDEN nicht ins Krankenhaus will. Na ja, vielleicht hat er keine Krankenversicherung. Das Buch war gar nicht so schlecht.
Courtney Milan: Talk Sweetly to Me
Eine Kurzgeschichte über eine junge Frau, die Astronomin werden will. War ganz süß.
Lotte Minck: An der Mordseeküste
Eine Ruhrgebiets-Krimikomödie, die allerdings an der Nordsee spielt, wo alle Leute fremdartige Vornamen haben und Tee trinken.
Lotte Minck: Einer gibt den Löffel ab
Noch eine Ruhrgebietskrimikomödie mit der Heldin Loretta Luchs. Hintergrund der Handlung sind die Aufnahmen für eine Fernsehsendung in der Art von "Das perfekte Dinner".
Lotte Minck: Radieschen von unten
Das erste Loretta Luchs-Buch könnte genausogut unter dem Motto "Mord im Schrebergarten" stehen. Da tun sich Abgründe auf.
Sarah Morgan: Maybe This Christmas
Das, was man in Amerika so als Small Town Romance bezeichnet. Held und Heldin sind 'n bißchen verpeilt, aber ganz nett, und es kommen zu viele Hunde in dem Buch vor. Aber eine Sache hat mich doch recht betroffen gemacht. Held und Heldin sind seit ihrer Kindheit miteinander befreundet, so daß die Heldin für die Familie des Helden quasi ein Familienmitglied ist. Als sich herausstellt, daß die beiden scharf aufeinander sind, haben sie berechtigterweise Bedenken, daß ihre Freundschaft vorbeisein wird, wenn es mit der Liebe nicht klappt. Kurioserweise versucht aber jeder ihrer Verwandten und Bekannten, mit Ausnahme der Eltern der Heldin - JEDER!! - sie miteinander ins Bett zu schubsen!
Sarah Morgan: Sleigh Bells in the Snow. Dazu habe ich ja schon alles gesagt.
Sarah Morgan: Suddenly Last Summer. Das mit Sicherheit dämlichste Buch aus dieser Serie. Die Heldin ist eine französische Köchin, die mit großer Sorgfalt alle Klischees erfüllt, die es über französische Köche gibt. Außerdem gibt sie ständig überflüssige Weisheiten von sich, als wäre sie ein wandelnder Abreißkalender. So Sachen wie: "Es ist immer eine schwierige Zeit, wenn ein geliebter Mensch verstorben ist". Echt jetzt?
Lisa Clark O'Neill: Mr. Write. Auch eine Small Town Romance (wie soll man das am besten übersetzen? Vielleicht mit Kaff-Romanze?) Aber diese hier hat mir richtig, richtig gut gefallen. Sympathische Charaktere und eine spannende Geschichte mit einem ziemlich ausgeprägten Krimi-Element. Und die Heldin hat eine Katze namens Useless und führt zusammen mit ihrer Freundin ein Büchergeschäft. Was will man mehr?
Lisa Clark O'Neill: Serendipity. Geht eher in Richtung Romantic Suspense und war ganz spannend, aber ehrlich, der Held geht mal so gar nicht. Der Typ hat die ganze Zeit nichts anderes im Sinn, als die Heldin zu verwöhnen und ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das hört sich ja erstmal ganz toll an, und ich bin die letzte, die in Büchern oder im wirklichen Leben auf diese Alpha-Helden abfährt, die immer die ganze Welt nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Aber Jordan, der Held aus Serendipity, erinnert mich die ganze Zeit an Smithers aus der Serie Die Simpsons.
Karen Ranney: The Witch of Clan Sinclair. Spielt in Edinburgh im frühen 19. Jahrhundert und hat mir eher so mittelgut gefallen. Die Heldin war ziemlich nervig. Sie setzt sich für Frauenrechte ein - Daumen hoch - ist aber mehr als nur ein bißchen dämlich.
Sherry Thomas: The Luckiest Lady in London. Aaah. Ich sollte mehr Sherry Thomas Bücher lesen. Sie schreibt wirklich gut. Die Heldin aus The Luckiest Lady in London mag ich wirklich, sie ist kein schüchternes Mauerblümchen, sondern eine Frau, die sich holt, was sie will. Ich war allerdings ein bißchen verdutzt wegen ihrer Dauergeilheit. Na ja, die einen mögen's so, die anderen so! Der Held ist da schon eher eine Standardausgabe und leidet am Ich-muß-wegen-meiner-schlimmen-Kindheit-ein-Arschloch-sein-Syndrom. Aber was soll's. Einem so gut geschriebenen Buch kann man fast alles verzeihen!
Sarah Wendell: Lighting the Flames. Also, das war schon mal was anderes. Es spielt im Dezember in einem Winter-Ferienkamp nur für Juden, während der Chanukka-Zeit (mußte ich auch googeln, so hab ich wenigstens was gelernt). Die Handlung des Buches selbst - zwei junge Camp-Mitarbeiter, die seit vielen Jahren befreundet sind, entdecken ihre Liebe - ist leider ungefähr so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.
Chuck Wendig: Double Dead. Haha, das war mal so richtig abgefahren. Vampir beschützt menschliche Familie vor Zombies, damit er immer was zu Trinken hat. Super!
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Sonntag, 8. März 2015
Freitag, 2. Januar 2015
2014 - der Leserückblick
Dank meiner Neuerwerbung, dem Kindle, weiß ich jetzt nicht nur, daß ich 2014 wahnsinnig viel gelesen habe, sondern auch, welche Bücher das waren! Und ich muß schon sagen, es war ganz schön viel Schrott dabei. Holla die Waldfee. Ich glaube, meine Pläne, die inoffizielle Nachfolgerin von Herrn Reich-Ranicki zu werden, kann ich endgültig in die Tonne treten. Na ja, natürlich habe ich nicht an jedem schrottigen Buch Spaß gehabt, und manche habe ich gar nicht zuende gelesen. Aber vieles war eben auch nicht schrottig, und auch ein schlechtes Buch kann sehr vergnüglich sein. Kommen wir zur Sache und fangen mit Büchern von Autoren mit dem Anfangsbuchstaben A - G an:
Bailey, Tessa: Asking for Trouble
Reiche Heldin und bürgerlicher Held, der sie anfangs ständig für die Tatsache, daß sie - wie man hier im Ruhrgebiet sagt - Schotter anne Füße hat, verspottet. Kein Meisterwerk der romantischen Literatur, aber ganz spaßig.
Bailey, Tessa: Baiting the Maid of Honor
Tja, das war das Buch, das dazu geführt hat, daß ich keine weiteren Tessa Bailey-Bücher mehr lese. Der Held ist ein Psychopath. Im Epilog bringt bringt er die Sachen der Heldin aus ihrer Wohnung in seine, während sie auf der Arbeit ist, weil er findet, daß sie bei ihm wohnen sollte. Wäre dieses Buch aus Papier gewesen, hätte ich es verbrannt.
Bailey, Tessa: Officer off Limits
Das habe ich natürlich vor Baiting the Maid of Honor gelesen. Die Heldin heißt Story mit Vornamen (wtf?) und irgendwie kommt am Ende des Buchs raus, daß ihr Vater ein bißchen intrigiert hat, damit sie und der Held zusammenkommen. Wenn man bedenkt, daß der Held einer von diesen "ich vögel alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist"-Typen ist, ist das ziemlich seltsam.
Samanthe Beck: Light Her Fire
Na ja. Das Buch war ganz ok. Er ist Feuerwehrmann, sie ist Arzthelferin, sie streiten sich ein bißchen darüber, wo sie wohnen sollen.
Stephen Blackmoore: Broken Souls
Das ist die Fortsetzung von Dead Things und auch wieder sehr, sehr cool. Ich lese ja eher selten Fantasy, aber das hier war wirklich sehr abgefahren.
Stephen Blackmoore: City of the Lost
Spielt in der gleichen Welt wie Broken Souls und Dead Things, aber mit einem anderen Nicht-Helden. Joe Sunday ist ein Verbrecher, der wirklich eklige Dinge tut und zu einem Zwischending aus Superheld und Zombie wird. Sehr, sehr krass, und ich hoffe, daß Stephen Blackmoore davon auch mal eine Fortsetzung schreibt.
Sharon Bolton: Now You See Me
Englischer Krimi mit einer Heldin, die eine sehr finstere Vergangenheit hat. Es war ganz spannend, aber ich fand Lacey einfach unsympathisch. Über eine durch einen Unfall verunstaltete Frau denkt sie beispielsweise: "My life wasn't much to write home about, but it would be a whole lot worse if I looked like she did."
Patricia Briggs: Silver Borne
Das 5. Mercy Thompson Buch. Wie immer spannend und gut geschrieben.
Buchwitz & Stanze: Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin
Noch ein Buch mit einer unsympathischen Heldin. Diese hier arbeitet im Callcenter einer Bank und verbringt ne Menge Zeit damit, zu saufen, zu rauchen und ihrer Familie aus dem Weg zu gehen. Aber das Happy End ist bezaubernd.
Monica Burns: Assasin's Honor
Das Buch konnte ich einfach nicht zuende lesen. Ich kam aber immerhin bis Seite 161, bevor mir die Heldin zu sehr auf den Keks ging. Diese Idiotin wird zu ihrem Schutz, aber gegen ihren Willen, vom Helden mit zum streng geheimen Geheim-Hauptquartier von dessen streng geheimer Geheimorganisation genommen, wo sie sich dann fortwährend für ihre Anwesenheit entschuldigt.
Grace Burrowes: Gareth
Ein Regency-Roman mit einem verdammt abgefahrenen Plot. Die Heldin hat von einer (angeblich wohlmeinenden) Verwandten ein Bordell geerbt, aber nur unter der Bedingung, daß sie da auch arbeitet. Der Held soll laut Testament als eine Kreuzung aus Aushilfsstecher und Unternehmensberater für Rotlichtbetriebe fungieren. Völlig bescheuerte Handlung und dämliche Hauptfiguren, aber sehr spannend und rührend geschrieben. An manchen Stellen habe ich Rotz und Wasser geheult.
Grace Burrowes: The Laird
Nie mehr Grace Burrowes.
Grace Burrowes: The Traitor
Wer dieses Buch kennt, weiß, wie sehr einem passiv-aggressive Verhaltensweisen selbst bei Romanfiguren auf den Keks gehen können. Aber auch wieder sehr, sehr rührend.
Isobel Carr: Ripe for Scandal
Der Held ist der beste Kumpel vom Bruder der Heldin. Und wer solche Freunde hat, braucht echt keine Feinde mehr. Wobei man jetzt aber auch sagen muß, daß der Held nicht gerade die hellste Kerze im Kronleuchter ist.
Isobel Carr: Ripe for Seduction
Jerry Springer Show goes Georgianisches Zeitalter in England. Der Held ist ein Fummler, der seine Finger nicht bei sich behalten kann, aber am Ende des Buchs lieben sich alle und die Schwester des Helden heiratet den Vater der Heldin. Take that, Jerry Springer.
Jane Casey: The Kill
Der neueste Maeve Kerrigan-Krimi. Wie immer sehr spannend, aber für meinen Geschmack zu sehr auf die Beziehung zwischen Maeve und Josh Derwent, ihrem Vorgesetzten, fixiert. Also, Derwent ist schon ein sehr interessanter Charakter, weil er eben nicht nur ein Arschloch ist. Aber es war diesmal ein bißchen zuviel des Guten.
Jane Casey: Left for Dead
Eine Maeve Kerrigan-Kurzgeschichte. War ganz unterhaltsam.
Jane Casey: The Stranger You Know
Der 4. Maeve Kerrigan-Krimi, also Vorgänger von The Kill. Wie immer superspanned, aber auch schon sehr Derwent-lastig.
Pamela Clare:Striking Distance
Typischer amerikanischer Romantic Suspense mit heldenhaftem Helden und wunderschöner Heldin. Aber gut geschrieben, und weitestgehend ohne dieses "oh, ich kann NIENIENIE eine Beziehung haben, weil meine Mama meinen Papa betrogen hat"-Gequengel. Daumen hoch! (Daß der Held sich untenrum rasiert, hätte ich allerdings nicht unbedingt wissen müssen).
Lisa Clark O'Neill
Die perfekte Mischung aus Liebesroman und Krimi, mit liebenswerten Protagonisten und Nebenfiguren, jedoch ohne Überzuckerung und Zahnschmerzgefahr. Hat mir sehr gut gefallen!
Victoria Dahl:Lead Me On
Boah, was habe ich diese Romanheldin gehaßt. Der Held ist einer der nettesten Romanhelden, über die ich je gelesen habe, und er hat einen supercoolen Beruf. Aber die Heldin ist eine zickige, oberflächliche blöde Kuh, der ich nichts als Fußpilz und Zahnfäule wünsche.
Tami Dane: Blood of Eden
Mittelprächtiger Paranormal. Kann man lesen, muß man aber nicht.
Tessa Dare: Romancing the Duke
Oh, dieses Buch habe ich geliebt! Es hat eine goldige Heldin mit Herz und Verstand und einen Helden, der die allerbesten Sprüche drauf hat. Wobei ich allerdings immer noch nicht verstehe, warum ein englischer Herzog Lösegeld mit Vornamen heißt. Trotzdem, ein großartiges Buch.
Richard Dübell: Allerheiligen
Ein Krimi, der in Landshut spielt. Ganz spanned geschrieben und hat mich gut unterhalten.
Richard Dübell: Himmelfahrt
Die Fortsetzung von Allerheiligen. Auch kein schlechtes Buch, allerdings ist die Angebetete des Protagonisten nervend zickig. Sowas braucht echt keiner in seinem Leben.
Rita Falk: Dampfnudel-Blues.
Ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Sehr witzig.
Rita Falk: Grießnockerl-Affäre
Genau: auch wieder ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Rita Falks Krimiheld, Franz Eberhofer, ist ein ziemliches Arschloch. Aber die Bücher sind einfach lustig.
Rita Falk: Sauerkrautkoma
siehe Oben...
Rita Falk: Schweinskopf Al Dente
Ihr wißt schon...
Rita Falk: Winterkartoffelknödel
Den Film zum Buch habe ich im Kino gesehen, ohne das Buch bzw. die Buchreihe vorher zu kennen. Ich hätt mich vor Lachen wegschmeißen können. Danach habe ich mir dann das Buch bestellt. Joa. Lustige Buchreihe.
Leighton Gage: Every Bitter Thing
Der vierte Mario Silva Krimi von Leighton Gage. Die Mario Silva-Bücher spielen in Brasilien und sind zwar nicht humorfrei, aber wegen der krassen Gewaltbeschreibungen und den schlimmen Schicksalen der meisten Haupt- und Nebenfiguren das Gegenteil von lustig. Dafür aber wahnsinnig spannend und auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen (Originaltitel: Well-Schooled in Murder)
Ein Inspektor Linley-Krimi aus 1990. War recht spannend und spielte größtenteils in einem Internat. Eine Kreuzung aus Hanni und Nanni und einem Horrorfilm. Wobei ich mich daran erinnere, daß ich als Kind einige Stellen aus Hanni und Nanni auch sehr bizarr fand. Zum Beispiel, wie sie für ältere Mitschülerinnen Feuer machen und Schuhe putzen mußten. Oder bilde ich mir das nur ein??
Bailey, Tessa: Asking for Trouble
Reiche Heldin und bürgerlicher Held, der sie anfangs ständig für die Tatsache, daß sie - wie man hier im Ruhrgebiet sagt - Schotter anne Füße hat, verspottet. Kein Meisterwerk der romantischen Literatur, aber ganz spaßig.
Bailey, Tessa: Baiting the Maid of Honor
Tja, das war das Buch, das dazu geführt hat, daß ich keine weiteren Tessa Bailey-Bücher mehr lese. Der Held ist ein Psychopath. Im Epilog bringt bringt er die Sachen der Heldin aus ihrer Wohnung in seine, während sie auf der Arbeit ist, weil er findet, daß sie bei ihm wohnen sollte. Wäre dieses Buch aus Papier gewesen, hätte ich es verbrannt.
Bailey, Tessa: Officer off Limits
Das habe ich natürlich vor Baiting the Maid of Honor gelesen. Die Heldin heißt Story mit Vornamen (wtf?) und irgendwie kommt am Ende des Buchs raus, daß ihr Vater ein bißchen intrigiert hat, damit sie und der Held zusammenkommen. Wenn man bedenkt, daß der Held einer von diesen "ich vögel alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist"-Typen ist, ist das ziemlich seltsam.
Samanthe Beck: Light Her Fire
Na ja. Das Buch war ganz ok. Er ist Feuerwehrmann, sie ist Arzthelferin, sie streiten sich ein bißchen darüber, wo sie wohnen sollen.
Stephen Blackmoore: Broken Souls
Das ist die Fortsetzung von Dead Things und auch wieder sehr, sehr cool. Ich lese ja eher selten Fantasy, aber das hier war wirklich sehr abgefahren.
Stephen Blackmoore: City of the Lost
Spielt in der gleichen Welt wie Broken Souls und Dead Things, aber mit einem anderen Nicht-Helden. Joe Sunday ist ein Verbrecher, der wirklich eklige Dinge tut und zu einem Zwischending aus Superheld und Zombie wird. Sehr, sehr krass, und ich hoffe, daß Stephen Blackmoore davon auch mal eine Fortsetzung schreibt.
Sharon Bolton: Now You See Me
Englischer Krimi mit einer Heldin, die eine sehr finstere Vergangenheit hat. Es war ganz spannend, aber ich fand Lacey einfach unsympathisch. Über eine durch einen Unfall verunstaltete Frau denkt sie beispielsweise: "My life wasn't much to write home about, but it would be a whole lot worse if I looked like she did."
Patricia Briggs: Silver Borne
Das 5. Mercy Thompson Buch. Wie immer spannend und gut geschrieben.
Buchwitz & Stanze: Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin
Noch ein Buch mit einer unsympathischen Heldin. Diese hier arbeitet im Callcenter einer Bank und verbringt ne Menge Zeit damit, zu saufen, zu rauchen und ihrer Familie aus dem Weg zu gehen. Aber das Happy End ist bezaubernd.
Monica Burns: Assasin's Honor
Das Buch konnte ich einfach nicht zuende lesen. Ich kam aber immerhin bis Seite 161, bevor mir die Heldin zu sehr auf den Keks ging. Diese Idiotin wird zu ihrem Schutz, aber gegen ihren Willen, vom Helden mit zum streng geheimen Geheim-Hauptquartier von dessen streng geheimer Geheimorganisation genommen, wo sie sich dann fortwährend für ihre Anwesenheit entschuldigt.
Grace Burrowes: Gareth
Ein Regency-Roman mit einem verdammt abgefahrenen Plot. Die Heldin hat von einer (angeblich wohlmeinenden) Verwandten ein Bordell geerbt, aber nur unter der Bedingung, daß sie da auch arbeitet. Der Held soll laut Testament als eine Kreuzung aus Aushilfsstecher und Unternehmensberater für Rotlichtbetriebe fungieren. Völlig bescheuerte Handlung und dämliche Hauptfiguren, aber sehr spannend und rührend geschrieben. An manchen Stellen habe ich Rotz und Wasser geheult.
Grace Burrowes: The Laird
Nie mehr Grace Burrowes.
Grace Burrowes: The Traitor
Wer dieses Buch kennt, weiß, wie sehr einem passiv-aggressive Verhaltensweisen selbst bei Romanfiguren auf den Keks gehen können. Aber auch wieder sehr, sehr rührend.
Isobel Carr: Ripe for Scandal
Der Held ist der beste Kumpel vom Bruder der Heldin. Und wer solche Freunde hat, braucht echt keine Feinde mehr. Wobei man jetzt aber auch sagen muß, daß der Held nicht gerade die hellste Kerze im Kronleuchter ist.
Isobel Carr: Ripe for Seduction
Jerry Springer Show goes Georgianisches Zeitalter in England. Der Held ist ein Fummler, der seine Finger nicht bei sich behalten kann, aber am Ende des Buchs lieben sich alle und die Schwester des Helden heiratet den Vater der Heldin. Take that, Jerry Springer.
Jane Casey: The Kill
Der neueste Maeve Kerrigan-Krimi. Wie immer sehr spannend, aber für meinen Geschmack zu sehr auf die Beziehung zwischen Maeve und Josh Derwent, ihrem Vorgesetzten, fixiert. Also, Derwent ist schon ein sehr interessanter Charakter, weil er eben nicht nur ein Arschloch ist. Aber es war diesmal ein bißchen zuviel des Guten.
Jane Casey: Left for Dead
Eine Maeve Kerrigan-Kurzgeschichte. War ganz unterhaltsam.
Jane Casey: The Stranger You Know
Der 4. Maeve Kerrigan-Krimi, also Vorgänger von The Kill. Wie immer superspanned, aber auch schon sehr Derwent-lastig.
Pamela Clare:Striking Distance
Typischer amerikanischer Romantic Suspense mit heldenhaftem Helden und wunderschöner Heldin. Aber gut geschrieben, und weitestgehend ohne dieses "oh, ich kann NIENIENIE eine Beziehung haben, weil meine Mama meinen Papa betrogen hat"-Gequengel. Daumen hoch! (Daß der Held sich untenrum rasiert, hätte ich allerdings nicht unbedingt wissen müssen).
Lisa Clark O'Neill
Die perfekte Mischung aus Liebesroman und Krimi, mit liebenswerten Protagonisten und Nebenfiguren, jedoch ohne Überzuckerung und Zahnschmerzgefahr. Hat mir sehr gut gefallen!
Victoria Dahl:Lead Me On
Boah, was habe ich diese Romanheldin gehaßt. Der Held ist einer der nettesten Romanhelden, über die ich je gelesen habe, und er hat einen supercoolen Beruf. Aber die Heldin ist eine zickige, oberflächliche blöde Kuh, der ich nichts als Fußpilz und Zahnfäule wünsche.
Tami Dane: Blood of Eden
Mittelprächtiger Paranormal. Kann man lesen, muß man aber nicht.
Tessa Dare: Romancing the Duke
Oh, dieses Buch habe ich geliebt! Es hat eine goldige Heldin mit Herz und Verstand und einen Helden, der die allerbesten Sprüche drauf hat. Wobei ich allerdings immer noch nicht verstehe, warum ein englischer Herzog Lösegeld mit Vornamen heißt. Trotzdem, ein großartiges Buch.
Richard Dübell: Allerheiligen
Ein Krimi, der in Landshut spielt. Ganz spanned geschrieben und hat mich gut unterhalten.
Richard Dübell: Himmelfahrt
Die Fortsetzung von Allerheiligen. Auch kein schlechtes Buch, allerdings ist die Angebetete des Protagonisten nervend zickig. Sowas braucht echt keiner in seinem Leben.
Rita Falk: Dampfnudel-Blues.
Ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Sehr witzig.
Rita Falk: Grießnockerl-Affäre
Genau: auch wieder ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Rita Falks Krimiheld, Franz Eberhofer, ist ein ziemliches Arschloch. Aber die Bücher sind einfach lustig.
Rita Falk: Sauerkrautkoma
siehe Oben...
Rita Falk: Schweinskopf Al Dente
Ihr wißt schon...
Rita Falk: Winterkartoffelknödel
Den Film zum Buch habe ich im Kino gesehen, ohne das Buch bzw. die Buchreihe vorher zu kennen. Ich hätt mich vor Lachen wegschmeißen können. Danach habe ich mir dann das Buch bestellt. Joa. Lustige Buchreihe.
Leighton Gage: Every Bitter Thing
Der vierte Mario Silva Krimi von Leighton Gage. Die Mario Silva-Bücher spielen in Brasilien und sind zwar nicht humorfrei, aber wegen der krassen Gewaltbeschreibungen und den schlimmen Schicksalen der meisten Haupt- und Nebenfiguren das Gegenteil von lustig. Dafür aber wahnsinnig spannend und auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen (Originaltitel: Well-Schooled in Murder)
Ein Inspektor Linley-Krimi aus 1990. War recht spannend und spielte größtenteils in einem Internat. Eine Kreuzung aus Hanni und Nanni und einem Horrorfilm. Wobei ich mich daran erinnere, daß ich als Kind einige Stellen aus Hanni und Nanni auch sehr bizarr fand. Zum Beispiel, wie sie für ältere Mitschülerinnen Feuer machen und Schuhe putzen mußten. Oder bilde ich mir das nur ein??
Samstag, 26. Juli 2014
Rose Lerner: Sweet Disorder
Phoebe Sparks ist die junge Witwe eines Zeitungsverlegers und lebt in einer Kleinstadt namens Lively St. Lemeston in England im Jahr 1812. Bis auf ihren permanenten Geldmangel ist sie mit ihrem Leben zufrieden, denn sie hat eine jüngere Schwester, die sie liebt, versteht sich blendend mit ihrem Schwager und einer Menge anderer netter Menschen in dem Ort, und kann weitestgehend machen, was sie will. Ihr Leben wird leider dadurch komplizert, daß in England Parlamentswahlen bevorstehen. Hier wird es kompliziert. Offenbar ist es so, daß für Lively St. Lemeston nur ein Abgeordneter ins Parlament einziehen kann, und daß nicht jeder Einwohner an der Wahl teilnehmen darf, so daß jede Stimme heiß umkämpft wird. Phoebe darf als Frau nicht wählen, aber sie hat von ihrem Vater eine Stimme geerbt, mit der ihr neuer Mann wählen dürfte, wenn sie denn vor der Wahl noch heiraten würde. Hier kommt Nick Dymond ins Spiel. Nick ist der jüngere Sohn einer reichen Adelsfamilie, und insbesondere seine Mutter hat große politische Ambitionen. Nicks älterer Bruder soll unbedingt der Parlamentsabgeordnete werden, und deshalb soll Nick Phoebe überreden, ein Parteimitglied zu heiraten, das dann natürlich für Nicks Bruder stimmen würde.
Soweit der komplizierte Handlungshintergrund, den ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich verstanden habe. Das liegt hauptsächlich daran, daß ich keine Ahnung vom politischen System in England im 19. Jahrhundert habe. Sie hatten einen König, und sie hatten ein Oberhaus, in dem Vertreter des Hochadels saßen, und ein Unterhaus, in dem wohl die Normalbürger vertreten waren - aber alles andere ist mir weitestgehend schleierhaft. Warum besitzt Nicks Mutter so einen großen politischen Ehrgeiz, obwohl sie selbst als Frau weder das aktive noch das passive Wahlrecht hat, und hat die Familie - Nicks Vater ist ein Graf - nicht sowieso einen Sitz im Oberhaus, für den man nicht gewählt werden muß?
Aber egal. Man muß das alles nicht genau verstehen, um das Buch wundervoll zu finden. Und es ist wundervoll. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, und es war das beste Buch, das ich bisher in 2014 gelesen habe.
Ich liebe es, wie Rose Lerner Phoebe und Nick und alle Nebenfiguren als Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, Macken und kleinen Ticks lebendig werden läßt. Phoebe mag ich ganz besonders. Ich sage das wirklich selten über eine Romanheldin, aber wenn Phoebe ein echter Mensch wäre, würde ich ihre Freundin sein wollen.
Phoebe kann nämlich recht spitzzüngig sein, sie hat Humor und eine sehr direkte Art im Umgang mit anderen Menschen. Und sie hat ein gesundes Selbstbewußtsein; sie läßt sich von niemandem einfach so herumscheuchen. Phoebe drückt ihren Mitmenschen gerne mal einen Spruch, genießt es, alleine zu leben, und läßt Hausarbeit gerne mal Hausarbeit sein, was ihr aber manchmal ein bißchen peinlich ist, wenn sie Besuch bekommt. Sie schläft gerne lang und kommt öfter mal ein bißchen zu spät zu Verabredungen.
Sie würde auch ohne weiteres Überlegen alle Parteimitglieder in die Flucht schlagen, die von ihr wollen, daß sie innerhalb der nächsten beiden Wochen noch heiratet, wäre da nicht ihre 16jährige Schwester Helen. Helen ist schwanger und will nicht sagen, wer der Vater des Babys ist. Phoebes und Helens Mutter ist eine verbitterte alte Hexe, und so ist von ihr keine Hilfe zu erwarten. Um Helen eine Reise in einen weit entfernten Ort und die Suche nach einer liebevollen Pflegefamilie für ihr Baby zu ermöglichen, braucht Phoebe Geld, und das bekommt sie nur, wenn sie eben doch heiratet.
Nick dagegen ist mit einer schweren Verletzung aus dem Krieg zurückgekommen und kann sich mit dem bürgerlichen Leben und seiner Behinderung (er hat ein lahmes Bein und dadurch schlimme Schmerzen) nur sehr schwer abfinden. Den Auftrag seiner Mutter, Phoebe mit einem Parteimitglied zu verheiraten, nimmt er nur sehr widerwillig an, nachdem seine Mutter ihm droht, seinen Unterhalt nicht mehr zu bezahlen. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist. Nick hat als Abkömmling einer Adelsfamilie einfach nichts gelernt, womit man Geld verdienen kann, und da er nun nicht mehr Offizier sein kann, weiß er noch nicht, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen soll.
Aber ich sage es gleich ganz direkt: wer ein Buch mit einem Alphahelden sucht, der die ganze Welt nach seiner Pfeife tanzen läßt, ist hier an der völlig falschen Adresse. Nick ist ein liebenswürdiger Mensch mit einem ganzen Schwung von Problemen, aber er redet zumindest darüber. Es gibt keine tiefen dunklen Geheimnisse, um die er ein Riesentheater macht, und die sich schließlich als völlige Nullnummer herausstellen. Er jammert auch nicht die ganze Zeit, sondern geht sehr auf seine Mitmenschen ein. Nick ist wunderbar un-arrogant und un-borniert.
Phoebe willigt ein, die beiden Heiratskandidaten der Partei von Nicks Familie kennenzulernen. Einer davon ist übrigens ein Konditor, der versucht, die perfekte Süßigkeit für Phoebe herzustellen. Leider mag diese gar keine Süßigkeiten (seltsam, aber wahr). Erfolgversprechend ist schließlich nur das eigens für sie erfundene - Schinkenspeckeis! Wahnsinn.
Während dieser Zeit lernen Phoebe und Nick sich immer besser kennen und verlieben sich ineinander. Durch die Bekanntschaft mit Phoebe kommt Nick besser mit seinem neuen Leben klar, obwohl beiden klar ist, daß ihre Zeit miteinander sehr begrenzt ist.
Natürlich gibt es ein Happy End, leider kurz vorher noch eine nahezu TSTL-Aktion von Phoebe, über die ich aber locker hinwegsehen kann, weil das Buch im ganzen so unfaßbar grandios ist. Sweet Disorder kommt ohne miesen, schleimigen Bösewicht aus, es gibt eben nette und weniger nette Charaktere. Und der Typ, der Helen geschwängert hat, ist einfach ein Schwächling und ein Idiot. Glücklicherweise gibt es für Helen (die ich sehr mag) auch ein Happy End, genauso wie für Mr. Moon, den Konditor, der das Speckeis erfunden hat.
Soweit der komplizierte Handlungshintergrund, den ich, ehrlich gesagt, nicht wirklich verstanden habe. Das liegt hauptsächlich daran, daß ich keine Ahnung vom politischen System in England im 19. Jahrhundert habe. Sie hatten einen König, und sie hatten ein Oberhaus, in dem Vertreter des Hochadels saßen, und ein Unterhaus, in dem wohl die Normalbürger vertreten waren - aber alles andere ist mir weitestgehend schleierhaft. Warum besitzt Nicks Mutter so einen großen politischen Ehrgeiz, obwohl sie selbst als Frau weder das aktive noch das passive Wahlrecht hat, und hat die Familie - Nicks Vater ist ein Graf - nicht sowieso einen Sitz im Oberhaus, für den man nicht gewählt werden muß?
Aber egal. Man muß das alles nicht genau verstehen, um das Buch wundervoll zu finden. Und es ist wundervoll. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen, und es war das beste Buch, das ich bisher in 2014 gelesen habe.
Ich liebe es, wie Rose Lerner Phoebe und Nick und alle Nebenfiguren als Menschen mit guten und schlechten Eigenschaften, Macken und kleinen Ticks lebendig werden läßt. Phoebe mag ich ganz besonders. Ich sage das wirklich selten über eine Romanheldin, aber wenn Phoebe ein echter Mensch wäre, würde ich ihre Freundin sein wollen.
Phoebe kann nämlich recht spitzzüngig sein, sie hat Humor und eine sehr direkte Art im Umgang mit anderen Menschen. Und sie hat ein gesundes Selbstbewußtsein; sie läßt sich von niemandem einfach so herumscheuchen. Phoebe drückt ihren Mitmenschen gerne mal einen Spruch, genießt es, alleine zu leben, und läßt Hausarbeit gerne mal Hausarbeit sein, was ihr aber manchmal ein bißchen peinlich ist, wenn sie Besuch bekommt. Sie schläft gerne lang und kommt öfter mal ein bißchen zu spät zu Verabredungen.
Sie würde auch ohne weiteres Überlegen alle Parteimitglieder in die Flucht schlagen, die von ihr wollen, daß sie innerhalb der nächsten beiden Wochen noch heiratet, wäre da nicht ihre 16jährige Schwester Helen. Helen ist schwanger und will nicht sagen, wer der Vater des Babys ist. Phoebes und Helens Mutter ist eine verbitterte alte Hexe, und so ist von ihr keine Hilfe zu erwarten. Um Helen eine Reise in einen weit entfernten Ort und die Suche nach einer liebevollen Pflegefamilie für ihr Baby zu ermöglichen, braucht Phoebe Geld, und das bekommt sie nur, wenn sie eben doch heiratet.
Nick dagegen ist mit einer schweren Verletzung aus dem Krieg zurückgekommen und kann sich mit dem bürgerlichen Leben und seiner Behinderung (er hat ein lahmes Bein und dadurch schlimme Schmerzen) nur sehr schwer abfinden. Den Auftrag seiner Mutter, Phoebe mit einem Parteimitglied zu verheiraten, nimmt er nur sehr widerwillig an, nachdem seine Mutter ihm droht, seinen Unterhalt nicht mehr zu bezahlen. Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist. Nick hat als Abkömmling einer Adelsfamilie einfach nichts gelernt, womit man Geld verdienen kann, und da er nun nicht mehr Offizier sein kann, weiß er noch nicht, was er mit dem Rest seines Lebens anfangen soll.
Aber ich sage es gleich ganz direkt: wer ein Buch mit einem Alphahelden sucht, der die ganze Welt nach seiner Pfeife tanzen läßt, ist hier an der völlig falschen Adresse. Nick ist ein liebenswürdiger Mensch mit einem ganzen Schwung von Problemen, aber er redet zumindest darüber. Es gibt keine tiefen dunklen Geheimnisse, um die er ein Riesentheater macht, und die sich schließlich als völlige Nullnummer herausstellen. Er jammert auch nicht die ganze Zeit, sondern geht sehr auf seine Mitmenschen ein. Nick ist wunderbar un-arrogant und un-borniert.
Phoebe willigt ein, die beiden Heiratskandidaten der Partei von Nicks Familie kennenzulernen. Einer davon ist übrigens ein Konditor, der versucht, die perfekte Süßigkeit für Phoebe herzustellen. Leider mag diese gar keine Süßigkeiten (seltsam, aber wahr). Erfolgversprechend ist schließlich nur das eigens für sie erfundene - Schinkenspeckeis! Wahnsinn.
Während dieser Zeit lernen Phoebe und Nick sich immer besser kennen und verlieben sich ineinander. Durch die Bekanntschaft mit Phoebe kommt Nick besser mit seinem neuen Leben klar, obwohl beiden klar ist, daß ihre Zeit miteinander sehr begrenzt ist.
Natürlich gibt es ein Happy End, leider kurz vorher noch eine nahezu TSTL-Aktion von Phoebe, über die ich aber locker hinwegsehen kann, weil das Buch im ganzen so unfaßbar grandios ist. Sweet Disorder kommt ohne miesen, schleimigen Bösewicht aus, es gibt eben nette und weniger nette Charaktere. Und der Typ, der Helen geschwängert hat, ist einfach ein Schwächling und ein Idiot. Glücklicherweise gibt es für Helen (die ich sehr mag) auch ein Happy End, genauso wie für Mr. Moon, den Konditor, der das Speckeis erfunden hat.
Donnerstag, 9. Januar 2014
Caroline Linden: Love and Other Scandals
Im London des Jahres 1822 ist Joan Bennet eine junge Dame aus guter Familie, die drauf und dran ist, sich in ihr Schicksal als Mauerblümchen zu fügen und sich damit abzufinden, daß alle außer ihrer Familie und ihren Freundinnen sie für eine unvorteilhaft gekleidete, ungeschickte Person mit der Figur einer Walküre halten. Ihre Zeit vertreibt sie sich mit Sticheleien gegen ihren Bruder und dem Lesen skandalöser Pamphlete, die sie heimlich mit ihren Freundinnen tauscht. Durch Zufall trifft sie Tristan Burke, einen Jugendfreund ihres Bruders, der - ich borge mir hier mal einen Ausdruck aus einem anderen Buch - als gefühlloser Frauenvernascher gilt. Und obwohl die beiden zunächst beschließen, daß sie keinen weiteren Kontakt haben sollten, treffen sie sich immer öfter und werden erst Freunde und dann Liebende...
Ja, das ist mal wieder ein Caroline Linden-Roman, den ich so richtig genossen habe. Es gibt wenig Action, wenig Drama und schon gar keine Intrigen, finsteren Geheimnisse oder einen Bösewicht. Es geht einfach um zwei junge Menschen, die sich verlieben. Für den einen oder anderen klingt das vielleicht langweilig, aber das ist es überhaupt nicht. Es ist einfach nur wundervoll und soooooo romantisch, daß ich das Buch am liebsten gleich noch mal lesen würde.
Was ich besonders bemerkenswert an dem Buch finde, ist, daß die Charaktere so normal sind. Joan hat eine Mutter, einen Vater und einen Bruder, die sie liebt und die sie lieben. Niemand versucht, Joan, sagen wir mal, an einen sadistischen Lustgreis zu verschachern.
Mir ist aber auch noch aufgefallen, daß Joan und ihre Zeitgenossen sich, soweit ich das beurteilen kann, tatsächlich weitestgehend wie Menschen des frühen 19. Jahrhunderts verhalten. Joan ist 24, aber sie unterliegt allen möglichen Zwängen, denen eine 24jährige der heutigen Zeit niemals unterwerfen würde. Sie ist in jeder Hinsicht von ihren Eltern abhängig. Sie darf nirgendwo alleine hingehen, und sie hat - bis auf etwas Taschengeld - keine eigenen finanziellen Mittel.
Dazu gehören auch die äußerst strengen Moralvorstellungen, die man dieser Zeit nachsagt und die es sicherlich auch so gegeben hat. Joan und Tristan treffen sich einige Male, und haben auch Gelegenheit, alleine miteinander zu sprechen, aber das ist immer schwer und nur mit Hinterlist zu bewerkstelligen. Ich erinnere mich an ein Buch - ich glaube, es war ein Gaelen Foley-Buch - in dem die Heldin nach einem leidenschaftlichen Treffen mit dem Helden mit einem falschherum zugeknöpften Kleid herumläuft und ihre 4 oder 5 Brüder dies bemerken und wohlwollend schmunzeln.
Das ist hier ganz anders. Gegen Ende des Buches haben Joan und Tristan eine heiße Begegnung auf einem Ball, oder genauer gesagt, in einem abgelegenen Zimmer des Hauses des Gastgebers. Da wissen und akzeptieren aber beide auch schon vor dem Akt, daß es Konsequenzen in Form einer sehr hastig geschlossenen Ehe geben wird, wenn jemand davon erfährt.
Und der Weg dahin ist wirklich bezaubernd beschrieben. Es gibt tolle Dialoge, denn sowohl Joan als auch Tristan und die meisten Nebenfigurgen können recht clever und spitzzüngig sein. Nach und nach sucht Tristan immer mehr Joans Nähe und denkt sich kleine Geschenke oder Ausflüge für sie aus, nur weil er denkt, daß sie daran Spaß haben wird. Es gibt keine Heucheleien, keine Intrigen und keine TSTL-Aktionen.
Love und Other Scandals ist einfach ein romantisches Wohlfühl-Buch, das ich jedem, der Historicals mag, wärmstens empfehlen kann.
Ja, das ist mal wieder ein Caroline Linden-Roman, den ich so richtig genossen habe. Es gibt wenig Action, wenig Drama und schon gar keine Intrigen, finsteren Geheimnisse oder einen Bösewicht. Es geht einfach um zwei junge Menschen, die sich verlieben. Für den einen oder anderen klingt das vielleicht langweilig, aber das ist es überhaupt nicht. Es ist einfach nur wundervoll und soooooo romantisch, daß ich das Buch am liebsten gleich noch mal lesen würde.
Was ich besonders bemerkenswert an dem Buch finde, ist, daß die Charaktere so normal sind. Joan hat eine Mutter, einen Vater und einen Bruder, die sie liebt und die sie lieben. Niemand versucht, Joan, sagen wir mal, an einen sadistischen Lustgreis zu verschachern.
Mir ist aber auch noch aufgefallen, daß Joan und ihre Zeitgenossen sich, soweit ich das beurteilen kann, tatsächlich weitestgehend wie Menschen des frühen 19. Jahrhunderts verhalten. Joan ist 24, aber sie unterliegt allen möglichen Zwängen, denen eine 24jährige der heutigen Zeit niemals unterwerfen würde. Sie ist in jeder Hinsicht von ihren Eltern abhängig. Sie darf nirgendwo alleine hingehen, und sie hat - bis auf etwas Taschengeld - keine eigenen finanziellen Mittel.
Dazu gehören auch die äußerst strengen Moralvorstellungen, die man dieser Zeit nachsagt und die es sicherlich auch so gegeben hat. Joan und Tristan treffen sich einige Male, und haben auch Gelegenheit, alleine miteinander zu sprechen, aber das ist immer schwer und nur mit Hinterlist zu bewerkstelligen. Ich erinnere mich an ein Buch - ich glaube, es war ein Gaelen Foley-Buch - in dem die Heldin nach einem leidenschaftlichen Treffen mit dem Helden mit einem falschherum zugeknöpften Kleid herumläuft und ihre 4 oder 5 Brüder dies bemerken und wohlwollend schmunzeln.
Das ist hier ganz anders. Gegen Ende des Buches haben Joan und Tristan eine heiße Begegnung auf einem Ball, oder genauer gesagt, in einem abgelegenen Zimmer des Hauses des Gastgebers. Da wissen und akzeptieren aber beide auch schon vor dem Akt, daß es Konsequenzen in Form einer sehr hastig geschlossenen Ehe geben wird, wenn jemand davon erfährt.
Und der Weg dahin ist wirklich bezaubernd beschrieben. Es gibt tolle Dialoge, denn sowohl Joan als auch Tristan und die meisten Nebenfigurgen können recht clever und spitzzüngig sein. Nach und nach sucht Tristan immer mehr Joans Nähe und denkt sich kleine Geschenke oder Ausflüge für sie aus, nur weil er denkt, daß sie daran Spaß haben wird. Es gibt keine Heucheleien, keine Intrigen und keine TSTL-Aktionen.
Love und Other Scandals ist einfach ein romantisches Wohlfühl-Buch, das ich jedem, der Historicals mag, wärmstens empfehlen kann.
Montag, 6. Mai 2013
Stephen Blackmore: Dead Things
Eric Carter ist ein Magier der Fachrichtung Totenbeschwörung (bißchen wie Anita Blake, nur cooler). Vor vielen Jahren hat er seine Heimatstadt Los Angeles verlassen, doch jetzt kehrt er zurück, um herauszufinden, wer seine Schwester Lucy ermordet hat. Kaum dort angekommen, sind alle möglichen Leute hinter ihm her und wollen ihn selbst umbringen oder zumindest vertreiben. Aber wer? Sein alter Freund Alex, seine Ex-Freundin Vivian, ein lebendiger sowie ein toter Gangsterboss und auch eine mexikanische Totengöttin kommen in Frage, doch wer davon meint es ernst und wer hat etwas mit Lucys Tod zu tun? Eric hat es nicht leicht, das Verbrechen aufzuklären und selbst mit dem Leben davonzukommen.
Dead Things ist das erste Buch, das in der Gegenwartsform geschrieben ist und das ich trotzdem freiwillig gelesen habe. Ich könnte noch nicht mal sagen warum, aber es paßt einfach zu Stephen Blackmores Schreibstil. Es ist eine von diesen hard-boiled Geschichten (ich benutze wirklich nicht gern überflüssige Anglizismen, aber für hard-boiled kenne ich keine angemessene Übersetzung), wie ich sie manchmal sehr gern mag. Der Ich-Erzähler Eric ist alles in allem keine besonders sympathische Figur, aber er ist auch nicht bösartig - und er ist irgendwie cool. Na ja, das war Anita Blake in den ersten paar Büchern schließlich auch, aber das nur nebenbei. Eric hat ein enorm dreckiges Mundwerk. Ich hatte sogar kurz die Idee, mal nachzuzählen, wie oft das Wort fuck auf den 295 Seiten vorkommt, aber dann war ich zu faul dazu. Für solche Aktivitäten sind e-books wohl doch besser geeignet!
Die Geschichte selbst ist für das Genre nichts außergewöhnliches. Eric hat eine schlimme Vergangenheit und eine wahrscheinlich schlimmere Zukunft, steckt ständig in Schwierigkeiten und wird dauernd verfolgt und konsequenterweise meistens auch aufgespürt und verprügelt oder sonstwie verletzt. Manchmal weiß er, wer ihm schaden will, manchmal auch nicht. Für einige Zeit hat er Grund, seinem Freund Alex zu mißtrauen, und jemand, von dem er dachte, er sei tot, ist es nicht so ganz.
Wie es in solchen Büchern nicht selten ist, stellt sich am Ende heraus, daß alle Handlungsstränge zusammenhängen und daß Lucy von jemandem getötet wurde, der eigentlich gar keinen Grund dazu hatte. Aber es ist eben eine wahnsinnig spannende Geschichte, mit Action von der ersten bis zur letzten Seite und wunderbar abgefahrenen Details. Es gibt keine Durchhänger und keine Langeweile, und ich habe mich beim Lesen einfach nur zurückgelehnt und die haarsträubenden Ereignisse auf mich einwirken lassen. (Ich hätte auch "genossen" schreiben können, aber das wäre vielleicht etwas geschmacklos. Es wird schließlich jede Menge Blut vergossen).
Übrigens kennt Eric wirklich die geilsten Zaubersprüche. Einmal ist er in einem Cadillac unterweges, was seine Verfolger auch wissen. Also klebt er einfach einen Aufkleber auf die Windschutzscheibe, mit der Aufschrift: "Gray Honda Civic Totally Not A Cadillac". Ein anderes Mal entführt er einen Krankenwagen und fährt damit auf den Parkplatz eines vornehmen Country Clubs. Dort bringt er einen - oha, wie nennt man diesen Beruf? - Valet Parker dazu, den Krankenwagen zu parken und Eric stattdessen einen Mercedes zu bringen. Die Rechtfertigung folgt auf dem Fuße: "A few minutes later I'm on the road in somebody's S Class. Kid'll probably lose his job, but who wants to be stuck parking rich assholes' cars, anyway? Doing him a favor."
Tja, ich hoffe, mir tut niemals jemand so einen Gefallen. Trotzdem eine sehr coole Aktion. So wie sich das Ende anhört, könnte ich mir denken, daß es eine Fortsetzung geben wird, und da ich mit Dead Things so einen Spaß hatte, werde ich die auf jeden Fall auch lesen.
Dead Things ist das erste Buch, das in der Gegenwartsform geschrieben ist und das ich trotzdem freiwillig gelesen habe. Ich könnte noch nicht mal sagen warum, aber es paßt einfach zu Stephen Blackmores Schreibstil. Es ist eine von diesen hard-boiled Geschichten (ich benutze wirklich nicht gern überflüssige Anglizismen, aber für hard-boiled kenne ich keine angemessene Übersetzung), wie ich sie manchmal sehr gern mag. Der Ich-Erzähler Eric ist alles in allem keine besonders sympathische Figur, aber er ist auch nicht bösartig - und er ist irgendwie cool. Na ja, das war Anita Blake in den ersten paar Büchern schließlich auch, aber das nur nebenbei. Eric hat ein enorm dreckiges Mundwerk. Ich hatte sogar kurz die Idee, mal nachzuzählen, wie oft das Wort fuck auf den 295 Seiten vorkommt, aber dann war ich zu faul dazu. Für solche Aktivitäten sind e-books wohl doch besser geeignet!
Die Geschichte selbst ist für das Genre nichts außergewöhnliches. Eric hat eine schlimme Vergangenheit und eine wahrscheinlich schlimmere Zukunft, steckt ständig in Schwierigkeiten und wird dauernd verfolgt und konsequenterweise meistens auch aufgespürt und verprügelt oder sonstwie verletzt. Manchmal weiß er, wer ihm schaden will, manchmal auch nicht. Für einige Zeit hat er Grund, seinem Freund Alex zu mißtrauen, und jemand, von dem er dachte, er sei tot, ist es nicht so ganz.
Wie es in solchen Büchern nicht selten ist, stellt sich am Ende heraus, daß alle Handlungsstränge zusammenhängen und daß Lucy von jemandem getötet wurde, der eigentlich gar keinen Grund dazu hatte. Aber es ist eben eine wahnsinnig spannende Geschichte, mit Action von der ersten bis zur letzten Seite und wunderbar abgefahrenen Details. Es gibt keine Durchhänger und keine Langeweile, und ich habe mich beim Lesen einfach nur zurückgelehnt und die haarsträubenden Ereignisse auf mich einwirken lassen. (Ich hätte auch "genossen" schreiben können, aber das wäre vielleicht etwas geschmacklos. Es wird schließlich jede Menge Blut vergossen).
Übrigens kennt Eric wirklich die geilsten Zaubersprüche. Einmal ist er in einem Cadillac unterweges, was seine Verfolger auch wissen. Also klebt er einfach einen Aufkleber auf die Windschutzscheibe, mit der Aufschrift: "Gray Honda Civic Totally Not A Cadillac". Ein anderes Mal entführt er einen Krankenwagen und fährt damit auf den Parkplatz eines vornehmen Country Clubs. Dort bringt er einen - oha, wie nennt man diesen Beruf? - Valet Parker dazu, den Krankenwagen zu parken und Eric stattdessen einen Mercedes zu bringen. Die Rechtfertigung folgt auf dem Fuße: "A few minutes later I'm on the road in somebody's S Class. Kid'll probably lose his job, but who wants to be stuck parking rich assholes' cars, anyway? Doing him a favor."
Tja, ich hoffe, mir tut niemals jemand so einen Gefallen. Trotzdem eine sehr coole Aktion. So wie sich das Ende anhört, könnte ich mir denken, daß es eine Fortsetzung geben wird, und da ich mit Dead Things so einen Spaß hatte, werde ich die auf jeden Fall auch lesen.
Freitag, 29. März 2013
Sandra Brown: Smoke Screen
Die Fernsehreporterin Britt Shelley wacht eines Morgens neben der Leiche von Jay Burgess in dessen Bett auf und kann sich nicht erinnern, was passiert ist und wie sie dort hingekommen ist. Da Jay ermordet wurde, ist Britt natürlich die Hauptverdächtige. Die Tatsache, daß Jay selbst Polizist war und in der ganzen Stadt als Held verehrt wurde, macht Britts Situation nicht leichter. Dann aber taucht Raley Gannon auf, der sich schon einmal in der exakt gleichen Situation wie Britt befunden hat. Wenig später versucht jemand, Britt zu töten. Vieles deutet darauf hin, daß die Ereignisse mit einem Feuer in einer Polizeistation vor einigen Jahren zusammenhängen, bei dem ein Mann ums Leben kam. Britt und Raley beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen...
Ich bin ja im Moment auf einem Romantic Suspense Trip. Sandra Browns Bücher, auch dieses, sind mehr Suspense als Romantic, aber das macht nichts. Es ist wirklich wahnsinnig spannend. Ich mag es, wenn die Handlung eines Buches nie vorhersehbar ist und ständig überraschende Wendungen nimmt. Das ist bei Smoke Screen der Fall. Der Buchtitel ist übrigens unglaublich passend, was der Leser allerdings erst am Ende bemerkt.
Britt und Raley sind nicht gerade die allergrößten Sympathieträger unter den Buchprotagonisten - wobei ich Raley sympathischer fand als Britt - aber sie sind in Ordnung. Britt ist hat weder Verwandte noch wirkliche Freunde, sondern nur gelegentlich, um es in den unverblümten Worten meines Liebsten auszudrücken, einen Stecher. Sie ist ziemlich karrieregeil. Andererseits ist sie aber auch nicht ohne Mitgefühl, und daß sie vor Jahren eine recht fiese, aber nicht vollständig auf Tatsachen fußende Reportage über Raley gemacht hat, tut ihr aufrichtig leid. Raley ist etwas komplexer. Er war früher Feuerwehrmann, und das war auch sein absoluter Traumberuf. Durch das Feuer in der Polizeistation hat er jedoch alles verloren und schwankt stimmungsmäßig ein wenig zwischen Resignation und Rachsucht. Was mir aber sowohl an Raley als auch an Britt gefällt ist, daß sie beide die Fähigkeit besitzen, pragmatisch zu denken. Keine Hysterie, kein überflüssiges Drama, keine TSTL-Momente. Diese beiden betrachten ihre augenblickliche Situation, wägen ihre Optionen ab, und reagieren so sinnvoll wie möglich, auch wenn sie dabei das kleinste von mehreren möglichen Übeln wählen müssen.
Smoke Screen hat neben den beiden Hauptfiguren auch noch jede Menge interessanter Nebenfiguren zu bieten. Fast alle haben etwas zu verbergen und die meisten haben Dreck am Stecken, ganz unabhängig davon, ob sie reiche Bauunternehmer, Justizangestellte oder Ku Klux Klan-Mitglieder und Schwulenhasser sind. Die wirklich bösen sind nicht die, bei denen man es zunächst vermutet.
So ist es ein packendes Buch, das bis zum Ende die Spannung aufrecht erhält. Genau so muß ein Krimi sein!
Ich bin ja im Moment auf einem Romantic Suspense Trip. Sandra Browns Bücher, auch dieses, sind mehr Suspense als Romantic, aber das macht nichts. Es ist wirklich wahnsinnig spannend. Ich mag es, wenn die Handlung eines Buches nie vorhersehbar ist und ständig überraschende Wendungen nimmt. Das ist bei Smoke Screen der Fall. Der Buchtitel ist übrigens unglaublich passend, was der Leser allerdings erst am Ende bemerkt.
Britt und Raley sind nicht gerade die allergrößten Sympathieträger unter den Buchprotagonisten - wobei ich Raley sympathischer fand als Britt - aber sie sind in Ordnung. Britt ist hat weder Verwandte noch wirkliche Freunde, sondern nur gelegentlich, um es in den unverblümten Worten meines Liebsten auszudrücken, einen Stecher. Sie ist ziemlich karrieregeil. Andererseits ist sie aber auch nicht ohne Mitgefühl, und daß sie vor Jahren eine recht fiese, aber nicht vollständig auf Tatsachen fußende Reportage über Raley gemacht hat, tut ihr aufrichtig leid. Raley ist etwas komplexer. Er war früher Feuerwehrmann, und das war auch sein absoluter Traumberuf. Durch das Feuer in der Polizeistation hat er jedoch alles verloren und schwankt stimmungsmäßig ein wenig zwischen Resignation und Rachsucht. Was mir aber sowohl an Raley als auch an Britt gefällt ist, daß sie beide die Fähigkeit besitzen, pragmatisch zu denken. Keine Hysterie, kein überflüssiges Drama, keine TSTL-Momente. Diese beiden betrachten ihre augenblickliche Situation, wägen ihre Optionen ab, und reagieren so sinnvoll wie möglich, auch wenn sie dabei das kleinste von mehreren möglichen Übeln wählen müssen.
Smoke Screen hat neben den beiden Hauptfiguren auch noch jede Menge interessanter Nebenfiguren zu bieten. Fast alle haben etwas zu verbergen und die meisten haben Dreck am Stecken, ganz unabhängig davon, ob sie reiche Bauunternehmer, Justizangestellte oder Ku Klux Klan-Mitglieder und Schwulenhasser sind. Die wirklich bösen sind nicht die, bei denen man es zunächst vermutet.
So ist es ein packendes Buch, das bis zum Ende die Spannung aufrecht erhält. Genau so muß ein Krimi sein!
Sonntag, 6. Januar 2013
Tessa Dare: A Week to be Wicked
England im Jahr 1814: Minerva Highwood, eine junge Frau aus gutem Haus und begeisterte Hobby-Paläontologin, hat zwei dringende Anliegen: sie möchte einen aufsehenerregenden Fund bei einer Konferenz in Schottland präsentieren, und sie möchte ihre Schwester Diana vor einer lieblosen Ehe mit dem Wüstling Colin Sandhurst bewahren. Also beschließt sie, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, indem sie vorgibt, mit Colin durchzubrennen, obwohl dieser sie und ihren Fund eigentlich nur sicher nach Schottland bringen soll. Es folgt eine Reise voller Abenteuer, an deren Ende alles ganz anders kommt als gedacht...
Oh, was für ein bezaubernder und romantischer Liebesroman! Ich war wirklich ganz hingerissen beim Lesen und konnte das Buch kaum weglegen. Erst hinterher fiel mir auf, daß Colin und Minerva, wenn man sie mal ganz objektiv betrachtet, zwei nicht besonders kluge Charaktere sind, dazu kolossal egoistisch (sie) und unfaßbar wankelmütig (er). Aber das ist egal, schließlich liest man hier eine wundervolle, romantische Fantasie, und Tessa Dare schafft es ohne weiteres, daß man ihre Protagonisten ins Herz schließt.
Minerva hatte mit ihrer Mutter sowie ihren Schwestern Diana und Charlotte (offenbar hat man es bei Charlottes Geburt versäumt, den Begriff "römische Göttinnen" zu googeln) in Spindle Cove, einem kleinen Dorf in Südengland, Urlaub gemacht. Anschließend sind sie dort geblieben, weil sich Minervas Mutter in den Kopf gesetzt hatte, daß Colin, der immerhin ein Lord ist und einmal viel Geld erben wird, Diana heiraten müsse.
Minerva will genau das verhindern, weil sie findet, daß Diana auf die große Liebe warten sollte.
Colin ist seinerseits nur sehr widerwillig in Spindle Cove; er wurde von einem älteren Verwandten dorthin verbannt, der offenbar der Ansicht war, daß Colin es in London zu toll treibe. Bis er seine Erbschaft erhält (die bekommt er an seinem nächsten Geburtstag oder vorher, wenn er heiratet), fehlen Colin nun die finanziellen Mittel, um Spindle Cove zu verlassen.
Als Minerva Colin vorschlägt, zum Schein mit ihr durchzubrennen und ihm als Belohnung die 500 Pfund anbietet, die sie bei der Konferenz in Schottland für ihren sensationellen Fund zu erhalten hofft, ist Colin zunächst die Stimme der Vernunft. Er macht ihr klar, daß nicht nur sie selbst ruiniert sein wird, sondern auch ihre beiden Schwestern. Minerva reißt sich die Bluse vom Leib und zeigt ihm ihre Tätowierung, die in chinesischen Schriftzeichen sagt: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert". Na ja, nicht ganz, aber sie bügelt seine Bedenken einfach ab.
Was nun folgt, ist eine Reise voller aufregender, spannender Abenteuer und wundervoller Dialoge zwischen Minerva und Colin. Das ist so großartig geschrieben, daß man sich fast wünscht, das Buch würde nie mehr aufhören. Colin ist definitiv nicht der zynische Regency-Roman-Standard-Wüstling, sondern ein lieber Kerl mit Humor und Fantasie. Und Minerva ist eine neugierige, zu allen Schandtaten bereite Heldin.
Colins Wankelmut äußert sich in seinem Verhalten gegenüber Minerva: erst ist er fest entschlossen, sie nicht anzurühren, dann macht er es doch. Nachdem die beiden sich ihre Liebe gestanden haben (das ist kein Spoiler, ihr wußtet, daß das passiert!) ist er erst fest entschlossen, sie vor der Eheschließung ein halbes Jahr lang öffentlich zu umwerben, dann will er aber doch jetzt sofort heiraten...
Während ich das Buch gelesen habe, habe ich kein einziges Mal gedacht, daß die Handlungen von Held und Heldin ein bißchen daneben sind. Ich habe es einfach genossen, weil es so spannend und lustig und romantisch ist. Weitere Bücher von Tessa Dare werde ich ganz bestimmt lesen. Aber man sollte wirklich nicht allzu intensiv über die Handlung nachdenken. Na egal. Lebendige Menschen habe schließlich auch Fehler und Schwächen, da muß das bei Romanfiguren auch so sein!
Oh, was für ein bezaubernder und romantischer Liebesroman! Ich war wirklich ganz hingerissen beim Lesen und konnte das Buch kaum weglegen. Erst hinterher fiel mir auf, daß Colin und Minerva, wenn man sie mal ganz objektiv betrachtet, zwei nicht besonders kluge Charaktere sind, dazu kolossal egoistisch (sie) und unfaßbar wankelmütig (er). Aber das ist egal, schließlich liest man hier eine wundervolle, romantische Fantasie, und Tessa Dare schafft es ohne weiteres, daß man ihre Protagonisten ins Herz schließt.
Minerva hatte mit ihrer Mutter sowie ihren Schwestern Diana und Charlotte (offenbar hat man es bei Charlottes Geburt versäumt, den Begriff "römische Göttinnen" zu googeln) in Spindle Cove, einem kleinen Dorf in Südengland, Urlaub gemacht. Anschließend sind sie dort geblieben, weil sich Minervas Mutter in den Kopf gesetzt hatte, daß Colin, der immerhin ein Lord ist und einmal viel Geld erben wird, Diana heiraten müsse.
Minerva will genau das verhindern, weil sie findet, daß Diana auf die große Liebe warten sollte.
Colin ist seinerseits nur sehr widerwillig in Spindle Cove; er wurde von einem älteren Verwandten dorthin verbannt, der offenbar der Ansicht war, daß Colin es in London zu toll treibe. Bis er seine Erbschaft erhält (die bekommt er an seinem nächsten Geburtstag oder vorher, wenn er heiratet), fehlen Colin nun die finanziellen Mittel, um Spindle Cove zu verlassen.
Als Minerva Colin vorschlägt, zum Schein mit ihr durchzubrennen und ihm als Belohnung die 500 Pfund anbietet, die sie bei der Konferenz in Schottland für ihren sensationellen Fund zu erhalten hofft, ist Colin zunächst die Stimme der Vernunft. Er macht ihr klar, daß nicht nur sie selbst ruiniert sein wird, sondern auch ihre beiden Schwestern. Minerva reißt sich die Bluse vom Leib und zeigt ihm ihre Tätowierung, die in chinesischen Schriftzeichen sagt: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert". Na ja, nicht ganz, aber sie bügelt seine Bedenken einfach ab.
Was nun folgt, ist eine Reise voller aufregender, spannender Abenteuer und wundervoller Dialoge zwischen Minerva und Colin. Das ist so großartig geschrieben, daß man sich fast wünscht, das Buch würde nie mehr aufhören. Colin ist definitiv nicht der zynische Regency-Roman-Standard-Wüstling, sondern ein lieber Kerl mit Humor und Fantasie. Und Minerva ist eine neugierige, zu allen Schandtaten bereite Heldin.
Colins Wankelmut äußert sich in seinem Verhalten gegenüber Minerva: erst ist er fest entschlossen, sie nicht anzurühren, dann macht er es doch. Nachdem die beiden sich ihre Liebe gestanden haben (das ist kein Spoiler, ihr wußtet, daß das passiert!) ist er erst fest entschlossen, sie vor der Eheschließung ein halbes Jahr lang öffentlich zu umwerben, dann will er aber doch jetzt sofort heiraten...
Während ich das Buch gelesen habe, habe ich kein einziges Mal gedacht, daß die Handlungen von Held und Heldin ein bißchen daneben sind. Ich habe es einfach genossen, weil es so spannend und lustig und romantisch ist. Weitere Bücher von Tessa Dare werde ich ganz bestimmt lesen. Aber man sollte wirklich nicht allzu intensiv über die Handlung nachdenken. Na egal. Lebendige Menschen habe schließlich auch Fehler und Schwächen, da muß das bei Romanfiguren auch so sein!
Mittwoch, 24. Oktober 2012
Sherry Thomas: Private Arrangements
England im späten 19. Jahrhundert: Gigi Rowland ist eine reiche junge Erbin, die sich Hals über Kopf in einen jungen Lord namens Camden Saybrook verliebt, der sich ebenfalls zu ihr hingezogen fühlt, obwohl er mit einer anderen Frau so gut wie verlobt ist. Elf Jahre später sind die beiden als Lord und Lady Tremaine verheiratet, haben sich aber seit vielen Jahren nicht gesehen. Gigi will die Scheidung, und Camden willigt ein - allerdings nur unter der Bedingung, daß sie vorher einen Erben zur Welt bringt. Dieses Projekt wird sofort in Angriff genommen, doch ist die endgültige Trennung tatsächlich das, was Gigi und Camden wollen?
Private Arrangements ist eine Entdeckung unter den Historicals. Ich bin wirklich begeistert von Sherry Thomas' Schreibstil, aber auch von ihrer Charakterisierung des Helden, der Heldin und der meisten Nebenfiguren. Hier taucht keine einzige der mittlerweile so langweilig gewordenen Klischeefiguren auf, alle Personen werden dem Leser mit Liebe zum Detail nahegebracht.
Gigi ist schon als 18jährige eine Person mit einem sehr gesunden Selbstbewußtsein. Sie weiß, daß sie aufgrund ihres Reichtums fast alles haben kann, was sie will, und sie schreckt auch nicht davor zurück, andere Menschen zu manipulieren. Sie besitzt einen guten Geschäftssinn und sorgt dafür, daß ihr Reichtum sich mehrt, anstatt ihre Zeit ausschließlich mit Teetrinken und Klavierspielen (oder was immer reiche Frauen im späten 19. Jahrhundert sonst zu tun pflegten) zu verbringen. Andererseits ist sie aber auch ein Mensch mit tiefen Gefühlen, ist manchmal unsicher und hat Angst, zurückgewiesen zu werden. Eines ist sie keineswegs: passiv. Sie agiert viel öfter, als sie reagiert.
Camden stammt aus einer verarmten, aber äußerst vornehmen Familie. Da er auch recht geschäftstüchtig ist, schafft er es innerhalb weniger Jahre, seine Finanzen zu sanieren. Camden hat sehr tief verankerte moralische Grundsätze, und es fällt ihm sehr schwer, anderen Menschen zu verzeihen, wenn diese gegen diese Grundsätze verstoßen. Das hört sich jetzt so an, als wäre er einer von diesen Romanhelden, die über die 350 Seiten eines Buchs lang einen Stecken im Arsch haben und ihre dazugehörige Heldin erst dann lieben, wenn sie sich haargenau so verhält, wie sie es erwarten. So ist er aber gar nicht. Eigentlich ist er ein herzensguter Mensch, der sich sogar mit seiner Schwiegermutter blendend versteht.
Was selbige Schwiegermutter, also Gigis Mama, betrifft: oh ja, die ist auch goldig. Sie hat in Private Arrangements eine eigene kleine Neben-Liebesgeschichte mit Happy-End. Gigis Mama ist das, was man heute wohl als gold digger bezeichnen würde (komischerweise fällt mir gerade nicht die korrekte deutsche Bezeichnung dafür ein, und "so wie jede Freundin, die Lothar Matthäus in den letzten 15 Jahren hatte" ist ja wohl weder ein Subjektiv noch ein richtiges Adjektiv). Sie gehört zu diesen Frauen, die finden, man könne sich grundsätzlich viel besser in einen reichen als in einen armen Mann verlieben. Aber sie ist wirklich bezaubernd, und ihre Bemühungen, einen leibhaftigen Herzog für sich zu gewinnen, sind absolut lesenswert.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Erzählweise, denn ein großer Teil der Geschichte - wie Gigi und Camden sich kennengelernt haben, warum sie geheiratet und sich direkt wieder getrennt haben, was in den folgenden Jahren geschah - wird in Rückblenden erzählt. Ich bin eigentlich keine Freundin dieser Erzählweise, aber hier funktioniert es sehr gut. Mein einziger Kritikpunkt ist, daß Gigi und Camden ihr Happy End ein kleines bißchen zu lange durch irgendwelche selbstgemachten Komplikationen herauszögern - meiner Ansicht nach hätten sie sich wohl doch schon gute 30 bis 50 Seiten eher glücklich in die Arme sinken können. Aber ich will nicht meckern. Lieber ein gutes dickes Buch als ein mieses dünnes (ein mieses dickes wäre natürlich noch schlimmer. Nicht auszudenken, wenn Kafkas Verwandlung 350 Seiten hätte. Dann hätte ich mir entweder eine Klinikpackung Valium besorgen oder die sterblichen Überreste meines damaligen Deutschlehrers an einer geheimen Stelle verbuddeln müssen).
Ich freue mich ja immer, wenn ich mal einen Historical entdecke, der etwas ganz neues bietet und auch noch super geschrieben, spannend und kurzweilig ist. Das trifft auf Private Arrangements auf jeden Fall zu, und ich werde sicher noch einiges von Sherry Thomas lesen.
Private Arrangements ist eine Entdeckung unter den Historicals. Ich bin wirklich begeistert von Sherry Thomas' Schreibstil, aber auch von ihrer Charakterisierung des Helden, der Heldin und der meisten Nebenfiguren. Hier taucht keine einzige der mittlerweile so langweilig gewordenen Klischeefiguren auf, alle Personen werden dem Leser mit Liebe zum Detail nahegebracht.
Gigi ist schon als 18jährige eine Person mit einem sehr gesunden Selbstbewußtsein. Sie weiß, daß sie aufgrund ihres Reichtums fast alles haben kann, was sie will, und sie schreckt auch nicht davor zurück, andere Menschen zu manipulieren. Sie besitzt einen guten Geschäftssinn und sorgt dafür, daß ihr Reichtum sich mehrt, anstatt ihre Zeit ausschließlich mit Teetrinken und Klavierspielen (oder was immer reiche Frauen im späten 19. Jahrhundert sonst zu tun pflegten) zu verbringen. Andererseits ist sie aber auch ein Mensch mit tiefen Gefühlen, ist manchmal unsicher und hat Angst, zurückgewiesen zu werden. Eines ist sie keineswegs: passiv. Sie agiert viel öfter, als sie reagiert.
Camden stammt aus einer verarmten, aber äußerst vornehmen Familie. Da er auch recht geschäftstüchtig ist, schafft er es innerhalb weniger Jahre, seine Finanzen zu sanieren. Camden hat sehr tief verankerte moralische Grundsätze, und es fällt ihm sehr schwer, anderen Menschen zu verzeihen, wenn diese gegen diese Grundsätze verstoßen. Das hört sich jetzt so an, als wäre er einer von diesen Romanhelden, die über die 350 Seiten eines Buchs lang einen Stecken im Arsch haben und ihre dazugehörige Heldin erst dann lieben, wenn sie sich haargenau so verhält, wie sie es erwarten. So ist er aber gar nicht. Eigentlich ist er ein herzensguter Mensch, der sich sogar mit seiner Schwiegermutter blendend versteht.
Was selbige Schwiegermutter, also Gigis Mama, betrifft: oh ja, die ist auch goldig. Sie hat in Private Arrangements eine eigene kleine Neben-Liebesgeschichte mit Happy-End. Gigis Mama ist das, was man heute wohl als gold digger bezeichnen würde (komischerweise fällt mir gerade nicht die korrekte deutsche Bezeichnung dafür ein, und "so wie jede Freundin, die Lothar Matthäus in den letzten 15 Jahren hatte" ist ja wohl weder ein Subjektiv noch ein richtiges Adjektiv). Sie gehört zu diesen Frauen, die finden, man könne sich grundsätzlich viel besser in einen reichen als in einen armen Mann verlieben. Aber sie ist wirklich bezaubernd, und ihre Bemühungen, einen leibhaftigen Herzog für sich zu gewinnen, sind absolut lesenswert.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Erzählweise, denn ein großer Teil der Geschichte - wie Gigi und Camden sich kennengelernt haben, warum sie geheiratet und sich direkt wieder getrennt haben, was in den folgenden Jahren geschah - wird in Rückblenden erzählt. Ich bin eigentlich keine Freundin dieser Erzählweise, aber hier funktioniert es sehr gut. Mein einziger Kritikpunkt ist, daß Gigi und Camden ihr Happy End ein kleines bißchen zu lange durch irgendwelche selbstgemachten Komplikationen herauszögern - meiner Ansicht nach hätten sie sich wohl doch schon gute 30 bis 50 Seiten eher glücklich in die Arme sinken können. Aber ich will nicht meckern. Lieber ein gutes dickes Buch als ein mieses dünnes (ein mieses dickes wäre natürlich noch schlimmer. Nicht auszudenken, wenn Kafkas Verwandlung 350 Seiten hätte. Dann hätte ich mir entweder eine Klinikpackung Valium besorgen oder die sterblichen Überreste meines damaligen Deutschlehrers an einer geheimen Stelle verbuddeln müssen).
Ich freue mich ja immer, wenn ich mal einen Historical entdecke, der etwas ganz neues bietet und auch noch super geschrieben, spannend und kurzweilig ist. Das trifft auf Private Arrangements auf jeden Fall zu, und ich werde sicher noch einiges von Sherry Thomas lesen.
Dienstag, 9. Oktober 2012
Jane Casey: The Burning
Maeve Kerrigan ist eine junge irischstämmige Polizistin, deren Karriere bei der Londoner Kriminalpolizei gerade erst am Anfang steht. Maeve, ihre Kollegen und ihre Vorgesetzten müssen einen schwierigen Fall aufklären: ein Serientäter tötet junge Frauen und verbrennt diese anschließend, so daß neben den Opfern der Verbrechen auch ein großer Teil des Beweismaterials vernichtet wird. Noch schwieriger wird die Aufgabe der Polizei dadurch, daß es beim fünften Opfer einige Unterschiede zu den anderen Fällen gibt - haben sie es etwa mit mehr als einem Täter zu tun?
The Burning ist ein wahnsinnig spannender Krimi, den ich in einem Rutsch durchgelesen und mir anschließend sofort alles andere besorgt habe, was Jane Casey geschrieben hat. Dabei ist die Geschichte ziemlich düster. Maeve selbst hat mit allen möglichen Problemen innerhalb der Polizei zu kämpfen. Es gibt Vorurteile gegen sie wegen ihrer irischen Herkunft und auch einfach, weil sie eine Frau und sehr jung und neu in dem Job ist. Maeves Chef Charles Godley wird von seinen Mitarbeitern mit nahezu kultischer Verehrung betrachtet, seine rechte Hand DI Tom Judd wird eher gefürchtet, und mit ihrem Kollegen Rob Langton ist sie befreundet, doch sie sind auch Konkurrenten.
Gleich auf den ersten paar Seiten des Buches wird ein Verdächtiger festgenommen, aber das ist natürlich eine falsche Spur - sonst könnte The Burning ja nicht über 480 Seiten haben! Was das Buch so überaus spannend macht, ist natürlich einerseits der Schreibstil von Jane Casey, den ich einfach mag. Andererseits ist es aber auch die detaillierte Beschreibung der akribischen Arbeit, die die Polizei leisten muß, um die anfangs sehr spärlichen Beweise zu finden, auszuwerten und zu deuten. Es war auch eine ziemliche Abwechslung, mal einen Krimi zu lesen, der in England spielt - ich muß zugeben, daß ich sonst doch mehr amerikanische als englische Bücher lese.
Ich sollte noch erwähnen, daß The Burning nicht ausschließlich aus Maeves Perspektive (und ja, in der Ich-Form) geschrieben ist. Teilweise wird die Geschichte auch aus der Sicht von Rob und von Louise, der Freundin eines der Opfer, beschrieben. Und während Rob ein netter Kerl ist, der Maeve gern hat und für seine Arbeit als Polizist sein bestes geben will, ist Louise...sagen wir mal, anders. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser ziemlich viel über Louise, und obwohl sie anfangs den Eindruck erweckt, eine graue Maus zu sein, die sich in der Popularität ihrer jüngst ermordeten Freundin Rebecca sonnen wollte, steckt doch sehr viel mehr dahinter. Ein weiterer interessanter Nebencharakter ist Rebeccas Ex-Freund Gil. Ein fieser und irgendwie schleimig-gruseliger Typ.
Aber ich will ja hier nicht das ganze Buch wiedergeben. Ich fand es wahnsinnig spannend und empfehle es jedem, der Krimis mag und damit leben kann, wenn diese aus verschiedenen Perspektiven in der Ich-Form geschrieben sind.
The Burning ist ein wahnsinnig spannender Krimi, den ich in einem Rutsch durchgelesen und mir anschließend sofort alles andere besorgt habe, was Jane Casey geschrieben hat. Dabei ist die Geschichte ziemlich düster. Maeve selbst hat mit allen möglichen Problemen innerhalb der Polizei zu kämpfen. Es gibt Vorurteile gegen sie wegen ihrer irischen Herkunft und auch einfach, weil sie eine Frau und sehr jung und neu in dem Job ist. Maeves Chef Charles Godley wird von seinen Mitarbeitern mit nahezu kultischer Verehrung betrachtet, seine rechte Hand DI Tom Judd wird eher gefürchtet, und mit ihrem Kollegen Rob Langton ist sie befreundet, doch sie sind auch Konkurrenten.
Gleich auf den ersten paar Seiten des Buches wird ein Verdächtiger festgenommen, aber das ist natürlich eine falsche Spur - sonst könnte The Burning ja nicht über 480 Seiten haben! Was das Buch so überaus spannend macht, ist natürlich einerseits der Schreibstil von Jane Casey, den ich einfach mag. Andererseits ist es aber auch die detaillierte Beschreibung der akribischen Arbeit, die die Polizei leisten muß, um die anfangs sehr spärlichen Beweise zu finden, auszuwerten und zu deuten. Es war auch eine ziemliche Abwechslung, mal einen Krimi zu lesen, der in England spielt - ich muß zugeben, daß ich sonst doch mehr amerikanische als englische Bücher lese.
Ich sollte noch erwähnen, daß The Burning nicht ausschließlich aus Maeves Perspektive (und ja, in der Ich-Form) geschrieben ist. Teilweise wird die Geschichte auch aus der Sicht von Rob und von Louise, der Freundin eines der Opfer, beschrieben. Und während Rob ein netter Kerl ist, der Maeve gern hat und für seine Arbeit als Polizist sein bestes geben will, ist Louise...sagen wir mal, anders. Im Laufe der Geschichte erfährt der Leser ziemlich viel über Louise, und obwohl sie anfangs den Eindruck erweckt, eine graue Maus zu sein, die sich in der Popularität ihrer jüngst ermordeten Freundin Rebecca sonnen wollte, steckt doch sehr viel mehr dahinter. Ein weiterer interessanter Nebencharakter ist Rebeccas Ex-Freund Gil. Ein fieser und irgendwie schleimig-gruseliger Typ.
Aber ich will ja hier nicht das ganze Buch wiedergeben. Ich fand es wahnsinnig spannend und empfehle es jedem, der Krimis mag und damit leben kann, wenn diese aus verschiedenen Perspektiven in der Ich-Form geschrieben sind.
Sonntag, 30. September 2012
Alaya Johnson: Wicked City
Im New York der Prohibitionszeit wird munter weiter Alkohol getrunken, nur die Vampire müssen auf Faust zurückgreifen, ein mit Rauschmitteln versetztes Blutgetränk. Dummerweise sterben einige von ihnen an diesem Getränk, und zwar obendrein auf ungewöhnliche Weise: sie explodieren nicht etwa (was normal wäre), sondern gehen unter Qualen zugrunde. Wurde das Getränk etwa vergiftet und wenn ja: wie und von wem? Die Polizei ermittelt fieberhaft, und neben den Anti-Vampir-Gruppierungen gibt es eine weitere Verdächtige: Zephyr Hollis, die sich eigentlich stets für die Rechte der Vampire eingesetzt hat. Die Gefahr einer Verhaftung oder Verurteilung ist jedoch nicht das einzige, was Zephyr zu schaffen macht: ihre Familie wird von einem bösen Golem verfolgt, ihr Vampir-Exschüler drängt sie, ihm einen Termin beim Bürgermeister zu verschaffen und von ihrem Möchtegern-Lover Amir, dem Djinn, muß sie sich unbedingt etwas wünschen, da er laut Djinn-Gesetzen anderenfalls für tausende von Jahren ins Exil geschickt werden kann.
Wicked City ist die Fortsetzung von Moonshine, das für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre war. Ihr könnt euch ja denken, wie gespannt ich auf das Wicked City war. Also, zuerst die gute Nachricht: Es ist sehr unterhaltsam, kurzweilig und voller Action. Zephyr gerät ständig in brenzlige Situationen und versucht aufzupassen, daß sie und alle ihre Freunde und Bekannten diesen Situationen unversehrt entrinnen. Ja, es ist ein gutes Buch, aber: leider nicht so gut wie Moonshine. In Wicked City fehlt ein bißchen der Humor, den ich im Vorgängerbuch so absolut großartig fand. Die Dialoge sind gut, aber nicht so gut.
Dazu kommt, daß Zephyrs Verhalten gegenüber Amir mir ein wenig auf die Nerven geht. Dazu muß man die Vorgeschichte kennen: Zephyr und Amir haben sich im ersten Buch kennengelernt und sich ein wenig verliebt und ziemlich heftig miteinander geflirtet. Das junge Glück bekam allerdings einen Dämpfer, als sich herausstellte, daß Amir dafür gesorgt hatte, daß die in Deutschland erfundene Vampirdroge Faust in Amerika eingeführt wurde. Als er in große Gefahr geriet, rettete Zephyr Amir dennoch; mit dem Resultat, daß er jetzt an sie gebunden ist, bis sie einen Wunsch an ihn richtet, den er ihr erfüllen muß. Zephyr befürchtet allerdings, daß auch das Äußern eines Wunsches schlimme Konsequenzen haben könnte.
Das Resultat ist, daß Zephyr Amir teils ausweicht oder sich abweisend verhält. Teilweise betrachtet sie ihn jedoch als als Freund und läßt sich bei einigen schwierigen Aktionen von ihm helfen, wie z. B. beim Einbruch in eine Leichenhalle. Im Laufe des Buches beginnt sie, ihre Einstellung zu überdenken mit der Begründung daß, wenn es Amir nicht getan hätte, wohl jemand anderes Faust in Amerika verbreitet hätte, was für mich wiederum eine ziemlich schlechte Entschuldigung für ein Verbrechen ist. Andererseits wäre ich an Zephyrs Stelle aber auch gar nicht so sauer auf Amir gewesen, denn die Vampire wurden ebensowenig zum Faust trinken gezwungen wie Menschen zum Alkohol trinken gezwungen werden. Jedenfalls finde ich dieses heiß-kalte Auftreten Zephyrs gegenüber Amir nicht ok.
Im Laufe des Buches gibt es noch so manche spektakuläre Enthüllungen in Bezug auf die Frage, warum Zephyr immun gegen Vampirbisse ist und was ihr Blut so alles bewirken kann.
Wie gesagt: Wicked City ist ein spannendes Buch, das nie langweilig wird. Es ist leider nicht so gut wie sein Vorgänger, aber falls Alaya Johnson eine Fortsetzung schreibt (hoffentlich!) werde ich die definitiv auch lesen!
Wicked City ist die Fortsetzung von Moonshine, das für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre war. Ihr könnt euch ja denken, wie gespannt ich auf das Wicked City war. Also, zuerst die gute Nachricht: Es ist sehr unterhaltsam, kurzweilig und voller Action. Zephyr gerät ständig in brenzlige Situationen und versucht aufzupassen, daß sie und alle ihre Freunde und Bekannten diesen Situationen unversehrt entrinnen. Ja, es ist ein gutes Buch, aber: leider nicht so gut wie Moonshine. In Wicked City fehlt ein bißchen der Humor, den ich im Vorgängerbuch so absolut großartig fand. Die Dialoge sind gut, aber nicht so gut.
Dazu kommt, daß Zephyrs Verhalten gegenüber Amir mir ein wenig auf die Nerven geht. Dazu muß man die Vorgeschichte kennen: Zephyr und Amir haben sich im ersten Buch kennengelernt und sich ein wenig verliebt und ziemlich heftig miteinander geflirtet. Das junge Glück bekam allerdings einen Dämpfer, als sich herausstellte, daß Amir dafür gesorgt hatte, daß die in Deutschland erfundene Vampirdroge Faust in Amerika eingeführt wurde. Als er in große Gefahr geriet, rettete Zephyr Amir dennoch; mit dem Resultat, daß er jetzt an sie gebunden ist, bis sie einen Wunsch an ihn richtet, den er ihr erfüllen muß. Zephyr befürchtet allerdings, daß auch das Äußern eines Wunsches schlimme Konsequenzen haben könnte.
Das Resultat ist, daß Zephyr Amir teils ausweicht oder sich abweisend verhält. Teilweise betrachtet sie ihn jedoch als als Freund und läßt sich bei einigen schwierigen Aktionen von ihm helfen, wie z. B. beim Einbruch in eine Leichenhalle. Im Laufe des Buches beginnt sie, ihre Einstellung zu überdenken mit der Begründung daß, wenn es Amir nicht getan hätte, wohl jemand anderes Faust in Amerika verbreitet hätte, was für mich wiederum eine ziemlich schlechte Entschuldigung für ein Verbrechen ist. Andererseits wäre ich an Zephyrs Stelle aber auch gar nicht so sauer auf Amir gewesen, denn die Vampire wurden ebensowenig zum Faust trinken gezwungen wie Menschen zum Alkohol trinken gezwungen werden. Jedenfalls finde ich dieses heiß-kalte Auftreten Zephyrs gegenüber Amir nicht ok.
Im Laufe des Buches gibt es noch so manche spektakuläre Enthüllungen in Bezug auf die Frage, warum Zephyr immun gegen Vampirbisse ist und was ihr Blut so alles bewirken kann.
Wie gesagt: Wicked City ist ein spannendes Buch, das nie langweilig wird. Es ist leider nicht so gut wie sein Vorgänger, aber falls Alaya Johnson eine Fortsetzung schreibt (hoffentlich!) werde ich die definitiv auch lesen!
Dienstag, 31. Juli 2012
Karen Robards: Justice
Jessica Ford ist eine aufstrebende junge Strafrechtsanwältin, die nicht nur einen Job in einer renommierten Anwaltskanzlei hat, sondern auch aufgrund eines Erfolges vor Gericht, der ihr selbst eigenartig vorkommt, befördert worden ist. Leider ist jemand hinter Jessica her und will sie töten, doch sie weiß nicht, ob das daran liegt, daß sie vor einiger Zeit Zeugin eines Mordes wurde, oder ob es etwas mit ihrem gegenwärtigen Fall zu tun hat. Ausgerechnet Jessicas Ex-Freund, der Geheimagent Mark Ryan, soll sie beschützen. Zwischen beiden fliegen sofort wieder die Fetzen, aber auch die Funken...
Karen Robards' Romantic Suspense Bücher habe ich bisher fast alle gemocht, mit Ausnahme eines ganz alten, dessen Name mir entfallen ist. Auf jeden Fall hatte es eine reiche Heldin und einen Alpha-Arschloch-mir-schleifen-beim-Gehen-die-Handknöchel-über-den-Boden-Helden, der ein mächtiges Problem damit hatte, daß seine Partnerin mehr Geld hatte als er. Das wirklich Bizarre daran war aber, daß das alle völlig normal fanden. Na egal, das Buch muß irgendwann aus den späten 80er oder frühen 90er Jahren gewesen sein.
Grundsätzlich kann man Robards' Bücher auch noch in zwei Kategorien aufteilen, nämlich solche mit und solche ohne sinnlose Geistererscheinungen. Der langen Rede kurzer Sinn: Justice gehört in Kategorie 1. Heldin Jessica muß dazu gebracht werden, einer bestimmten Sache auf den Grund zu gehen, und da ist Frau Robards wohl nichts anderes eingefallen als eine Geistererscheinung. Na, sei's drum. Ich hätte auf den Geist verzichten können, aber er stört auch nicht so arg, daß ich das Buch in die Ecke hätte schmeißen wollen.
Das mit dem Geist ist schon so ziemlich das einzige, was ich an dem Buch zu meckern habe. Justice ist richtig spannend und flüssig geschrieben und hat mich gut unterhalten. Jessica und Ryan sind ganz sympathische Protagonisten, obwohl sie beide das eine oder andere an sich haben, das mich nervt: Jessica ist eine von diesen Frauen, die sich nie ausruhen müssen. Sie wird am Abend krankenhausreif geprügelt und hüpft am nächsten Morgen trotz übelster Schmerzen um 6 Uhr aus dem Bett, um arbeiten zu gehen. Puh, man kann aber auch alles übertreiben. Mark ist dagegen ein richtiges Herzchen. Allerdings ein Herzchen, das in Streßsituationen auch mal fremdknutscht. Na ja, er bereut es ja hinterher.
Sehr interessant sind übrigens ohne Ausnahme die Nebenfiguren, besonders Jessicas Familie und die beiden Ausreißerinnen. Als sich herausstellte, wer der Übeltäter war, war ich allerdings ganz schön geplättet. Das war wirklich ziemlich weit hergeholt und übertrieben.
Alles in allem hat mir Justice richtig gut gefallen, und den nächsten Romantic Suspense von Karen Robards werde ich sicherlich auch wieder lesen. Zumindest, wenn er denn endlich als Taschenbuch veröffentlicht wird! (Ja, ich weiß, Kindle...tolle Sache. Aber ich habe mittlerweile soviele ungelesene e-books, daß ich gar keinen Plan mehr habe, was da alles auf meinem iPad schlummert. Es ist zwar irrational, aber ich finde einen gewaltigen, mammutösen e-SUB irgendwie wesentlich verstörender als einen Papierbuch-SUB, der mich töten wird, falls er mich mal lawinenartig unter sich begräbt. Aber das ist unwahrscheinlich, denn zum Glück gibt es hier im Ruhrgebiet nur höchst selten Erdbeben oder andere gefährliche Naturereignisse. Dafür aber Bergsenkungen und Tagesbrüche. Hmmm....)
Karen Robards' Romantic Suspense Bücher habe ich bisher fast alle gemocht, mit Ausnahme eines ganz alten, dessen Name mir entfallen ist. Auf jeden Fall hatte es eine reiche Heldin und einen Alpha-Arschloch-mir-schleifen-beim-Gehen-die-Handknöchel-über-den-Boden-Helden, der ein mächtiges Problem damit hatte, daß seine Partnerin mehr Geld hatte als er. Das wirklich Bizarre daran war aber, daß das alle völlig normal fanden. Na egal, das Buch muß irgendwann aus den späten 80er oder frühen 90er Jahren gewesen sein.
Grundsätzlich kann man Robards' Bücher auch noch in zwei Kategorien aufteilen, nämlich solche mit und solche ohne sinnlose Geistererscheinungen. Der langen Rede kurzer Sinn: Justice gehört in Kategorie 1. Heldin Jessica muß dazu gebracht werden, einer bestimmten Sache auf den Grund zu gehen, und da ist Frau Robards wohl nichts anderes eingefallen als eine Geistererscheinung. Na, sei's drum. Ich hätte auf den Geist verzichten können, aber er stört auch nicht so arg, daß ich das Buch in die Ecke hätte schmeißen wollen.
Das mit dem Geist ist schon so ziemlich das einzige, was ich an dem Buch zu meckern habe. Justice ist richtig spannend und flüssig geschrieben und hat mich gut unterhalten. Jessica und Ryan sind ganz sympathische Protagonisten, obwohl sie beide das eine oder andere an sich haben, das mich nervt: Jessica ist eine von diesen Frauen, die sich nie ausruhen müssen. Sie wird am Abend krankenhausreif geprügelt und hüpft am nächsten Morgen trotz übelster Schmerzen um 6 Uhr aus dem Bett, um arbeiten zu gehen. Puh, man kann aber auch alles übertreiben. Mark ist dagegen ein richtiges Herzchen. Allerdings ein Herzchen, das in Streßsituationen auch mal fremdknutscht. Na ja, er bereut es ja hinterher.
Sehr interessant sind übrigens ohne Ausnahme die Nebenfiguren, besonders Jessicas Familie und die beiden Ausreißerinnen. Als sich herausstellte, wer der Übeltäter war, war ich allerdings ganz schön geplättet. Das war wirklich ziemlich weit hergeholt und übertrieben.
Alles in allem hat mir Justice richtig gut gefallen, und den nächsten Romantic Suspense von Karen Robards werde ich sicherlich auch wieder lesen. Zumindest, wenn er denn endlich als Taschenbuch veröffentlicht wird! (Ja, ich weiß, Kindle...tolle Sache. Aber ich habe mittlerweile soviele ungelesene e-books, daß ich gar keinen Plan mehr habe, was da alles auf meinem iPad schlummert. Es ist zwar irrational, aber ich finde einen gewaltigen, mammutösen e-SUB irgendwie wesentlich verstörender als einen Papierbuch-SUB, der mich töten wird, falls er mich mal lawinenartig unter sich begräbt. Aber das ist unwahrscheinlich, denn zum Glück gibt es hier im Ruhrgebiet nur höchst selten Erdbeben oder andere gefährliche Naturereignisse. Dafür aber Bergsenkungen und Tagesbrüche. Hmmm....)
Montag, 18. Juli 2011
Jill Sorenson: The Edge of Night
Noah Young ist ein junger, ehrgeiziger Streifenpolizist in Chula Vista, einer US-amerikanischen Stadt an der Grenze zu Mexiko. Eines Tages findet Noah auf einem verlassenen Grundstück eine tote junge Frau, die grausam vergewaltigt und ermordet wurde. Noah darf bei den Ermittlungen helfen, und dabei lernt er April Ortiz kennen. April ist eine Kollegin der Toten, und zwischen ihr und Noah funkt es sofort. Aber der Aufbau einer Beziehung ist für beide schwierig: April ist eine alleinerziehende junge Mutter, deren Mutter drogensüchtig ist und die mit einigen Gangstern befreundet ist. Sie könnte möglicherweise eine Zeugin im Mordfall sein. Noah muß sich außerdem um seine kleine Schwester kümmern, die die Uni geschmissen hat und bei ihm eingezogen ist...
The Edge of Night wird als Romantic Suspense vermarktet, aber ich finde, das trifft es nicht ganz. Was mich an dem Buch ganz besonders gereizt hat ist die Tatsache, daß Held und Heldin mal ganz normale Leute sind - keine Helden, keine wichtigen, beruflich erfolgreichen Menschen, sondern einfach ein Polizist und eine Kellnerin, die versucht, sich ihr Studium zu finanzieren.
Es ist ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe - aber es ist nicht wirklich ein Romantic Suspense. Das liegt daran, daß der Mordfall und seine Aufklärung über weite Passagen hinweg nur eine Nebenrolle spielen. Stattdessen werden das Leben von Noah und April, ihre sich entwickelnde Beziehung und alles, was Aprils Schwager, einem mexikanischen Gangster namens Eric, und Noahs Schwester Meghan tun, sehr genau beschrieben.
Das ist aber nicht weiter schlimm: die Charaktere sind sehr interessant und ihre Situation wird teilweise geradezu schmerzhaft realistisch beschrieben.
Noah und Meghan kommen aus einer relativ wohlhabenden, streng christlichen Familie. Ihr Vater ist ein Pfarrer (oder nennt man das Pastor bei Protestanten? Keine Ahnung), und Meghan erzählt einmal, daß ihre Mutter ihr gesagt hat, daß sie Gott immer mehr lieben würde als ihre Kinder. Wie kann man so etwas einem kleinen Mädchen sagen?
Auch Eric, der Bruder des im Knast sitzenden Vaters von Aprils Tochter, ist ein sehr interessanter Charakter. Er ist ein Gangmitglied und handelt mit Drogen, aber die Autorin schafft es dennoch, daß man für ihn Sympathie empfindet. Er wurde schon als Teenager zum Alleinversorger seiner Familie - einschließlich seiner Oma, die sich illegal in den USA aufhält und an Diabetes leidet - und er hat einfach nie eine andere Wahl gehabt. Trotzdem will er seine Gang verlassen und nimmt dafür sogar seinen möglichen Tod in Kauf.
Es gibt nur eine Sache, die mich etwas irritiert hat. April und vor allem Eric, der offenbar keinen Schulabschluß hat, Bücher nur als Untersatz für Bierdosen kennt und sein ganzes Leben mit übelsten Verbrechern verbracht hat, sprechen genau die gleiche Sprache wie Noah und Meghan, die einen ganz anderen gesellschaftlichen Hintergrund haben. Bei April ist das noch zu verstehen, schließlich ist sie eine ehrgeizige Frau, die studiert und weiß, daß nur bessere Bildung ihr aus ihrer Misere helfen kann. Aber bei Eric ist es einfach seltsam. Als käme im Fernsehen ein Dialog von Angela Merkel mit einem Berliner Ghettobewohner, der die Rütli-Schule nur deswegen mit einem Hauptschulabschluß verlassen konnte, weil er seinen Lehrer mit einem Messer bedroht hat - und man könnte die Bundeskanzlerin und den Ghettobewohner nur deswegen voneinander unterscheiden, weil sie einen schickeren Hosenanzug trägt. Normalerweise müßte sich Eric doch sprachlich auf dem Niveau von Castingshow-Teilnehmern bewegen!
Davon abgesehen ist The Edge of Night jedoch trotz seinem deutlich höheren Romance- als Suspense-Anteil ein sehr spannendes und packendes Buch mit interessanten (wenn auch überdurchschnittlich schönen) Charakteren. Laßt es euch nicht entgehen!
The Edge of Night wird als Romantic Suspense vermarktet, aber ich finde, das trifft es nicht ganz. Was mich an dem Buch ganz besonders gereizt hat ist die Tatsache, daß Held und Heldin mal ganz normale Leute sind - keine Helden, keine wichtigen, beruflich erfolgreichen Menschen, sondern einfach ein Polizist und eine Kellnerin, die versucht, sich ihr Studium zu finanzieren.
Es ist ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe - aber es ist nicht wirklich ein Romantic Suspense. Das liegt daran, daß der Mordfall und seine Aufklärung über weite Passagen hinweg nur eine Nebenrolle spielen. Stattdessen werden das Leben von Noah und April, ihre sich entwickelnde Beziehung und alles, was Aprils Schwager, einem mexikanischen Gangster namens Eric, und Noahs Schwester Meghan tun, sehr genau beschrieben.
Das ist aber nicht weiter schlimm: die Charaktere sind sehr interessant und ihre Situation wird teilweise geradezu schmerzhaft realistisch beschrieben.
Noah und Meghan kommen aus einer relativ wohlhabenden, streng christlichen Familie. Ihr Vater ist ein Pfarrer (oder nennt man das Pastor bei Protestanten? Keine Ahnung), und Meghan erzählt einmal, daß ihre Mutter ihr gesagt hat, daß sie Gott immer mehr lieben würde als ihre Kinder. Wie kann man so etwas einem kleinen Mädchen sagen?
Auch Eric, der Bruder des im Knast sitzenden Vaters von Aprils Tochter, ist ein sehr interessanter Charakter. Er ist ein Gangmitglied und handelt mit Drogen, aber die Autorin schafft es dennoch, daß man für ihn Sympathie empfindet. Er wurde schon als Teenager zum Alleinversorger seiner Familie - einschließlich seiner Oma, die sich illegal in den USA aufhält und an Diabetes leidet - und er hat einfach nie eine andere Wahl gehabt. Trotzdem will er seine Gang verlassen und nimmt dafür sogar seinen möglichen Tod in Kauf.
Es gibt nur eine Sache, die mich etwas irritiert hat. April und vor allem Eric, der offenbar keinen Schulabschluß hat, Bücher nur als Untersatz für Bierdosen kennt und sein ganzes Leben mit übelsten Verbrechern verbracht hat, sprechen genau die gleiche Sprache wie Noah und Meghan, die einen ganz anderen gesellschaftlichen Hintergrund haben. Bei April ist das noch zu verstehen, schließlich ist sie eine ehrgeizige Frau, die studiert und weiß, daß nur bessere Bildung ihr aus ihrer Misere helfen kann. Aber bei Eric ist es einfach seltsam. Als käme im Fernsehen ein Dialog von Angela Merkel mit einem Berliner Ghettobewohner, der die Rütli-Schule nur deswegen mit einem Hauptschulabschluß verlassen konnte, weil er seinen Lehrer mit einem Messer bedroht hat - und man könnte die Bundeskanzlerin und den Ghettobewohner nur deswegen voneinander unterscheiden, weil sie einen schickeren Hosenanzug trägt. Normalerweise müßte sich Eric doch sprachlich auf dem Niveau von Castingshow-Teilnehmern bewegen!
Davon abgesehen ist The Edge of Night jedoch trotz seinem deutlich höheren Romance- als Suspense-Anteil ein sehr spannendes und packendes Buch mit interessanten (wenn auch überdurchschnittlich schönen) Charakteren. Laßt es euch nicht entgehen!
Dienstag, 12. Juli 2011
Meredith Duran: A Lady's Lesson in Scandal
Im London des späten 19. Jahrhunderts ist Nell Whitby in den ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen. Kurz vor dem Tod ihrer Mutter hat sie erfahren, daß sie die Tochter des Earl of Rushden ist; dieser hat sich jedoch geweigert, ihr zu helfen, obwohl sie ihm einen Brief mit der Bitte um etwas Geld für einen Arzt für ihre Mutter geschrieben hatte. Nun will sich Nell rächen und dringt in das Stadthaus des Earls ein, um ihn zu erschießen. Allerdings trifft sie nicht ihren inzwischen selbst verstorbenen Vater, sondern dessen Erben Simon St. Maur an. Dieser ist selbst knapp bei Kasse und macht Nell einen nahezu unglaublichen Vorschlag: sie muß ihn nur heiraten, damit sie beide reich werden können. Nell hat nicht viel zu verlieren - und obendrein ist sie von Simon fasziniert...
Auch das vierte Buch von Meredith Duran ist wieder sehr gelungen. Nell und Simon werden wie richtige Persönlichkeiten beschrieben, deren vielschichtige Charaktere nach und nach enthüllt werden. Nell kämpft in erster Linie ums nackte Überleben. Kurz vor Beginn der Handlung hat sie ihre Arbeit in einer Zigarrenfabrik und damit ihren Lebensunterhalt verloren, und ihr brutaler Stiefbruder verlangt, daß sie sich prostituiert. Nell weiß sehr wohl, daß sie Simon in nahezu jeder Hinsicht unterlegen ist: er ist aus ihrer Sicht nicht nur reich, sondern auch mächtig. Dieser Eindruck verstärkt sich, als Simon es in kürzester Zeit schafft, Nells beste Freundin durch Bestechung aus dem Gefängnis zu befreien, wo sie zu Unrecht inhaftiert war.
Nell hat aber auch ihren Stolz; so blickt sie anfangs auf Simons Bedienstete herab, weil diese sich von einem reichen Mann herumkommandieren lassen. Verständlicherweise zögert Nell, sich auf eine Liebesbeziehung mit Simon einzulassen. Ihr ist sehr deutlich bewußt, daß er ihr alles: das Dach über ihrem Kopf, regelmäßige Mahlzeiten, saubere Kleidung und natürlich auch seine Zuneigung, ganz plötzlich wieder entziehen könnte.
Simon wird im Klappentext als "a rake of the first oder" beschrieben, aber ich finde, das trifft es ganz und gar nicht. Simon hat nie verwunden, daß seine Eltern ihn schon als Jungen in die Obhut des Earls of Rushden gegeben haben, dessen Erbe er war, und sich nie wieder um ihn gekümmert haben. Dieser Earl war allem Anschein nach ein richtig mieser Typ, der Simon für sein Interesse an Musik und Literatur verachtete und sein Testament so geschickt verfaßt hat, daß Simon zwar den Adelstitel, aber kein Geld geerbt hat. Durch das Zusammensein mit Nell erkennt er, daß sein Schicksal nicht annähernd so schlimm ist, wie er dachte: er hat zwar kein Vermögen geerbt, ist aber auch nicht arm - und er ist einflußreich und schafft es häufig, durch seinen Charme und sein gutes Aussehen andere Leute zu manipulieren.
Es gibt nicht nur dramatische, sondern auch sehr amüsante Szenen, vor allem, als Nell lernen soll, sich wie eine vornehme Dame zu verhalten. Wer hätte gedacht, daß eine Dame nie den Käse anrührt?
A Lady's Lesson in Scandal hat ein paar kleine logische Schwächen. Ich weiß beispielsweise nicht, was Nell dadurch erreichen will, daß sie ihren Vater erschießt. Das kann für sie doch nur im Gefängnis oder gar mit der Todesstrafe enden. Es wird auch nie erklärt, warum sie als kleines Mädchen entführt und von ihrer Mutter - oder Ziehmutter - in ärmlichsten Verhältnissen aufgezogen wurde.
Dazu kommt, daß das Ende des Buchs etwas übertrieben dramatisch ist.
Alles in allem ist A Lady's Lesson in Scandal jedoch ein von der ersten bis zur letzten Seite fesselndes Buch mit komplexen Charakteren (diesmal sogar von der Art, daß ich sie gern mal kennenlernen würde) und einer spannenden Handlung. Ich würde es jedem empfehlen, der gerne mal einen nicht ganz so fluffigen Historical lesen möchte.
Auch das vierte Buch von Meredith Duran ist wieder sehr gelungen. Nell und Simon werden wie richtige Persönlichkeiten beschrieben, deren vielschichtige Charaktere nach und nach enthüllt werden. Nell kämpft in erster Linie ums nackte Überleben. Kurz vor Beginn der Handlung hat sie ihre Arbeit in einer Zigarrenfabrik und damit ihren Lebensunterhalt verloren, und ihr brutaler Stiefbruder verlangt, daß sie sich prostituiert. Nell weiß sehr wohl, daß sie Simon in nahezu jeder Hinsicht unterlegen ist: er ist aus ihrer Sicht nicht nur reich, sondern auch mächtig. Dieser Eindruck verstärkt sich, als Simon es in kürzester Zeit schafft, Nells beste Freundin durch Bestechung aus dem Gefängnis zu befreien, wo sie zu Unrecht inhaftiert war.
Nell hat aber auch ihren Stolz; so blickt sie anfangs auf Simons Bedienstete herab, weil diese sich von einem reichen Mann herumkommandieren lassen. Verständlicherweise zögert Nell, sich auf eine Liebesbeziehung mit Simon einzulassen. Ihr ist sehr deutlich bewußt, daß er ihr alles: das Dach über ihrem Kopf, regelmäßige Mahlzeiten, saubere Kleidung und natürlich auch seine Zuneigung, ganz plötzlich wieder entziehen könnte.
Simon wird im Klappentext als "a rake of the first oder" beschrieben, aber ich finde, das trifft es ganz und gar nicht. Simon hat nie verwunden, daß seine Eltern ihn schon als Jungen in die Obhut des Earls of Rushden gegeben haben, dessen Erbe er war, und sich nie wieder um ihn gekümmert haben. Dieser Earl war allem Anschein nach ein richtig mieser Typ, der Simon für sein Interesse an Musik und Literatur verachtete und sein Testament so geschickt verfaßt hat, daß Simon zwar den Adelstitel, aber kein Geld geerbt hat. Durch das Zusammensein mit Nell erkennt er, daß sein Schicksal nicht annähernd so schlimm ist, wie er dachte: er hat zwar kein Vermögen geerbt, ist aber auch nicht arm - und er ist einflußreich und schafft es häufig, durch seinen Charme und sein gutes Aussehen andere Leute zu manipulieren.
Es gibt nicht nur dramatische, sondern auch sehr amüsante Szenen, vor allem, als Nell lernen soll, sich wie eine vornehme Dame zu verhalten. Wer hätte gedacht, daß eine Dame nie den Käse anrührt?
A Lady's Lesson in Scandal hat ein paar kleine logische Schwächen. Ich weiß beispielsweise nicht, was Nell dadurch erreichen will, daß sie ihren Vater erschießt. Das kann für sie doch nur im Gefängnis oder gar mit der Todesstrafe enden. Es wird auch nie erklärt, warum sie als kleines Mädchen entführt und von ihrer Mutter - oder Ziehmutter - in ärmlichsten Verhältnissen aufgezogen wurde.
Dazu kommt, daß das Ende des Buchs etwas übertrieben dramatisch ist.
Alles in allem ist A Lady's Lesson in Scandal jedoch ein von der ersten bis zur letzten Seite fesselndes Buch mit komplexen Charakteren (diesmal sogar von der Art, daß ich sie gern mal kennenlernen würde) und einer spannenden Handlung. Ich würde es jedem empfehlen, der gerne mal einen nicht ganz so fluffigen Historical lesen möchte.
Sonntag, 22. Mai 2011
Tessa Dare: Twice Tempted by a Rogue
Rhys St. Maur hat es im Leben schwer gehabt. Nach einer schlimmen Kindheit hat er jahrelang in der britischen Armee gegen Napoleon gekämpft. Nun will er in seinem Heimatdorf, das am Gesäß unseres Planeten in Devonshire liegt, nach dem Rechten sehen und trifft eine Jugendfreundin wieder: Meredith Maddox. Meredith ist die Besitzerin der einzigen Kneipe des Dorfes und hat große Pläne: sie will sie in ein Hotel für durchreisende Adlige umwandeln, um so Geld ins Dorf zu holen und Arbeitsplätze für dessen Bewohner zu schaffen. Rhys fühlt sich aufgrund der Untaten seines Vaters schuldig und beschließt, ihr zu helfen.
Eingentlich hat Twice Tempted by a Rogue fast alles, was ich an einem Liebesroman nicht mag: eine arg an den Haaren herbeigezogene und nicht wirklich logische Geschichte, das, was der Amerikaner sehr treffend als "wallpaper history" bezeichnet, und last but not least eine Spontane Hochzeit. Oder besser gesagt, einen spontanen Heiratswunsch, denn Rhys sagt Merry schon auf Seite 45, daß sie heiraten werden. Wohl gemerkt, er sagt es ihr - er fragt sie gar nicht erst.
Auf die Geschichte von Rhys' Familie wird nicht weiter eingegangen, aber offensichtlich ist das Dorf, in dem das Buch spielt, wirklich am Popo des Universums und Rhys' Familie hatte dort einen Landsitz, der wohl der einzige Ort war, wo die Dorfbewohner Arbeit finden konnten. Nachdem der Landsitz abgebrannt ist, gibt es im Dorf nur noch Merrys Kneipe. Es gibt weder Ackerbau noch Viehzucht oder irgendeine andere Form der Primär- oder Sekundärindustrie. Die Dorfbewohner vertreiben sich die Zeit damit, in der Kneipe abzuhängen und Luxusgüter aus Frankreich ins Land zu schmuggeln.
Nun kommt also Rhys nach mehreren Jahren zum ersten Mal dorthin und zwischen ihm und Merry funkt es sofort. Rhys bekommt das aber erst nicht mit, denn nach einem Leben voller Gewalttaten hat er ziemlich viele Narben und auch das ein oder andere Zipperlein; er denkt einfach nicht, daß eine Frau ihn attraktiv finden könnte. Was er anfangs nicht weiß, ist, daß Merry schon als junges Mädchen in ihn verschossen war und ihn nie vergessen hat. Sie muß ziemlich deutlich werden, damit er begreift, daß sie ihn will.
Das macht die schon erwähnte Hochzeitsankündigung auf Seite 45 umso befremdlicher. Rhys denkt, daß Merry ihn körperlich abstoßend findet und ich sehe auch beim allerbesten Willen nicht ein, warum er ihr, ihrem Vater und dem ganzen Dorf nicht finanziell und sonstwie helfen kann, ohne daß die beiden heiraten - es ergibt einfach keinen Sinn. Diese Szene war ein extremer literarischer WTF???-Moment für mich.
Das erstaunliche daran ist aber, daß ich das Buch genossen habe. Ich fand es toll, trotz des doofen Plots!
Das liegt einerseits am ungewöhnlichen Handlungsort - endlich mal keine Bälle, Kutschen und Abendkleider. In Merrys und Rhys' Dorf ist wirklich der Hund begraben. Die Bürgersteige werden da nur deshalb nicht nachmittags um 17 Uhr hochgeklappt, weil man sich morgens gar nicht erst die Mühe macht, sie runterzuklappen. Noch besser haben mir aber die Protagonisten gefallen.
Merry ist klasse. Sie ist eine resolute, selbstbewußte und sehr pragmatisch denkende Frau, die weiß, was sie will und ihren Mitmenschen das dann auch direkt mitteilt. Vor Jahren hat sie den Besitzer der Kneipe geheiratet, der viel älter als sie selbst und nicht ihre große Liebe war. Das war ihre eigene Idee, um so für ihren Lebensunterhalt und den ihres Vaters sorgen zu können. Selbstmitleid, Hysterie und zickiges Verhalten sind ihr völlig fremd. Was sie noch sympathischer macht, sind ihre Liebesromanheldinnen-untypischen Schwächen. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie sich da und dort mal einen Liebhaber genommen, und schwierigen Situationen begegnet sie gerne mal, indem sie sich einen trinkt. Na denn, Prost! Rhys hat sie schon immer gewollt, schon seit sie alt genug war, um sich überhaupt für Jungen zu interessieren. Trotzdem verschließt sie ihre Augen niemals vor seinen Schwächen und läßt sich auch nicht von ihm herumkommandieren.
Rhys ist nicht gerade das Superhirn unter den Romanhelden, und das ist ihm selbst auch durchaus klar. Er denkt von sich selber, daß er außer Kämpfen und Töten und alles, wofür man rohe Kraft braucht, nicht viel kann. Mangelndes Durchhaltevermögen kann man ihm ebenfalls nicht vorwerfen, denn als die Dorfbewohner versuchen, ihn beim Bau eines Hauses zu sabotieren, läßt er sich durch nichts entmutigen. Es ist unwahrscheinlich rührend zu lesen, wie er versucht, um Merry zu werben, indem er ihr kleine Geschenke bringt und leicht unbeholfene Komplimente macht.
Die beiden müssen sich im Laufe des Buches nach und nach erst besser kennenlernen und auch das wird sehr eindrucksvoll beschrieben: es dauert ein wenig, bis Rhys klar wird, daß Merry die Kneipe tatsächlich als ihr Lebenswerk betrachtet und nicht nur als eine Möglichkeit, sich finanziell über Wasser zu halten, bis sie wieder heiratet. Und Rhys ist durch die Erlebnisse seiner Kindheit und während des Krieges ziemlich verkorkst und wird vermutlich nie ein normaler, umgänglicher Zeitgenosse sein. Er würde Merry selbst niemals ein Haar krümmen, aber gegenüber anderen Personen wird er manchmal ziemlich gewalttätig. Vor allem, da er sich für unkaputtbar hält.
Bleibt noch die Frage, ob ein britischer Aristokrat im 19. Jahrhundert tatsächlich so mir nichts, dir nichts eine Kneipenbesitzerin von zweifelhafter Moral geheiratet hätte - aber das tritt genauso in den Hintergrund wie alles andere (und das ist nicht wenig) was an der Handlung unlogisch ist. Dafür machen das Buch und seine interessanten Charaktere einfach zuviel Spaß.
Eingentlich hat Twice Tempted by a Rogue fast alles, was ich an einem Liebesroman nicht mag: eine arg an den Haaren herbeigezogene und nicht wirklich logische Geschichte, das, was der Amerikaner sehr treffend als "wallpaper history" bezeichnet, und last but not least eine Spontane Hochzeit. Oder besser gesagt, einen spontanen Heiratswunsch, denn Rhys sagt Merry schon auf Seite 45, daß sie heiraten werden. Wohl gemerkt, er sagt es ihr - er fragt sie gar nicht erst.
Auf die Geschichte von Rhys' Familie wird nicht weiter eingegangen, aber offensichtlich ist das Dorf, in dem das Buch spielt, wirklich am Popo des Universums und Rhys' Familie hatte dort einen Landsitz, der wohl der einzige Ort war, wo die Dorfbewohner Arbeit finden konnten. Nachdem der Landsitz abgebrannt ist, gibt es im Dorf nur noch Merrys Kneipe. Es gibt weder Ackerbau noch Viehzucht oder irgendeine andere Form der Primär- oder Sekundärindustrie. Die Dorfbewohner vertreiben sich die Zeit damit, in der Kneipe abzuhängen und Luxusgüter aus Frankreich ins Land zu schmuggeln.
Nun kommt also Rhys nach mehreren Jahren zum ersten Mal dorthin und zwischen ihm und Merry funkt es sofort. Rhys bekommt das aber erst nicht mit, denn nach einem Leben voller Gewalttaten hat er ziemlich viele Narben und auch das ein oder andere Zipperlein; er denkt einfach nicht, daß eine Frau ihn attraktiv finden könnte. Was er anfangs nicht weiß, ist, daß Merry schon als junges Mädchen in ihn verschossen war und ihn nie vergessen hat. Sie muß ziemlich deutlich werden, damit er begreift, daß sie ihn will.
Das macht die schon erwähnte Hochzeitsankündigung auf Seite 45 umso befremdlicher. Rhys denkt, daß Merry ihn körperlich abstoßend findet und ich sehe auch beim allerbesten Willen nicht ein, warum er ihr, ihrem Vater und dem ganzen Dorf nicht finanziell und sonstwie helfen kann, ohne daß die beiden heiraten - es ergibt einfach keinen Sinn. Diese Szene war ein extremer literarischer WTF???-Moment für mich.
Das erstaunliche daran ist aber, daß ich das Buch genossen habe. Ich fand es toll, trotz des doofen Plots!
Das liegt einerseits am ungewöhnlichen Handlungsort - endlich mal keine Bälle, Kutschen und Abendkleider. In Merrys und Rhys' Dorf ist wirklich der Hund begraben. Die Bürgersteige werden da nur deshalb nicht nachmittags um 17 Uhr hochgeklappt, weil man sich morgens gar nicht erst die Mühe macht, sie runterzuklappen. Noch besser haben mir aber die Protagonisten gefallen.
Merry ist klasse. Sie ist eine resolute, selbstbewußte und sehr pragmatisch denkende Frau, die weiß, was sie will und ihren Mitmenschen das dann auch direkt mitteilt. Vor Jahren hat sie den Besitzer der Kneipe geheiratet, der viel älter als sie selbst und nicht ihre große Liebe war. Das war ihre eigene Idee, um so für ihren Lebensunterhalt und den ihres Vaters sorgen zu können. Selbstmitleid, Hysterie und zickiges Verhalten sind ihr völlig fremd. Was sie noch sympathischer macht, sind ihre Liebesromanheldinnen-untypischen Schwächen. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie sich da und dort mal einen Liebhaber genommen, und schwierigen Situationen begegnet sie gerne mal, indem sie sich einen trinkt. Na denn, Prost! Rhys hat sie schon immer gewollt, schon seit sie alt genug war, um sich überhaupt für Jungen zu interessieren. Trotzdem verschließt sie ihre Augen niemals vor seinen Schwächen und läßt sich auch nicht von ihm herumkommandieren.
Rhys ist nicht gerade das Superhirn unter den Romanhelden, und das ist ihm selbst auch durchaus klar. Er denkt von sich selber, daß er außer Kämpfen und Töten und alles, wofür man rohe Kraft braucht, nicht viel kann. Mangelndes Durchhaltevermögen kann man ihm ebenfalls nicht vorwerfen, denn als die Dorfbewohner versuchen, ihn beim Bau eines Hauses zu sabotieren, läßt er sich durch nichts entmutigen. Es ist unwahrscheinlich rührend zu lesen, wie er versucht, um Merry zu werben, indem er ihr kleine Geschenke bringt und leicht unbeholfene Komplimente macht.
Die beiden müssen sich im Laufe des Buches nach und nach erst besser kennenlernen und auch das wird sehr eindrucksvoll beschrieben: es dauert ein wenig, bis Rhys klar wird, daß Merry die Kneipe tatsächlich als ihr Lebenswerk betrachtet und nicht nur als eine Möglichkeit, sich finanziell über Wasser zu halten, bis sie wieder heiratet. Und Rhys ist durch die Erlebnisse seiner Kindheit und während des Krieges ziemlich verkorkst und wird vermutlich nie ein normaler, umgänglicher Zeitgenosse sein. Er würde Merry selbst niemals ein Haar krümmen, aber gegenüber anderen Personen wird er manchmal ziemlich gewalttätig. Vor allem, da er sich für unkaputtbar hält.
Bleibt noch die Frage, ob ein britischer Aristokrat im 19. Jahrhundert tatsächlich so mir nichts, dir nichts eine Kneipenbesitzerin von zweifelhafter Moral geheiratet hätte - aber das tritt genauso in den Hintergrund wie alles andere (und das ist nicht wenig) was an der Handlung unlogisch ist. Dafür machen das Buch und seine interessanten Charaktere einfach zuviel Spaß.
Montag, 25. April 2011
Carrie Lofty: Scoundrel's Kiss
Im frühen 13. Jahrhundert hat es Ada of Keyworth, eine junge, sprachbegabte Engländerin, ausgerechnet nach Spanien an den Hof einer reichen und mächtigen Fürstin verschlagen. Ada hat ein großes Problem, sie ist nämlich opiumsüchtig. Und es dauert nicht lange, bis ihre Sucht sie dazu zwingt, sich in einem Bordell versteigern zu lassen. Genau dort wird sie von Gavriel de Marqueda gefunden. Gavriel ist ein mißmutiger Möchtegern-Mönch, dessen Aufgabe es ist, eine Prostituierte auf den Pfad der Tugend zu führen, bevor er endgültig dem Mönchsorden beitreten darf. Gavriel schnappt sich also die ziemlich weggetretene und über diese Entwicklung der Dinge alles andere als erfreute Ada und türmt mit ihr aus dem Bordell - nur um sich dadurch einen ganzen Schwung neuer Probleme einzuhandeln, die mit Adas Entziehungskur zwar anfangen, aber noch lange nicht aufhören. Die Bösen sind nämlich nicht nur hinter ihm, sondern auch hinter Ada her, und auch die Mönche sind nicht alle das, was sie zu sein vorgeben. Obendrein findet Gavriel Ada ungemein verlockend, und sie macht auch kein Geheimnis daraus, daß sie sich zu ihm hingezogen fühlt...
Ja, ich weiß. Als ich las, daß Gavriel eine Prostituierte bekehren soll, dachte ich auch "WTF? Was'n das für'n komischer Mönchsorden?? Was werden sich amerikanische Liebesromanautorinnen denn noch alles ausdenken, um ihre Paare in den unglaublichsten Situationen zusammenzubringen?" Aber keine Sorge. Es klärt sich alles noch mehr oder weniger auf.
Tatsächlich ist Scoundrel's Kiss ein fabelhaftes Buch. Spanien ist ja ein eher seltener Handlungsort für Liebesromane, und allein das macht es schon interessant. Ich hätte gern mehr über die politischen Hintergründe der Handlung erfahren, aber es gibt vieles, was diesen Mangel an Information wettmacht. Es gibt jede Menge Action und zwar von der Art, die vor nichts zurückschreckt. Die Charaktere lieben und leiden, sie flüchten in sengender Hitze durch die Wüste, sie haben Schmerzen, verletzen sich, sie schwitzen und werden schmutzig, und das ist alles sehr lebendig beschrieben.
Ada und Gavriel sind wunderbar verkorkst. Sie sind nicht gerade die Art von Leuten, die man im wirklichen Leben kennen möchte, aber ungemein interessant als Romanfiguren. Sie sind nicht unbedingt immer nur gut und edel - genaugenommen sind sie das eher selten. Gavriel ist der uneheliche Sohn eines Fürsten und wurde von diesem sein ganzes Leben lang gequält, aber auch zum Kämpfer ausgebildet und gezwungen, an dessen finsteren Machenschaften teilzunehmen. Ada hat in ihrer englischen Heimat offenbar einige schlimme Dinge angestellt und wurde gefoltert. Es fällt beiden schwer, sich gegenseitig zu vertrauen - oder auch nur die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, überhaupt an irgendwen oder irgendwas zu glauben.
Liebesromanheldinnen sind ja gerne mal zimperlich. Ada nicht. Ada ist eine Kämpferin, die nicht zögert, sich mit ihrem kleinen Dolch und allem, was ihr sonst noch zur Verfügung steht, gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Und sie hat einen Sinn für Humor, der sich langsam, ganz, ganz langsam auf den bis dahin völlig humorlosen Gavriel überträgt. Gavriel selbst hatte bisher nie wirklich die Freiheit zu entscheiden, wie und was er sein möchte. Und er hätte auch nie gedacht, daß er außer zum Menschen töten noch zu etwas anderem zu gebrauchen sein könnte. Im Lauf der Handlung fängt er an, für sich selbst zu denken und sich selbst zu respektieren. Nur das ermöglicht es ihm, sich in Ada zu verlieben und sie als seine Partnerin anzusehen. Leider hat sich beinah die ganze Welt gegen die beiden verschworen, und bis zum wohlverdienten Happy End müssen viele Hindernisse überwunden werden.
Ich war jedenfalls sehr begeistert von Scoundrel's Kiss (obwohl das ein doofer und ziemlich unpassender Buchtitel ist). Endlich mal wieder ein Roman mit richtig dramatischer Handlung und Protagonisten mit Charakter!
Ja, ich weiß. Als ich las, daß Gavriel eine Prostituierte bekehren soll, dachte ich auch "WTF? Was'n das für'n komischer Mönchsorden?? Was werden sich amerikanische Liebesromanautorinnen denn noch alles ausdenken, um ihre Paare in den unglaublichsten Situationen zusammenzubringen?" Aber keine Sorge. Es klärt sich alles noch mehr oder weniger auf.
Tatsächlich ist Scoundrel's Kiss ein fabelhaftes Buch. Spanien ist ja ein eher seltener Handlungsort für Liebesromane, und allein das macht es schon interessant. Ich hätte gern mehr über die politischen Hintergründe der Handlung erfahren, aber es gibt vieles, was diesen Mangel an Information wettmacht. Es gibt jede Menge Action und zwar von der Art, die vor nichts zurückschreckt. Die Charaktere lieben und leiden, sie flüchten in sengender Hitze durch die Wüste, sie haben Schmerzen, verletzen sich, sie schwitzen und werden schmutzig, und das ist alles sehr lebendig beschrieben.
Ada und Gavriel sind wunderbar verkorkst. Sie sind nicht gerade die Art von Leuten, die man im wirklichen Leben kennen möchte, aber ungemein interessant als Romanfiguren. Sie sind nicht unbedingt immer nur gut und edel - genaugenommen sind sie das eher selten. Gavriel ist der uneheliche Sohn eines Fürsten und wurde von diesem sein ganzes Leben lang gequält, aber auch zum Kämpfer ausgebildet und gezwungen, an dessen finsteren Machenschaften teilzunehmen. Ada hat in ihrer englischen Heimat offenbar einige schlimme Dinge angestellt und wurde gefoltert. Es fällt beiden schwer, sich gegenseitig zu vertrauen - oder auch nur die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, überhaupt an irgendwen oder irgendwas zu glauben.
Liebesromanheldinnen sind ja gerne mal zimperlich. Ada nicht. Ada ist eine Kämpferin, die nicht zögert, sich mit ihrem kleinen Dolch und allem, was ihr sonst noch zur Verfügung steht, gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Und sie hat einen Sinn für Humor, der sich langsam, ganz, ganz langsam auf den bis dahin völlig humorlosen Gavriel überträgt. Gavriel selbst hatte bisher nie wirklich die Freiheit zu entscheiden, wie und was er sein möchte. Und er hätte auch nie gedacht, daß er außer zum Menschen töten noch zu etwas anderem zu gebrauchen sein könnte. Im Lauf der Handlung fängt er an, für sich selbst zu denken und sich selbst zu respektieren. Nur das ermöglicht es ihm, sich in Ada zu verlieben und sie als seine Partnerin anzusehen. Leider hat sich beinah die ganze Welt gegen die beiden verschworen, und bis zum wohlverdienten Happy End müssen viele Hindernisse überwunden werden.
Ich war jedenfalls sehr begeistert von Scoundrel's Kiss (obwohl das ein doofer und ziemlich unpassender Buchtitel ist). Endlich mal wieder ein Roman mit richtig dramatischer Handlung und Protagonisten mit Charakter!
Sonntag, 27. März 2011
Karen Rose: Todesbräute
Originaltitel: Scream for Me
In einer Kleinstadt im amerikanischen Bundesstaat Georgia wird die Leiche einer auf grausame Weise ums Leben gebrachten Frau gefunden, und Special Agent Daniel Vartanian soll bei der Aufklärung des Falls helfen. Das ist nicht leicht für ihn: seine Familie stammt aus der Gegend. Es ist eine der verkorkstesten Familien in der Geschichte des Kriminalromans, und jeder tuschelt über Daniel.
Etwa zur gleichen Zeit verschwindet Bailey, die Stiefschwester der Krankenschwester Alex Fallon, spurlos aus demselben Ort. Alex ist zutiefst besorgt: sie hatte von ihrer Stiefschwester, die drogensüchtig war, schon seit Jahren nichts gehört und hatte keine Ahnung, daß diese eine kleine Tochter namens Hope hat. Nun muß sich Alex um Hope kümmern, die seit dem Verschwinden ihrer Mutter nicht mehr spricht.
Die Polizei arbeitet fieberhaft daran, den Mord aufzuklären, weitere Morde zu verhindern und Bailey zu finden. Alex und Daniel fühlen sich zueinander hingezogen und unterstützen einander; aber wem kann man trauen? Haben wirklich alle Polizisten der kleinen Ortschaft ein aufrichtiges Interesse an der Aufklärung der Fälle, und welche Rolle spielt die grausige Vergangenheit von sowohl Alex' als auch Daniels Familie?
Todesbräute ist wieder ein typisches Karen Rose-Buch mit überaus sympathischen Protagonisten und außerordentlich grausamen Verbrechern, die wirklich widerliche Taten begehen. Es ist natürlich ein sehr düsteres Buch, auch weil es nicht nur einen Verbrecher gibt, der entsetzliche Taten begeht, sondern mehrere. Aber es ist nicht so finster wie so manch anderer Thriller (nicht, daß ich was gegen die finstere Sorte von Buch habe; auch die finden ihren Platz in meinem SUB), und das liegt an Daniel und Alex, die trotz ihrer schlimmen Erlebnisse anständige Menschen sind und es vor allem erstaunlicherweise geschafft haben, eben nicht alles negativ zu sehen. Sie verlieben sich und glauben ohne wenn und aber an das Gute im jeweils anderen - unter den Umständen ist das durchaus bewundernswert. Es gibt auch nicht diese "ich bin nicht gut genug für dich" - "nein, ich bin nicht gut genug für dich"-Szenen, die ich in Büchern mit tortured heroes immer so fürchterlich finde.
Sehr gelungen fand ich die Darstellung der Polizeiarbeit als Teamarbeit. Hier gibt es keine heldenhaften Einzelgänger und keinen Macho-Polizisten, der die Welt rettet, indem er ein paar Türen eintritt und dem Bösewicht mal so richtigdie Fresse poliert zeigt, daß er sich so nicht benehmen kann. Na ja, das mit dem Türen eintreten gibt's ja eh öfter im Fernsehen als in Büchern (das fand ich z. B. bei Starsky und Hutch immer ganz amüsant, aber amerikanische Türen sind ja auch nicht besonders robust).
Einzig die Darstellung der griechischen Großfamilie von Daniels Kollegen Luke fand ich etwas arg klischeehaft geraten, aber das kann ich leicht verzeihen. Todesbräute ist einfach ein gutes Buch und eine klare Empfehlung für alle, die gern Thriller und/oder Romantic Suspense lesen.
In einer Kleinstadt im amerikanischen Bundesstaat Georgia wird die Leiche einer auf grausame Weise ums Leben gebrachten Frau gefunden, und Special Agent Daniel Vartanian soll bei der Aufklärung des Falls helfen. Das ist nicht leicht für ihn: seine Familie stammt aus der Gegend. Es ist eine der verkorkstesten Familien in der Geschichte des Kriminalromans, und jeder tuschelt über Daniel.
Etwa zur gleichen Zeit verschwindet Bailey, die Stiefschwester der Krankenschwester Alex Fallon, spurlos aus demselben Ort. Alex ist zutiefst besorgt: sie hatte von ihrer Stiefschwester, die drogensüchtig war, schon seit Jahren nichts gehört und hatte keine Ahnung, daß diese eine kleine Tochter namens Hope hat. Nun muß sich Alex um Hope kümmern, die seit dem Verschwinden ihrer Mutter nicht mehr spricht.
Die Polizei arbeitet fieberhaft daran, den Mord aufzuklären, weitere Morde zu verhindern und Bailey zu finden. Alex und Daniel fühlen sich zueinander hingezogen und unterstützen einander; aber wem kann man trauen? Haben wirklich alle Polizisten der kleinen Ortschaft ein aufrichtiges Interesse an der Aufklärung der Fälle, und welche Rolle spielt die grausige Vergangenheit von sowohl Alex' als auch Daniels Familie?
Todesbräute ist wieder ein typisches Karen Rose-Buch mit überaus sympathischen Protagonisten und außerordentlich grausamen Verbrechern, die wirklich widerliche Taten begehen. Es ist natürlich ein sehr düsteres Buch, auch weil es nicht nur einen Verbrecher gibt, der entsetzliche Taten begeht, sondern mehrere. Aber es ist nicht so finster wie so manch anderer Thriller (nicht, daß ich was gegen die finstere Sorte von Buch habe; auch die finden ihren Platz in meinem SUB), und das liegt an Daniel und Alex, die trotz ihrer schlimmen Erlebnisse anständige Menschen sind und es vor allem erstaunlicherweise geschafft haben, eben nicht alles negativ zu sehen. Sie verlieben sich und glauben ohne wenn und aber an das Gute im jeweils anderen - unter den Umständen ist das durchaus bewundernswert. Es gibt auch nicht diese "ich bin nicht gut genug für dich" - "nein, ich bin nicht gut genug für dich"-Szenen, die ich in Büchern mit tortured heroes immer so fürchterlich finde.
Sehr gelungen fand ich die Darstellung der Polizeiarbeit als Teamarbeit. Hier gibt es keine heldenhaften Einzelgänger und keinen Macho-Polizisten, der die Welt rettet, indem er ein paar Türen eintritt und dem Bösewicht mal so richtig
Einzig die Darstellung der griechischen Großfamilie von Daniels Kollegen Luke fand ich etwas arg klischeehaft geraten, aber das kann ich leicht verzeihen. Todesbräute ist einfach ein gutes Buch und eine klare Empfehlung für alle, die gern Thriller und/oder Romantic Suspense lesen.
Sonntag, 13. Februar 2011
Meljean Brook: The Iron Duke
In der Welt dieses Buches wurde England - so etwa im 19. Jahrhundert, würde ich sagen - vor wenigen Jahren von der Besetzung durch die Mongolen (die als "Horde" bezeichnet werden) befreit. Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Handel und Wandel werden dadurch eingeschränkt, daß große Teile der Welt abseits der großen Städte nur noch von Zombies bevölkert werden. Doch es herrscht auch eine Aufbruchstimmung: nahezu jedes Ding und sogar menschliche Körper können mechanisch und durch Dampfmaschinen angetrieben werden, und jeden Tag kommen neue Erfindungen hinzu. In dieser Welt lebt die Polizistin Mina Wentworth. Sie entstammt einer alteingesessenen, aber etwas verarmten Adelsfamilie. Eines Tages muß sie einen bizarren Mordfall aufklären: ein Toter wurde aus einem Luftschiff direkt auf das Grundstück des "Eisernen Herzogs", eines berühmten Nationalhelden, geworfen. Schon bald erweist sich der Mord als Teil einer perfiden Verschwörung, die Mina mit Hilfe von Rhys Trahearn, des Eisernen Herzogs, aufdecken muß, um eine nationale Katastrophe zu verhindern. Doch wie lange wird sie sich dessen Annhäherungsversuchen entziehen können - und wollen?
Oh Mann. Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie großartig dieses Buch ist. Die Welt, die die Autorin geschaffen hat, ist der helle Wahnsinn. So viel Fantasie muß man erst mal haben! Und es ist alles so detailliert beschrieben. Mir haben sich vor Begeisterung ein ums andere Mal die Zehennägel aufgerollt. Es gibt mechanisch funktionierende Körperteile und ganze künstliche Tiere, wie beispielsweise Riesenhaie, die die Meere bevölkern. Es gibt sogar dampfbetriebene Autos, bei denen man zwischendurch immer mal ein paar Scheite Holz nachlegen muß (oder war es Kohle? Ich gestehe, daß ich es nicht mehr weiß. Aber trotzdem: das ist so cool!) Es gibt Luftschiffe. Und Zombies. Die Luft ist in den Städten - ein großer Teil des Buches spielt in London - natürlich völlig verpestet, aber auch dafür gibt's eine Lösung: die Bewohner lassen sich eine Art mechanische Bakterien (Bugs) spritzen, die sich in ihrem Blutkreislauf breitmachen und die Schadstoffe auffressen.
Ja, Charaktere und eine Handlung gibt es natürlich auch. Mina, die Polizistin, ist in einer schwierigen Situation. Ihr biologischer Vater war ein Mongole, so daß ihre Gesichtszüge ein wenig asiatisch sind - und da die Mongolen jahrelang die verhaßten Unterdrücker Englands waren, trifft sie deswegen des öfteren auf Ablehnung. Ihr Verhalten muß ebenso tadellos sein wie ihr Ruf, gerade auch, um ihren Arbeitsplatz behalten zu können, denn ihr Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familie ist wichtig. Eine Affäre mit dem Eisernen Herzog käme ihr daher ganz und gar ungelegen, aber sie fühlt sich auch gegen ihren Willen zu ihm hingezogen. Dennoch dauert es lange, bis sie ihm vertrauen kann. Bei ihren Vorgesetzten ist Mina gut angesehen, aber sie selbst ist sich nicht sicher, ob nicht einige von ihnen selbst in finstere Machenschaften verwickelt sind. Trotzdem scheut Mina keine Mühen, um die Verschwörung aufzuklären, besonders, als ihr kleiner Bruder in Gefahr gerät.
Rhys Trahearn, der Eiserne Herzog, hat vor wenigen Jahren mit seiner Schiffsbesatzung quasi im Alleingang England von der Horde befreit und ist daher ein enorm beliebter Nationalheld. Er kann kaum irgendwo hingehen, ohne erkannt zu werden. Sein Adelstitel wurde ihm als Dank für seine Heldentaten verliehen, und er muß sich erst noch an sein neues Leben als reicher Adliger und Händler gewöhnen. Rhys ist schon das, was man als Alpha-Helden bezeichnet: er sieht etwas, das er haben will, und nimmt es sich einfach, ohne allzuviele Gedanken an die Wünsche seiner Mitmenschen zu verschwenden.
Doch das ist nur eine Seite seiner Persönlichkeit. Rhys hat einige gute Freunde, denen er vertraut und für die er alles tun würde, und nachdem er Mina besser kennenlernt, lernt er auch, ihre Wünsche zu respektieren und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.
Zugegeben, es gibt einige Handlungselemente, die nicht ganz logisch sind. Normalerweise ist das ja etwas, womit ich gar nicht gut leben kann. Aber bei The Iron Duke dachte ich mir - was soll's? Es gibt eine faszinierende, bizarre Parallelwelt. Dampfmaschinen, Zombies, interessante Charaktere und jede Menge Action. Was es in diesem Buch auf keiner einzigen Seite gibt, ist Langeweile. Also: ich will mehr! Hoffentlich schreibt die Autorin noch weitere Bücher, die in dieser Welt spielen.
(Nur das Buchcover, das ist mordshäßlich. Ich dachte erst, es sei ein Hamsterrad darauf abgebildet, es ist aber wohl eher eine Art Gullydeckel).
Oh Mann. Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie großartig dieses Buch ist. Die Welt, die die Autorin geschaffen hat, ist der helle Wahnsinn. So viel Fantasie muß man erst mal haben! Und es ist alles so detailliert beschrieben. Mir haben sich vor Begeisterung ein ums andere Mal die Zehennägel aufgerollt. Es gibt mechanisch funktionierende Körperteile und ganze künstliche Tiere, wie beispielsweise Riesenhaie, die die Meere bevölkern. Es gibt sogar dampfbetriebene Autos, bei denen man zwischendurch immer mal ein paar Scheite Holz nachlegen muß (oder war es Kohle? Ich gestehe, daß ich es nicht mehr weiß. Aber trotzdem: das ist so cool!) Es gibt Luftschiffe. Und Zombies. Die Luft ist in den Städten - ein großer Teil des Buches spielt in London - natürlich völlig verpestet, aber auch dafür gibt's eine Lösung: die Bewohner lassen sich eine Art mechanische Bakterien (Bugs) spritzen, die sich in ihrem Blutkreislauf breitmachen und die Schadstoffe auffressen.
Ja, Charaktere und eine Handlung gibt es natürlich auch. Mina, die Polizistin, ist in einer schwierigen Situation. Ihr biologischer Vater war ein Mongole, so daß ihre Gesichtszüge ein wenig asiatisch sind - und da die Mongolen jahrelang die verhaßten Unterdrücker Englands waren, trifft sie deswegen des öfteren auf Ablehnung. Ihr Verhalten muß ebenso tadellos sein wie ihr Ruf, gerade auch, um ihren Arbeitsplatz behalten zu können, denn ihr Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familie ist wichtig. Eine Affäre mit dem Eisernen Herzog käme ihr daher ganz und gar ungelegen, aber sie fühlt sich auch gegen ihren Willen zu ihm hingezogen. Dennoch dauert es lange, bis sie ihm vertrauen kann. Bei ihren Vorgesetzten ist Mina gut angesehen, aber sie selbst ist sich nicht sicher, ob nicht einige von ihnen selbst in finstere Machenschaften verwickelt sind. Trotzdem scheut Mina keine Mühen, um die Verschwörung aufzuklären, besonders, als ihr kleiner Bruder in Gefahr gerät.
Rhys Trahearn, der Eiserne Herzog, hat vor wenigen Jahren mit seiner Schiffsbesatzung quasi im Alleingang England von der Horde befreit und ist daher ein enorm beliebter Nationalheld. Er kann kaum irgendwo hingehen, ohne erkannt zu werden. Sein Adelstitel wurde ihm als Dank für seine Heldentaten verliehen, und er muß sich erst noch an sein neues Leben als reicher Adliger und Händler gewöhnen. Rhys ist schon das, was man als Alpha-Helden bezeichnet: er sieht etwas, das er haben will, und nimmt es sich einfach, ohne allzuviele Gedanken an die Wünsche seiner Mitmenschen zu verschwenden.
Doch das ist nur eine Seite seiner Persönlichkeit. Rhys hat einige gute Freunde, denen er vertraut und für die er alles tun würde, und nachdem er Mina besser kennenlernt, lernt er auch, ihre Wünsche zu respektieren und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.
Zugegeben, es gibt einige Handlungselemente, die nicht ganz logisch sind. Normalerweise ist das ja etwas, womit ich gar nicht gut leben kann. Aber bei The Iron Duke dachte ich mir - was soll's? Es gibt eine faszinierende, bizarre Parallelwelt. Dampfmaschinen, Zombies, interessante Charaktere und jede Menge Action. Was es in diesem Buch auf keiner einzigen Seite gibt, ist Langeweile. Also: ich will mehr! Hoffentlich schreibt die Autorin noch weitere Bücher, die in dieser Welt spielen.
(Nur das Buchcover, das ist mordshäßlich. Ich dachte erst, es sei ein Hamsterrad darauf abgebildet, es ist aber wohl eher eine Art Gullydeckel).
Sonntag, 5. September 2010
Alaya Johnson: Moonshine
Zephyr Hollis stammt aus einer Familie von Vampir- und Dämonenjägern, doch statt mit ihrem Vater auf die Jagd nach solchen Wesen zu gehen, hat sie sich entschlossen, in New York zu leben und sich für die Rechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen einzusetzen - von denen es im New York der 20er Jahre nicht eben wenige gibt. Eines Tages bittet ein geheimnisvoller Mann namens Amir sie, ihm bei der Suche nach einem gewissen Rinaldo zu helfen. Dieser Rinaldo ist ein Mafiaboß und man vermutet, daß er auch ein Vampir sein könnte. Zephyr selbst ist immun gegen Vampirbisse und durchaus in der Lage, Amir zu helfen; doch was will er von Rinaldo, und was hat er mit der entsetzlichen Droge zu tun, die die Vampire neuerdings in einen Blutrausch versetzt?
Ich gebe es zu: ich kann selten einem Buch mit einem ungewöhnlichen Handlungsort bzw. einer ungewöhnlichen Handlungszeit widerstehen. New York in den 20er Jahren findet man ja eher selten als Handlungsort für Unterhaltungsliteratur - und dann noch mit Vampiren? Das Buch landete schneller in meinem Amazon-Einkaufswagen, als man "Blutkonserve" sagen kann, denn auch die Leseprobe schien vielversprechend zu sein. Als ich es dann in den Händen hielt, hätte ich es beinah genauso schnell wieder zur Seite und auf meinen "muß mich irgendwann wohl mal dadurchquälen"-Bücherstapel gelegt, denn wie sich herausstellte, hat es einige Dinge, die ich in meinen Büchern überhaupt gar nicht schätze: eine bis zur Selbstaufgabe wohltätige Heldin und jede Menge Sozialkritik.
Ich bin froh, daß ich Moonshine nicht beiseite gelegt habe. Es ist eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe! Alaya Johnson versteht es perfekt, die Atmosphäre New Yorks einzufangen, zumindest so, wie ich es mir zu dieser Zeit vorstelle: unglaubliche Armut auf der einen Seite, Reichtum und Dekadenz auf der anderen. Und irgendwo hat fast jeder im Hinterkopf das Bewußtsein: mit etwas Glück und Geschick kann ich in diesem Land alles erreichen. Die Frauenrechte sind auf dem Vormarsch, und tatsächlich sind die weiblichen Charaktere des Buches, einschließlich der Heldin, sehr selbstbewußt und auch selbstbestimmt. Sie tragen kurze Haare und kurze Röcke und schminken sich und kommen sich dabei noch ein wenig verrucht und gewagt vor - aber sie haben Spaß daran. Und fast alle betrachten die Prohibition eher als eine interessante Herausforderung an ihre Gewitztheit denn als ernstzunehmendes Alkoholverbot.
Zwischen den menschlichen Charakteren tummelt sich allerhand übersinnliches Gezücht und die staunende Leserin (ich) lernt, daß ein mit arabischen Zaubersprüchen bearbeitetes Schwert tatsächlich nur bei arabischen Dämonen wirksam ist. Es gibt Vampire, und es gibt das organisierte Verbrechen, und es gibt Jugendgangs, deren Mitglieder Vampire sind.
Mitten drin ist Zephyr, die Heldin (ein doofer Name für eine Heldin, aber weil mir das Buch so gut gefällt, sehe ich darüber hinweg). Zephyr ist gegen Vampirbisse immun - das heißt, sie selbst kann niemals verwandelt werden, und aufgrund ihrer Ausbildung als Dämonen- und Vampirjägerin hat sie vor paranormalen Bösewichten etwas weniger Angst als einige ihrer Zeitgenossen.
Amir - der nach Zephyrs Meinung ein wenig wie Rudolph Valentino in "Der Scheich" aussieht, nur attraktiver - lernt sie an der Volkshochschule kennen, wo sie für Einwanderer Kurse gibt. Eigentlich weiß sie gar nichts über ihn, außer, daß er keineswegs das ist, was er zu sein vorgibt: ein armer, vom Schicksal gebeutelter Einwanderer.
Von dem Moment an, da Amir Zephyr um ihre Hilfe bei der Suche nach Rinaldo bittet, gibt es so viel Action, daß die arme Zephyr kaum mal einen Moment der Ruhe für ein kleines Nickerchen findet. Aber im Gegensatz zur Heldin genieße ich jede Minute des Buches, denn es ist einfach großartig. Was ich nämlich noch nicht erwähnt habe, ist der trockene Humor von Amir.
Und die Dialoge, oh mein Gott, die Dialoge. Die gehören definitiv zu den besten, die die Unterhaltungsliteratur zu bieten hat.
Hier beispielsweise rettet Amir Zephyr gegen ihren Willen vor einem bissigen Vampir:
"You complete bloody, ignorant...misogynist!" I yelled. Ah, that was so much better.
I was pretty sure the snow-encrusted one on top, attempting to bang the other's head into the ground, was Amir. "You're quite welcome", he said, only a hint of gasp in his voice. With a roar, the vampire overwhelmed him and they began to roll around again.
"Oh yes, I can hardly thank you enough. If you had come just a little later, I might have killed him."
"That's funny", he said, grunting with the effort of keeping the vampire's hands from his throat. "I thought you didn't kill your fellow rational creatures."
[...] "What, they don't have self-defense in Arabia?"
Einige Seiten später werden Zephyr und Amir von ihren Eltern in eindeutiger Situation erwischt. Zephyrs Vater ist außer sich:
"My daughter and this...wog, this misbegotten hell creature?"
This proved too much for my mama. "John! We don't even know him! He might be a perfectly nice-"
Amir barked a laugh, but the temperature in the room went down at least ten degrees. "Misbegotten hell creature, at your service."
Übrigens verliert der gute Amir auch nicht seine guten Manieren, wenn er schwer krank ist:
"Sorry to disappoint. I just don't have the energy right now to look large and billowing".
Moonshine ist ein in jeder Hinsicht phantastisches Buch und ich weiß leider nicht, ob die Autorin eine Fortsetzung plant - aber falls ja, kann ich es kaum erwarten, sie zu lesen. Ich habe mich jedenfalls beim Lesen prächtig amüsiert.
Ich gebe es zu: ich kann selten einem Buch mit einem ungewöhnlichen Handlungsort bzw. einer ungewöhnlichen Handlungszeit widerstehen. New York in den 20er Jahren findet man ja eher selten als Handlungsort für Unterhaltungsliteratur - und dann noch mit Vampiren? Das Buch landete schneller in meinem Amazon-Einkaufswagen, als man "Blutkonserve" sagen kann, denn auch die Leseprobe schien vielversprechend zu sein. Als ich es dann in den Händen hielt, hätte ich es beinah genauso schnell wieder zur Seite und auf meinen "muß mich irgendwann wohl mal dadurchquälen"-Bücherstapel gelegt, denn wie sich herausstellte, hat es einige Dinge, die ich in meinen Büchern überhaupt gar nicht schätze: eine bis zur Selbstaufgabe wohltätige Heldin und jede Menge Sozialkritik.
Ich bin froh, daß ich Moonshine nicht beiseite gelegt habe. Es ist eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe! Alaya Johnson versteht es perfekt, die Atmosphäre New Yorks einzufangen, zumindest so, wie ich es mir zu dieser Zeit vorstelle: unglaubliche Armut auf der einen Seite, Reichtum und Dekadenz auf der anderen. Und irgendwo hat fast jeder im Hinterkopf das Bewußtsein: mit etwas Glück und Geschick kann ich in diesem Land alles erreichen. Die Frauenrechte sind auf dem Vormarsch, und tatsächlich sind die weiblichen Charaktere des Buches, einschließlich der Heldin, sehr selbstbewußt und auch selbstbestimmt. Sie tragen kurze Haare und kurze Röcke und schminken sich und kommen sich dabei noch ein wenig verrucht und gewagt vor - aber sie haben Spaß daran. Und fast alle betrachten die Prohibition eher als eine interessante Herausforderung an ihre Gewitztheit denn als ernstzunehmendes Alkoholverbot.
Zwischen den menschlichen Charakteren tummelt sich allerhand übersinnliches Gezücht und die staunende Leserin (ich) lernt, daß ein mit arabischen Zaubersprüchen bearbeitetes Schwert tatsächlich nur bei arabischen Dämonen wirksam ist. Es gibt Vampire, und es gibt das organisierte Verbrechen, und es gibt Jugendgangs, deren Mitglieder Vampire sind.
Mitten drin ist Zephyr, die Heldin (ein doofer Name für eine Heldin, aber weil mir das Buch so gut gefällt, sehe ich darüber hinweg). Zephyr ist gegen Vampirbisse immun - das heißt, sie selbst kann niemals verwandelt werden, und aufgrund ihrer Ausbildung als Dämonen- und Vampirjägerin hat sie vor paranormalen Bösewichten etwas weniger Angst als einige ihrer Zeitgenossen.
Amir - der nach Zephyrs Meinung ein wenig wie Rudolph Valentino in "Der Scheich" aussieht, nur attraktiver - lernt sie an der Volkshochschule kennen, wo sie für Einwanderer Kurse gibt. Eigentlich weiß sie gar nichts über ihn, außer, daß er keineswegs das ist, was er zu sein vorgibt: ein armer, vom Schicksal gebeutelter Einwanderer.
Von dem Moment an, da Amir Zephyr um ihre Hilfe bei der Suche nach Rinaldo bittet, gibt es so viel Action, daß die arme Zephyr kaum mal einen Moment der Ruhe für ein kleines Nickerchen findet. Aber im Gegensatz zur Heldin genieße ich jede Minute des Buches, denn es ist einfach großartig. Was ich nämlich noch nicht erwähnt habe, ist der trockene Humor von Amir.
Und die Dialoge, oh mein Gott, die Dialoge. Die gehören definitiv zu den besten, die die Unterhaltungsliteratur zu bieten hat.
Hier beispielsweise rettet Amir Zephyr gegen ihren Willen vor einem bissigen Vampir:
"You complete bloody, ignorant...misogynist!" I yelled. Ah, that was so much better.
I was pretty sure the snow-encrusted one on top, attempting to bang the other's head into the ground, was Amir. "You're quite welcome", he said, only a hint of gasp in his voice. With a roar, the vampire overwhelmed him and they began to roll around again.
"Oh yes, I can hardly thank you enough. If you had come just a little later, I might have killed him."
"That's funny", he said, grunting with the effort of keeping the vampire's hands from his throat. "I thought you didn't kill your fellow rational creatures."
[...] "What, they don't have self-defense in Arabia?"
Einige Seiten später werden Zephyr und Amir von ihren Eltern in eindeutiger Situation erwischt. Zephyrs Vater ist außer sich:
"My daughter and this...wog, this misbegotten hell creature?"
This proved too much for my mama. "John! We don't even know him! He might be a perfectly nice-"
Amir barked a laugh, but the temperature in the room went down at least ten degrees. "Misbegotten hell creature, at your service."
Übrigens verliert der gute Amir auch nicht seine guten Manieren, wenn er schwer krank ist:
"Sorry to disappoint. I just don't have the energy right now to look large and billowing".
Moonshine ist ein in jeder Hinsicht phantastisches Buch und ich weiß leider nicht, ob die Autorin eine Fortsetzung plant - aber falls ja, kann ich es kaum erwarten, sie zu lesen. Ich habe mich jedenfalls beim Lesen prächtig amüsiert.
Sonntag, 22. August 2010
Meredith Duran: Bound By Your Touch
Lydia Boyce ist die Tochter eines Ägyptologen und führt dessen Geschäfte im heimatlichen London. Eines Tages hält sie vor der Crème de la Crème der britischen Gesellschaft einen Vortrag über dessen wissenschaftliche Erkenntnisse, der abrupt von einem offensichtlich betrunkenen jungen Mann unterbrochen wird, der eine ägyptische Stele trägt. Zum großen Erstaunen aller identifiziert Lydia die Stele sofort als Fälschung, was sowohl für sie selbst als auch für den jungen Mann, James Viscount Sanburne, ungünstig ist. Es stellt sich nämlich sehr schnell heraus, daß das gefälschte Artifakt von Lydias Vater nach England geschickt wurde, und daß James es nur gekauft hat, um seinem verhaßten, ägyptenbegeisterten Vater eins auszuwischen. Lydia ist jedoch felsenfest davon überzeugt, daß ihr geliebter Vater niemals eine Fälschung in Umlauf bringen würde. Sie und James versuchen, der Sache gemeinsam auf den Grund zu gehen, und kommen sich dabei unerwartet näher...
Nachdem ich schon von Written On Your Skin begeistert war, habe ich beglückt festgestellt, daß auch Bound By Your Touch ein großartiges Buch ist. Es ist schon erstaunlich, wie Meredith Duran eine uralte, tausendmal gelesene Liebesroman-Handlung nehmen und in etwas völlig neuartiges verwandeln kann; und das liegt noch nicht mal so sehr an der Handlung selbst, als vielmehr an den vielschichtigen Charakteren.
James ist ein zutiefst unglücklicher Mann, den das schlechte Gewissen plagt. Seine Schwester Stella war mit einem gewalttätigen Mann verheiratet und wurde von ihm geschlagen und gequält. Schließlich hat sie ihn vor einigen Jahren getötet und lebt seitdem in einer Nervenklinik. James macht sich Vorwürfe, weil er seine Schwester nicht gerettet hat, aber noch größere Vorwürfe macht er seinem Vater, denn auch dieser hat seiner Ansicht nach keinen Finger gekrümmt, um Stella zu retten. Die Ablenkung die James von seinem Kummer sucht, ist eher gefährlicher Art: er feiert ständig wilde Parties mit Drogen und Alkohol im Überfluß, und er treibt sich häufig in den Slums von London herum, um dort an Faustkämpfen und anderen Exzessen teilzunehmen.
Lydia ist das genaue Gegenteil: sie ist eine außerordentlich pragmatisch denkende Frau, die in jeder Situation schnell einen Weg findet, das beste daraus zu machen. Vor einigen Jahren hatte sie sich in einen jungen, aufstrebenden Politiker verliebt und dachte, daß er sie heiraten würde - doch stattdessen heiratete er ihre Schwester Sophie. Sophie ist eine bildhübsche Frau, die immer das bekommt, was sie will - und insgeheim war sie immer ein wenig neidisch auf Lydia, die im Gegensatz zu ihr an der Ägyptenbegeisterung des Vaters teilhaben durfte. Nun müssen die beiden zu allem Überfluß unter einem Dach leben, denn ihre jüngste Schwester Antonia soll in die Gesellschaft eingeführt werden.
Liebe auf den ersten Blick ist es weder für Lydia noch für James, und ihre anfängliche Einschätzung seiner Person - die sie ihm übrigens einfach mal direkt ins Gesicht sagt - ist nicht gerade schmeichelhaft:
"You're a butterfly", she said. "Aimless by nature, useless by choice, and highly decorative. Annoying, when you flap into someone's face."
Nach und nach lernen die beiden sich jedoch besser kennen und schätzen. Was aber keineswegs bedeutet, daß sie mit allem einverstanden sind, was der jeweils andere sagt und tut.
Lydia findet, daß James sich mit seinem ständigen Haß auf seinen Vater nur selbst schadet, und daß er aufgrund seines Reichtums, seiner guten Beziehungen und auch seiner Intelligenz viel mehr bewirken könnte, wenn er seine Zeit nicht mit Suff und Prügeleien verschwenden würde.
James dagegen meint, daß Lydia die Heldenverehrung für ihren Vater übertreibt und sie sich ernsthaft mit der Möglichkeit befassen sollte, daß dieser tatsächlich in finstere Geschäfte verwickelt sein könnte.
Beide müssen in vieler Hinsicht umdenken, bevor das Buch ein glaubwürdiges Happy End hat. Sowohl James als auch Lydia sind vom Schicksal gebeutelt, das muß wohl so sein in einem Meredith Duran-Buch. Aber das interessante daran ist, daß sie wie echte Menschen mit Stärken und Schwächen wirken, und daß nicht alle ihre Probleme letzten Endes wie durch Zauberhand verschwinden.
Bound By Your Touch ist spannend und so gut geschrieben, daß ich es gar nicht mehr weglegen wollte und innerhalb von kürzester Zeit durchgelesen habe. Für einen Liebesroman ist es nicht gerade leichte Kost, aber man kann sich wirklich richtig darin vertiefen und seine Umgebung vergessen.
Nachdem ich schon von Written On Your Skin begeistert war, habe ich beglückt festgestellt, daß auch Bound By Your Touch ein großartiges Buch ist. Es ist schon erstaunlich, wie Meredith Duran eine uralte, tausendmal gelesene Liebesroman-Handlung nehmen und in etwas völlig neuartiges verwandeln kann; und das liegt noch nicht mal so sehr an der Handlung selbst, als vielmehr an den vielschichtigen Charakteren.
James ist ein zutiefst unglücklicher Mann, den das schlechte Gewissen plagt. Seine Schwester Stella war mit einem gewalttätigen Mann verheiratet und wurde von ihm geschlagen und gequält. Schließlich hat sie ihn vor einigen Jahren getötet und lebt seitdem in einer Nervenklinik. James macht sich Vorwürfe, weil er seine Schwester nicht gerettet hat, aber noch größere Vorwürfe macht er seinem Vater, denn auch dieser hat seiner Ansicht nach keinen Finger gekrümmt, um Stella zu retten. Die Ablenkung die James von seinem Kummer sucht, ist eher gefährlicher Art: er feiert ständig wilde Parties mit Drogen und Alkohol im Überfluß, und er treibt sich häufig in den Slums von London herum, um dort an Faustkämpfen und anderen Exzessen teilzunehmen.
Lydia ist das genaue Gegenteil: sie ist eine außerordentlich pragmatisch denkende Frau, die in jeder Situation schnell einen Weg findet, das beste daraus zu machen. Vor einigen Jahren hatte sie sich in einen jungen, aufstrebenden Politiker verliebt und dachte, daß er sie heiraten würde - doch stattdessen heiratete er ihre Schwester Sophie. Sophie ist eine bildhübsche Frau, die immer das bekommt, was sie will - und insgeheim war sie immer ein wenig neidisch auf Lydia, die im Gegensatz zu ihr an der Ägyptenbegeisterung des Vaters teilhaben durfte. Nun müssen die beiden zu allem Überfluß unter einem Dach leben, denn ihre jüngste Schwester Antonia soll in die Gesellschaft eingeführt werden.
Liebe auf den ersten Blick ist es weder für Lydia noch für James, und ihre anfängliche Einschätzung seiner Person - die sie ihm übrigens einfach mal direkt ins Gesicht sagt - ist nicht gerade schmeichelhaft:
"You're a butterfly", she said. "Aimless by nature, useless by choice, and highly decorative. Annoying, when you flap into someone's face."
Nach und nach lernen die beiden sich jedoch besser kennen und schätzen. Was aber keineswegs bedeutet, daß sie mit allem einverstanden sind, was der jeweils andere sagt und tut.
Lydia findet, daß James sich mit seinem ständigen Haß auf seinen Vater nur selbst schadet, und daß er aufgrund seines Reichtums, seiner guten Beziehungen und auch seiner Intelligenz viel mehr bewirken könnte, wenn er seine Zeit nicht mit Suff und Prügeleien verschwenden würde.
James dagegen meint, daß Lydia die Heldenverehrung für ihren Vater übertreibt und sie sich ernsthaft mit der Möglichkeit befassen sollte, daß dieser tatsächlich in finstere Geschäfte verwickelt sein könnte.
Beide müssen in vieler Hinsicht umdenken, bevor das Buch ein glaubwürdiges Happy End hat. Sowohl James als auch Lydia sind vom Schicksal gebeutelt, das muß wohl so sein in einem Meredith Duran-Buch. Aber das interessante daran ist, daß sie wie echte Menschen mit Stärken und Schwächen wirken, und daß nicht alle ihre Probleme letzten Endes wie durch Zauberhand verschwinden.
Bound By Your Touch ist spannend und so gut geschrieben, daß ich es gar nicht mehr weglegen wollte und innerhalb von kürzester Zeit durchgelesen habe. Für einen Liebesroman ist es nicht gerade leichte Kost, aber man kann sich wirklich richtig darin vertiefen und seine Umgebung vergessen.
Dienstag, 8. Juni 2010
Julie James: Something About You
Staatsanwältin Cameron Lynde verbringt eine Nacht in einem Luxushotel. Im Nebenzimmer wird ein bekannter Politiker ermordet, und Cameron ist die einzige, die den Mörder sieht. Das FBI will den Täter finden und muß zugleich Cameron schützen, denn nun ist der Mörder auch hinter ihr her. Unglücklicherweise ist es ausgerechnet FBI-Agent Jack Pallas, der sich um den Fall und um Cameron kümmern muß. Die beiden kennen sich schon länger und sind zuletzt nicht gerade friedlich auseinandergegangen...
Das Buch hat sehr viel Lob bekommen, und dieses Lob ist völlig berechtigt! Ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt und das Buch war so spannend, daß ich es in kürzester Zeit durchgelesen habe. Bei AAR war man voll des Lobes, und auch Mrs Giggles und die Smart Bitches waren nicht unzufrieden. Wobei ich das Cover im Gegensatz zu den Smart Bitches eher "hm, okay" als "oh, hübsch" finde; aber das Cover ist ja eigentlich unwichtig.
Besonders haben mir die Interaktionen zwischen Jack und seinen Kollegen und Cameron und ihren Freunden gefallen. Jack hat nämlich des öfteren mal "ich bin ein grimmiger Alpha-Held"-Anwandlungen - und wird dafür jedesmal prompt erbarmungslos aufgezogen. Ich kichere jetzt noch.
Cameron hat eine beste Freundin, die wegen ihrer in Kürze bevorstehenden Hochzeit völlig wuschig ist, und den obligatorischen schwulen besten Freund, der aber so liebevoll beschrieben wird, daß er eher wie eine richtige Person als wie ein papiergewordenes Klischee wirkt.
Die Dialoge zwischen Jack und Cameron machen auch sehr viel Spaß, denn sie sind beide nicht auf den Mund gefallen.
Ein paar kleinere Kritikpunkte hätte ich aber dennoch. Der Handlungsstrang um die Auflösung des Verbrechens ist eher etwas simpel geraten - der Leser erfährt schon nach allerkürzester Zeit, wer der Mörder war, und wird auch die ganze Zeit darüber auf dem laufenden gehalten, was welcher Bösewicht gerade plant. Dazu kommt noch eine Sache - eigentlich ist es nur ein einziger Satz - die mich ziemlich gestört hat. Es ist nämlich so, daß Jack einmal tagelang von einer Verbrecherbande festgehalten und gefoltert wurde. Er hat es überlebt, aber so etwas geht natürlich an niemandem spurlos vorüber. Trotzdem heißt es, als Cameron von einem Verbrecher mit einer Pistole bedroht wird, daß Jack zum allerersten Mal in seinem Leben echte Furcht verspürt. Das kann doch nicht sein, oder? Der Mann wurde gefoltert!
Aber das sind, wie gesagt, kleinere Kritikpunkte. Ich habe an dem Buch einen Riesenspaß gehabt und werde bestimmt noch weitere Bücher der Autorin lesen.
Das Buch hat sehr viel Lob bekommen, und dieses Lob ist völlig berechtigt! Ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt und das Buch war so spannend, daß ich es in kürzester Zeit durchgelesen habe. Bei AAR war man voll des Lobes, und auch Mrs Giggles und die Smart Bitches waren nicht unzufrieden. Wobei ich das Cover im Gegensatz zu den Smart Bitches eher "hm, okay" als "oh, hübsch" finde; aber das Cover ist ja eigentlich unwichtig.
Besonders haben mir die Interaktionen zwischen Jack und seinen Kollegen und Cameron und ihren Freunden gefallen. Jack hat nämlich des öfteren mal "ich bin ein grimmiger Alpha-Held"-Anwandlungen - und wird dafür jedesmal prompt erbarmungslos aufgezogen. Ich kichere jetzt noch.
Cameron hat eine beste Freundin, die wegen ihrer in Kürze bevorstehenden Hochzeit völlig wuschig ist, und den obligatorischen schwulen besten Freund, der aber so liebevoll beschrieben wird, daß er eher wie eine richtige Person als wie ein papiergewordenes Klischee wirkt.
Die Dialoge zwischen Jack und Cameron machen auch sehr viel Spaß, denn sie sind beide nicht auf den Mund gefallen.
Ein paar kleinere Kritikpunkte hätte ich aber dennoch. Der Handlungsstrang um die Auflösung des Verbrechens ist eher etwas simpel geraten - der Leser erfährt schon nach allerkürzester Zeit, wer der Mörder war, und wird auch die ganze Zeit darüber auf dem laufenden gehalten, was welcher Bösewicht gerade plant. Dazu kommt noch eine Sache - eigentlich ist es nur ein einziger Satz - die mich ziemlich gestört hat. Es ist nämlich so, daß Jack einmal tagelang von einer Verbrecherbande festgehalten und gefoltert wurde. Er hat es überlebt, aber so etwas geht natürlich an niemandem spurlos vorüber. Trotzdem heißt es, als Cameron von einem Verbrecher mit einer Pistole bedroht wird, daß Jack zum allerersten Mal in seinem Leben echte Furcht verspürt. Das kann doch nicht sein, oder? Der Mann wurde gefoltert!
Aber das sind, wie gesagt, kleinere Kritikpunkte. Ich habe an dem Buch einen Riesenspaß gehabt und werde bestimmt noch weitere Bücher der Autorin lesen.
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