Okay, hier geht's weiter mit Teil 2 vom Leserückblick und den Autoren mit den Anfangsbuchstaben H - W:
Elizabeth Haynes: Under a Silent Moon
Ein englischer Krimi, ganz spannend, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Fortsetzung lese. Die Schreibweise ist ein bißchen ungewöhnlich, aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven und nach Tagen und Uhrzeiten sortiert. Der Ex-Freund / Kollege der Inspektorin ist ein echter Versager, und dann werden noch ein paar echt krasse sexuelle Perversionen beschrieben. Igitt.
Caroline Kimberley: An Inconvenient Kiss
Das Buch wurde irgendwo wärmstens empfohlen - kann mich nicht mehr erinnern, wo, vielleicht All About Romance? Jedenfalls ist es ein Regency-Roman. Ich habe ihn zuende gelesen, und es war auch kein schlechtes Buch, aber einiges hat mich ganz gewaltig gestört. Die Heldin ist nämlich das bedauernswerteste Geschöpf der Welt. Am Anfang des Buches wird sie in einer kompromittierenden Situtation entdeckt, die noch nicht mal ihre Schuld ist, und von da an denkt jeder, daß sie die größte Schlampe der Welt ist. Sogar ihre Familie, die es ja eigentlich besser wissen sollte! Diese kompromittierende Situation fand auf einer Party der oberen Zehntausend in London statt, und das kuriose daran ist, daß offensichtlich jeder, ja wirklich jeder britische Staatsbürger bis hin zum letzten Soldaten im britisch besetzten Indien, von Georgianas Schande weiß - selbst viele Jahre später noch. Von so einer Publicity kann der Wendler nur träumen. Vielleicht sollte er sich mal in London auf einem Ball von einem Mitglied des Landadels abknutschen lassen.
Kimberly Kincaid: Gimme Some Sugar
Großstadtköchin verliebt sich in Kleinstadthandwerker mit OMG SCHLIMMER KINDHEIT. Joa. Ok. Kann man lesen, ist auch ganz unterhaltsam.
Kimberly Kincaid: Turn Up the Heat
Na dieses Buch war ja nun wirklich ne Vollkatastrophe. Der Held ist solch ein Depp. Er kann nicht mit der Heldin zusammensein, weil sie in der gleichen Stadt wie sein Vater lebt, und weil er mit seinem Vater Zoff hat. Ooookay. Das wäre vielleicht verständlich, wenn das eine "Stadt" mit 250 Einwohnern wäre, von denen 247 gelangweilte Rentner sind, die ständig die Nase in die Angelegenheiten ihrer Mitmenschen stecken. Tatsächlich geht es aber um Philadelphia.Und ich würde mal mutmaßen, daß man sich in einer Stadt mit über 1,5 Mio. Einwohnern ganz gut aus dem Weg gehen kann.
Laabs Kowalski: So zärtlich war das Ruhrgebiet
Da erzählt jemand haarsträubende Geschichten aus seiner Kindheit in Dortmund in den 70er und 80er Jahren. Interessant für mich, weil ich viele der erwähnten Orte kenne. Aber lest das Buch nicht euren Wellensittichen vor, ok?
Rose Lerner: In For a Penny
Meine Begeisterung über Rose Lerners Buch Sweet Disorder habe ich hier ja schon ausgiebig Ausdruck verliehen. In For a Penny ist ein etwas älteres Buch von ihr, und fast genauso toll.
Rose Lerner: A Lily Among Thorns
Die Heldin ist ein bißchen allzu unnahbar, aber der Held - seufz. Was für ein Traummann. (Wirklich. Lest es).
Rose Lerner: True Pretenses. Wie immer bei Rose Lerner supergut geschrieben, aber leider seeeeeeeeehr traurig. Ich schreibe noch was dazu.
Ava Lore: Hard Rock Arrangement
Der Held ist ein Rockstar und die Heldin ist eine Putzteufelin. Wirklich, sie putzt immer, wenn sie gestreßt, ärgerlich oder ängstlich ist. Die könnte gerne bei mir einziehen, dann wär die Wohnung immer schön sauber, wenn ich nach Hause komme. Das Kiffen müßte sie aber aufgeben.
Ava Lore: Hard Rock Improv
Die Fortsetzung der Fortsetzung von Hard Rock Arrangement. Die Heldin ist die Schwester der Heldin aus dem ersten Buch. Leider ist sie unfaßbar dumm. Der Held ist auch ein ziemlicher Schwachmat.
Ava Lore: Hard Rock Remix
In der Reihenfolge dieser Ava Lore-Bücher gehört dieses hier zwischen Hard Rock Arrangement und Hard Rock Improv. Ziemlich schräge Geschichte. Sektenflüchtling trifft Säufer.
Ava Lore: Record, Rewind
Eine Kurzgeschichte, aber ich kann mich an die Handlung nicht so richtig erinnern. Jedenfalls werden Held und Heldin bei eisiger Kälte beim Rauchen auf dem Dach eines New Yorker Hotels ausgesperrt.
Stuart MacBride: The 45 % Hangover
Eine Logan McRae Kurzgeschichte, die zum Zeitpunkt der Abstimmung spielt, als die Schotten gewählt haben, ob sie weiterhin zum UK gehören wollten.
Stuart MacBride: Blind Eye
Ich habe die Logan McRae-Krimis von Stuart MacBride inzwischen alle mit großer Begeisterung gelesen, weil sie spannend, sehr, sehr finster, und teilweise eben auch sehr witzig sind. Blind Eye gehört in die Kategorie ultrakraß. Ein Verbrecher sticht seinen Opfern die Augen aus.
Stuart MacBride: Broken Skin
Uiuiui, dieser hier ist auch ganz schön schlimm. Es geht um Vergewaltigung, Mord und sexuelle Perversionen.
Stuart MacBride: Close to the Bone
Noch ein kurioser Fall aus der Logan McRae-Krimireihe. Logan wurde inzwischen mit Hilfe einer Gesprächstherapie mehr oder weniger von seinem Dasein als Vegetarier geheilt, bekommt es aber mit einem irren Teenager-Mädchen zu tun, das sich einbildet, eine Romanfigur zu sein.
Stuart MacBride: Cold Granite
Das erste Buch aus der Krimireihe. Logan McRae hilft bei der Aufklärung einer Serie von Kindermorden und versucht, es sowohl seinem Süßigkeiten vernichtenden Chef und seiner kettenrauchenden, fluchenden Chefin rechtzumachen. Dazwischen werden eine Menge fettiger Schinkenbütterchen vertilgt.
Stuart MacBride: Dark Blood
In diesem Buch wird mal wieder unter sehr widrigen Witterungsverhältnissen gegen das organisierte Verbrechen gekämpft.
Stuart MacBride: Dying Light
Ein Krimi, in dem es (unter anderem) um Morde an Prostituierten geht. Letzten Endes ist es dann aber doch etwas völlig anderes.
Stuart MacBride: Flesh House
Das hier war nun definitiv das grauenhafteste, gruseligste und finsterste Buch aus der Logan McRae Reihe. Nix für schwache Nerven.
Stuart MacBride: Partners in Crime
Eine Kurzgeschichte, ein bißchen lustig, aber eher nur so mittelspannend.
Stuart MacBride: Shatter the Bones
Noch ein Buch aus der Logan McRae-Reihe. Eine Casting-Show Teilnehmerin wurde entführt.
Erin McCarthy: Perfect
Eine Kurzgeschichte über eine junge Frau, die durch einen peinlichen Facebook-Zwischenfall ihre große Liebe findet. War ganz okay.
Cara McKenna: Lay it Down
Ein Liebesroman mit einem Hauch von Suspense. Die Heldin ist Fotografin und der Held, wenn ich mich richtig erinnere, ein motorradfahrender Steinbrucharbeiter. Irgendwer in dem Buch - ich glaube der Bruder des Helden? - wird verletzt und läßt sich von einem Bekannten unter zweifelhaften hygienischen Umständen in einem Wohnwagen verarzten, weil er AUS GRÜNDEN nicht ins Krankenhaus will. Na ja, vielleicht hat er keine Krankenversicherung. Das Buch war gar nicht so schlecht.
Courtney Milan: Talk Sweetly to Me
Eine Kurzgeschichte über eine junge Frau, die Astronomin werden will. War ganz süß.
Lotte Minck: An der Mordseeküste
Eine Ruhrgebiets-Krimikomödie, die allerdings an der Nordsee spielt, wo alle Leute fremdartige Vornamen haben und Tee trinken.
Lotte Minck: Einer gibt den Löffel ab
Noch eine Ruhrgebietskrimikomödie mit der Heldin Loretta Luchs. Hintergrund der Handlung sind die Aufnahmen für eine Fernsehsendung in der Art von "Das perfekte Dinner".
Lotte Minck: Radieschen von unten
Das erste Loretta Luchs-Buch könnte genausogut unter dem Motto "Mord im Schrebergarten" stehen. Da tun sich Abgründe auf.
Sarah Morgan: Maybe This Christmas
Das, was man in Amerika so als Small Town Romance bezeichnet. Held und Heldin sind 'n bißchen verpeilt, aber ganz nett, und es kommen zu viele Hunde in dem Buch vor. Aber eine Sache hat mich doch recht betroffen gemacht. Held und Heldin sind seit ihrer Kindheit miteinander befreundet, so daß die Heldin für die Familie des Helden quasi ein Familienmitglied ist. Als sich herausstellt, daß die beiden scharf aufeinander sind, haben sie berechtigterweise Bedenken, daß ihre Freundschaft vorbeisein wird, wenn es mit der Liebe nicht klappt. Kurioserweise versucht aber jeder ihrer Verwandten und Bekannten, mit Ausnahme der Eltern der Heldin - JEDER!! - sie miteinander ins Bett zu schubsen!
Sarah Morgan: Sleigh Bells in the Snow. Dazu habe ich ja schon alles gesagt.
Sarah Morgan: Suddenly Last Summer. Das mit Sicherheit dämlichste Buch aus dieser Serie. Die Heldin ist eine französische Köchin, die mit großer Sorgfalt alle Klischees erfüllt, die es über französische Köche gibt. Außerdem gibt sie ständig überflüssige Weisheiten von sich, als wäre sie ein wandelnder Abreißkalender. So Sachen wie: "Es ist immer eine schwierige Zeit, wenn ein geliebter Mensch verstorben ist". Echt jetzt?
Lisa Clark O'Neill: Mr. Write. Auch eine Small Town Romance (wie soll man das am besten übersetzen? Vielleicht mit Kaff-Romanze?) Aber diese hier hat mir richtig, richtig gut gefallen. Sympathische Charaktere und eine spannende Geschichte mit einem ziemlich ausgeprägten Krimi-Element. Und die Heldin hat eine Katze namens Useless und führt zusammen mit ihrer Freundin ein Büchergeschäft. Was will man mehr?
Lisa Clark O'Neill: Serendipity. Geht eher in Richtung Romantic Suspense und war ganz spannend, aber ehrlich, der Held geht mal so gar nicht. Der Typ hat die ganze Zeit nichts anderes im Sinn, als die Heldin zu verwöhnen und ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das hört sich ja erstmal ganz toll an, und ich bin die letzte, die in Büchern oder im wirklichen Leben auf diese Alpha-Helden abfährt, die immer die ganze Welt nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Aber Jordan, der Held aus Serendipity, erinnert mich die ganze Zeit an Smithers aus der Serie Die Simpsons.
Karen Ranney: The Witch of Clan Sinclair. Spielt in Edinburgh im frühen 19. Jahrhundert und hat mir eher so mittelgut gefallen. Die Heldin war ziemlich nervig. Sie setzt sich für Frauenrechte ein - Daumen hoch - ist aber mehr als nur ein bißchen dämlich.
Sherry Thomas: The Luckiest Lady in London. Aaah. Ich sollte mehr Sherry Thomas Bücher lesen. Sie schreibt wirklich gut. Die Heldin aus The Luckiest Lady in London mag ich wirklich, sie ist kein schüchternes Mauerblümchen, sondern eine Frau, die sich holt, was sie will. Ich war allerdings ein bißchen verdutzt wegen ihrer Dauergeilheit. Na ja, die einen mögen's so, die anderen so! Der Held ist da schon eher eine Standardausgabe und leidet am Ich-muß-wegen-meiner-schlimmen-Kindheit-ein-Arschloch-sein-Syndrom. Aber was soll's. Einem so gut geschriebenen Buch kann man fast alles verzeihen!
Sarah Wendell: Lighting the Flames. Also, das war schon mal was anderes. Es spielt im Dezember in einem Winter-Ferienkamp nur für Juden, während der Chanukka-Zeit (mußte ich auch googeln, so hab ich wenigstens was gelernt). Die Handlung des Buches selbst - zwei junge Camp-Mitarbeiter, die seit vielen Jahren befreundet sind, entdecken ihre Liebe - ist leider ungefähr so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.
Chuck Wendig: Double Dead. Haha, das war mal so richtig abgefahren. Vampir beschützt menschliche Familie vor Zombies, damit er immer was zu Trinken hat. Super!
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Sonntag, 8. März 2015
Freitag, 2. Januar 2015
2014 - der Leserückblick
Dank meiner Neuerwerbung, dem Kindle, weiß ich jetzt nicht nur, daß ich 2014 wahnsinnig viel gelesen habe, sondern auch, welche Bücher das waren! Und ich muß schon sagen, es war ganz schön viel Schrott dabei. Holla die Waldfee. Ich glaube, meine Pläne, die inoffizielle Nachfolgerin von Herrn Reich-Ranicki zu werden, kann ich endgültig in die Tonne treten. Na ja, natürlich habe ich nicht an jedem schrottigen Buch Spaß gehabt, und manche habe ich gar nicht zuende gelesen. Aber vieles war eben auch nicht schrottig, und auch ein schlechtes Buch kann sehr vergnüglich sein. Kommen wir zur Sache und fangen mit Büchern von Autoren mit dem Anfangsbuchstaben A - G an:
Bailey, Tessa: Asking for Trouble
Reiche Heldin und bürgerlicher Held, der sie anfangs ständig für die Tatsache, daß sie - wie man hier im Ruhrgebiet sagt - Schotter anne Füße hat, verspottet. Kein Meisterwerk der romantischen Literatur, aber ganz spaßig.
Bailey, Tessa: Baiting the Maid of Honor
Tja, das war das Buch, das dazu geführt hat, daß ich keine weiteren Tessa Bailey-Bücher mehr lese. Der Held ist ein Psychopath. Im Epilog bringt bringt er die Sachen der Heldin aus ihrer Wohnung in seine, während sie auf der Arbeit ist, weil er findet, daß sie bei ihm wohnen sollte. Wäre dieses Buch aus Papier gewesen, hätte ich es verbrannt.
Bailey, Tessa: Officer off Limits
Das habe ich natürlich vor Baiting the Maid of Honor gelesen. Die Heldin heißt Story mit Vornamen (wtf?) und irgendwie kommt am Ende des Buchs raus, daß ihr Vater ein bißchen intrigiert hat, damit sie und der Held zusammenkommen. Wenn man bedenkt, daß der Held einer von diesen "ich vögel alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist"-Typen ist, ist das ziemlich seltsam.
Samanthe Beck: Light Her Fire
Na ja. Das Buch war ganz ok. Er ist Feuerwehrmann, sie ist Arzthelferin, sie streiten sich ein bißchen darüber, wo sie wohnen sollen.
Stephen Blackmoore: Broken Souls
Das ist die Fortsetzung von Dead Things und auch wieder sehr, sehr cool. Ich lese ja eher selten Fantasy, aber das hier war wirklich sehr abgefahren.
Stephen Blackmoore: City of the Lost
Spielt in der gleichen Welt wie Broken Souls und Dead Things, aber mit einem anderen Nicht-Helden. Joe Sunday ist ein Verbrecher, der wirklich eklige Dinge tut und zu einem Zwischending aus Superheld und Zombie wird. Sehr, sehr krass, und ich hoffe, daß Stephen Blackmoore davon auch mal eine Fortsetzung schreibt.
Sharon Bolton: Now You See Me
Englischer Krimi mit einer Heldin, die eine sehr finstere Vergangenheit hat. Es war ganz spannend, aber ich fand Lacey einfach unsympathisch. Über eine durch einen Unfall verunstaltete Frau denkt sie beispielsweise: "My life wasn't much to write home about, but it would be a whole lot worse if I looked like she did."
Patricia Briggs: Silver Borne
Das 5. Mercy Thompson Buch. Wie immer spannend und gut geschrieben.
Buchwitz & Stanze: Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin
Noch ein Buch mit einer unsympathischen Heldin. Diese hier arbeitet im Callcenter einer Bank und verbringt ne Menge Zeit damit, zu saufen, zu rauchen und ihrer Familie aus dem Weg zu gehen. Aber das Happy End ist bezaubernd.
Monica Burns: Assasin's Honor
Das Buch konnte ich einfach nicht zuende lesen. Ich kam aber immerhin bis Seite 161, bevor mir die Heldin zu sehr auf den Keks ging. Diese Idiotin wird zu ihrem Schutz, aber gegen ihren Willen, vom Helden mit zum streng geheimen Geheim-Hauptquartier von dessen streng geheimer Geheimorganisation genommen, wo sie sich dann fortwährend für ihre Anwesenheit entschuldigt.
Grace Burrowes: Gareth
Ein Regency-Roman mit einem verdammt abgefahrenen Plot. Die Heldin hat von einer (angeblich wohlmeinenden) Verwandten ein Bordell geerbt, aber nur unter der Bedingung, daß sie da auch arbeitet. Der Held soll laut Testament als eine Kreuzung aus Aushilfsstecher und Unternehmensberater für Rotlichtbetriebe fungieren. Völlig bescheuerte Handlung und dämliche Hauptfiguren, aber sehr spannend und rührend geschrieben. An manchen Stellen habe ich Rotz und Wasser geheult.
Grace Burrowes: The Laird
Nie mehr Grace Burrowes.
Grace Burrowes: The Traitor
Wer dieses Buch kennt, weiß, wie sehr einem passiv-aggressive Verhaltensweisen selbst bei Romanfiguren auf den Keks gehen können. Aber auch wieder sehr, sehr rührend.
Isobel Carr: Ripe for Scandal
Der Held ist der beste Kumpel vom Bruder der Heldin. Und wer solche Freunde hat, braucht echt keine Feinde mehr. Wobei man jetzt aber auch sagen muß, daß der Held nicht gerade die hellste Kerze im Kronleuchter ist.
Isobel Carr: Ripe for Seduction
Jerry Springer Show goes Georgianisches Zeitalter in England. Der Held ist ein Fummler, der seine Finger nicht bei sich behalten kann, aber am Ende des Buchs lieben sich alle und die Schwester des Helden heiratet den Vater der Heldin. Take that, Jerry Springer.
Jane Casey: The Kill
Der neueste Maeve Kerrigan-Krimi. Wie immer sehr spannend, aber für meinen Geschmack zu sehr auf die Beziehung zwischen Maeve und Josh Derwent, ihrem Vorgesetzten, fixiert. Also, Derwent ist schon ein sehr interessanter Charakter, weil er eben nicht nur ein Arschloch ist. Aber es war diesmal ein bißchen zuviel des Guten.
Jane Casey: Left for Dead
Eine Maeve Kerrigan-Kurzgeschichte. War ganz unterhaltsam.
Jane Casey: The Stranger You Know
Der 4. Maeve Kerrigan-Krimi, also Vorgänger von The Kill. Wie immer superspanned, aber auch schon sehr Derwent-lastig.
Pamela Clare:Striking Distance
Typischer amerikanischer Romantic Suspense mit heldenhaftem Helden und wunderschöner Heldin. Aber gut geschrieben, und weitestgehend ohne dieses "oh, ich kann NIENIENIE eine Beziehung haben, weil meine Mama meinen Papa betrogen hat"-Gequengel. Daumen hoch! (Daß der Held sich untenrum rasiert, hätte ich allerdings nicht unbedingt wissen müssen).
Lisa Clark O'Neill
Die perfekte Mischung aus Liebesroman und Krimi, mit liebenswerten Protagonisten und Nebenfiguren, jedoch ohne Überzuckerung und Zahnschmerzgefahr. Hat mir sehr gut gefallen!
Victoria Dahl:Lead Me On
Boah, was habe ich diese Romanheldin gehaßt. Der Held ist einer der nettesten Romanhelden, über die ich je gelesen habe, und er hat einen supercoolen Beruf. Aber die Heldin ist eine zickige, oberflächliche blöde Kuh, der ich nichts als Fußpilz und Zahnfäule wünsche.
Tami Dane: Blood of Eden
Mittelprächtiger Paranormal. Kann man lesen, muß man aber nicht.
Tessa Dare: Romancing the Duke
Oh, dieses Buch habe ich geliebt! Es hat eine goldige Heldin mit Herz und Verstand und einen Helden, der die allerbesten Sprüche drauf hat. Wobei ich allerdings immer noch nicht verstehe, warum ein englischer Herzog Lösegeld mit Vornamen heißt. Trotzdem, ein großartiges Buch.
Richard Dübell: Allerheiligen
Ein Krimi, der in Landshut spielt. Ganz spanned geschrieben und hat mich gut unterhalten.
Richard Dübell: Himmelfahrt
Die Fortsetzung von Allerheiligen. Auch kein schlechtes Buch, allerdings ist die Angebetete des Protagonisten nervend zickig. Sowas braucht echt keiner in seinem Leben.
Rita Falk: Dampfnudel-Blues.
Ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Sehr witzig.
Rita Falk: Grießnockerl-Affäre
Genau: auch wieder ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Rita Falks Krimiheld, Franz Eberhofer, ist ein ziemliches Arschloch. Aber die Bücher sind einfach lustig.
Rita Falk: Sauerkrautkoma
siehe Oben...
Rita Falk: Schweinskopf Al Dente
Ihr wißt schon...
Rita Falk: Winterkartoffelknödel
Den Film zum Buch habe ich im Kino gesehen, ohne das Buch bzw. die Buchreihe vorher zu kennen. Ich hätt mich vor Lachen wegschmeißen können. Danach habe ich mir dann das Buch bestellt. Joa. Lustige Buchreihe.
Leighton Gage: Every Bitter Thing
Der vierte Mario Silva Krimi von Leighton Gage. Die Mario Silva-Bücher spielen in Brasilien und sind zwar nicht humorfrei, aber wegen der krassen Gewaltbeschreibungen und den schlimmen Schicksalen der meisten Haupt- und Nebenfiguren das Gegenteil von lustig. Dafür aber wahnsinnig spannend und auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen (Originaltitel: Well-Schooled in Murder)
Ein Inspektor Linley-Krimi aus 1990. War recht spannend und spielte größtenteils in einem Internat. Eine Kreuzung aus Hanni und Nanni und einem Horrorfilm. Wobei ich mich daran erinnere, daß ich als Kind einige Stellen aus Hanni und Nanni auch sehr bizarr fand. Zum Beispiel, wie sie für ältere Mitschülerinnen Feuer machen und Schuhe putzen mußten. Oder bilde ich mir das nur ein??
Bailey, Tessa: Asking for Trouble
Reiche Heldin und bürgerlicher Held, der sie anfangs ständig für die Tatsache, daß sie - wie man hier im Ruhrgebiet sagt - Schotter anne Füße hat, verspottet. Kein Meisterwerk der romantischen Literatur, aber ganz spaßig.
Bailey, Tessa: Baiting the Maid of Honor
Tja, das war das Buch, das dazu geführt hat, daß ich keine weiteren Tessa Bailey-Bücher mehr lese. Der Held ist ein Psychopath. Im Epilog bringt bringt er die Sachen der Heldin aus ihrer Wohnung in seine, während sie auf der Arbeit ist, weil er findet, daß sie bei ihm wohnen sollte. Wäre dieses Buch aus Papier gewesen, hätte ich es verbrannt.
Bailey, Tessa: Officer off Limits
Das habe ich natürlich vor Baiting the Maid of Honor gelesen. Die Heldin heißt Story mit Vornamen (wtf?) und irgendwie kommt am Ende des Buchs raus, daß ihr Vater ein bißchen intrigiert hat, damit sie und der Held zusammenkommen. Wenn man bedenkt, daß der Held einer von diesen "ich vögel alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist"-Typen ist, ist das ziemlich seltsam.
Samanthe Beck: Light Her Fire
Na ja. Das Buch war ganz ok. Er ist Feuerwehrmann, sie ist Arzthelferin, sie streiten sich ein bißchen darüber, wo sie wohnen sollen.
Stephen Blackmoore: Broken Souls
Das ist die Fortsetzung von Dead Things und auch wieder sehr, sehr cool. Ich lese ja eher selten Fantasy, aber das hier war wirklich sehr abgefahren.
Stephen Blackmoore: City of the Lost
Spielt in der gleichen Welt wie Broken Souls und Dead Things, aber mit einem anderen Nicht-Helden. Joe Sunday ist ein Verbrecher, der wirklich eklige Dinge tut und zu einem Zwischending aus Superheld und Zombie wird. Sehr, sehr krass, und ich hoffe, daß Stephen Blackmoore davon auch mal eine Fortsetzung schreibt.
Sharon Bolton: Now You See Me
Englischer Krimi mit einer Heldin, die eine sehr finstere Vergangenheit hat. Es war ganz spannend, aber ich fand Lacey einfach unsympathisch. Über eine durch einen Unfall verunstaltete Frau denkt sie beispielsweise: "My life wasn't much to write home about, but it would be a whole lot worse if I looked like she did."
Patricia Briggs: Silver Borne
Das 5. Mercy Thompson Buch. Wie immer spannend und gut geschrieben.
Buchwitz & Stanze: Arschbacken zusammenkneifen, Prinzessin
Noch ein Buch mit einer unsympathischen Heldin. Diese hier arbeitet im Callcenter einer Bank und verbringt ne Menge Zeit damit, zu saufen, zu rauchen und ihrer Familie aus dem Weg zu gehen. Aber das Happy End ist bezaubernd.
Monica Burns: Assasin's Honor
Das Buch konnte ich einfach nicht zuende lesen. Ich kam aber immerhin bis Seite 161, bevor mir die Heldin zu sehr auf den Keks ging. Diese Idiotin wird zu ihrem Schutz, aber gegen ihren Willen, vom Helden mit zum streng geheimen Geheim-Hauptquartier von dessen streng geheimer Geheimorganisation genommen, wo sie sich dann fortwährend für ihre Anwesenheit entschuldigt.
Grace Burrowes: Gareth
Ein Regency-Roman mit einem verdammt abgefahrenen Plot. Die Heldin hat von einer (angeblich wohlmeinenden) Verwandten ein Bordell geerbt, aber nur unter der Bedingung, daß sie da auch arbeitet. Der Held soll laut Testament als eine Kreuzung aus Aushilfsstecher und Unternehmensberater für Rotlichtbetriebe fungieren. Völlig bescheuerte Handlung und dämliche Hauptfiguren, aber sehr spannend und rührend geschrieben. An manchen Stellen habe ich Rotz und Wasser geheult.
Grace Burrowes: The Laird
Nie mehr Grace Burrowes.
Grace Burrowes: The Traitor
Wer dieses Buch kennt, weiß, wie sehr einem passiv-aggressive Verhaltensweisen selbst bei Romanfiguren auf den Keks gehen können. Aber auch wieder sehr, sehr rührend.
Isobel Carr: Ripe for Scandal
Der Held ist der beste Kumpel vom Bruder der Heldin. Und wer solche Freunde hat, braucht echt keine Feinde mehr. Wobei man jetzt aber auch sagen muß, daß der Held nicht gerade die hellste Kerze im Kronleuchter ist.
Isobel Carr: Ripe for Seduction
Jerry Springer Show goes Georgianisches Zeitalter in England. Der Held ist ein Fummler, der seine Finger nicht bei sich behalten kann, aber am Ende des Buchs lieben sich alle und die Schwester des Helden heiratet den Vater der Heldin. Take that, Jerry Springer.
Jane Casey: The Kill
Der neueste Maeve Kerrigan-Krimi. Wie immer sehr spannend, aber für meinen Geschmack zu sehr auf die Beziehung zwischen Maeve und Josh Derwent, ihrem Vorgesetzten, fixiert. Also, Derwent ist schon ein sehr interessanter Charakter, weil er eben nicht nur ein Arschloch ist. Aber es war diesmal ein bißchen zuviel des Guten.
Jane Casey: Left for Dead
Eine Maeve Kerrigan-Kurzgeschichte. War ganz unterhaltsam.
Jane Casey: The Stranger You Know
Der 4. Maeve Kerrigan-Krimi, also Vorgänger von The Kill. Wie immer superspanned, aber auch schon sehr Derwent-lastig.
Pamela Clare:Striking Distance
Typischer amerikanischer Romantic Suspense mit heldenhaftem Helden und wunderschöner Heldin. Aber gut geschrieben, und weitestgehend ohne dieses "oh, ich kann NIENIENIE eine Beziehung haben, weil meine Mama meinen Papa betrogen hat"-Gequengel. Daumen hoch! (Daß der Held sich untenrum rasiert, hätte ich allerdings nicht unbedingt wissen müssen).
Lisa Clark O'Neill
Die perfekte Mischung aus Liebesroman und Krimi, mit liebenswerten Protagonisten und Nebenfiguren, jedoch ohne Überzuckerung und Zahnschmerzgefahr. Hat mir sehr gut gefallen!
Victoria Dahl:Lead Me On
Boah, was habe ich diese Romanheldin gehaßt. Der Held ist einer der nettesten Romanhelden, über die ich je gelesen habe, und er hat einen supercoolen Beruf. Aber die Heldin ist eine zickige, oberflächliche blöde Kuh, der ich nichts als Fußpilz und Zahnfäule wünsche.
Tami Dane: Blood of Eden
Mittelprächtiger Paranormal. Kann man lesen, muß man aber nicht.
Tessa Dare: Romancing the Duke
Oh, dieses Buch habe ich geliebt! Es hat eine goldige Heldin mit Herz und Verstand und einen Helden, der die allerbesten Sprüche drauf hat. Wobei ich allerdings immer noch nicht verstehe, warum ein englischer Herzog Lösegeld mit Vornamen heißt. Trotzdem, ein großartiges Buch.
Richard Dübell: Allerheiligen
Ein Krimi, der in Landshut spielt. Ganz spanned geschrieben und hat mich gut unterhalten.
Richard Dübell: Himmelfahrt
Die Fortsetzung von Allerheiligen. Auch kein schlechtes Buch, allerdings ist die Angebetete des Protagonisten nervend zickig. Sowas braucht echt keiner in seinem Leben.
Rita Falk: Dampfnudel-Blues.
Ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Sehr witzig.
Rita Falk: Grießnockerl-Affäre
Genau: auch wieder ein bayrischer Krimi, in dem sehr viel gegessen wird. Rita Falks Krimiheld, Franz Eberhofer, ist ein ziemliches Arschloch. Aber die Bücher sind einfach lustig.
Rita Falk: Sauerkrautkoma
siehe Oben...
Rita Falk: Schweinskopf Al Dente
Ihr wißt schon...
Rita Falk: Winterkartoffelknödel
Den Film zum Buch habe ich im Kino gesehen, ohne das Buch bzw. die Buchreihe vorher zu kennen. Ich hätt mich vor Lachen wegschmeißen können. Danach habe ich mir dann das Buch bestellt. Joa. Lustige Buchreihe.
Leighton Gage: Every Bitter Thing
Der vierte Mario Silva Krimi von Leighton Gage. Die Mario Silva-Bücher spielen in Brasilien und sind zwar nicht humorfrei, aber wegen der krassen Gewaltbeschreibungen und den schlimmen Schicksalen der meisten Haupt- und Nebenfiguren das Gegenteil von lustig. Dafür aber wahnsinnig spannend und auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Elizabeth George: Auf Ehre und Gewissen (Originaltitel: Well-Schooled in Murder)
Ein Inspektor Linley-Krimi aus 1990. War recht spannend und spielte größtenteils in einem Internat. Eine Kreuzung aus Hanni und Nanni und einem Horrorfilm. Wobei ich mich daran erinnere, daß ich als Kind einige Stellen aus Hanni und Nanni auch sehr bizarr fand. Zum Beispiel, wie sie für ältere Mitschülerinnen Feuer machen und Schuhe putzen mußten. Oder bilde ich mir das nur ein??
Sonntag, 6. Juli 2014
Komprimierter Irrsinn
Leseproben sind eine feine Sache. Normalerweise. Aber dann gibt es auch welche, bei denen sich meine Augenbrauen so sehr nach oben bewegen, daß sie an meinem Hinterkopf landen würden, wenn meine Haare nicht im Weg wären,
Und damit sind wir beim Thema Cherry Adair. Wenn man gerade Bock auf ein Buch mit völlig absurder Handlung und dämlichen Protagonisten hat, die in wirklich jeder Lebenslage nur an Sex denken, dann ist man bei Cherry Adair goldrichtig. Ich mag solche Bücher ja hin und wieder mal. Und so kam es, daß ich mir eine Leseprobe zu ihrem Buch Ice Cold heruntergeladen habe. Allerdings hätte ich mit Sicherheit einen riesengroßen Bogen um diese Leseprobe gemacht, wenn ich vorher gewußt hätte, daß ein Teil der Handlung in Deutschland spielt. Wenn amerikanische Autoren ihre Bücher in Deutschland spielen lassen, dann geht das meistens auf vielfältige Weise schief. Bei einer Autorin, die sowieso schon für den Irrsinn ihrer Bücher bekannt ist, kann man das Ergebnis je nach Laune als "krasser Scheiß" oder "OMG dieses Buch hat der Teufel in die Welt gebracht" bewerten.
Aber seht selbst. Die Leseprobe fängt damit an, daß unsere Heldin Honey Winston, die als Computerexpertin für eine dieser allgegenwärtigen streng geheimen Geheimorganisationen arbeitet, gegen den Helden Rafael Navarro kämpft. Rafael arbeitet ebenfalls für die streng geheime Geheimorgansation und wird auch als "der spanische Hengst" bezeichnet. Gnnnnnnnhihi. Peinlichster Spitzname ever, oder? Wenig später stellen die beiden fest, daß sie Kollegen sind, und daß Honeys Chef gerade ermordet wurde (mit 37 Messerstichen; Honey hat nachgezählt). Dann macht Rafael das Licht an, und Honey sieht, daß er lange, glatte, glänzende schwarze Haare hat. Das ist blöd, denn vor meinem geistigen Auge sieht er jetzt wie Jorge Gonzalez aus...
...was, neben dem bescheuerten Spitznamen, seinem Status als romantischer Held ein wenig abträglich ist.
Dann verlangt Honey, daß Rafael sie küßt, weil sie von ihrer Mentorin in der streng geheimen Geheimorganisation gehört hat, daß diese einmal einen Orgasmus hatte, als sie von Rafael geküßt wurde. (Ich glaube, diesen Typen müßte man mal gründlich mit Sagrotan einsprühen, bevor man ihm auch nur die Hand schüttelt). Rafael küßt Honey.
Wer jetzt glaubt, unsere beiden Helden würden mal so langsam aus dem Quark kommen und die Polizei rufen - wir erinnern uns, toter Chef mit 37 Messerstichen - ist, wie sollte es anders sein, völlig auf dem Holzweg. Stattdessen kommt die Müllabfuhr der streng geheimen Geheimorganisation und räumt alles auf. Echt jetzt. Im Originaltext steht "Garbage detail".
Nachdem das geklärt ist, nimmt Rafael Honey mit zum Flughafen, denn da ihr Chef ja nun leider wegen der 37 Messerstiche ausgefallen ist, muß Honey ihn auf eine Mission begleiten. Ursprünglich sollte diese Mission in Griechenland stattfinden. Offenbar will eine kolumbianische Terrorgruppe namens Luz Roja etwas Böses tun. Eine marxistische Terrororganisation namens Revolutionary Strength kommt ihr aber zuvor und sprengt dort eine Bank in die Luft. Da aber fast zeitgleich in Dresden ein ganzer Häuserblock einschließlich einer dort ansässigen Bank explodiert, begeben sich unsere beiden wackeren Helden lieber dorthin.
Warum eine Bank in Dresden eine streng geheime amerikanische Geheimorganisation zur Hilfe ruft, wenn dort eine Bombe explodiert...? Äh, keine Ahnung. Auf jeden Fall ist der spanische Hengst ein super-duper Bombenexperte, denn wenig später äußert er die folgenden weisen Worte:
Tja. Während sich Rafael also auf die Suche nachder Schneeflocke der Bombe macht, setzt sich Honey mit ihrem Laptop in ein Café in einer Nebenstraße von Unter den Linden. Laut Google Maps gibt es diese Straße in Dresden übrigens nicht. Vielleicht hat Frau Adair Dresden mit Berlin verwechselt? Kann ja mal vorkommen.
Rafael und Honey stellen fest, daß aus der Bank nichts gestohlen wurde. Rafael will, daß Honey nach Hause fliegt, aber sie will nicht. Beide bewundern noch kurz und verstohlen gegenseitig ihre Schönheit, und dann istdas Leid die Leseprobe auch schon zuende.
Puh. Ich weiß absurde und abgefahrene Bücher ja durchaus zu schätzen, aber das hier ist wirklich ein wenig zuviel des Guten.
(Das Bild von Jorge Gonzalez habe ich auf Wikimedia Commons gefunden).
Und damit sind wir beim Thema Cherry Adair. Wenn man gerade Bock auf ein Buch mit völlig absurder Handlung und dämlichen Protagonisten hat, die in wirklich jeder Lebenslage nur an Sex denken, dann ist man bei Cherry Adair goldrichtig. Ich mag solche Bücher ja hin und wieder mal. Und so kam es, daß ich mir eine Leseprobe zu ihrem Buch Ice Cold heruntergeladen habe. Allerdings hätte ich mit Sicherheit einen riesengroßen Bogen um diese Leseprobe gemacht, wenn ich vorher gewußt hätte, daß ein Teil der Handlung in Deutschland spielt. Wenn amerikanische Autoren ihre Bücher in Deutschland spielen lassen, dann geht das meistens auf vielfältige Weise schief. Bei einer Autorin, die sowieso schon für den Irrsinn ihrer Bücher bekannt ist, kann man das Ergebnis je nach Laune als "krasser Scheiß" oder "OMG dieses Buch hat der Teufel in die Welt gebracht" bewerten.
Aber seht selbst. Die Leseprobe fängt damit an, daß unsere Heldin Honey Winston, die als Computerexpertin für eine dieser allgegenwärtigen streng geheimen Geheimorganisationen arbeitet, gegen den Helden Rafael Navarro kämpft. Rafael arbeitet ebenfalls für die streng geheime Geheimorgansation und wird auch als "der spanische Hengst" bezeichnet. Gnnnnnnnhihi. Peinlichster Spitzname ever, oder? Wenig später stellen die beiden fest, daß sie Kollegen sind, und daß Honeys Chef gerade ermordet wurde (mit 37 Messerstichen; Honey hat nachgezählt). Dann macht Rafael das Licht an, und Honey sieht, daß er lange, glatte, glänzende schwarze Haare hat. Das ist blöd, denn vor meinem geistigen Auge sieht er jetzt wie Jorge Gonzalez aus...
...was, neben dem bescheuerten Spitznamen, seinem Status als romantischer Held ein wenig abträglich ist.
Dann verlangt Honey, daß Rafael sie küßt, weil sie von ihrer Mentorin in der streng geheimen Geheimorganisation gehört hat, daß diese einmal einen Orgasmus hatte, als sie von Rafael geküßt wurde. (Ich glaube, diesen Typen müßte man mal gründlich mit Sagrotan einsprühen, bevor man ihm auch nur die Hand schüttelt). Rafael küßt Honey.
Wer jetzt glaubt, unsere beiden Helden würden mal so langsam aus dem Quark kommen und die Polizei rufen - wir erinnern uns, toter Chef mit 37 Messerstichen - ist, wie sollte es anders sein, völlig auf dem Holzweg. Stattdessen kommt die Müllabfuhr der streng geheimen Geheimorganisation und räumt alles auf. Echt jetzt. Im Originaltext steht "Garbage detail".
Nachdem das geklärt ist, nimmt Rafael Honey mit zum Flughafen, denn da ihr Chef ja nun leider wegen der 37 Messerstiche ausgefallen ist, muß Honey ihn auf eine Mission begleiten. Ursprünglich sollte diese Mission in Griechenland stattfinden. Offenbar will eine kolumbianische Terrorgruppe namens Luz Roja etwas Böses tun. Eine marxistische Terrororganisation namens Revolutionary Strength kommt ihr aber zuvor und sprengt dort eine Bank in die Luft. Da aber fast zeitgleich in Dresden ein ganzer Häuserblock einschließlich einer dort ansässigen Bank explodiert, begeben sich unsere beiden wackeren Helden lieber dorthin.
Warum eine Bank in Dresden eine streng geheime amerikanische Geheimorganisation zur Hilfe ruft, wenn dort eine Bombe explodiert...? Äh, keine Ahnung. Auf jeden Fall ist der spanische Hengst ein super-duper Bombenexperte, denn wenig später äußert er die folgenden weisen Worte:
"Bomben sind wie wütende Schneeflocken, keine zwei sind gleich".
Tja. Während sich Rafael also auf die Suche nach
Rafael und Honey stellen fest, daß aus der Bank nichts gestohlen wurde. Rafael will, daß Honey nach Hause fliegt, aber sie will nicht. Beide bewundern noch kurz und verstohlen gegenseitig ihre Schönheit, und dann ist
Puh. Ich weiß absurde und abgefahrene Bücher ja durchaus zu schätzen, aber das hier ist wirklich ein wenig zuviel des Guten.
(Das Bild von Jorge Gonzalez habe ich auf Wikimedia Commons gefunden).
Mittwoch, 28. Mai 2014
Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 4
Meine lieben Mitreisenden, ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen guten Morgen und freue mich, Sie auch heute wieder begrüßen zu dürfen!
Kann's losgehen? Super. Also, wir kommen zusammen mit Lianne und dem Raben an einer trostlosen, heruntergekommenen Fabrikhalle an, in die er mit seinem Auto hereinfährt. Aus der Tatsache, daß das Tor sich von alleine öffnet, schließt Lianne haarscharf, daß des Raben übersinnliche Kräfte da am Werk waren. Wäre ja auch voll uncool, wenn er einfach nur einen elektrischen Torheber mit Fernbedienung eingebaut hätte, ne?
Hier hat Lianne zunächst Gelegenheit, des Raben Zweit- und Drittwagen zu bewundern, bei denen es sich um einen Thunderbird High Back und einen Range Rover Evoque handelt. Oh, na klar, Herr Waldmann, ich mußte die auch erst googeln! Aber keine Sorge, nachher bekommen Sie noch einen "kleine Infobroschüre", hihi, vom literarischen Institut Sankt Infodumping. Diesmal mit Fotos. Tja, offenbar verdient man sehr gut bei der streng geheimen Geheimorganisation!
Hinter einer massiven Eisentür befindet sich schließlich die Wohnung vom Raben. Okay, meine Lieben, es ist Zeit für ein kleines Quiz. Für diejenigen unter Ihnen, die schon mal ein Romantic Suspense-Buch mit einem coolen, geheimnisvollen Helden gelesen haben, ist es bestimmt nicht schwierig. Also: was befindet sich hinter der Eisentür und wird vom Raben bewohnt: a) die ehemalige Waschkaue der Fabrik, in die er sich eine Matratze gelegt hat, oder b) die Treppe in den Keller, wo er in einem leeren Ölfaß schläft, oder c) ein megacooles Loft mit einer superschicken Einrichtung, die jeden Innenarchitekten in Tränen des Neids ausbrechen ließe?
Ja, richtig, es ist Antwort c! War doch gar nicht schwer zu erraten, oder? Und er züchtet sogar frische Kräuter auf der Fensterbank in der Küche...nein, Cheyenne-Kimberly, als ich dieses Buch zuletzt bereist habe, hatte der Rabe zumindest noch keinen schwulen Zwillingsbruder!
Leider hat Lianne nicht sehr viel Zeit, ihre neue Umgebung zu bewundern. Natürlich nimmt sie sie sich trotzdem, dafür kennen wir doch inzwischen unsere Heldin! Anschließend versucht sie, dem Raben zu helfen, der arg unter Fieber und Schüttelfrost leidet, sich aber weigert, einem Arzt Einlaß in sein Luxusdomizil zu gewähren.
Anschließend macht der Rabe ein zwei Tage langes Nickerchen, das aber nicht annähernd so erholsam ist, wie es sich anhört. Der Ärmste muß im Schlaf nämlich die Zeit seiner Gefangenschaft und Folter aufs Neue erleben. Obendrein wurde er in dieser Zeit auch noch mit geheimnisvollen Drogen traktiert, die ihn abhängig machten.
Als er wieder aufwacht, erblickt er als erstes Lianne und bewundert ihre blonden Haare und ihre auch ungeschminkt schwarzen Wimpern. Ja, Frau Klawuttke, ich finde das auch ganz erstaunlich! Aber wissen Sie was, es wird schon wieder Zeit für ein Quiz! Jawollo. Und danach dürfen Sie nach Herzenslust Gebrauch von diesem besonders großzügig ausgebauten Klischee-Aussichtspunkt machen. Also, es geht los. Unser gesundheitlich schwer angeschlagener Held hat fast zwei Tage lang geschlafen und hat zwischendurch nur hin und wieder mal Medikamente und Wasser von Lianne bekommen. Er hat grauenhafte Alpträume gehabt. Was will er nach dem Aufwachen als erstes: a) pinkeln, b) was auf die Gabel oder c) mit Lianne vögeln?
Natürlich ist Antwort c richtig! Nun ja, ich habe auch schon Bücher mit überraschenderen Wendungen gelesen. Aber immerhin hat Raven eine Handlung, und damit hat es so manch anderem Buch, wie beispielswese dem Telefonbuch oder Twilight, durchaus etwas voraus!
Lassen wir die beiden nun einen Moment alleine, um ihre Zweisamkeit zu genießen. Wir können uns unterdessen an der wundervollen Prosa dieses Buches ergötzen.
Hach. So etwas liest man nicht alle Tage, nicht wahr?
Leider hält das Glück nicht lange an, und nach dem Sex ist der Rabe schweigsam und verschlossen, was bei Lianne seitenlanges Nachdenken über das wieso und warum dieses fiesen Verhaltens auslöst. Aber ich glaube, wir sind jetzt alle bereit für einen leckeren Teller Bohnen auf labberigem Toastbrot, nicht wahr?
Machen Sie es gut. Bis morgen!
Kann's losgehen? Super. Also, wir kommen zusammen mit Lianne und dem Raben an einer trostlosen, heruntergekommenen Fabrikhalle an, in die er mit seinem Auto hereinfährt. Aus der Tatsache, daß das Tor sich von alleine öffnet, schließt Lianne haarscharf, daß des Raben übersinnliche Kräfte da am Werk waren. Wäre ja auch voll uncool, wenn er einfach nur einen elektrischen Torheber mit Fernbedienung eingebaut hätte, ne?
Hier hat Lianne zunächst Gelegenheit, des Raben Zweit- und Drittwagen zu bewundern, bei denen es sich um einen Thunderbird High Back und einen Range Rover Evoque handelt. Oh, na klar, Herr Waldmann, ich mußte die auch erst googeln! Aber keine Sorge, nachher bekommen Sie noch einen "kleine Infobroschüre", hihi, vom literarischen Institut Sankt Infodumping. Diesmal mit Fotos. Tja, offenbar verdient man sehr gut bei der streng geheimen Geheimorganisation!
Hinter einer massiven Eisentür befindet sich schließlich die Wohnung vom Raben. Okay, meine Lieben, es ist Zeit für ein kleines Quiz. Für diejenigen unter Ihnen, die schon mal ein Romantic Suspense-Buch mit einem coolen, geheimnisvollen Helden gelesen haben, ist es bestimmt nicht schwierig. Also: was befindet sich hinter der Eisentür und wird vom Raben bewohnt: a) die ehemalige Waschkaue der Fabrik, in die er sich eine Matratze gelegt hat, oder b) die Treppe in den Keller, wo er in einem leeren Ölfaß schläft, oder c) ein megacooles Loft mit einer superschicken Einrichtung, die jeden Innenarchitekten in Tränen des Neids ausbrechen ließe?
Ja, richtig, es ist Antwort c! War doch gar nicht schwer zu erraten, oder? Und er züchtet sogar frische Kräuter auf der Fensterbank in der Küche...nein, Cheyenne-Kimberly, als ich dieses Buch zuletzt bereist habe, hatte der Rabe zumindest noch keinen schwulen Zwillingsbruder!
Leider hat Lianne nicht sehr viel Zeit, ihre neue Umgebung zu bewundern. Natürlich nimmt sie sie sich trotzdem, dafür kennen wir doch inzwischen unsere Heldin! Anschließend versucht sie, dem Raben zu helfen, der arg unter Fieber und Schüttelfrost leidet, sich aber weigert, einem Arzt Einlaß in sein Luxusdomizil zu gewähren.
Anschließend macht der Rabe ein zwei Tage langes Nickerchen, das aber nicht annähernd so erholsam ist, wie es sich anhört. Der Ärmste muß im Schlaf nämlich die Zeit seiner Gefangenschaft und Folter aufs Neue erleben. Obendrein wurde er in dieser Zeit auch noch mit geheimnisvollen Drogen traktiert, die ihn abhängig machten.
Als er wieder aufwacht, erblickt er als erstes Lianne und bewundert ihre blonden Haare und ihre auch ungeschminkt schwarzen Wimpern. Ja, Frau Klawuttke, ich finde das auch ganz erstaunlich! Aber wissen Sie was, es wird schon wieder Zeit für ein Quiz! Jawollo. Und danach dürfen Sie nach Herzenslust Gebrauch von diesem besonders großzügig ausgebauten Klischee-Aussichtspunkt machen. Also, es geht los. Unser gesundheitlich schwer angeschlagener Held hat fast zwei Tage lang geschlafen und hat zwischendurch nur hin und wieder mal Medikamente und Wasser von Lianne bekommen. Er hat grauenhafte Alpträume gehabt. Was will er nach dem Aufwachen als erstes: a) pinkeln, b) was auf die Gabel oder c) mit Lianne vögeln?
Natürlich ist Antwort c richtig! Nun ja, ich habe auch schon Bücher mit überraschenderen Wendungen gelesen. Aber immerhin hat Raven eine Handlung, und damit hat es so manch anderem Buch, wie beispielswese dem Telefonbuch oder Twilight, durchaus etwas voraus!
Lassen wir die beiden nun einen Moment alleine, um ihre Zweisamkeit zu genießen. Wir können uns unterdessen an der wundervollen Prosa dieses Buches ergötzen.
ihre Brüste wippten wie goldene Äpfel auf dem Baum der Versuchung
Hach. So etwas liest man nicht alle Tage, nicht wahr?
Leider hält das Glück nicht lange an, und nach dem Sex ist der Rabe schweigsam und verschlossen, was bei Lianne seitenlanges Nachdenken über das wieso und warum dieses fiesen Verhaltens auslöst. Aber ich glaube, wir sind jetzt alle bereit für einen leckeren Teller Bohnen auf labberigem Toastbrot, nicht wahr?
Machen Sie es gut. Bis morgen!
Donnerstag, 1. Mai 2014
Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 3
Hallöli, meine lieben Mitreisenden! Endlich geht's weiter im Buch Raven von Andrea Mertz! Ich hoffe, Sie sind alle topfit und voller Tatendrang, denn heute wird es sportlich. Wir springen und klettern von einem Klischee-Aussichtspunkt zum nächsten. Haben Sie alle festes Schuhwerk, Helme, Schutzbrillen und Schwimmwesten? - Ausgezeichnet, dann kann's ja losgehen!
Als erstes gehen wir ins Krankenhaus, denn dort wurde Lianne hingebracht. Obschon ihre Verletzungen harmlos sind und keiner weiteren medizinischen Aufmerksamkeit bedürfen, wurde sie dort in einem Einzelzimmer untergebracht und wird von einer resoluten, aber herzlichen Krankenschwester umsorgt. Respekt, britisches Gesundheitssystem!
Lianne hat gerade Besuch, denn ihre Kollegen von der Zeitung sind da. Dabei stellt sich heraus - ja, meine Lieben, hier ist unser erster Klischee-Aussichtspunkt, bitte nicht drängeln, jeder kann ein Foto machen - daß der Pressefotograf der Zeitung in Lianne verknallt ist. Sie mag ihn aber nur als Freund, weil sie überhaupt noch nie wirkliche Leidenschaft für einen Mann empfunden hat und Sex für total überbewertet hält.
Wenig später werden Liannes Kollegen von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester vertrieben, und Lianne - ja, genau, dies ist schon der nächste Klischee-Aussichtspunkt. Bitte betreten Sie den immer nur zu zweit. Es ist ein bißchen eng. Also Lianne sinnt vorm Einschlafen - holy moly! - darüber nach, wie sinnlich und wundervoll sich des Raben Körper während der Rettungsaktion an ihrem angefühlt hat. Sie stellt sich vor, wie sie mit ihm (total überbewerteten?) Sex hat, und beschließt, ihn zu suchen.
Indessen beobachtet der Rabe das Krankenhausvon seinem Auto aus. Er ist ein körperliches Wrack und hält sich nur mit Hilfe von aus einer Apotheke geklauten Tabletten wach. Er war nämlich monatelang in Gefangenschaft, wo man ihn grauenvollen Versuchen und Tests an Körper und Geist ausgesetzt hatte. Jetzt ist seine Erinnerung lückenhaft wie ein Schweizer Käse und seine körperlichen Kräfte schmelzen dahin wie das Eis am Polarkreis.
- Ja, Herr Schneider, ich finde auch, daß er sich als Frau verkleiden und sich einfach in Liannes Krankenbett legen und von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester umsorgen lassen sollte. Der arme Kerl bricht uns noch zusammen! Nein, Scherz. Wir wollen doch Action sehen, stimmt's?
Oh, bevor ich's vergesse. Haben Sie alle Ihre Rucksäcke mit? Ausgezeichnet. Dann verteile ich jetzt mal die heutige Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Sie haben recht, Frau Klawuttke, 15 Kilogramm sind schon sehr viel für eine sehr klein und auf ganz dünnem Papier gedruckte Infobroschüre. Aber was soll man machen, dem Raben geht eben sehr viel durch sein lückenhaftes Gedächtnis. Seien Sie froh, daß er so viel vergessen hat, sonst bräuchten wir einen Gabelstapler, um die Broschüren zu transportieren.
Also, der Rabe wurde nach dem Anschlag auf seine streng geheime Geheimorganisation gefangen genommen, ist getürmt und wurde irgendwann in Bulgarien ausgesetzt. Zurück in England traute er sich nicht, sich bei der streng geheimen Geheimorganisation zu melden, weil er davon überzeugt ist, daß sie einen Maulwurf haben.
Der Rabe - aber sicher, hier können Sie wieder einige sehr hübsche Klischee-Fotos machen - hat seinen Glauben an die Menschheit schon in seiner schlimmen Kindheit verloren, denn er wuchs in Heimen und bei Pflegeeltern auf, und sein Pflegevater tötete seinen einzigen Freund, einen Raben namens Charlie.
Außerdem findet er Lianne wunderschön und sexy, aber hält nichts von Beziehungen...ja, Klischeefotos. Ein Glück, daß die Digitalkameras erfunden wurden, nicht wahr? Sonst müßten Sie alle fünf Minuten einen neuen Film einlegen...wo war ich? Genau. Also, der Rabe hält nichts von Beziehungen, weil er frei sein will und alle Frauen entweder eiskalt und herzlos sind oder anfangen zu klammern.
Plötzlich stellt er fest, daß ein großer schwarzer BMW vorm Krankenhaus hält und drei Männer aussteigen, die dunkel gekleidet sind und die Mantelkragen hochgeschlossen haben. Nun, höchstwahrscheinlich waren die T-Shirts mit der Aufschrift "WIR SIND VERBRECHER UND HABEN ES AUF LIANNE ABGESEHEN" gerade in der Wäsche. Das macht aber gar nichts, denn der Rabe weiß natürlich sofort, was diese Herren im Schilde führen.
Der Rabe macht sich auf die Socken zu Liannes Zimmer, von dem er unerklärlicherweise weiß, wo es sich befindet. Lianne und der Rabe starren sich ungefähr 20 Minuten bzw. 1 1/2 Buchseiten lang an und sinnen darüber nach, wie geil sie sich gegenseitig finden und welch wunderschöne Augen die jeweils andere Person hat. Anschließend läßt der Rabe Lianne wissen, daß sie sofort mit ihm mitkommen muß, weil sie in Gefahr ist, daß er ihren Bruder kennt und daß er Raven genannt wird.
Bevor sie sich auf den Weg machen, folgt noch der überflüssigste Infodump der Geschichte, in dem eine halbe Seite lang alles beschrieben wird, was der durchschnittliche Mitteleuropäer mit Raben assoziieren kann. Also zum Beispiel die Mythologie der Wikinger, nach der der Chefgott Odin jeden Morgen seine Raben Hugin und Munin aussandte, die ihm dann abends die neuesten Nachrichten zurückbrachten. Deshalb nannte man Odin auch Hrafnagud, den Rabengott. - Hey! Aufwachen! Sie werden doch wegen ein paar vollkommen überflüssiger Informationen nicht gleich einnicken! Tsktsk.
Einige Seiten unwichtiger Informationen und beknackter Dialoge weiter, verlassen unsere beiden Helden endlich das Krankenzimmer.
Halten Sie Ihre Kameras bereit, meine Damen und Herren, denn jetzt kommt eins meiner - und sicherlich auch gleich Ihrer - Lieblingsklischees. Ein echter Klassiker. Einfach wundervoll.
Die Bösewichte sind im Anmarsch, und damit sie Lianne und den Raben nicht bemerken, packt er sie und küßt sie. Viele, viele Zeilen lang. Und viele, viele weitere Zeilen lang denkt Lianne darüber nach, wie wundervoll dieser Kuß war, und was es damit auf sich hatte.
Wenig Zeit und viele langweilige und überflüssige Gedankengänge später schaffen es unsere beiden wackeren Helden, das Krankenhaus zu verlassen. Leider gibt es dabei eine Schießerei und die Bösewichte sind ihnen auf den Fersen. Also türmen die beiden in einem geklauten Lieferwagen. Es gibt eine Verfolgungsjagt, die spannend und voller Action wäre, wenn sie nicht ständig von Liannes ziemlich dämlichen Gedankengängen unterbrochen würde.
Während Lianne noch darüber nachdenkt, ob sie sich einen Hund anschaffen soll, kommen sie und der Rabe bei dessen eigenem Auto an fahren damit weiter.
Der Rabe schafft es schließlich, die Verbrecher los zu werden und bringt Lianne zu seiner Wohnung, wo schon die nächsten Klischees auf uns warten. Aber das sparen wir uns für den nächsten Tag auf, denn jetzt wollen wir sicher alle ins Hotel und uns mit einem leckeren Teller Bohnen stärken!
Bis morgen, meine lieben Mitreisenden!
Als erstes gehen wir ins Krankenhaus, denn dort wurde Lianne hingebracht. Obschon ihre Verletzungen harmlos sind und keiner weiteren medizinischen Aufmerksamkeit bedürfen, wurde sie dort in einem Einzelzimmer untergebracht und wird von einer resoluten, aber herzlichen Krankenschwester umsorgt. Respekt, britisches Gesundheitssystem!
Lianne hat gerade Besuch, denn ihre Kollegen von der Zeitung sind da. Dabei stellt sich heraus - ja, meine Lieben, hier ist unser erster Klischee-Aussichtspunkt, bitte nicht drängeln, jeder kann ein Foto machen - daß der Pressefotograf der Zeitung in Lianne verknallt ist. Sie mag ihn aber nur als Freund, weil sie überhaupt noch nie wirkliche Leidenschaft für einen Mann empfunden hat und Sex für total überbewertet hält.
Wenig später werden Liannes Kollegen von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester vertrieben, und Lianne - ja, genau, dies ist schon der nächste Klischee-Aussichtspunkt. Bitte betreten Sie den immer nur zu zweit. Es ist ein bißchen eng. Also Lianne sinnt vorm Einschlafen - holy moly! - darüber nach, wie sinnlich und wundervoll sich des Raben Körper während der Rettungsaktion an ihrem angefühlt hat. Sie stellt sich vor, wie sie mit ihm (total überbewerteten?) Sex hat, und beschließt, ihn zu suchen.
Indessen beobachtet der Rabe das Krankenhausvon seinem Auto aus. Er ist ein körperliches Wrack und hält sich nur mit Hilfe von aus einer Apotheke geklauten Tabletten wach. Er war nämlich monatelang in Gefangenschaft, wo man ihn grauenvollen Versuchen und Tests an Körper und Geist ausgesetzt hatte. Jetzt ist seine Erinnerung lückenhaft wie ein Schweizer Käse und seine körperlichen Kräfte schmelzen dahin wie das Eis am Polarkreis.
- Ja, Herr Schneider, ich finde auch, daß er sich als Frau verkleiden und sich einfach in Liannes Krankenbett legen und von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester umsorgen lassen sollte. Der arme Kerl bricht uns noch zusammen! Nein, Scherz. Wir wollen doch Action sehen, stimmt's?
Oh, bevor ich's vergesse. Haben Sie alle Ihre Rucksäcke mit? Ausgezeichnet. Dann verteile ich jetzt mal die heutige Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Sie haben recht, Frau Klawuttke, 15 Kilogramm sind schon sehr viel für eine sehr klein und auf ganz dünnem Papier gedruckte Infobroschüre. Aber was soll man machen, dem Raben geht eben sehr viel durch sein lückenhaftes Gedächtnis. Seien Sie froh, daß er so viel vergessen hat, sonst bräuchten wir einen Gabelstapler, um die Broschüren zu transportieren.
Also, der Rabe wurde nach dem Anschlag auf seine streng geheime Geheimorganisation gefangen genommen, ist getürmt und wurde irgendwann in Bulgarien ausgesetzt. Zurück in England traute er sich nicht, sich bei der streng geheimen Geheimorganisation zu melden, weil er davon überzeugt ist, daß sie einen Maulwurf haben.
Der Rabe - aber sicher, hier können Sie wieder einige sehr hübsche Klischee-Fotos machen - hat seinen Glauben an die Menschheit schon in seiner schlimmen Kindheit verloren, denn er wuchs in Heimen und bei Pflegeeltern auf, und sein Pflegevater tötete seinen einzigen Freund, einen Raben namens Charlie.
Außerdem findet er Lianne wunderschön und sexy, aber hält nichts von Beziehungen...ja, Klischeefotos. Ein Glück, daß die Digitalkameras erfunden wurden, nicht wahr? Sonst müßten Sie alle fünf Minuten einen neuen Film einlegen...wo war ich? Genau. Also, der Rabe hält nichts von Beziehungen, weil er frei sein will und alle Frauen entweder eiskalt und herzlos sind oder anfangen zu klammern.
Plötzlich stellt er fest, daß ein großer schwarzer BMW vorm Krankenhaus hält und drei Männer aussteigen, die dunkel gekleidet sind und die Mantelkragen hochgeschlossen haben. Nun, höchstwahrscheinlich waren die T-Shirts mit der Aufschrift "WIR SIND VERBRECHER UND HABEN ES AUF LIANNE ABGESEHEN" gerade in der Wäsche. Das macht aber gar nichts, denn der Rabe weiß natürlich sofort, was diese Herren im Schilde führen.
Der Rabe macht sich auf die Socken zu Liannes Zimmer, von dem er unerklärlicherweise weiß, wo es sich befindet. Lianne und der Rabe starren sich ungefähr 20 Minuten bzw. 1 1/2 Buchseiten lang an und sinnen darüber nach, wie geil sie sich gegenseitig finden und welch wunderschöne Augen die jeweils andere Person hat. Anschließend läßt der Rabe Lianne wissen, daß sie sofort mit ihm mitkommen muß, weil sie in Gefahr ist, daß er ihren Bruder kennt und daß er Raven genannt wird.
Bevor sie sich auf den Weg machen, folgt noch der überflüssigste Infodump der Geschichte, in dem eine halbe Seite lang alles beschrieben wird, was der durchschnittliche Mitteleuropäer mit Raben assoziieren kann. Also zum Beispiel die Mythologie der Wikinger, nach der der Chefgott Odin jeden Morgen seine Raben Hugin und Munin aussandte, die ihm dann abends die neuesten Nachrichten zurückbrachten. Deshalb nannte man Odin auch Hrafnagud, den Rabengott. - Hey! Aufwachen! Sie werden doch wegen ein paar vollkommen überflüssiger Informationen nicht gleich einnicken! Tsktsk.
Einige Seiten unwichtiger Informationen und beknackter Dialoge weiter, verlassen unsere beiden Helden endlich das Krankenzimmer.
Halten Sie Ihre Kameras bereit, meine Damen und Herren, denn jetzt kommt eins meiner - und sicherlich auch gleich Ihrer - Lieblingsklischees. Ein echter Klassiker. Einfach wundervoll.
Die Bösewichte sind im Anmarsch, und damit sie Lianne und den Raben nicht bemerken, packt er sie und küßt sie. Viele, viele Zeilen lang. Und viele, viele weitere Zeilen lang denkt Lianne darüber nach, wie wundervoll dieser Kuß war, und was es damit auf sich hatte.
Wenig Zeit und viele langweilige und überflüssige Gedankengänge später schaffen es unsere beiden wackeren Helden, das Krankenhaus zu verlassen. Leider gibt es dabei eine Schießerei und die Bösewichte sind ihnen auf den Fersen. Also türmen die beiden in einem geklauten Lieferwagen. Es gibt eine Verfolgungsjagt, die spannend und voller Action wäre, wenn sie nicht ständig von Liannes ziemlich dämlichen Gedankengängen unterbrochen würde.
Während Lianne noch darüber nachdenkt, ob sie sich einen Hund anschaffen soll, kommen sie und der Rabe bei dessen eigenem Auto an fahren damit weiter.
Der Rabe schafft es schließlich, die Verbrecher los zu werden und bringt Lianne zu seiner Wohnung, wo schon die nächsten Klischees auf uns warten. Aber das sparen wir uns für den nächsten Tag auf, denn jetzt wollen wir sicher alle ins Hotel und uns mit einem leckeren Teller Bohnen stärken!
Bis morgen, meine lieben Mitreisenden!
Samstag, 25. Januar 2014
Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 2
Guten Morgen meine Damen und Herren, liebe Kinder. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Nachtruhe und können ausgeruht und gestärkt in den zweiten Tag unserer Rundreise durch das Buch Raven von Andrea Mertz starten!
Wir haben einen kleinen Zeitsprung gemacht und befinden uns 11 Wochen nach dem Prolog in London. Wir begleiten zunächst die junge Reporterin Lianne Morgan. Sie erinnern sich: Lianne ist die kleine Schwester von Frank Morgan. Die Ärmste leidet sehr darunter, daß ihr Bruder verschwunden ist. - Ja Cheyenne-Kimberly, ich finde Liannes Schlangenledersandaletten auch voll geil. Nein, bleib bitte stehen und lauf nicht zu Lianne. Wir sind doch hier nicht in einem Jasper Fforde-Buch! - Äh, keine Ahnung, ob Lianne die Schuhe bei Zalando bestellt hat!
Wo war ich stehengeblieben? Genau. Lianne wartet gerade auf den britischen Außenminister, mit dem sie ein Interview führen soll. Lianne hat vor dem Interview schon mit einem kaputten Auto, einem verpaßten Bus, einem überfüllten Bus und einem Beinahe-Überfall gekämpft, und obwohl sie schon ziemlich erschöpft ist, fällt ihr am Außenminister, William Hague, sofort alles Wichtige auf. Beispielsweise, von welchem Designer sein Anzug ist. Lianne befragt den Außenminister über die Situation in Libyen, erfährt aber nichts, was sie nicht schon wußte oder sich hätte denken können. Tja, wäre sie mal Tabloid-Reporterin geworden. Da hätte sie sich die schönsten Schlagzeilen einfach ausdenken können.
Zuletzt stellt Lianne Herrn Hague noch eine Frage über Franks streng geheime Geheimorganisation, die Shadow Force. Er gibt aber vor, darüber nichts zu wissen. Gegen Ende des Interviews, der Minister ist schon gegangen, bekommt Lianne eine Panikattacke, und wenig später explodiert etwas, so daß das ganze Gebäude ins Wanken gerät.
Gehen wir nun in die Tiefgarage desselben Gebäudes. Da ist unser Held Raven gerade dabei, einige Sprengsätze zu entschärfen. Sehen Sie - oh, ich verteile erstmal die Unterlagen des literarischen Instituts Sankt Infodumping für den heutigen Tag. Jaja, so dick wie fünf Hotelbibeln. Die Jungs von Sankt Infodumping scheuen eben weder Kosten noch Mühen, um Sie, meine sehr verehrten Gäste, mit allen wichtigen und unwichtigen Fakten zu versorgen!
Also, Raven hat irgendwie von dem Anschlag auf die Londoner City Hall und von Liannes Termin in just diesem Gebäude gewußt. Und natürlich wollte er die Menschheit im Allgemeinen und Lianne im Besonderen beschützen. Deshalb hat er ihr Auto sabotiert und versucht, alle Bomben zu entschärfen. Aber - Heilige Hölle! - es ist ihm nicht gelungen.
Ja, Sie haben recht. Der Typ kann einfach nicht fluchen. Er ist schon dreimal durch die Prüfung in der Wessel-Akademie für korrektes Fluchen und schlimme Wörter gefallen, der arme Kerl. Aber niemand kann alles, nicht?
Wenig später bricht wegen einer weiteren Explosion alles zusammen und der Rabe rennt los, um Lianne zu retten.
Diese hat sich, da die Explosion sie zu Boden geworfen hat, erstmal hingelegt, und läßt die Mutter aller Infodumps los, während sie darauf wartet, daß der Rabe sie abholt. - Oh nein, sie weiß natürlich nicht, daß sie auf ihn wartet. Sie kennt ihn ja noch gar nicht.
Wenig später findet dieser tatsächlich unsere wackere Heldin, packt sie und trägt sie weg. Unterwegs retten sie noch ein paar andere Leute, bevor sie es dank der übersinnlichen Fähigkeiten sowie der Sprungkraft des Raben schaffen, das Gebäude zu verlassen.
Anschließend schläft Lianne in Ravens starken Armen ein. Er setzt sie irgendwo ab und türmt. Anschließend - ja, das sind die nächten 30 Seiten in Ihrer Broschüre - läßt er selbst erst mal einen ganz gepflegten, ausgiebigen Infodump ab. Ja, das haben Sie sehr gut erkannt, Frau Klawuttke. Für die Charaktere in diesem Buch sind Infodumps ebenso entspannend, wie ein langes heißes Bad für lebendige Menschen!
Der Rabe weiß also, daß jemand sowohl den Minister als auch Lianne abmurksen wollte. Davon abgesehen geht es ihm schlecht und alles tut ihm weh, so daß er schleunigst in seine Unterkunft auf Zeit flüchten will. Während er sich also verletzt, blutend, mit in Fetzen hängender Kleidung und vor Fieber glühend durch London schleppt, denkt er ganz ausgiebig darüber nach, wie wunderschön und sexy er Lianne findet, und was er für ein cooler Einzelgänger ist, der nicht am Leben hängt. - Oh, ja genau, das ist schon einer von unseren Klischee-Aussichtspunkten. Machen Sie gern so viele Fotos, wie sie möchten.
Nun, meine lieben Mitreisenden, das war ein ganz schön anstrengender Tag für unsere Protagonisten! Während sie sich erholen, wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Abend in der Weltstadt London, und wir sehen uns morgen früh vor Ihrem Hotel in alter Frische.
Tschüssikowski!
Wir haben einen kleinen Zeitsprung gemacht und befinden uns 11 Wochen nach dem Prolog in London. Wir begleiten zunächst die junge Reporterin Lianne Morgan. Sie erinnern sich: Lianne ist die kleine Schwester von Frank Morgan. Die Ärmste leidet sehr darunter, daß ihr Bruder verschwunden ist. - Ja Cheyenne-Kimberly, ich finde Liannes Schlangenledersandaletten auch voll geil. Nein, bleib bitte stehen und lauf nicht zu Lianne. Wir sind doch hier nicht in einem Jasper Fforde-Buch! - Äh, keine Ahnung, ob Lianne die Schuhe bei Zalando bestellt hat!
Wo war ich stehengeblieben? Genau. Lianne wartet gerade auf den britischen Außenminister, mit dem sie ein Interview führen soll. Lianne hat vor dem Interview schon mit einem kaputten Auto, einem verpaßten Bus, einem überfüllten Bus und einem Beinahe-Überfall gekämpft, und obwohl sie schon ziemlich erschöpft ist, fällt ihr am Außenminister, William Hague, sofort alles Wichtige auf. Beispielsweise, von welchem Designer sein Anzug ist. Lianne befragt den Außenminister über die Situation in Libyen, erfährt aber nichts, was sie nicht schon wußte oder sich hätte denken können. Tja, wäre sie mal Tabloid-Reporterin geworden. Da hätte sie sich die schönsten Schlagzeilen einfach ausdenken können.
Zuletzt stellt Lianne Herrn Hague noch eine Frage über Franks streng geheime Geheimorganisation, die Shadow Force. Er gibt aber vor, darüber nichts zu wissen. Gegen Ende des Interviews, der Minister ist schon gegangen, bekommt Lianne eine Panikattacke, und wenig später explodiert etwas, so daß das ganze Gebäude ins Wanken gerät.
Gehen wir nun in die Tiefgarage desselben Gebäudes. Da ist unser Held Raven gerade dabei, einige Sprengsätze zu entschärfen. Sehen Sie - oh, ich verteile erstmal die Unterlagen des literarischen Instituts Sankt Infodumping für den heutigen Tag. Jaja, so dick wie fünf Hotelbibeln. Die Jungs von Sankt Infodumping scheuen eben weder Kosten noch Mühen, um Sie, meine sehr verehrten Gäste, mit allen wichtigen und unwichtigen Fakten zu versorgen!
Also, Raven hat irgendwie von dem Anschlag auf die Londoner City Hall und von Liannes Termin in just diesem Gebäude gewußt. Und natürlich wollte er die Menschheit im Allgemeinen und Lianne im Besonderen beschützen. Deshalb hat er ihr Auto sabotiert und versucht, alle Bomben zu entschärfen. Aber - Heilige Hölle! - es ist ihm nicht gelungen.
Ja, Sie haben recht. Der Typ kann einfach nicht fluchen. Er ist schon dreimal durch die Prüfung in der Wessel-Akademie für korrektes Fluchen und schlimme Wörter gefallen, der arme Kerl. Aber niemand kann alles, nicht?
Wenig später bricht wegen einer weiteren Explosion alles zusammen und der Rabe rennt los, um Lianne zu retten.
Diese hat sich, da die Explosion sie zu Boden geworfen hat, erstmal hingelegt, und läßt die Mutter aller Infodumps los, während sie darauf wartet, daß der Rabe sie abholt. - Oh nein, sie weiß natürlich nicht, daß sie auf ihn wartet. Sie kennt ihn ja noch gar nicht.
Wenig später findet dieser tatsächlich unsere wackere Heldin, packt sie und trägt sie weg. Unterwegs retten sie noch ein paar andere Leute, bevor sie es dank der übersinnlichen Fähigkeiten sowie der Sprungkraft des Raben schaffen, das Gebäude zu verlassen.
Anschließend schläft Lianne in Ravens starken Armen ein. Er setzt sie irgendwo ab und türmt. Anschließend - ja, das sind die nächten 30 Seiten in Ihrer Broschüre - läßt er selbst erst mal einen ganz gepflegten, ausgiebigen Infodump ab. Ja, das haben Sie sehr gut erkannt, Frau Klawuttke. Für die Charaktere in diesem Buch sind Infodumps ebenso entspannend, wie ein langes heißes Bad für lebendige Menschen!
Der Rabe weiß also, daß jemand sowohl den Minister als auch Lianne abmurksen wollte. Davon abgesehen geht es ihm schlecht und alles tut ihm weh, so daß er schleunigst in seine Unterkunft auf Zeit flüchten will. Während er sich also verletzt, blutend, mit in Fetzen hängender Kleidung und vor Fieber glühend durch London schleppt, denkt er ganz ausgiebig darüber nach, wie wunderschön und sexy er Lianne findet, und was er für ein cooler Einzelgänger ist, der nicht am Leben hängt. - Oh, ja genau, das ist schon einer von unseren Klischee-Aussichtspunkten. Machen Sie gern so viele Fotos, wie sie möchten.
Nun, meine lieben Mitreisenden, das war ein ganz schön anstrengender Tag für unsere Protagonisten! Während sie sich erholen, wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Abend in der Weltstadt London, und wir sehen uns morgen früh vor Ihrem Hotel in alter Frische.
Tschüssikowski!
Samstag, 4. Januar 2014
Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 1
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kinder, herzlich willkommen auf unserer Rundreise durch das Buch Raven von Andrea Mertz. Mein Name ist Susi, und ich bin Ihre Reiseleiterin.
Lassen Sie uns zunächst ein paar organisatorische Details besprechen, bevor wir uns ins Vergnügen stürzen. Für Ihre Übernachtungen haben wir Ihnen Zimmer im 4 Sterne-Hotel "The Mishapen Metaphor" in London gebucht, und selbstverständlich gehört dazu auch die Halbpension, wobei Sie morgens und abends jeweils zwischen Bohnen mit Toast oder Toast mit Bohnen wählen können. Abends wird Ihnen dazu gratis ein Glas warmes Bier ohne Schaumkrone gereicht.
Hin und wieder werden wir an einigen wohlbekannten Klischees vorbeikommen. An diesen Stellen haben wir für Sie sogenannte Klischee-Aussichtspunkte eingerichtet, damit Sie ein paar besonders schöne Fotos machen können. Selbstverständlich werde ich Sie jeweils rechtzeitig auf die Aussichtspunkte aufmerksam machen.
Beginnen wir unsere Rundreise nun mit dem Prolog, der in Libyen spielt. Wie Sie sehen, wird er aus der Sicht eines gewissen Frank Morgan, genannt Eagle, erzählt. Er denkt auf einer Fahrt durch die libysche Wildnis an seine Schwester Lianne, die Heldin des Buches. Dadurch erfahren wir, daß Lianne eine attraktive, kluge und modebewußte Frau mit einem Schuhtick ist, und daß sie eine Reporterin ist.
Hier sehen Sie, wie Frank und seine Kollegen, die alle übersinnliche Fähigkeiten haben und einer streng geheimen Geheimorganisation angehören, in einen Kampf geraten, in dem zunächst einmal ihr Jeep explodiert.
Ah, sehen Sie, hier kommt schon der nächste Protagonist. Es ist John McDermott, genannt Raven. Er besitzt genau wie Frank übersinnliche Fähigkeiten und ist Mitglied der streng geheimen Geheimorganisation.
- Ja, die Dame mit der hellblauen Leinenjacke - Frau Schneider, nicht wahr? - Sie haben eine Frage?
- Nun, wir haben einen Adler und einen Raben, da erscheint es mir durchaus logisch, anzunehmen, daß die Autorin weitere Bücher über übersinnlich begabte Helden mit Vogelnamen plant. Ich kann Ihnen leider noch nicht sagen, ob auch ein Geier, ein Huhn und ein Kanarienvogel dabei sein werden. Ich persönlich finde die Idee ganz bezaubernd, der Kanarienvogel könnte beispielsweise ein Opernsänger sein...nur die Sache mit dem Geier wäre ein wenig unappetitlich, finden Sie nicht? Aasfressen ist ja so unsexy.
So, jetzt gebe ich Ihnen erstmal eine Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Wenn Sie sich die Broschüre nachher in Ruhe durchlesen, werden Sie alles über Wesen und Geschichte der streng geheimen Geheimorganisation erfahren. Fürs erste reicht es, wenn Sie im Hinterkopf behalten, daß sie als Shadow Force oder auch Schattenkrieger bezeichnet wird und ein Teil des britischen MI6 ist.
- Ja, Herr...äh...Waldmann?
Oh, sie haben natürlich recht. Ich finde es auch etwas...ungewöhnlich, daß unsere großen, starken Alphahelden den Tod eines Kumpels und des Fahrers des soeben explodierten Jeeps mit "Verdammter Mist" und "Das kannst du laut sagen" kommentieren, und dem guten Frank ansonsten höchstens mal ein "holy moly" entfleucht. Vielleicht hat die Autorin nicht gewußt, wie man "fuck" oder "scheiße" buchstabiert?
Okay, ich muß jetzt noch mal eine Unterlage vom literarischen Institut Sankt Infodumping verteilen. Helfen Sie mir mal tragen, Herr Kaczmarek? Danke. Ja, die sind schwer. Dick wie Telefonbücher. Also, lassen Sie uns mal kurz (hihi) querlesen. Der Rabe ist davon überzeugt, daß es unter den Schattenkriegern einen Verräter gibt, der sie immer wieder in Fallen lockt. Wir erfahren, daß der Rabe in den Augen des Adlers ein hochgewachsener, sturer und wortkarger Schotte ist, den er zunächst für einen arroganten, selbstgefälligen, oberflächlichen Draufgänger und gefühllosen Frauenvernascher (ja, ein süßer Ausdruck, nicht?) hielt. In Wirklichkeit ist er aber 'n ganz netten Kerl, der intelligent, loyal und verläßlich ist. Der Adler glaubt nun auch, daß es einen Verräter gibt, aber auf gar keinen Fall kann es der Rabe sein.
So. Hier sehen Sie nun, wie der Rabe sein Maschinengewehr wegschmeißt und die Feinde mittels seiner übersinnlichen Kräfte in die Flucht schlägt. Hier tauchen noch zwei Schattenkrieger auf, ein Falke und ein Habicht. Diese beiden werden von Frank angewiesen, sich und einige Verletzte mit einem noch fahrtüchtigen Jeep in Sicherheit zu bringen und einen Hubschrauber zu rufen, der Frank und John vom Ort des Kampfes abholt.
Oh! Hier haben wir ein besonders schönes Exemplar von...nun, ich kann wirklich nicht sagen, was das ist...aber sehen Sie selbst:
Ravens Wangenknochen mahlten, doch er schwieg.
Mahlende Wangenknochen! Wer weiß, wo der gute Rabe noch überall Gelenke hat, wo Normalsterbliche keine haben.
Aber Scherz beiseite. Der arme Frank verspürt urplötzlich am ganzen Körper unerträgliche Schmerzen, die offenbar durch einen bösen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten verursacht werden. Der Rabe hat offensichtlich das gleiche Problem. Franks letzter Gedanke gilt seiner Schwester Lianne, dann verliert er das Bewußtsein und der Prolog ist vorbei.
Nun, meine Damen und Herren, liebe Kinder, das war doch mal ein furioser Einstieg in das Buch! Und morgen geht es gleich mit ganz viel Action weiter. Wir treffen uns um 9 Uhr vor dem Hoteleingang. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine angenehme Nachtruhe!
Lassen Sie uns zunächst ein paar organisatorische Details besprechen, bevor wir uns ins Vergnügen stürzen. Für Ihre Übernachtungen haben wir Ihnen Zimmer im 4 Sterne-Hotel "The Mishapen Metaphor" in London gebucht, und selbstverständlich gehört dazu auch die Halbpension, wobei Sie morgens und abends jeweils zwischen Bohnen mit Toast oder Toast mit Bohnen wählen können. Abends wird Ihnen dazu gratis ein Glas warmes Bier ohne Schaumkrone gereicht.
Hin und wieder werden wir an einigen wohlbekannten Klischees vorbeikommen. An diesen Stellen haben wir für Sie sogenannte Klischee-Aussichtspunkte eingerichtet, damit Sie ein paar besonders schöne Fotos machen können. Selbstverständlich werde ich Sie jeweils rechtzeitig auf die Aussichtspunkte aufmerksam machen.
Beginnen wir unsere Rundreise nun mit dem Prolog, der in Libyen spielt. Wie Sie sehen, wird er aus der Sicht eines gewissen Frank Morgan, genannt Eagle, erzählt. Er denkt auf einer Fahrt durch die libysche Wildnis an seine Schwester Lianne, die Heldin des Buches. Dadurch erfahren wir, daß Lianne eine attraktive, kluge und modebewußte Frau mit einem Schuhtick ist, und daß sie eine Reporterin ist.
Hier sehen Sie, wie Frank und seine Kollegen, die alle übersinnliche Fähigkeiten haben und einer streng geheimen Geheimorganisation angehören, in einen Kampf geraten, in dem zunächst einmal ihr Jeep explodiert.
Ah, sehen Sie, hier kommt schon der nächste Protagonist. Es ist John McDermott, genannt Raven. Er besitzt genau wie Frank übersinnliche Fähigkeiten und ist Mitglied der streng geheimen Geheimorganisation.
- Ja, die Dame mit der hellblauen Leinenjacke - Frau Schneider, nicht wahr? - Sie haben eine Frage?
- Nun, wir haben einen Adler und einen Raben, da erscheint es mir durchaus logisch, anzunehmen, daß die Autorin weitere Bücher über übersinnlich begabte Helden mit Vogelnamen plant. Ich kann Ihnen leider noch nicht sagen, ob auch ein Geier, ein Huhn und ein Kanarienvogel dabei sein werden. Ich persönlich finde die Idee ganz bezaubernd, der Kanarienvogel könnte beispielsweise ein Opernsänger sein...nur die Sache mit dem Geier wäre ein wenig unappetitlich, finden Sie nicht? Aasfressen ist ja so unsexy.
So, jetzt gebe ich Ihnen erstmal eine Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Wenn Sie sich die Broschüre nachher in Ruhe durchlesen, werden Sie alles über Wesen und Geschichte der streng geheimen Geheimorganisation erfahren. Fürs erste reicht es, wenn Sie im Hinterkopf behalten, daß sie als Shadow Force oder auch Schattenkrieger bezeichnet wird und ein Teil des britischen MI6 ist.
- Ja, Herr...äh...Waldmann?
Oh, sie haben natürlich recht. Ich finde es auch etwas...ungewöhnlich, daß unsere großen, starken Alphahelden den Tod eines Kumpels und des Fahrers des soeben explodierten Jeeps mit "Verdammter Mist" und "Das kannst du laut sagen" kommentieren, und dem guten Frank ansonsten höchstens mal ein "holy moly" entfleucht. Vielleicht hat die Autorin nicht gewußt, wie man "fuck" oder "scheiße" buchstabiert?
Okay, ich muß jetzt noch mal eine Unterlage vom literarischen Institut Sankt Infodumping verteilen. Helfen Sie mir mal tragen, Herr Kaczmarek? Danke. Ja, die sind schwer. Dick wie Telefonbücher. Also, lassen Sie uns mal kurz (hihi) querlesen. Der Rabe ist davon überzeugt, daß es unter den Schattenkriegern einen Verräter gibt, der sie immer wieder in Fallen lockt. Wir erfahren, daß der Rabe in den Augen des Adlers ein hochgewachsener, sturer und wortkarger Schotte ist, den er zunächst für einen arroganten, selbstgefälligen, oberflächlichen Draufgänger und gefühllosen Frauenvernascher (ja, ein süßer Ausdruck, nicht?) hielt. In Wirklichkeit ist er aber 'n ganz netten Kerl, der intelligent, loyal und verläßlich ist. Der Adler glaubt nun auch, daß es einen Verräter gibt, aber auf gar keinen Fall kann es der Rabe sein.
So. Hier sehen Sie nun, wie der Rabe sein Maschinengewehr wegschmeißt und die Feinde mittels seiner übersinnlichen Kräfte in die Flucht schlägt. Hier tauchen noch zwei Schattenkrieger auf, ein Falke und ein Habicht. Diese beiden werden von Frank angewiesen, sich und einige Verletzte mit einem noch fahrtüchtigen Jeep in Sicherheit zu bringen und einen Hubschrauber zu rufen, der Frank und John vom Ort des Kampfes abholt.
Oh! Hier haben wir ein besonders schönes Exemplar von...nun, ich kann wirklich nicht sagen, was das ist...aber sehen Sie selbst:
Ravens Wangenknochen mahlten, doch er schwieg.
Mahlende Wangenknochen! Wer weiß, wo der gute Rabe noch überall Gelenke hat, wo Normalsterbliche keine haben.
Aber Scherz beiseite. Der arme Frank verspürt urplötzlich am ganzen Körper unerträgliche Schmerzen, die offenbar durch einen bösen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten verursacht werden. Der Rabe hat offensichtlich das gleiche Problem. Franks letzter Gedanke gilt seiner Schwester Lianne, dann verliert er das Bewußtsein und der Prolog ist vorbei.
Nun, meine Damen und Herren, liebe Kinder, das war doch mal ein furioser Einstieg in das Buch! Und morgen geht es gleich mit ganz viel Action weiter. Wir treffen uns um 9 Uhr vor dem Hoteleingang. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine angenehme Nachtruhe!
Sonntag, 13. Oktober 2013
Vivian Arend: High Risk
Rebecca James, genannt Becki, war eine renommierte Bergsteigerin/Bergrettungsexpertin, bis bei einem schrecklichen Unfall ihr Freund ums Leben kam. Leider hat Becki einen Filmriß und kann sich nicht an den Unfall erinnern, doch ständige Alpträume plagen sie und lassen sie nicht richtig schlafen. Als sie eine Stelle als Trainerin an einer Bergretterschule (wer hätte gedacht, daß es so etwas gibt) annimmt, trifft sie dort Marcus Landers wieder. Mit ihm hatte sie vor Jahren eine heiße Affäre, und sie fühlen sich immer noch zueinander hingezogen. Marcus hat allerdings auch gewisse Probleme...
Also, wenn ihr ein Buch in die Hand nehmt und auf der Vorderseite steht in großen Buchstaben als Titel "High Risk", und darunter in kleineren Buchstaben "An Adrenaline Novel"; und wenn ihr dann das Buch umdreht und auf dem Buchrücken steht: "Romantic Suspense" - würdet ihr dann nicht erwarten, daß das Buch eine Handlung hat, und zwar eine spannende? Tja, so ging es mir auch. Blöderweise hat das Buch aber bis auf die letzten paar Seiten überhaupt keine Handlung, und die ist dann wirklich nicht sehr spannend.
Ich will das mal beschreiben, allerdings geht das nicht ohne ein paar Spoiler, also Vorsicht:
Am Anfang des Buches kommt Becki nach Banff (das ist eine Stadt in Kanada) und trifft Marcus wieder. Marcus und Becki laufen, klettern und machen überhaupt jede Menge Sport, so daß ich dabei schon vom Lesen total müde werde. Dabei denken sie die ganze Zeit, wie sexy sie die jeweils andere Person finden und wie gerne sie mit ihm/ihr Sex hätten. Ich habe ja schon viele amerikanische Buchrezensionen gelesen, in denen sich die Rezensentin über das fortwährende "mental lusting" (wie nennt man das auf deutsch?) aufgeregt hat. Und immer dachte ich dann: hey, was ist denn so schlimm daran? Ich denke solche Gedanken recht oft und gerne in Zusammenhang mit meinem Liebsten...na ja, aber seit ich High Risk gelesen habe, hat sich meine Meinung ein wenig geändert. Es hat mich so genervt, daß ich nur noch dachte, jetzt vögelt euch doch endlich das letzte bißchen Gehirn weg, vielleicht geht's euch und mir dann besser. Sport und an Sex denken ist als Handlung für ein Buch eher dürftig!
Tja, aber man soll mit seinen Wünschen ja vorsichtig sein, weil sie vielleicht in Erfüllung gehen könnten. So auch hier. Der Mittelteil des Buches besteht aus den folgenden Komponenten: Sport, Vögeln, Labern. Nun bringe ich Sport generell ja ein eher mildes Interesse entgegen. Der Sex in High Risk war mir persönlich ein bißchen zu ausgefallen, denn Becki besitzt nicht nur ein Brustwarzen- sondern auch ein Intimpiercing, was leider bei jeder sich bietenden Gelegenheit erwähnt wird, so daß man es einfach nicht ignorieren kann. Das ist so eklig! Und der Marcus liebt es, Becki mit einem Seil und raffiniertesten Seemannsknoten zu fesseln (dafür mein Respekt, denn immerhin hat er nur eine Hand), bevor sie zur Sache kommen. Und das Labern ist...nun ja, labern. Es ist nicht so, daß Becki und Marcus totalen Schwachsinn von sich geben, aber sie erzählen sich ein bißchen, wie es ihnen so geht und was sie für Probleme haben, nur daß sie dann nicht über eine Lösung für ihre Probleme nachdenken, sondern sie machen direkt mit Sport oder Sex weiter. Laaaaaaaaaaaaaangweilig!
Im letzten Teil bekommt Becki schließlich, zur großen Überraschung von...niemandem, schätze ich, die Gelegenheit, eine wichtige Rolle bei einer Bergrettung zu spielen, und erinnert sich an ihren Unfall. Dann reiten Marcus, Becki und ihre Seemannsknoten in den Sonnenuntergang - oder besser gesagt, in den Nieselregen, denn in dem Buch herrscht ständig mieses Wetter.
Dem Buch fehlt sowohl eine Handlung als auch sympathische Charaktere. Okay, Becki und Marcus sind nicht unsympathisch, aber sie haben gar nichts an sich, was mich mit ihnen fühlen läßt. Sie haben keine Macken und keinen Humor. Eigentlich sind sie nur zwei überaus durchtrainierte Körper mit dauergeilen Geschlechtsorganen. Ich habe auch keine Ahnung, warum sie sich ineinander verliebt haben, denn außer daß die jeweils andere Person super aussieht und wahnsinnig muskulös ist, bekomme ich nicht viel davon mit, was Becki über Marcus und Marcus über Becki denkt.
Romantic Suspense ist das jedenfalls nicht. Das ganze sollte lieber als Erotikroman vermarktet werden, da würde man sich wahrscheinlich auch nicht so über die Piercings und die Seile wundern.
Also, wenn ihr ein Buch in die Hand nehmt und auf der Vorderseite steht in großen Buchstaben als Titel "High Risk", und darunter in kleineren Buchstaben "An Adrenaline Novel"; und wenn ihr dann das Buch umdreht und auf dem Buchrücken steht: "Romantic Suspense" - würdet ihr dann nicht erwarten, daß das Buch eine Handlung hat, und zwar eine spannende? Tja, so ging es mir auch. Blöderweise hat das Buch aber bis auf die letzten paar Seiten überhaupt keine Handlung, und die ist dann wirklich nicht sehr spannend.
Ich will das mal beschreiben, allerdings geht das nicht ohne ein paar Spoiler, also Vorsicht:
Am Anfang des Buches kommt Becki nach Banff (das ist eine Stadt in Kanada) und trifft Marcus wieder. Marcus und Becki laufen, klettern und machen überhaupt jede Menge Sport, so daß ich dabei schon vom Lesen total müde werde. Dabei denken sie die ganze Zeit, wie sexy sie die jeweils andere Person finden und wie gerne sie mit ihm/ihr Sex hätten. Ich habe ja schon viele amerikanische Buchrezensionen gelesen, in denen sich die Rezensentin über das fortwährende "mental lusting" (wie nennt man das auf deutsch?) aufgeregt hat. Und immer dachte ich dann: hey, was ist denn so schlimm daran? Ich denke solche Gedanken recht oft und gerne in Zusammenhang mit meinem Liebsten...na ja, aber seit ich High Risk gelesen habe, hat sich meine Meinung ein wenig geändert. Es hat mich so genervt, daß ich nur noch dachte, jetzt vögelt euch doch endlich das letzte bißchen Gehirn weg, vielleicht geht's euch und mir dann besser. Sport und an Sex denken ist als Handlung für ein Buch eher dürftig!
Tja, aber man soll mit seinen Wünschen ja vorsichtig sein, weil sie vielleicht in Erfüllung gehen könnten. So auch hier. Der Mittelteil des Buches besteht aus den folgenden Komponenten: Sport, Vögeln, Labern. Nun bringe ich Sport generell ja ein eher mildes Interesse entgegen. Der Sex in High Risk war mir persönlich ein bißchen zu ausgefallen, denn Becki besitzt nicht nur ein Brustwarzen- sondern auch ein Intimpiercing, was leider bei jeder sich bietenden Gelegenheit erwähnt wird, so daß man es einfach nicht ignorieren kann. Das ist so eklig! Und der Marcus liebt es, Becki mit einem Seil und raffiniertesten Seemannsknoten zu fesseln (dafür mein Respekt, denn immerhin hat er nur eine Hand), bevor sie zur Sache kommen. Und das Labern ist...nun ja, labern. Es ist nicht so, daß Becki und Marcus totalen Schwachsinn von sich geben, aber sie erzählen sich ein bißchen, wie es ihnen so geht und was sie für Probleme haben, nur daß sie dann nicht über eine Lösung für ihre Probleme nachdenken, sondern sie machen direkt mit Sport oder Sex weiter. Laaaaaaaaaaaaaangweilig!
Im letzten Teil bekommt Becki schließlich, zur großen Überraschung von...niemandem, schätze ich, die Gelegenheit, eine wichtige Rolle bei einer Bergrettung zu spielen, und erinnert sich an ihren Unfall. Dann reiten Marcus, Becki und ihre Seemannsknoten in den Sonnenuntergang - oder besser gesagt, in den Nieselregen, denn in dem Buch herrscht ständig mieses Wetter.
Dem Buch fehlt sowohl eine Handlung als auch sympathische Charaktere. Okay, Becki und Marcus sind nicht unsympathisch, aber sie haben gar nichts an sich, was mich mit ihnen fühlen läßt. Sie haben keine Macken und keinen Humor. Eigentlich sind sie nur zwei überaus durchtrainierte Körper mit dauergeilen Geschlechtsorganen. Ich habe auch keine Ahnung, warum sie sich ineinander verliebt haben, denn außer daß die jeweils andere Person super aussieht und wahnsinnig muskulös ist, bekomme ich nicht viel davon mit, was Becki über Marcus und Marcus über Becki denkt.
Romantic Suspense ist das jedenfalls nicht. Das ganze sollte lieber als Erotikroman vermarktet werden, da würde man sich wahrscheinlich auch nicht so über die Piercings und die Seile wundern.
Samstag, 21. September 2013
Michelle Raven: Riskantes Manöver
Kyla Mosley ist eine amerikanische Geheimagentin, die einen Einsatz in Afghanistan nur knapp überlebt hat, nicht zuletzt dank eines geheimnisvollen Retters, den sie nur unter dem Namen "Hamid" kennt. Monate nach diesem Einsatz kämpft Kayla immer noch mit dessen Auswirkungen, und auch Hamid kann sie nicht vergessen. Als Kyla nach Berlin geschickt wird, um mit einem BND-Mitglied ein Gespräch zu führen, stellt sie zu ihrer Überraschung fest, daß dieser Christoph Nevia nicht nur ihr geheimnisvoller Retter aus Afghanistan ist, sondern daß sich neben dem fiesen Wetter auch noch alles mögliche andere gegen sie und Chris verschworen hat. Nur knapp entgehen die beiden mehreren Anschlägen auf ihr Leben und fliehen nach Amerika, um die Drahtzieher der Verbrechen unschädlich zu machen...
Riskantes Manöver ist die Fortsetzung von Gefährlicher Einsatz und ich muß sagen,ich habe mich äußerst gut unterhalten gefühlt, obwohl ich zwar die ganze Zeit mühelos der Handlung folgen konnte, aber die Motive der Bösewichte größtenteils rätselhaft für mich blieben. Ja richtig, es gibt mehrere davon. Vor allem der Hauptbösewicht ist ein bißchen arg übertrieben, fast als wollte er die Grenzen seines Papierdaseins überwinden und sich für eine Hauptrolle im nächsten James Bond-Film ins Gespräch bringen. Trotzdem ist das ganze sehr spannend geschrieben, es taucht beinah jede Ermittlungs- und Geheimdienstbehörde auf, die es in Deutschland und den USA gibt, und vor allem sind die Haupt- und Nebenfiguren auf Seiten der "Guten" wirklich sympathisch- allen voran Chris, der einen tollen, etwas geheimnisvollen Helden abgibt. Von dem militärischen Hintergrund mal abgesehen, erinnern mich die Bücher von Michelle Raven ein wenig an die von Karen Rose, weil beide beschreiben, wie die jeweiligen Verbrechen bzw. Verbrecher nur im Team und mit respektvollem gegenseitigem Umgang der Teammitglieder bekämpft werden können. Das gefällt mir sehr gut und gibt der Geschichte einen Hauch von Glaubhaftigkeit.
Riskantes Manöver ist definitiv mehr Romantic als Suspense (die Wortkreation des Lyx Verlages, der diese Art von Büchern als Romantic Thrill bezeichnet, finde ich völlig beknackt). Das ist aber gar nicht schlimm, denn es gibt trotzdem eine Menge gut geschriebener, spannender Action-Szenen. Und beim Sex wird endlich mal niemand gefesselt oder geschlagen. Danke dafür, Frau Raven! Diese Angewohnheit breitet sich nämlich seit dem 50 Shades-Hype in Liebesromanen so aus wie Bakterien auf einem Dixiklo, und ich finde beides gleichermaßen abstoßend. Ich verstehe es auch nicht; als die Harry Potter Bücher neu waren, hat doch auch nicht plötzlich in jedem Buch jemand gezaubert oder eine zahme Eule gehabt!
Die meisten der Charaktere sind Amerikaner, aber weil Michelle Raven eine deutsche Autorin ist, fehlt hier auch dieser "wir Amerikaner sind doch echt zu geil für diese Welt, und deshalb sind alle anderen nur dazu da, um uns zu bewundern"-Grundton. Das geht mir bei Anne Stuart so dermaßen auf den Zwirn, daß ich von ihr bestimmt nichts mehr lesen werde. Wer solche romantischen Spannungsromane mit militärischem Hintergrund mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Klare Empfehlung von mir!
Riskantes Manöver ist die Fortsetzung von Gefährlicher Einsatz und ich muß sagen,ich habe mich äußerst gut unterhalten gefühlt, obwohl ich zwar die ganze Zeit mühelos der Handlung folgen konnte, aber die Motive der Bösewichte größtenteils rätselhaft für mich blieben. Ja richtig, es gibt mehrere davon. Vor allem der Hauptbösewicht ist ein bißchen arg übertrieben, fast als wollte er die Grenzen seines Papierdaseins überwinden und sich für eine Hauptrolle im nächsten James Bond-Film ins Gespräch bringen. Trotzdem ist das ganze sehr spannend geschrieben, es taucht beinah jede Ermittlungs- und Geheimdienstbehörde auf, die es in Deutschland und den USA gibt, und vor allem sind die Haupt- und Nebenfiguren auf Seiten der "Guten" wirklich sympathisch- allen voran Chris, der einen tollen, etwas geheimnisvollen Helden abgibt. Von dem militärischen Hintergrund mal abgesehen, erinnern mich die Bücher von Michelle Raven ein wenig an die von Karen Rose, weil beide beschreiben, wie die jeweiligen Verbrechen bzw. Verbrecher nur im Team und mit respektvollem gegenseitigem Umgang der Teammitglieder bekämpft werden können. Das gefällt mir sehr gut und gibt der Geschichte einen Hauch von Glaubhaftigkeit.
Riskantes Manöver ist definitiv mehr Romantic als Suspense (die Wortkreation des Lyx Verlages, der diese Art von Büchern als Romantic Thrill bezeichnet, finde ich völlig beknackt). Das ist aber gar nicht schlimm, denn es gibt trotzdem eine Menge gut geschriebener, spannender Action-Szenen. Und beim Sex wird endlich mal niemand gefesselt oder geschlagen. Danke dafür, Frau Raven! Diese Angewohnheit breitet sich nämlich seit dem 50 Shades-Hype in Liebesromanen so aus wie Bakterien auf einem Dixiklo, und ich finde beides gleichermaßen abstoßend. Ich verstehe es auch nicht; als die Harry Potter Bücher neu waren, hat doch auch nicht plötzlich in jedem Buch jemand gezaubert oder eine zahme Eule gehabt!
Die meisten der Charaktere sind Amerikaner, aber weil Michelle Raven eine deutsche Autorin ist, fehlt hier auch dieser "wir Amerikaner sind doch echt zu geil für diese Welt, und deshalb sind alle anderen nur dazu da, um uns zu bewundern"-Grundton. Das geht mir bei Anne Stuart so dermaßen auf den Zwirn, daß ich von ihr bestimmt nichts mehr lesen werde. Wer solche romantischen Spannungsromane mit militärischem Hintergrund mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Klare Empfehlung von mir!
Dienstag, 9. April 2013
Jill Sorenson: Crash Into Me
Die junge FBI-Agentin Sonora Vasquez, genannt Sonny, wird nach La Jolla in Kalifornien geschickt, um undercover in einer Serie von Frauenmorden zu ermitteln. Der Hauptverdächtige ist Ben Fortune, ein reicher und berühmter Surfer, der dort zurückgezogen mit seiner halbwüchsigen Tochter Carly lebt. Bens verstorbene Frau war das erste Opfer der Mordserie, und ein Mann wurde deswegen angeklagt und verurteilt, doch mittlerweile bestehen Zweifel an seiner Schuld. Womit Sonny allerdings nicht rechnet, ist, daß sie sich in Ben verliebt und seine Tochter in ihr Herz schließt. Dazu kommt, daß sie mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird und Erinnerungen an ihre alles andere als angenehme Kindheit hochkommen...
Erwähnte ich schon, daß ich gerade eine Romantic Suspense Phase habe? Bei Crash Into Me steht eher das romantische Element im Vordergrund, und das ist in diesem Fall auch okay, denn als Krimi funktioniert das Buch wirklich nicht. Mir hat das Lesen Spaß gemacht, ich mag einfach den Schreibstil von Jill Sorenson, aber ehrlich gesagt - es ist kein besonders gutes Buch.
Die Charaktere verhalten sich teilweise seltsam, teilweise dumm, und manchmal beides auf einmal. Da ist Sonny, die Carly vor dem Ertrinken rettet und diese Gelegenheit nutzt, um sie und Ben näher kennenzulernen. So weit, so gut, ist ja ein Undercover-Einsatz. Aber dann kommt's: Ben und Carly bedanken sich nicht einfach nur bei Sonny und laden sie zum Essen ein - nein, es ist gleich eine Familienfeier, und zu diesem Anlaß schenkt Carly Sonny auch noch ein wertvolles Schmuckstück, das diese sogar annimmt.
Wenig später läßt sich Sonny mir nichts, dir nichts und ohne groß zu überlegen auf ein Verhältnis mit Ben ein, weil der ja soooo unwiderstehlich ist. Ihre Ermittlungen als stümperhaft zu bezeichnen, ist noch geschmeichelt. Andererseits verbringt sie auch nicht besonders viel Zeit mit Ermitteln. Wenn ich Sonnys Chef wäre, hätte ich sie gefeuert und ihr eine berufliche Laufbahn als Fitnesstrainerin oder so vorgeschlagen (Sonny ist sehr sportlich). Zu meinem großen Erstaunen kommt aber nur so etwas wie ein "na ja, ist ja jetzt nicht so optimal gelaufen, aber Schwamm drüber, ist ja alles gut ausgegangen".
Carly hat psychische Probleme (sie ritzt sich) und ist deswegen auch in Behandlung - aber sobald sie mit ihrem Freund James zusammen ist, legen sich die Probleme wie von alleine. Natürlich nur, solange es keinen Zoff oder Mißverständnisse mit James gibt. James selbst kommt aus einer bettelarmen Familie und leidet unter seinem Vater, der ein krimineller Widerling ist. Er ist sich nicht sicher, ob er gut genug für ein reiches Mädchen wie Carly ist, und wer schon so einige Liebesromane gelesen hat, weiß ja, was passiert wenn ein LiRo-Held seine "ich bin nicht gut genug für dich"-Phase hat. James' Bedenken sind allerdings durchaus nachvollziehbar, denn die beiden kommen wirklich aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen.
Ich habe Crash Into Me sehr schnell (für meine Verhältnisse) durchgelesen und habe mich auch gut unterhalten gefühlt, aber das Buch wäre viel besser gewesen, wenn die Heldin mehr Grips gehabt hätte und die Charaktere sich ganz allgemein etwas normaler benommen hätten. Ich meine, niemand läd doch eine wildfremde Frau zu einer Familienfeier ein, oder? Vor allem, wenn man schon vorher weiß, daß es bei der Feier wahrscheinlich Zoff geben wird.
Erwähnte ich schon, daß ich gerade eine Romantic Suspense Phase habe? Bei Crash Into Me steht eher das romantische Element im Vordergrund, und das ist in diesem Fall auch okay, denn als Krimi funktioniert das Buch wirklich nicht. Mir hat das Lesen Spaß gemacht, ich mag einfach den Schreibstil von Jill Sorenson, aber ehrlich gesagt - es ist kein besonders gutes Buch.
Die Charaktere verhalten sich teilweise seltsam, teilweise dumm, und manchmal beides auf einmal. Da ist Sonny, die Carly vor dem Ertrinken rettet und diese Gelegenheit nutzt, um sie und Ben näher kennenzulernen. So weit, so gut, ist ja ein Undercover-Einsatz. Aber dann kommt's: Ben und Carly bedanken sich nicht einfach nur bei Sonny und laden sie zum Essen ein - nein, es ist gleich eine Familienfeier, und zu diesem Anlaß schenkt Carly Sonny auch noch ein wertvolles Schmuckstück, das diese sogar annimmt.
Wenig später läßt sich Sonny mir nichts, dir nichts und ohne groß zu überlegen auf ein Verhältnis mit Ben ein, weil der ja soooo unwiderstehlich ist. Ihre Ermittlungen als stümperhaft zu bezeichnen, ist noch geschmeichelt. Andererseits verbringt sie auch nicht besonders viel Zeit mit Ermitteln. Wenn ich Sonnys Chef wäre, hätte ich sie gefeuert und ihr eine berufliche Laufbahn als Fitnesstrainerin oder so vorgeschlagen (Sonny ist sehr sportlich). Zu meinem großen Erstaunen kommt aber nur so etwas wie ein "na ja, ist ja jetzt nicht so optimal gelaufen, aber Schwamm drüber, ist ja alles gut ausgegangen".
Carly hat psychische Probleme (sie ritzt sich) und ist deswegen auch in Behandlung - aber sobald sie mit ihrem Freund James zusammen ist, legen sich die Probleme wie von alleine. Natürlich nur, solange es keinen Zoff oder Mißverständnisse mit James gibt. James selbst kommt aus einer bettelarmen Familie und leidet unter seinem Vater, der ein krimineller Widerling ist. Er ist sich nicht sicher, ob er gut genug für ein reiches Mädchen wie Carly ist, und wer schon so einige Liebesromane gelesen hat, weiß ja, was passiert wenn ein LiRo-Held seine "ich bin nicht gut genug für dich"-Phase hat. James' Bedenken sind allerdings durchaus nachvollziehbar, denn die beiden kommen wirklich aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen.
Ich habe Crash Into Me sehr schnell (für meine Verhältnisse) durchgelesen und habe mich auch gut unterhalten gefühlt, aber das Buch wäre viel besser gewesen, wenn die Heldin mehr Grips gehabt hätte und die Charaktere sich ganz allgemein etwas normaler benommen hätten. Ich meine, niemand läd doch eine wildfremde Frau zu einer Familienfeier ein, oder? Vor allem, wenn man schon vorher weiß, daß es bei der Feier wahrscheinlich Zoff geben wird.
Freitag, 29. März 2013
Sandra Brown: Smoke Screen
Die Fernsehreporterin Britt Shelley wacht eines Morgens neben der Leiche von Jay Burgess in dessen Bett auf und kann sich nicht erinnern, was passiert ist und wie sie dort hingekommen ist. Da Jay ermordet wurde, ist Britt natürlich die Hauptverdächtige. Die Tatsache, daß Jay selbst Polizist war und in der ganzen Stadt als Held verehrt wurde, macht Britts Situation nicht leichter. Dann aber taucht Raley Gannon auf, der sich schon einmal in der exakt gleichen Situation wie Britt befunden hat. Wenig später versucht jemand, Britt zu töten. Vieles deutet darauf hin, daß die Ereignisse mit einem Feuer in einer Polizeistation vor einigen Jahren zusammenhängen, bei dem ein Mann ums Leben kam. Britt und Raley beschließen, der Sache auf den Grund zu gehen...
Ich bin ja im Moment auf einem Romantic Suspense Trip. Sandra Browns Bücher, auch dieses, sind mehr Suspense als Romantic, aber das macht nichts. Es ist wirklich wahnsinnig spannend. Ich mag es, wenn die Handlung eines Buches nie vorhersehbar ist und ständig überraschende Wendungen nimmt. Das ist bei Smoke Screen der Fall. Der Buchtitel ist übrigens unglaublich passend, was der Leser allerdings erst am Ende bemerkt.
Britt und Raley sind nicht gerade die allergrößten Sympathieträger unter den Buchprotagonisten - wobei ich Raley sympathischer fand als Britt - aber sie sind in Ordnung. Britt ist hat weder Verwandte noch wirkliche Freunde, sondern nur gelegentlich, um es in den unverblümten Worten meines Liebsten auszudrücken, einen Stecher. Sie ist ziemlich karrieregeil. Andererseits ist sie aber auch nicht ohne Mitgefühl, und daß sie vor Jahren eine recht fiese, aber nicht vollständig auf Tatsachen fußende Reportage über Raley gemacht hat, tut ihr aufrichtig leid. Raley ist etwas komplexer. Er war früher Feuerwehrmann, und das war auch sein absoluter Traumberuf. Durch das Feuer in der Polizeistation hat er jedoch alles verloren und schwankt stimmungsmäßig ein wenig zwischen Resignation und Rachsucht. Was mir aber sowohl an Raley als auch an Britt gefällt ist, daß sie beide die Fähigkeit besitzen, pragmatisch zu denken. Keine Hysterie, kein überflüssiges Drama, keine TSTL-Momente. Diese beiden betrachten ihre augenblickliche Situation, wägen ihre Optionen ab, und reagieren so sinnvoll wie möglich, auch wenn sie dabei das kleinste von mehreren möglichen Übeln wählen müssen.
Smoke Screen hat neben den beiden Hauptfiguren auch noch jede Menge interessanter Nebenfiguren zu bieten. Fast alle haben etwas zu verbergen und die meisten haben Dreck am Stecken, ganz unabhängig davon, ob sie reiche Bauunternehmer, Justizangestellte oder Ku Klux Klan-Mitglieder und Schwulenhasser sind. Die wirklich bösen sind nicht die, bei denen man es zunächst vermutet.
So ist es ein packendes Buch, das bis zum Ende die Spannung aufrecht erhält. Genau so muß ein Krimi sein!
Ich bin ja im Moment auf einem Romantic Suspense Trip. Sandra Browns Bücher, auch dieses, sind mehr Suspense als Romantic, aber das macht nichts. Es ist wirklich wahnsinnig spannend. Ich mag es, wenn die Handlung eines Buches nie vorhersehbar ist und ständig überraschende Wendungen nimmt. Das ist bei Smoke Screen der Fall. Der Buchtitel ist übrigens unglaublich passend, was der Leser allerdings erst am Ende bemerkt.
Britt und Raley sind nicht gerade die allergrößten Sympathieträger unter den Buchprotagonisten - wobei ich Raley sympathischer fand als Britt - aber sie sind in Ordnung. Britt ist hat weder Verwandte noch wirkliche Freunde, sondern nur gelegentlich, um es in den unverblümten Worten meines Liebsten auszudrücken, einen Stecher. Sie ist ziemlich karrieregeil. Andererseits ist sie aber auch nicht ohne Mitgefühl, und daß sie vor Jahren eine recht fiese, aber nicht vollständig auf Tatsachen fußende Reportage über Raley gemacht hat, tut ihr aufrichtig leid. Raley ist etwas komplexer. Er war früher Feuerwehrmann, und das war auch sein absoluter Traumberuf. Durch das Feuer in der Polizeistation hat er jedoch alles verloren und schwankt stimmungsmäßig ein wenig zwischen Resignation und Rachsucht. Was mir aber sowohl an Raley als auch an Britt gefällt ist, daß sie beide die Fähigkeit besitzen, pragmatisch zu denken. Keine Hysterie, kein überflüssiges Drama, keine TSTL-Momente. Diese beiden betrachten ihre augenblickliche Situation, wägen ihre Optionen ab, und reagieren so sinnvoll wie möglich, auch wenn sie dabei das kleinste von mehreren möglichen Übeln wählen müssen.
Smoke Screen hat neben den beiden Hauptfiguren auch noch jede Menge interessanter Nebenfiguren zu bieten. Fast alle haben etwas zu verbergen und die meisten haben Dreck am Stecken, ganz unabhängig davon, ob sie reiche Bauunternehmer, Justizangestellte oder Ku Klux Klan-Mitglieder und Schwulenhasser sind. Die wirklich bösen sind nicht die, bei denen man es zunächst vermutet.
So ist es ein packendes Buch, das bis zum Ende die Spannung aufrecht erhält. Genau so muß ein Krimi sein!
Samstag, 16. Februar 2013
Michelle Raven: Gefährlicher Einsatz
Rose Gomez ist die Witwe eines Navy SEALS, der bei einem Einsatz ums Leben kam. Sie ist Afghanistan-Expertin und lehrt als solche an einer Universität. Als zwei verdeckte Ermittlerinnen einer amerikanischen Sondereinheit in Afghanistan spurlos verschwinden, wird Rose von einem ehemaligen Kollegen ihres Mannes, Rock Basilone, um Hilfe gebeten. Eigentlich will Rose mit dem Militär nichts mehr zu tun haben, aber sie fühlt sich verpflichtet, den beiden Frauen zu helfen. Zu ihrer großen Überraschung fühlen sie und Rock sich schon bald unwiderstehlich zueinander hingezogen. Für die Liebe bleibt aber nicht viel Zeit, denn neben der Sorge um die verschwundenen Agentinnen gibt es auch noch die Gefahr, die von einem mächtigen afghanischen Warlord ausgeht...
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und wie fast immer bei Michelle Raven fand ich die Protagonisten richtig sympathisch und vernünftig. Hier gibt es keine übertrieben Macho-haften Alpha-Helden, die im Alleingang die ganze Welt retten, keine Hysterie und keine TSTL-Figuren, die sehenden Blickes in ihr Verderben rennen, um die Handlung voranzutreiben. Neben Rock und Rose (Moment mal, ich könnte schwören, daß es ein Parfüm dieses Namens gibt...aha, ich wußte es doch) und den anderen Navy SEALs folgt die Handlung auch den beiden Agentinnen Jade und Kyla. Dabei wird vor schlimmen Folterszenen nicht zurückgeschreckt, aber wenn die Handlung verlangt, daß eine Amerikanerin in Afghanistan gefangengenommen wird, ist das wohl kaum vermeidbar.
Ein paar kleinere Probleme hatte ich schon mit dem Buch. Da ist zunächst mal der Name der Sondereinheit, für die Jade und Kyla arbeiten. Die heißt TURT/LE. Leider habe ich mir die Stelle nicht markiert, wo die Abkürzung erklärt wird, und ich finde sie nicht wieder. Dummerweise habe ich statt TURT immer TURD gelesen. Dafür kann Michelle Raven natürlich nichts, aber es ist ein bißchen eklig. Ein deutlich größeres Problem habe ich allerdings mit dem Gedanken, Frauen als verdeckte Ermittlerinnen in ein Land zu schicken, in dem Frauen allgemein im gesellschaftlichen Ansehen irgendwo hinter Nutztieren, aber gerade noch vor Unrat stehen. Klar: als Verkleidung für Geheimagenten ist so eine Burka prima, denn darunter könnte wirklich jeder stecken, und solange statt der üblichen zwei nicht etwa vier Füße unten herausgucken, wird man nicht auffallen. Aber was nützt das schon, wenn man gar keine Bewegungsfreiheit hat und außer "Geh mir aus dem Weg, Frau!" niemand etwas Bedeutsames zu einem sagt?
Trotzdem: Gefährlicher Einsatz ist ein spannendes Buch und hat mich ausgezeichnet unterhalten. Das nächste Buch der Serie werde ich definitiv auch lesen.
Das Buch ist sehr spannend geschrieben und wie fast immer bei Michelle Raven fand ich die Protagonisten richtig sympathisch und vernünftig. Hier gibt es keine übertrieben Macho-haften Alpha-Helden, die im Alleingang die ganze Welt retten, keine Hysterie und keine TSTL-Figuren, die sehenden Blickes in ihr Verderben rennen, um die Handlung voranzutreiben. Neben Rock und Rose (Moment mal, ich könnte schwören, daß es ein Parfüm dieses Namens gibt...aha, ich wußte es doch) und den anderen Navy SEALs folgt die Handlung auch den beiden Agentinnen Jade und Kyla. Dabei wird vor schlimmen Folterszenen nicht zurückgeschreckt, aber wenn die Handlung verlangt, daß eine Amerikanerin in Afghanistan gefangengenommen wird, ist das wohl kaum vermeidbar.
Ein paar kleinere Probleme hatte ich schon mit dem Buch. Da ist zunächst mal der Name der Sondereinheit, für die Jade und Kyla arbeiten. Die heißt TURT/LE. Leider habe ich mir die Stelle nicht markiert, wo die Abkürzung erklärt wird, und ich finde sie nicht wieder. Dummerweise habe ich statt TURT immer TURD gelesen. Dafür kann Michelle Raven natürlich nichts, aber es ist ein bißchen eklig. Ein deutlich größeres Problem habe ich allerdings mit dem Gedanken, Frauen als verdeckte Ermittlerinnen in ein Land zu schicken, in dem Frauen allgemein im gesellschaftlichen Ansehen irgendwo hinter Nutztieren, aber gerade noch vor Unrat stehen. Klar: als Verkleidung für Geheimagenten ist so eine Burka prima, denn darunter könnte wirklich jeder stecken, und solange statt der üblichen zwei nicht etwa vier Füße unten herausgucken, wird man nicht auffallen. Aber was nützt das schon, wenn man gar keine Bewegungsfreiheit hat und außer "Geh mir aus dem Weg, Frau!" niemand etwas Bedeutsames zu einem sagt?
Trotzdem: Gefährlicher Einsatz ist ein spannendes Buch und hat mich ausgezeichnet unterhalten. Das nächste Buch der Serie werde ich definitiv auch lesen.
Samstag, 15. Dezember 2012
Cherry Adair: Out of Sight
Das ist es. Das Kamelbuch. Also - das!! Kamelbuch. Und ich sag euch noch was: im Vergleich zu den anderen völlig absurden Handlungen in dem Buch ruft die Sache mit dem Kamel wirklich nur mildes Erstaunen hervor.
A. J. Cooper (das ist die Heldin des Buchs) und Kane Wright sind Agenten einer streng geheimen Geheimorganisation namens T-FLAC, neben denen die Navy SEALS wie leicht verhätschelte Kindergartenkinder aussehen. A. J. ist zwar relativ neu in der Geheimorganisation, aber ein As als Scharfschützin, sozusagen der Robin Hood der modernen Waffentechnik. Deswegen ist sie mit ihrem Chef Kane und ein paar anderen in Ägypten, um einem mutmaßlich islamischen Terroristen namens Raazaq, der die Weltherrschaft an sich reißen will, zu einem vorzeitigen Date mit den 70 Jungfrauen zu verhelfen, die nach allem, was man so hört, den Heiligen Kriegern im Jenseits das Leben versüßen. Blöderweise versagt A. J. und trifft alles mögliche, nur nicht den Schurken. Andererseits wäre das Buch auf Seite 5 zuende gewesen, wenn sie ihn getroffen haette, und das wäre auch jammerschade. Nun tritt Plan B in Kraft. Um näher an Razaaq heranzukommen, treten Kane und A. J. als Fotograf und Model auf. Da A. J. wunder-wunderschön ist rechnen sie damit, daß Razaaq gar nicht anders kann, als sich an sie heranzumachen. Vermutlich wäre es einfacher gewesen, wenn einer der Top-Agenten sich als Kellner, Schuhputzer oder Bakklava-Lieferant getarnt hätte, aber nun gut; niemand liest ein Cherry Adair-Buch wegen der logischen und nachvollziehbaren Handlung. A. J. trifft sich mit Razaaq und will ihn gerade vergiften, als Kane sie zurückpfeift. In einer Abfolge von vollkommen absurden, unlogischen und zweifellos in einem durch illegale Substanzen verursachten Rausch ersonnenen Handlungen verfolgen A. J. und Kane Razaaq durch die Wüste und retten am Ende die Welt vor einer Katastrophe, während sie gleichzeitig wie Karnickel rammeln, denen man Viagra unter die Möhren gemischt hat.
An Out of Sight ist einfach alles unwahrscheinlich, unmöglich und einfach nur unsinnig. Eigentlich wäre "Unsinn in der Wüste" auch ein viel besserer Titel für das Buch gewesen, aber dann hätte es währscheinlich keiner gekauft. Da ist zum einen A. J., die sich von einer nervösen Nachwuchs-Agentin in Xenia die Kriegerprinzessin verwandelt, und zwar innerhalb von einem Tag. Sie schießt, sie prügelt sich, sie kennt die Landkarte von Ägypten auswendig und ist generell eine fleischgewordene Wikipedia-App. Kane ist da schon eher der Standard-Romantic Suspense-Held, toll aussehend, Muskeln wie aus Stahl, will in wirklich jeder Lebenslage Sex, gähn. Na ja, und dann die Handlung. Hier wurde Qualität großgeschrieben. Hier sind nicht nur die größeren und offensichtlichen Handlungsstränge absurd, oh nein. Frau Adair hat mit der allergrößten Sorgfalt darauf geachtet, das jedes noch so kleine Deteil absolut keinen Sinn hat. Ein Beispiel: Der Bösewicht Razaaq hat in einem größeren Umkreis um seine Wirkungsstätte herum alle Elektrogeräte sowie die Stromversorgung lahmgelegt. Kane und A. J. können auch genau feststellen, zu welcher Uhrzeit das geschehen ist - indem sie nachschauen, wann ihre Digitaluhren stehengeblieben sind...
Kane und A. J. bleiben während eines Sandsturms mit ihrem Auto in der Wüste liegen, vertreiben sich die Zeit mit stundenlangem Sex, schlafen ein wenig und stapfen dann meilenweit bei sengender Hitze durch den Sand, um schließlich in einer Oase bei einer Nomadenfamilie Zuflucht zu suchen. Und dann das:
"AJ slumped against Kane, yanking her bandanna down and scraping one hand across her dirty face to push her sand-encrusted hair back and out of her way. She looked gorgeous."
Klar doch. Am nächsten Morgen kommt A. J. frisch und sauber aus dem Nomadenzelt und...
"She still wore khaki pants, but she'd dusted off her cotton shirt and knotted it loosely at the waist, exposing a smile of tanned tummy."
Für eine wandelnde Wikipedia-App ist das ein ziemlich gewagter Auftritt an einem Ort, wo die aktuelle Damenmode eher in Richtung Bettlaken mit Sehschlitz tendiert.
Gegen Ende des Buches müssen A. J. und Kane die Welt und natürlich die wichtigsten Regierungsoberhäupter vor Razaaqs tödlichen Absichten retten. Wollt ihr wissen, wer die wichtigsten Regierungsoberhäupter der Welt sind? Also, Cherry Adair zufolge sind das: der Präsident der USA, der Premierminister von England, die Königin von England, ein saudi-arabischer Fürst und Königin Sofia von Spanien.
Alles in allem fand ich Out of Sight ganz lustig. Ich hatte die ganze Zeit beim Lesen das Gefühl, daß ich es noch viel, viel lustiger finden würde, wenn ich sturzbetrunken wäre. Aber ich kann mir ja nicht eine Woche lang jeden Abend beim Lesen die Kante geben. Ist ungesund und würde sich negativ auf meine Arbeit auswirken...man muß jedenfalls, wenn man dieses Buch lesen möchte, das logische Denken abschalten. Weg damit, Logik brauchen wir nicht. Und man muß Absurditäten mögen. Vielleicht mal als Vorbereitung Die Ritter der Kokosnuß anschauen, das könnte zur Einstimmung beitragen.
Ach ja: die Sache mit dem Kamel. Das wird sehr detailliert beschrieben (Seite 215 bis 221 im Mass Market Paperback, für diejenigen, die keinen Bock haben, sich das ganze Buch anzutun). Besonders sexy fand ich diese Szene nicht, aber Daumen hoch für die Tatsache, daß unsere wackeren Helden es nicht nur auf dem Kamel treiben, sondern A. J. sich in Vorbereitung des Aktes auch komplett auszieht und ihre Haare löst, damit sie locker hinter ihr her wehen. Was ich nicht weiß, ist, ob dieses Kamel eins von den Viechern mit einem oder mit zwei Höckern ist. Eins davon ist kein Kamel, sondern ein Dromedar, aber ich kann mir nie merken, welches wie viele Höcker hat.
A. J. Cooper (das ist die Heldin des Buchs) und Kane Wright sind Agenten einer streng geheimen Geheimorganisation namens T-FLAC, neben denen die Navy SEALS wie leicht verhätschelte Kindergartenkinder aussehen. A. J. ist zwar relativ neu in der Geheimorganisation, aber ein As als Scharfschützin, sozusagen der Robin Hood der modernen Waffentechnik. Deswegen ist sie mit ihrem Chef Kane und ein paar anderen in Ägypten, um einem mutmaßlich islamischen Terroristen namens Raazaq, der die Weltherrschaft an sich reißen will, zu einem vorzeitigen Date mit den 70 Jungfrauen zu verhelfen, die nach allem, was man so hört, den Heiligen Kriegern im Jenseits das Leben versüßen. Blöderweise versagt A. J. und trifft alles mögliche, nur nicht den Schurken. Andererseits wäre das Buch auf Seite 5 zuende gewesen, wenn sie ihn getroffen haette, und das wäre auch jammerschade. Nun tritt Plan B in Kraft. Um näher an Razaaq heranzukommen, treten Kane und A. J. als Fotograf und Model auf. Da A. J. wunder-wunderschön ist rechnen sie damit, daß Razaaq gar nicht anders kann, als sich an sie heranzumachen. Vermutlich wäre es einfacher gewesen, wenn einer der Top-Agenten sich als Kellner, Schuhputzer oder Bakklava-Lieferant getarnt hätte, aber nun gut; niemand liest ein Cherry Adair-Buch wegen der logischen und nachvollziehbaren Handlung. A. J. trifft sich mit Razaaq und will ihn gerade vergiften, als Kane sie zurückpfeift. In einer Abfolge von vollkommen absurden, unlogischen und zweifellos in einem durch illegale Substanzen verursachten Rausch ersonnenen Handlungen verfolgen A. J. und Kane Razaaq durch die Wüste und retten am Ende die Welt vor einer Katastrophe, während sie gleichzeitig wie Karnickel rammeln, denen man Viagra unter die Möhren gemischt hat.
An Out of Sight ist einfach alles unwahrscheinlich, unmöglich und einfach nur unsinnig. Eigentlich wäre "Unsinn in der Wüste" auch ein viel besserer Titel für das Buch gewesen, aber dann hätte es währscheinlich keiner gekauft. Da ist zum einen A. J., die sich von einer nervösen Nachwuchs-Agentin in Xenia die Kriegerprinzessin verwandelt, und zwar innerhalb von einem Tag. Sie schießt, sie prügelt sich, sie kennt die Landkarte von Ägypten auswendig und ist generell eine fleischgewordene Wikipedia-App. Kane ist da schon eher der Standard-Romantic Suspense-Held, toll aussehend, Muskeln wie aus Stahl, will in wirklich jeder Lebenslage Sex, gähn. Na ja, und dann die Handlung. Hier wurde Qualität großgeschrieben. Hier sind nicht nur die größeren und offensichtlichen Handlungsstränge absurd, oh nein. Frau Adair hat mit der allergrößten Sorgfalt darauf geachtet, das jedes noch so kleine Deteil absolut keinen Sinn hat. Ein Beispiel: Der Bösewicht Razaaq hat in einem größeren Umkreis um seine Wirkungsstätte herum alle Elektrogeräte sowie die Stromversorgung lahmgelegt. Kane und A. J. können auch genau feststellen, zu welcher Uhrzeit das geschehen ist - indem sie nachschauen, wann ihre Digitaluhren stehengeblieben sind...
Kane und A. J. bleiben während eines Sandsturms mit ihrem Auto in der Wüste liegen, vertreiben sich die Zeit mit stundenlangem Sex, schlafen ein wenig und stapfen dann meilenweit bei sengender Hitze durch den Sand, um schließlich in einer Oase bei einer Nomadenfamilie Zuflucht zu suchen. Und dann das:
"AJ slumped against Kane, yanking her bandanna down and scraping one hand across her dirty face to push her sand-encrusted hair back and out of her way. She looked gorgeous."
Klar doch. Am nächsten Morgen kommt A. J. frisch und sauber aus dem Nomadenzelt und...
"She still wore khaki pants, but she'd dusted off her cotton shirt and knotted it loosely at the waist, exposing a smile of tanned tummy."
Für eine wandelnde Wikipedia-App ist das ein ziemlich gewagter Auftritt an einem Ort, wo die aktuelle Damenmode eher in Richtung Bettlaken mit Sehschlitz tendiert.
Gegen Ende des Buches müssen A. J. und Kane die Welt und natürlich die wichtigsten Regierungsoberhäupter vor Razaaqs tödlichen Absichten retten. Wollt ihr wissen, wer die wichtigsten Regierungsoberhäupter der Welt sind? Also, Cherry Adair zufolge sind das: der Präsident der USA, der Premierminister von England, die Königin von England, ein saudi-arabischer Fürst und Königin Sofia von Spanien.
Alles in allem fand ich Out of Sight ganz lustig. Ich hatte die ganze Zeit beim Lesen das Gefühl, daß ich es noch viel, viel lustiger finden würde, wenn ich sturzbetrunken wäre. Aber ich kann mir ja nicht eine Woche lang jeden Abend beim Lesen die Kante geben. Ist ungesund und würde sich negativ auf meine Arbeit auswirken...man muß jedenfalls, wenn man dieses Buch lesen möchte, das logische Denken abschalten. Weg damit, Logik brauchen wir nicht. Und man muß Absurditäten mögen. Vielleicht mal als Vorbereitung Die Ritter der Kokosnuß anschauen, das könnte zur Einstimmung beitragen.
Ach ja: die Sache mit dem Kamel. Das wird sehr detailliert beschrieben (Seite 215 bis 221 im Mass Market Paperback, für diejenigen, die keinen Bock haben, sich das ganze Buch anzutun). Besonders sexy fand ich diese Szene nicht, aber Daumen hoch für die Tatsache, daß unsere wackeren Helden es nicht nur auf dem Kamel treiben, sondern A. J. sich in Vorbereitung des Aktes auch komplett auszieht und ihre Haare löst, damit sie locker hinter ihr her wehen. Was ich nicht weiß, ist, ob dieses Kamel eins von den Viechern mit einem oder mit zwei Höckern ist. Eins davon ist kein Kamel, sondern ein Dromedar, aber ich kann mir nie merken, welches wie viele Höcker hat.
Sonntag, 2. September 2012
Cherry Adair: Hush
Acadia Gray ist eine junge Amerikanerin, die sich nach einem Lottogewinn etwas gönnen will und mit ihren besten Freundinnen die Naturwunder Venezuelas besichtigen will. Da sie einen Tag eher vor Ort ist als ihre Freundinnen, schleppt sie in einer versifften Bar einen Typen namens Zakary Stark ab und verbringt mit ihm eine heiße Nacht in einem ebenso versifften Hotelzimmer. Dummerweise endet dieses Abenteuer nicht, wie zu erwarten, mit einem pelzigen Gefühl im Mund und vielleicht einem fiesen Hautausschlag, sondern damit, daß Acadia, Zak und dessen Bruder Gideon von venezolanischen Guerillas in den Dschungel verschleppt werden. Zwar gelingt ihnen die Flucht, aber Gideon verschwindet, dauernd explodiert etwas, und Acadia und Zak müssen versuchen, ihre Dauergeilheit lange genug zu ignorieren, um herauszufinden, welcher Bösewicht warum hinter wem und was her ist.
Ich weiß gar nicht mehr, warum ich dieses Buch lesen wollte. Es war in diesem Jahr für den RITA-Award in der Kategorie Romantic Suspense nominiert, hat aber nicht gewonnen. Das liegt daran, daß das die völlig falsche Kategorie war. Wäre Hush in der Sparte "Bücher, die so doof sind, daß sie schon wieder gut sind" nominiert worden - es hätte garantiert eine Auszeichnung erhalten.
Die ersten hundert Seiten waren allerdings schlimm. Eine einzige Katastrophe aus unlogischer Handlung und strunzdummen, unsympathischen Hauptfiguren. Ich war schon beinah soweit, die Verbrecher anzufeuern, damit sie Acadia erschießen. Es ist nämlich so, daß Zak und Acadia noch nackt im Bett liegen und schlafen, als vier oder fünf schwer bewaffnete Typen in ihr ekliges Hotelzimmer kommen und sie schlagen und bedrohen. Acadia hat gleich mal nichts besseres zu tun, als die Typen blöd anzumachen. Sie ist nackt und hilflos und hat 'ne große Klappe - was soll das? Intelligent ist jedenfalls anders. Zak ist allerdings auch nicht viel besser, denn die Tatsache, daß er gerade von diesen brutalen Verbrechern mißhandelt wird, lenkt ihn nicht allzulange davon ab, daß er mit Acadia Sex haben möchte.
Und warum sind unsere "Helden" überhaupt in diesem Hotel, das der Beschreibung nach selbst den RTL-Urlaubsretter dazu bringen würde, sich zu entleiben? Zak ist ein Multimillionär (er ist sozusagen Google mit Sixpack) und Acadia hat im Lotto gewonnen. Warum gehen die also nicht in ein 5 Sterne-Hotel?
Dazu kommt, daß Zak Acadia anfangs "Barbie" nennt, weil sie blonde Haare hat. Bei sowas könnte ich kotzen. Ich bin nicht blond und war es nie (außer einmal, als ich 15 oder 16 war, für drei oder vier Wochen, und es sah sowas von sch....lecht aus), aber was. soll. das?? Ich weiß einen guten Blondinenwitz durchaus zu schätzen, aber es ist einfach nur respektlos, eine Frau wegen ihrer Haarfarbe Barbie zu nennen...und außerdem ziemlich dämlich, wenn man wie der dauergeile Zak darauf hofft, daß einen just diese Frau in nicht allzu ferner Zukunft mal wieder beglücken wird.
Nun, wie gesagt, die Handlung ist nahezu komplett unlogisch und hat den intellektuellen Gehalt einer Folge von "Familien im Brennpunkt" - aber irgendwann legte sich in meinem Kopf ein Schalter um, und ich begann, diesen haarsträubenden Schwachsinn einfach zu genießen, ohne weiter darüber nachzudenken. Acadia ist verschwitzt, blutig und stundenlang durch den heißen, furchteinflößenden Dschungel getrottet, riecht aber immer noch angenehm frisch nach Jasmin? Supidupi! Sie hat eine komplette Überlebensausrüstung einschließlich eines Zeltes in ihrer Weste verstaut? Cool, endlich mal eine Heldin die eine Kreuzung aus McGyver und Duftbäumchen ist! Zak wurde angeschossen und stirbt beinah, weil sich die Wunde entzündet. Nach was steht ihm der Sinn jedesmal, wenn er halbwegs das Bewußtsein erlangt, und natürlich auch als allererstes nach einer schweren OP nebst Nahtod-Erfahrung? Will er was zu trinken? Muß er mal? Fragt er nach Neuigkeiten von seinem verschwundenen Bruder? Nicht doch, tsktsk. Zak will als allererstes vögeln! Und anschließend möchte er dann noch mal v...na, ihr wißt schon. Zak ist ein Kaninchen, nur nicht so flauschig. Acadia hat im wörtlichen Sinne nichts mehr zum Anziehen und geht shoppen. Was kauft sich sich als erstes? Ein sexy Kleid und High Heels! Klaro, braucht man ja ständig, wenn man gerade auf der Flucht vor Mördern ist.
Das beste allerdings ist die Auflösung der Frage, wer der böse Feind ist, der hinter Zak her ist und ihn vernichten will. Das ist ganz großes Kino. Mir haben sich wirklich die Zehennägel aufgerollt. Schwachsinn kann genial sein, und hier ist er es!
Wer ein Buch goutieren kann, das sich so liest, als hätten sich ein paar Pornodarsteller in einen Michael Dudikoff-Film verirrt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Wer allerdings eine logische Handlung und liebenswerte, wie echte Menschen mit Charakter und Persönlichkeit wirkende Protagonisten erwartet, der sollte einen riesengroßen Bogen um Hush machen.
Ich selbst gucke jetzt mal im Internet nach Cherry Adairs Backlist. Es soll da ein Buch geben, in dem Held und Heldin es auf der Flucht vor ihren Verfolgern auf dem Rücken eines Kamels treiben...
Ich weiß gar nicht mehr, warum ich dieses Buch lesen wollte. Es war in diesem Jahr für den RITA-Award in der Kategorie Romantic Suspense nominiert, hat aber nicht gewonnen. Das liegt daran, daß das die völlig falsche Kategorie war. Wäre Hush in der Sparte "Bücher, die so doof sind, daß sie schon wieder gut sind" nominiert worden - es hätte garantiert eine Auszeichnung erhalten.
Die ersten hundert Seiten waren allerdings schlimm. Eine einzige Katastrophe aus unlogischer Handlung und strunzdummen, unsympathischen Hauptfiguren. Ich war schon beinah soweit, die Verbrecher anzufeuern, damit sie Acadia erschießen. Es ist nämlich so, daß Zak und Acadia noch nackt im Bett liegen und schlafen, als vier oder fünf schwer bewaffnete Typen in ihr ekliges Hotelzimmer kommen und sie schlagen und bedrohen. Acadia hat gleich mal nichts besseres zu tun, als die Typen blöd anzumachen. Sie ist nackt und hilflos und hat 'ne große Klappe - was soll das? Intelligent ist jedenfalls anders. Zak ist allerdings auch nicht viel besser, denn die Tatsache, daß er gerade von diesen brutalen Verbrechern mißhandelt wird, lenkt ihn nicht allzulange davon ab, daß er mit Acadia Sex haben möchte.
Und warum sind unsere "Helden" überhaupt in diesem Hotel, das der Beschreibung nach selbst den RTL-Urlaubsretter dazu bringen würde, sich zu entleiben? Zak ist ein Multimillionär (er ist sozusagen Google mit Sixpack) und Acadia hat im Lotto gewonnen. Warum gehen die also nicht in ein 5 Sterne-Hotel?
Dazu kommt, daß Zak Acadia anfangs "Barbie" nennt, weil sie blonde Haare hat. Bei sowas könnte ich kotzen. Ich bin nicht blond und war es nie (außer einmal, als ich 15 oder 16 war, für drei oder vier Wochen, und es sah sowas von sch....lecht aus), aber was. soll. das?? Ich weiß einen guten Blondinenwitz durchaus zu schätzen, aber es ist einfach nur respektlos, eine Frau wegen ihrer Haarfarbe Barbie zu nennen...und außerdem ziemlich dämlich, wenn man wie der dauergeile Zak darauf hofft, daß einen just diese Frau in nicht allzu ferner Zukunft mal wieder beglücken wird.
Nun, wie gesagt, die Handlung ist nahezu komplett unlogisch und hat den intellektuellen Gehalt einer Folge von "Familien im Brennpunkt" - aber irgendwann legte sich in meinem Kopf ein Schalter um, und ich begann, diesen haarsträubenden Schwachsinn einfach zu genießen, ohne weiter darüber nachzudenken. Acadia ist verschwitzt, blutig und stundenlang durch den heißen, furchteinflößenden Dschungel getrottet, riecht aber immer noch angenehm frisch nach Jasmin? Supidupi! Sie hat eine komplette Überlebensausrüstung einschließlich eines Zeltes in ihrer Weste verstaut? Cool, endlich mal eine Heldin die eine Kreuzung aus McGyver und Duftbäumchen ist! Zak wurde angeschossen und stirbt beinah, weil sich die Wunde entzündet. Nach was steht ihm der Sinn jedesmal, wenn er halbwegs das Bewußtsein erlangt, und natürlich auch als allererstes nach einer schweren OP nebst Nahtod-Erfahrung? Will er was zu trinken? Muß er mal? Fragt er nach Neuigkeiten von seinem verschwundenen Bruder? Nicht doch, tsktsk. Zak will als allererstes vögeln! Und anschließend möchte er dann noch mal v...na, ihr wißt schon. Zak ist ein Kaninchen, nur nicht so flauschig. Acadia hat im wörtlichen Sinne nichts mehr zum Anziehen und geht shoppen. Was kauft sich sich als erstes? Ein sexy Kleid und High Heels! Klaro, braucht man ja ständig, wenn man gerade auf der Flucht vor Mördern ist.
Das beste allerdings ist die Auflösung der Frage, wer der böse Feind ist, der hinter Zak her ist und ihn vernichten will. Das ist ganz großes Kino. Mir haben sich wirklich die Zehennägel aufgerollt. Schwachsinn kann genial sein, und hier ist er es!
Wer ein Buch goutieren kann, das sich so liest, als hätten sich ein paar Pornodarsteller in einen Michael Dudikoff-Film verirrt, kann hier bedenkenlos zugreifen. Wer allerdings eine logische Handlung und liebenswerte, wie echte Menschen mit Charakter und Persönlichkeit wirkende Protagonisten erwartet, der sollte einen riesengroßen Bogen um Hush machen.
Ich selbst gucke jetzt mal im Internet nach Cherry Adairs Backlist. Es soll da ein Buch geben, in dem Held und Heldin es auf der Flucht vor ihren Verfolgern auf dem Rücken eines Kamels treiben...
Dienstag, 31. Juli 2012
Karen Robards: Justice
Jessica Ford ist eine aufstrebende junge Strafrechtsanwältin, die nicht nur einen Job in einer renommierten Anwaltskanzlei hat, sondern auch aufgrund eines Erfolges vor Gericht, der ihr selbst eigenartig vorkommt, befördert worden ist. Leider ist jemand hinter Jessica her und will sie töten, doch sie weiß nicht, ob das daran liegt, daß sie vor einiger Zeit Zeugin eines Mordes wurde, oder ob es etwas mit ihrem gegenwärtigen Fall zu tun hat. Ausgerechnet Jessicas Ex-Freund, der Geheimagent Mark Ryan, soll sie beschützen. Zwischen beiden fliegen sofort wieder die Fetzen, aber auch die Funken...
Karen Robards' Romantic Suspense Bücher habe ich bisher fast alle gemocht, mit Ausnahme eines ganz alten, dessen Name mir entfallen ist. Auf jeden Fall hatte es eine reiche Heldin und einen Alpha-Arschloch-mir-schleifen-beim-Gehen-die-Handknöchel-über-den-Boden-Helden, der ein mächtiges Problem damit hatte, daß seine Partnerin mehr Geld hatte als er. Das wirklich Bizarre daran war aber, daß das alle völlig normal fanden. Na egal, das Buch muß irgendwann aus den späten 80er oder frühen 90er Jahren gewesen sein.
Grundsätzlich kann man Robards' Bücher auch noch in zwei Kategorien aufteilen, nämlich solche mit und solche ohne sinnlose Geistererscheinungen. Der langen Rede kurzer Sinn: Justice gehört in Kategorie 1. Heldin Jessica muß dazu gebracht werden, einer bestimmten Sache auf den Grund zu gehen, und da ist Frau Robards wohl nichts anderes eingefallen als eine Geistererscheinung. Na, sei's drum. Ich hätte auf den Geist verzichten können, aber er stört auch nicht so arg, daß ich das Buch in die Ecke hätte schmeißen wollen.
Das mit dem Geist ist schon so ziemlich das einzige, was ich an dem Buch zu meckern habe. Justice ist richtig spannend und flüssig geschrieben und hat mich gut unterhalten. Jessica und Ryan sind ganz sympathische Protagonisten, obwohl sie beide das eine oder andere an sich haben, das mich nervt: Jessica ist eine von diesen Frauen, die sich nie ausruhen müssen. Sie wird am Abend krankenhausreif geprügelt und hüpft am nächsten Morgen trotz übelster Schmerzen um 6 Uhr aus dem Bett, um arbeiten zu gehen. Puh, man kann aber auch alles übertreiben. Mark ist dagegen ein richtiges Herzchen. Allerdings ein Herzchen, das in Streßsituationen auch mal fremdknutscht. Na ja, er bereut es ja hinterher.
Sehr interessant sind übrigens ohne Ausnahme die Nebenfiguren, besonders Jessicas Familie und die beiden Ausreißerinnen. Als sich herausstellte, wer der Übeltäter war, war ich allerdings ganz schön geplättet. Das war wirklich ziemlich weit hergeholt und übertrieben.
Alles in allem hat mir Justice richtig gut gefallen, und den nächsten Romantic Suspense von Karen Robards werde ich sicherlich auch wieder lesen. Zumindest, wenn er denn endlich als Taschenbuch veröffentlicht wird! (Ja, ich weiß, Kindle...tolle Sache. Aber ich habe mittlerweile soviele ungelesene e-books, daß ich gar keinen Plan mehr habe, was da alles auf meinem iPad schlummert. Es ist zwar irrational, aber ich finde einen gewaltigen, mammutösen e-SUB irgendwie wesentlich verstörender als einen Papierbuch-SUB, der mich töten wird, falls er mich mal lawinenartig unter sich begräbt. Aber das ist unwahrscheinlich, denn zum Glück gibt es hier im Ruhrgebiet nur höchst selten Erdbeben oder andere gefährliche Naturereignisse. Dafür aber Bergsenkungen und Tagesbrüche. Hmmm....)
Karen Robards' Romantic Suspense Bücher habe ich bisher fast alle gemocht, mit Ausnahme eines ganz alten, dessen Name mir entfallen ist. Auf jeden Fall hatte es eine reiche Heldin und einen Alpha-Arschloch-mir-schleifen-beim-Gehen-die-Handknöchel-über-den-Boden-Helden, der ein mächtiges Problem damit hatte, daß seine Partnerin mehr Geld hatte als er. Das wirklich Bizarre daran war aber, daß das alle völlig normal fanden. Na egal, das Buch muß irgendwann aus den späten 80er oder frühen 90er Jahren gewesen sein.
Grundsätzlich kann man Robards' Bücher auch noch in zwei Kategorien aufteilen, nämlich solche mit und solche ohne sinnlose Geistererscheinungen. Der langen Rede kurzer Sinn: Justice gehört in Kategorie 1. Heldin Jessica muß dazu gebracht werden, einer bestimmten Sache auf den Grund zu gehen, und da ist Frau Robards wohl nichts anderes eingefallen als eine Geistererscheinung. Na, sei's drum. Ich hätte auf den Geist verzichten können, aber er stört auch nicht so arg, daß ich das Buch in die Ecke hätte schmeißen wollen.
Das mit dem Geist ist schon so ziemlich das einzige, was ich an dem Buch zu meckern habe. Justice ist richtig spannend und flüssig geschrieben und hat mich gut unterhalten. Jessica und Ryan sind ganz sympathische Protagonisten, obwohl sie beide das eine oder andere an sich haben, das mich nervt: Jessica ist eine von diesen Frauen, die sich nie ausruhen müssen. Sie wird am Abend krankenhausreif geprügelt und hüpft am nächsten Morgen trotz übelster Schmerzen um 6 Uhr aus dem Bett, um arbeiten zu gehen. Puh, man kann aber auch alles übertreiben. Mark ist dagegen ein richtiges Herzchen. Allerdings ein Herzchen, das in Streßsituationen auch mal fremdknutscht. Na ja, er bereut es ja hinterher.
Sehr interessant sind übrigens ohne Ausnahme die Nebenfiguren, besonders Jessicas Familie und die beiden Ausreißerinnen. Als sich herausstellte, wer der Übeltäter war, war ich allerdings ganz schön geplättet. Das war wirklich ziemlich weit hergeholt und übertrieben.
Alles in allem hat mir Justice richtig gut gefallen, und den nächsten Romantic Suspense von Karen Robards werde ich sicherlich auch wieder lesen. Zumindest, wenn er denn endlich als Taschenbuch veröffentlicht wird! (Ja, ich weiß, Kindle...tolle Sache. Aber ich habe mittlerweile soviele ungelesene e-books, daß ich gar keinen Plan mehr habe, was da alles auf meinem iPad schlummert. Es ist zwar irrational, aber ich finde einen gewaltigen, mammutösen e-SUB irgendwie wesentlich verstörender als einen Papierbuch-SUB, der mich töten wird, falls er mich mal lawinenartig unter sich begräbt. Aber das ist unwahrscheinlich, denn zum Glück gibt es hier im Ruhrgebiet nur höchst selten Erdbeben oder andere gefährliche Naturereignisse. Dafür aber Bergsenkungen und Tagesbrüche. Hmmm....)
Freitag, 22. Juni 2012
Jo Davis: Trial by Fire
Howard Paxton ist ein Feuerwehrmann mit dem Körper eines Bodybuilders (nur nicht so ölig. Hoffe ich) und einer schlimmen Kindheit, die ihn zu einem emotional distanzierten Menschen macht. Dann aber trifft er bei einem Einsatz die Grundschullehrerin Kat McKenna, und es funkt sofort zwischen den beiden. So dauert es auch nicht lange bis zum ersten Date. Dumm nur, daß ein finsterer Bösewicht gerade jetzt sein Unwesen treibt und Häuser und Frauen in Brand setzt. So dauert es über 300 Seiten, bis Howard und Kat Hand in Hand in den Sonnenuntergang reiten können...
Ich hatte ja schon Ride the Fire von Jo Davis gelesen, und das hatte mir so gut gefallen, daß ich bei meinem nächsten Amazon-Kaufrausch Trial by Fire bestellt hatte. Das schlummerte dann längere Zeit nahezu unbeachtet in meinem SUB, bis ich eine höchst amüsante Rezension bei Heroes and Heartbreakers fand. Natürlich mußte ich das Buch danach sofort lesen. Manchmal will man einfach ein Buch, das so schlecht ist, daß es schon wieder gut ist.
Eins muß man Jo Davis lassen: soweit ich das bisher beurteilen kann, sind ihre Bücher nicht langweilig. Ich finde ihren Schreibstil wirklich nicht übel, und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Allerdings gibt es hier wieder absolut gar nichts neuartiges oder originelles (mit einer Ausnahme, aber dazu kommen wir gleich). Dann und wann braucht man so etwas, und da wird man bei Trial by Fire gut bedient.
Laßt mich an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß Feuerwehrleute im wirklichen Leben nicht so sind wie die in den Jo Davis-Büchern. Also dermaßen psychisch angeschlagen, verkorkst, traumatisiert und teilweise alkoholdurchtränkt, daß sie kaum in der Lage sind, ihre Arbeit zu tun. Wenn ich in dem Ort wohnen würde, wo diese Bücher spielen, dann würde ich vorsichtshalber in jedem Raum meines Hauses drei Feuermelder anbringen, Tag und Nacht feuerfeste Kleidung tragen und nie, wirklich niemals etwas gefährliches tun wie Grillen oder eine Duftkerze anzünden (und ich liebe Duftkerzen. Besonders die, die ihre Farbe wechseln und nach Vanille riechen).
Aber zurück zum Buch. Dieser Howard ist ein Mann, der bei mir schon vor dem ersten Date verschissen hätte. Howard ruft nämlich an einem Sonntag nachmittag bei Kat an und will sie zu einem Ausflug abholen. In einer halben Stunde. WTF? In welchem mir unbekannten Paralleluniversum gibt es denn bitte eine Frau, die nicht mehr als eine halbe Stunde braucht, um sich auf ein Date vorzubereiten? Obendrein auf ein erstes Date? Und dann kommt er auch noch mit seiner Harley an. Na da steh ich ja voll drauf. Gibt doch nichts schöneres, als sich für einen Typen die Haare zu waschen und hübsch zu frisieren und dann festzustellen, daß sie wenig später unter einen Motorradhelm gestopft werden, damit sie sich in etwas plattgedrücktes und strähniges verwandeln können.
Nun gut, Kat sieht das alles ein bißchen anders und schafft es, in 15 Minuten fertig zu sein (bravo, Kat). Howard holt sie ab, drückt ihr den Motorradhelm in die Hand und sagt, daß sie ihre Handtasche zu Hause lassen soll.
Ich wiederhole das, weil es so unfaßbar ist. SIE. SOLL. IHRE. HANDTASCHE. ZU HAUSE LASSEN!!!!!!!!!!!!
Was, hat der gute Howard ein Sachbuch mit dem Titel "Wie man sich bei Susi unbeliebt macht" gelesen? Wo soll frau denn bitte ohne Handtasche lebensnotwendige Dinge wie ein Handy, Tempotücher und einen Labello unterbringen? Außer zum Müll rausbringen verlasse ich das Haus wirklich niemals ohne Handtasche. Unsere Heldin Kat ist da aber gar nicht zimperlich, denn sie läßt tatsächlich ihre Handtasche zurück, um mit Howard auf seinem Motorrad davonzubrausen. Und mir fällt gerade ein, daß ich ganz dringend ein paar Ohrstöpsel brauchen würde, wenn ich mal auf so einer Harley mitfahren wollte. Gestern (ohne Scheiß, das ist wirklich passiert) wartete ich mit meinem Auto vor einer roten Ampel und sorgte mich, das Auto könne kaputt sein, weil es so komische laute Geräusche machte. Dann sah ich, daß hinter mir ein Harley-Fahrer war, und der Ursprung der Geräusche war mir klar.
Unsere beiden Helden machen jedenfalls einen Ausflug in einen Park, und wie das so ist, wenn man mit einem Feuerwehrmann ausgeht: sie machen ein Picknick, tauschen tiefe Gedanken aus (über Howards schlimme Kindheit), er rettet ein Kind, sie gehen spazieren, sie haben Sex im Freien. Dabei erfahren wir, daß Kat, ich muß das jetzt mal so explizit erwähnen, untenrum kahlrasiert ist. Howard findet das total toll.
Das kuriose daran ist eben nur, daß sie so etwa drei oder vier Tage später schon wieder Locken hat. Ja, dort. Ob sie wohl eine spezielle Haarwuchsdiät kennt, mir der sie ein Vermögen machen könnte, wenn sie sie nicht mehr geheimhielte?
Der Rest des Buches geht in etwa so: Bösewicht tut böse Dinge, Kat will Howard, Howard will Kat, obwohl er ja wegen seiner psychischen Probleme keine feste Beziehung will, die beiden haben Zoff, Howard rettet Kat vor dem Bösewicht, alle sind glücklich.
Trial by Fire ist wirklich kein grottenschlechtes Buch. Es ist nicht langweilig, und zum Glück ist die Heldin Kat weder TSTL, noch leidet sie am Fußabtretersyndrom. Howard ist allerdings ein bißchen dumpfbackig. Aber was soll's. Grundsätzlich ist er 'n ganz netten Kerl, und auch Honks brauchen Liebe, stimmt's?
Ich hatte ja schon Ride the Fire von Jo Davis gelesen, und das hatte mir so gut gefallen, daß ich bei meinem nächsten Amazon-Kaufrausch Trial by Fire bestellt hatte. Das schlummerte dann längere Zeit nahezu unbeachtet in meinem SUB, bis ich eine höchst amüsante Rezension bei Heroes and Heartbreakers fand. Natürlich mußte ich das Buch danach sofort lesen. Manchmal will man einfach ein Buch, das so schlecht ist, daß es schon wieder gut ist.
Eins muß man Jo Davis lassen: soweit ich das bisher beurteilen kann, sind ihre Bücher nicht langweilig. Ich finde ihren Schreibstil wirklich nicht übel, und ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Allerdings gibt es hier wieder absolut gar nichts neuartiges oder originelles (mit einer Ausnahme, aber dazu kommen wir gleich). Dann und wann braucht man so etwas, und da wird man bei Trial by Fire gut bedient.
Laßt mich an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß Feuerwehrleute im wirklichen Leben nicht so sind wie die in den Jo Davis-Büchern. Also dermaßen psychisch angeschlagen, verkorkst, traumatisiert und teilweise alkoholdurchtränkt, daß sie kaum in der Lage sind, ihre Arbeit zu tun. Wenn ich in dem Ort wohnen würde, wo diese Bücher spielen, dann würde ich vorsichtshalber in jedem Raum meines Hauses drei Feuermelder anbringen, Tag und Nacht feuerfeste Kleidung tragen und nie, wirklich niemals etwas gefährliches tun wie Grillen oder eine Duftkerze anzünden (und ich liebe Duftkerzen. Besonders die, die ihre Farbe wechseln und nach Vanille riechen).
Aber zurück zum Buch. Dieser Howard ist ein Mann, der bei mir schon vor dem ersten Date verschissen hätte. Howard ruft nämlich an einem Sonntag nachmittag bei Kat an und will sie zu einem Ausflug abholen. In einer halben Stunde. WTF? In welchem mir unbekannten Paralleluniversum gibt es denn bitte eine Frau, die nicht mehr als eine halbe Stunde braucht, um sich auf ein Date vorzubereiten? Obendrein auf ein erstes Date? Und dann kommt er auch noch mit seiner Harley an. Na da steh ich ja voll drauf. Gibt doch nichts schöneres, als sich für einen Typen die Haare zu waschen und hübsch zu frisieren und dann festzustellen, daß sie wenig später unter einen Motorradhelm gestopft werden, damit sie sich in etwas plattgedrücktes und strähniges verwandeln können.
Nun gut, Kat sieht das alles ein bißchen anders und schafft es, in 15 Minuten fertig zu sein (bravo, Kat). Howard holt sie ab, drückt ihr den Motorradhelm in die Hand und sagt, daß sie ihre Handtasche zu Hause lassen soll.
Ich wiederhole das, weil es so unfaßbar ist. SIE. SOLL. IHRE. HANDTASCHE. ZU HAUSE LASSEN!!!!!!!!!!!!
Was, hat der gute Howard ein Sachbuch mit dem Titel "Wie man sich bei Susi unbeliebt macht" gelesen? Wo soll frau denn bitte ohne Handtasche lebensnotwendige Dinge wie ein Handy, Tempotücher und einen Labello unterbringen? Außer zum Müll rausbringen verlasse ich das Haus wirklich niemals ohne Handtasche. Unsere Heldin Kat ist da aber gar nicht zimperlich, denn sie läßt tatsächlich ihre Handtasche zurück, um mit Howard auf seinem Motorrad davonzubrausen. Und mir fällt gerade ein, daß ich ganz dringend ein paar Ohrstöpsel brauchen würde, wenn ich mal auf so einer Harley mitfahren wollte. Gestern (ohne Scheiß, das ist wirklich passiert) wartete ich mit meinem Auto vor einer roten Ampel und sorgte mich, das Auto könne kaputt sein, weil es so komische laute Geräusche machte. Dann sah ich, daß hinter mir ein Harley-Fahrer war, und der Ursprung der Geräusche war mir klar.
Unsere beiden Helden machen jedenfalls einen Ausflug in einen Park, und wie das so ist, wenn man mit einem Feuerwehrmann ausgeht: sie machen ein Picknick, tauschen tiefe Gedanken aus (über Howards schlimme Kindheit), er rettet ein Kind, sie gehen spazieren, sie haben Sex im Freien. Dabei erfahren wir, daß Kat, ich muß das jetzt mal so explizit erwähnen, untenrum kahlrasiert ist. Howard findet das total toll.
Das kuriose daran ist eben nur, daß sie so etwa drei oder vier Tage später schon wieder Locken hat. Ja, dort. Ob sie wohl eine spezielle Haarwuchsdiät kennt, mir der sie ein Vermögen machen könnte, wenn sie sie nicht mehr geheimhielte?
Der Rest des Buches geht in etwa so: Bösewicht tut böse Dinge, Kat will Howard, Howard will Kat, obwohl er ja wegen seiner psychischen Probleme keine feste Beziehung will, die beiden haben Zoff, Howard rettet Kat vor dem Bösewicht, alle sind glücklich.
Trial by Fire ist wirklich kein grottenschlechtes Buch. Es ist nicht langweilig, und zum Glück ist die Heldin Kat weder TSTL, noch leidet sie am Fußabtretersyndrom. Howard ist allerdings ein bißchen dumpfbackig. Aber was soll's. Grundsätzlich ist er 'n ganz netten Kerl, und auch Honks brauchen Liebe, stimmt's?
Dienstag, 1. November 2011
Jill Sorenson: Set the Dark on Fire
Shay Philips ist eine Wildhüterin im kalifornischen Hinterland. Eines Tages wird in Tenaja Falls eine Tote gefunden, die von offenbar von einem Löwen angegriffen wurde. Der neue Sheriff des Ortes, Luke Meza, möchte Shays Meinung als Expertin zu diesem Fall hören. Doch etwas ist seltsam - warum gibt es keine Blutspuren am Fundort der Leiche? Zwischen Shay und Luke funkt es sofort, doch er verhält sich ihr gegenüber merkwürdig abweisend. Dazu kommt, daß Shay noch einen ganzen Schwung anderer Probleme hat: sie muß sich um ihren jüngeren Bruder kümmern, der seine eigenen Geheimnisse hat und schließlich sogar unter Mordverdacht gerät. Obendrein macht ihr Ex-Lover bei jeder sich bietenden Gelegenheit Ärger...
Tja, idyllisch ist anders. Set the Dark on Fire scheint dem Klappentext nach ein Romantic Suspense zu sein und es ist sicherlich ein spannendes Buch - aber die Suspense-Elemente, obwohl deutlich vorhanden, kommen doch teilweise sehr kurz. Statt dessen geht die Autorin sehr detailliert auf die Personen und ihre Beziehungen untereinander ein. Ich habe schon eine Menge Bücher mit verkorksteren Charakteren als diesen gelesen. Die meisten Personen in Set the Dark on Fire - mit Ausnahme von Shays Ex-Lover Jesse Ryan und eines der Polizisten - sind ganz anständige Leute, die durch widrige Umstände in Schwierigkeiten geraten. Aber diese Schwierigkeiten sind eben so gewaltig, daß die Aufklärung des Verbrechens zeitweise in den Hintergrund verbannt wird. Luke, Shay, ihr Bruder Dylan und Angel (ein Mädchen, in das er verliebt ist) sind nicht gerade die vernunftgesteuertsten Buchprotagonisten, die man sich vorstellen kann. Oft handeln sie impulsiv und nicht gerade besonnen (das Hin und Her zwischen Dylan und Angel hat ein wenig an meinen Nerven gezerrt, aber sie sind natürlich Teenager; da kann man wohl kein Übermaß an Vernunft erwarten). Andererseits sind sie aber auch kein Haufen von überdrehten Drama Queens, so daß ich mich am Ende des Buches guten Gewissens über ein Happy End für wenigstens zwei bis drei der alles in allem doch ganz sympathischen Personen freuen konnte.
Set the Dark on Fire ist spannend und flüssig zu lesen. Ich finde, daß Jill Sorenson eine sehr talentierte Autorin ist und werde sicherlich noch mehr Bücher von ihr lesen. Leider kam der Suspense-Teil hier für meinen Geschmack ein bißchen zu kurz, aber ich hatte an dem Buch trotzdem Spaß.
Tja, idyllisch ist anders. Set the Dark on Fire scheint dem Klappentext nach ein Romantic Suspense zu sein und es ist sicherlich ein spannendes Buch - aber die Suspense-Elemente, obwohl deutlich vorhanden, kommen doch teilweise sehr kurz. Statt dessen geht die Autorin sehr detailliert auf die Personen und ihre Beziehungen untereinander ein. Ich habe schon eine Menge Bücher mit verkorksteren Charakteren als diesen gelesen. Die meisten Personen in Set the Dark on Fire - mit Ausnahme von Shays Ex-Lover Jesse Ryan und eines der Polizisten - sind ganz anständige Leute, die durch widrige Umstände in Schwierigkeiten geraten. Aber diese Schwierigkeiten sind eben so gewaltig, daß die Aufklärung des Verbrechens zeitweise in den Hintergrund verbannt wird. Luke, Shay, ihr Bruder Dylan und Angel (ein Mädchen, in das er verliebt ist) sind nicht gerade die vernunftgesteuertsten Buchprotagonisten, die man sich vorstellen kann. Oft handeln sie impulsiv und nicht gerade besonnen (das Hin und Her zwischen Dylan und Angel hat ein wenig an meinen Nerven gezerrt, aber sie sind natürlich Teenager; da kann man wohl kein Übermaß an Vernunft erwarten). Andererseits sind sie aber auch kein Haufen von überdrehten Drama Queens, so daß ich mich am Ende des Buches guten Gewissens über ein Happy End für wenigstens zwei bis drei der alles in allem doch ganz sympathischen Personen freuen konnte.
Set the Dark on Fire ist spannend und flüssig zu lesen. Ich finde, daß Jill Sorenson eine sehr talentierte Autorin ist und werde sicherlich noch mehr Bücher von ihr lesen. Leider kam der Suspense-Teil hier für meinen Geschmack ein bißchen zu kurz, aber ich hatte an dem Buch trotzdem Spaß.
Sonntag, 11. September 2011
Pamela Clare: Extreme Exposure
Kara McMillan ist Journalistin bei einer Tageszeitung in Colorado. Schon seit Jahren hat sie sich für nichts anderes interessiert als die Erziehung ihres kleinen Sohnes Connor und ihre Arbeit. Eines Tages überschlagen sich jedoch die Ereignisse: ehe sie es sich versieht, hat Kara eine heiße Affäre mit Reece Sheridan, einem attraktiven, intelligenten, integren und kompetenten Politiker (na klar doch) und ist gleichzeitig einem Skandal auf der Spur: eine Firma, die Zement herstellt, scheint gegen jedes der Menschheit bekannte Gesetz gegen Umweltverschmutzung zu verstoßen. Schon bald steckt Kara in der Zwickmühle: Unbekannte bedrohen sie und verüben Anschläge auf sie - etwa die Zementfirma? Und welche Verbindung hat Karas neuer Liebhaber zu dieser Firma?
Eins muß man Pamela Clare lassen: sie hat ein Händchen für ziemlich außergewöhnliche Szenen - und unfreiwillige Komik, aber dazu später mehr. Der Anfang des Buches ist bewundernswert schräg: Da geht Kara mit einer Freundin aus, betrinkt sich und fängt direkt an, Reece, den sie bisher nur beruflich von einem Interview kannte, faszinierende Details über ihre sexuellen Vorlieben zu erzählen. Das ist ja die Wucht in Tüten. So betrunken könnte ich überhaupt nicht sein! Aber egal: Reece steht auf Kara, Kara fährt auf Reece ab, und so könnte die Liebesgeschichte ihren Lauf nehmen, wenn Karas Gewissenbisse wegen ihres kleinen Sohns dem nicht im Weg stünden. Diese Bedenken kann Reece aber nach und nach ausräumen.
Etwas spannender ist da schon der Suspense-Plot, wenn ich diesen Anglizismus mal ausnahmsweise benutzen darf (ja, darf ich. Ist ja mein Blog). Kara bekommt unter größter Geheimhaltung Hinweise und vertrauliche Unterlagen von einem Mitarbeiter der Zementfirma. Sie schafft es, heimlich das Werksgelände der Firma aufzusuchen und dort Fotos zu machen und Wasserproben zu entnehmen. Ein bißchen wie Julia Roberts in Erin Brockovich. Als Kara aber auch noch anfängt, die Anwohner in der Umgebung der Firma zu befragen, bemerken deren Verantwortliche offensichtlich, daß etwas im Busch ist, und von da an wird es richtig gefährlich.
Extreme Exposure ist ein spannendes Buch und das Lesen hat mir wirklich Spaß gemacht. Aber es ist schon eher das, was ich als "fluffy" bezeichnen würde. Insbesondere mit dem Helden hatte ich so meine Probleme. Reece Sheridan ist eigentlich ein Lehrer, der sich ins Amt des Senators wählen ließ, um seinen Schülern zu beweisen, daß die Beteiligung jedes einzelnen Bürgers am politischen Geschehen möglich und sinnvoll ist. Er sieht gut aus, ist ein toller Liebhaber, unbestechlich, selbstlos, treu, ehrlich, zuverlässig und reich. Oder mit anderen Worten: daß es jemanden wie ihn gibt, ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Landung eines Ufos auf meinem Balkon innerhalb der nächsten 5 Minuten. Hier in Dortmund sind schon die Kommunalpolitiker weltfremd, inkompetent, korrupt, verlogen und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Nichts deutet für mich darauf hin, daß das auf Landes- oder Bundesebene irgendwie anders sein könnte. Abgesehen davon fällt mir nicht ein einziger Politiker ein, den man auch nur im entferntesten als gutaussehend bezeichnen könnte. In den USA werden die Verhältnisse in der Hinsicht wohl auch nicht großartig anders sein.
Immerhin hat Extreme Exposure aber die etwas zweifelhafte Ehre, einen der bescheuertsten Sätze in der Geschichte der Literatur zu beinhalten. Ich kichere jetzt noch, wenn ich dran denke. Gegen Ende des Buches wollen die Bösen Kara nämlich töten, in dem sie sie in einen Ofen stecken (ich bin aus der Beschreibung nicht ganz schlau geworden, aber es könnte sich um einen Drehrohrofen handeln). Egal, Kara hat jedenfalls schlagkräftige Argumente, die selbst den kaltblütigsten Mörder von seiner grausen Tat abhalten würden:
The blast of heat took her breath away. The white-orange blaze was painfully bright even in the daylight, and the roar was like that of a freight train. Red, glowing bricks lined the interior, even the door. She turned her face away and shut her eyes against the glare. "Killing me constitutes a major violation of the First Amendment!"
Yup. Die Bösewichter sind davon genauso beeindruckt wie ich, aber gerettet wird Kara natürlich trotzdem.
Abschließend noch ein paar Worte der Warnung: wer an Diabetes leidet, sollte auf gar keinen Fall auch nur daran denken, den Epilog dieses Buches zu lesen. Das ist mein Ernst. Ich habe es getan und merkte schon beim Lesen, wie sich Karies über meine Zähne ausbreitete. Ich liebe Happy Ends, und ich mag Süßigkeiten, aber was zuviel ist, ist zuviel.
Eins muß man Pamela Clare lassen: sie hat ein Händchen für ziemlich außergewöhnliche Szenen - und unfreiwillige Komik, aber dazu später mehr. Der Anfang des Buches ist bewundernswert schräg: Da geht Kara mit einer Freundin aus, betrinkt sich und fängt direkt an, Reece, den sie bisher nur beruflich von einem Interview kannte, faszinierende Details über ihre sexuellen Vorlieben zu erzählen. Das ist ja die Wucht in Tüten. So betrunken könnte ich überhaupt nicht sein! Aber egal: Reece steht auf Kara, Kara fährt auf Reece ab, und so könnte die Liebesgeschichte ihren Lauf nehmen, wenn Karas Gewissenbisse wegen ihres kleinen Sohns dem nicht im Weg stünden. Diese Bedenken kann Reece aber nach und nach ausräumen.
Etwas spannender ist da schon der Suspense-Plot, wenn ich diesen Anglizismus mal ausnahmsweise benutzen darf (ja, darf ich. Ist ja mein Blog). Kara bekommt unter größter Geheimhaltung Hinweise und vertrauliche Unterlagen von einem Mitarbeiter der Zementfirma. Sie schafft es, heimlich das Werksgelände der Firma aufzusuchen und dort Fotos zu machen und Wasserproben zu entnehmen. Ein bißchen wie Julia Roberts in Erin Brockovich. Als Kara aber auch noch anfängt, die Anwohner in der Umgebung der Firma zu befragen, bemerken deren Verantwortliche offensichtlich, daß etwas im Busch ist, und von da an wird es richtig gefährlich.
Extreme Exposure ist ein spannendes Buch und das Lesen hat mir wirklich Spaß gemacht. Aber es ist schon eher das, was ich als "fluffy" bezeichnen würde. Insbesondere mit dem Helden hatte ich so meine Probleme. Reece Sheridan ist eigentlich ein Lehrer, der sich ins Amt des Senators wählen ließ, um seinen Schülern zu beweisen, daß die Beteiligung jedes einzelnen Bürgers am politischen Geschehen möglich und sinnvoll ist. Er sieht gut aus, ist ein toller Liebhaber, unbestechlich, selbstlos, treu, ehrlich, zuverlässig und reich. Oder mit anderen Worten: daß es jemanden wie ihn gibt, ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Landung eines Ufos auf meinem Balkon innerhalb der nächsten 5 Minuten. Hier in Dortmund sind schon die Kommunalpolitiker weltfremd, inkompetent, korrupt, verlogen und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Nichts deutet für mich darauf hin, daß das auf Landes- oder Bundesebene irgendwie anders sein könnte. Abgesehen davon fällt mir nicht ein einziger Politiker ein, den man auch nur im entferntesten als gutaussehend bezeichnen könnte. In den USA werden die Verhältnisse in der Hinsicht wohl auch nicht großartig anders sein.
Immerhin hat Extreme Exposure aber die etwas zweifelhafte Ehre, einen der bescheuertsten Sätze in der Geschichte der Literatur zu beinhalten. Ich kichere jetzt noch, wenn ich dran denke. Gegen Ende des Buches wollen die Bösen Kara nämlich töten, in dem sie sie in einen Ofen stecken (ich bin aus der Beschreibung nicht ganz schlau geworden, aber es könnte sich um einen Drehrohrofen handeln). Egal, Kara hat jedenfalls schlagkräftige Argumente, die selbst den kaltblütigsten Mörder von seiner grausen Tat abhalten würden:
The blast of heat took her breath away. The white-orange blaze was painfully bright even in the daylight, and the roar was like that of a freight train. Red, glowing bricks lined the interior, even the door. She turned her face away and shut her eyes against the glare. "Killing me constitutes a major violation of the First Amendment!"
Yup. Die Bösewichter sind davon genauso beeindruckt wie ich, aber gerettet wird Kara natürlich trotzdem.
Abschließend noch ein paar Worte der Warnung: wer an Diabetes leidet, sollte auf gar keinen Fall auch nur daran denken, den Epilog dieses Buches zu lesen. Das ist mein Ernst. Ich habe es getan und merkte schon beim Lesen, wie sich Karies über meine Zähne ausbreitete. Ich liebe Happy Ends, und ich mag Süßigkeiten, aber was zuviel ist, ist zuviel.
Montag, 18. Juli 2011
Jill Sorenson: The Edge of Night
Noah Young ist ein junger, ehrgeiziger Streifenpolizist in Chula Vista, einer US-amerikanischen Stadt an der Grenze zu Mexiko. Eines Tages findet Noah auf einem verlassenen Grundstück eine tote junge Frau, die grausam vergewaltigt und ermordet wurde. Noah darf bei den Ermittlungen helfen, und dabei lernt er April Ortiz kennen. April ist eine Kollegin der Toten, und zwischen ihr und Noah funkt es sofort. Aber der Aufbau einer Beziehung ist für beide schwierig: April ist eine alleinerziehende junge Mutter, deren Mutter drogensüchtig ist und die mit einigen Gangstern befreundet ist. Sie könnte möglicherweise eine Zeugin im Mordfall sein. Noah muß sich außerdem um seine kleine Schwester kümmern, die die Uni geschmissen hat und bei ihm eingezogen ist...
The Edge of Night wird als Romantic Suspense vermarktet, aber ich finde, das trifft es nicht ganz. Was mich an dem Buch ganz besonders gereizt hat ist die Tatsache, daß Held und Heldin mal ganz normale Leute sind - keine Helden, keine wichtigen, beruflich erfolgreichen Menschen, sondern einfach ein Polizist und eine Kellnerin, die versucht, sich ihr Studium zu finanzieren.
Es ist ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe - aber es ist nicht wirklich ein Romantic Suspense. Das liegt daran, daß der Mordfall und seine Aufklärung über weite Passagen hinweg nur eine Nebenrolle spielen. Stattdessen werden das Leben von Noah und April, ihre sich entwickelnde Beziehung und alles, was Aprils Schwager, einem mexikanischen Gangster namens Eric, und Noahs Schwester Meghan tun, sehr genau beschrieben.
Das ist aber nicht weiter schlimm: die Charaktere sind sehr interessant und ihre Situation wird teilweise geradezu schmerzhaft realistisch beschrieben.
Noah und Meghan kommen aus einer relativ wohlhabenden, streng christlichen Familie. Ihr Vater ist ein Pfarrer (oder nennt man das Pastor bei Protestanten? Keine Ahnung), und Meghan erzählt einmal, daß ihre Mutter ihr gesagt hat, daß sie Gott immer mehr lieben würde als ihre Kinder. Wie kann man so etwas einem kleinen Mädchen sagen?
Auch Eric, der Bruder des im Knast sitzenden Vaters von Aprils Tochter, ist ein sehr interessanter Charakter. Er ist ein Gangmitglied und handelt mit Drogen, aber die Autorin schafft es dennoch, daß man für ihn Sympathie empfindet. Er wurde schon als Teenager zum Alleinversorger seiner Familie - einschließlich seiner Oma, die sich illegal in den USA aufhält und an Diabetes leidet - und er hat einfach nie eine andere Wahl gehabt. Trotzdem will er seine Gang verlassen und nimmt dafür sogar seinen möglichen Tod in Kauf.
Es gibt nur eine Sache, die mich etwas irritiert hat. April und vor allem Eric, der offenbar keinen Schulabschluß hat, Bücher nur als Untersatz für Bierdosen kennt und sein ganzes Leben mit übelsten Verbrechern verbracht hat, sprechen genau die gleiche Sprache wie Noah und Meghan, die einen ganz anderen gesellschaftlichen Hintergrund haben. Bei April ist das noch zu verstehen, schließlich ist sie eine ehrgeizige Frau, die studiert und weiß, daß nur bessere Bildung ihr aus ihrer Misere helfen kann. Aber bei Eric ist es einfach seltsam. Als käme im Fernsehen ein Dialog von Angela Merkel mit einem Berliner Ghettobewohner, der die Rütli-Schule nur deswegen mit einem Hauptschulabschluß verlassen konnte, weil er seinen Lehrer mit einem Messer bedroht hat - und man könnte die Bundeskanzlerin und den Ghettobewohner nur deswegen voneinander unterscheiden, weil sie einen schickeren Hosenanzug trägt. Normalerweise müßte sich Eric doch sprachlich auf dem Niveau von Castingshow-Teilnehmern bewegen!
Davon abgesehen ist The Edge of Night jedoch trotz seinem deutlich höheren Romance- als Suspense-Anteil ein sehr spannendes und packendes Buch mit interessanten (wenn auch überdurchschnittlich schönen) Charakteren. Laßt es euch nicht entgehen!
The Edge of Night wird als Romantic Suspense vermarktet, aber ich finde, das trifft es nicht ganz. Was mich an dem Buch ganz besonders gereizt hat ist die Tatsache, daß Held und Heldin mal ganz normale Leute sind - keine Helden, keine wichtigen, beruflich erfolgreichen Menschen, sondern einfach ein Polizist und eine Kellnerin, die versucht, sich ihr Studium zu finanzieren.
Es ist ein sehr spannendes Buch, das ich in einem Rutsch durchgelesen habe - aber es ist nicht wirklich ein Romantic Suspense. Das liegt daran, daß der Mordfall und seine Aufklärung über weite Passagen hinweg nur eine Nebenrolle spielen. Stattdessen werden das Leben von Noah und April, ihre sich entwickelnde Beziehung und alles, was Aprils Schwager, einem mexikanischen Gangster namens Eric, und Noahs Schwester Meghan tun, sehr genau beschrieben.
Das ist aber nicht weiter schlimm: die Charaktere sind sehr interessant und ihre Situation wird teilweise geradezu schmerzhaft realistisch beschrieben.
Noah und Meghan kommen aus einer relativ wohlhabenden, streng christlichen Familie. Ihr Vater ist ein Pfarrer (oder nennt man das Pastor bei Protestanten? Keine Ahnung), und Meghan erzählt einmal, daß ihre Mutter ihr gesagt hat, daß sie Gott immer mehr lieben würde als ihre Kinder. Wie kann man so etwas einem kleinen Mädchen sagen?
Auch Eric, der Bruder des im Knast sitzenden Vaters von Aprils Tochter, ist ein sehr interessanter Charakter. Er ist ein Gangmitglied und handelt mit Drogen, aber die Autorin schafft es dennoch, daß man für ihn Sympathie empfindet. Er wurde schon als Teenager zum Alleinversorger seiner Familie - einschließlich seiner Oma, die sich illegal in den USA aufhält und an Diabetes leidet - und er hat einfach nie eine andere Wahl gehabt. Trotzdem will er seine Gang verlassen und nimmt dafür sogar seinen möglichen Tod in Kauf.
Es gibt nur eine Sache, die mich etwas irritiert hat. April und vor allem Eric, der offenbar keinen Schulabschluß hat, Bücher nur als Untersatz für Bierdosen kennt und sein ganzes Leben mit übelsten Verbrechern verbracht hat, sprechen genau die gleiche Sprache wie Noah und Meghan, die einen ganz anderen gesellschaftlichen Hintergrund haben. Bei April ist das noch zu verstehen, schließlich ist sie eine ehrgeizige Frau, die studiert und weiß, daß nur bessere Bildung ihr aus ihrer Misere helfen kann. Aber bei Eric ist es einfach seltsam. Als käme im Fernsehen ein Dialog von Angela Merkel mit einem Berliner Ghettobewohner, der die Rütli-Schule nur deswegen mit einem Hauptschulabschluß verlassen konnte, weil er seinen Lehrer mit einem Messer bedroht hat - und man könnte die Bundeskanzlerin und den Ghettobewohner nur deswegen voneinander unterscheiden, weil sie einen schickeren Hosenanzug trägt. Normalerweise müßte sich Eric doch sprachlich auf dem Niveau von Castingshow-Teilnehmern bewegen!
Davon abgesehen ist The Edge of Night jedoch trotz seinem deutlich höheren Romance- als Suspense-Anteil ein sehr spannendes und packendes Buch mit interessanten (wenn auch überdurchschnittlich schönen) Charakteren. Laßt es euch nicht entgehen!
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