Prinz Tedric von Ustanzien - das ist ein europäischer Fantasie-Kleinstaat - befindet sich auf einem Staatsbesuch in den USA, als ein terroristischer Anschlag auf ihn verübt wird. Der Staatsbesuch ist sehr wichtig, denn Prinz Tedric möchte, daß die Amerikaner die Erschließung der in Ustanzien entdeckten Ölquellen finanzieren. Daher bricht er seinen Besuch nicht ab. Um den Prinzen zu schützen, läßt dieser sich in der Öffentlichkeit von einem Navy SEAL, Joe Catalanotto, vertreten. Joe sieht Prinz Tedric zum Verwechseln ähnlich, kennt sich aber mit den Gepflogenheiten der oberen 10.000 nicht so aus. Veronica St. John, die Schwägerin und PR-Beraterin des Prinzen, soll Joe innerhalb kürzester Zeit das Benehmen eines Aristokraten beibringen...
Der Originaltitel des Buchs ist "Prince Joe" und es ist 1996 in der Reihe Silhouette Intimate Moments als Teil der Tall, Dark and Dangerous-Serie von Suzanne Brockmann erschienen. Das damalige Cover kann man übrigens hier bewundern. Diese Series oder Category Romances zeichnen sich - ähnlich wie hierzulande die Cora-Romanhefte - dadurch aus, daß sie kürzer sind und den Autoren daher weniger Zeit für die Charakterisierung ihrer Romanfiguren bleibt. Das heißt aber nicht, daß diese Bücher alle schlecht sind. Ein guter Autor kann auch aus einem kurzen Buch was machen. Suzanne Brockmann gehört für mich zu den guten Autorinnen, auch wenn mindestens eins ihrer frühen Werke ziemlich grauenhaft ist.
Die Annahme, daß die Regierung eines europäischen Kleinstaats die Amerikaner um Hilfe bei der Erschließung von Ölquellen bitten würde, ist natürlich völliger Quatsch. Wenn, sagen wir mal, in Andorra Öl entdeckt würde, würden entweder a) die Europäer das Öl selbst fördern oder b) die Förderung des Öls verbieten, weil Feldhamster und/oder Kröten über den Ölquellen leben.
Davon abgesehen ist das Buch aber ganz unterhaltsam. Nur die Übersetzung ist leider nicht the yellow of the egg, und die Heldin Veronica hat einige TSTL-Anwandlungen.
Die Prosa ist mitunter seltsam antiquiert - beispielsweise möchte Joe ganz zu Anfang ihrer Bekanntschaft andeuten, Veronica sei nicht ganz so stocksteif, wie sie immer tut. Das drückt er aus, in dem er mutmaßt, sie würde nachts aus ihrem Margaret Thatcher-Kostüm steigen und mit ihrem Gigolo Mambo tanzen gehen. Und das Buch ist aus den 90ern! Wäre sie da nicht eher in ihren Bikini aus Kunstrasen geschlüpft und wäre zu einer Technoparty gegangen? (Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es in Amerika Technoparties mit Kunstrasenbikiniträgerinnen gab).
Manchmal gibt es auch Ausdrücke, die einfach nur seltsam sind: als Veronica z. B. ein sexy Kleid trägt, denkt sich Joe: "Verdammte Axt!"
Gelegentlich ist die Übersetzung schlichtweg mißlungen, so daß einzelne Sätze überhaupt keinen Sinn ergeben, wie etwa dieser:
"Während sie ihn betrachtete, stellte er das Glas auf den Tisch neben dem Sofa und ging dann zum Fenster. Er zog die Vorhänge zu. "Ich habe mein Bullauge für heute lang genug mit mir herumgetragen."
Ich nehme an, im Original stand an der Stelle "bull's eye" - was natürlich Bullauge heißt, wenn man über ein Schiff spricht. In diesem Zusammenhang heißt es aber eher, daß Joe für den Tag seinen Dienst als wandelnde Zielscheibe beendet. Ich will ja nicht übermäßig viel klugscheißen, aber solche Dinge können mir den Spaß an einem Buch schon ein wenig vermiesen.
Mit Veronica habe ich auch ein klitzekleines Problem gehabt. So ist sie beleidigt, als Joe bei einer Party nicht mit ihr tanzen will, obwohl man während dieser Veranstaltung mit einem Angriff der Terroristen rechnet und jeder in Gefahr ist, der sich in Joes Nähe aufhält. Und als es dann tatsächlich einen Anschlag gibt und Joe das tut, was Navy SEALs wohl bei solchen Gelegenheiten zu tun pflegen, besteht sie darauf, ihn übers Funkgerät vollzuquatschen.
Joe revanchiert sich später, indem er Veronica unterstellt, ein Snob zu sein - nun ja, ein klärendes Gespräch zwischen den beiden hätte an dieser Stelle Wunder gewirkt, aber dann wäre das Buch wohl allzu kurz geworden.
Alles in allem ist Prince Joe bzw. Liebe Top Secret ein spannendes, unterhaltsames Buch, das man in einem Rutsch durchlesen kann. Der Held ist sympathisch und die Heldin ist - bis auf ein paar kleine Aussetzer - ganz okay. Aber ein unvergeßliches Buch, das ich immer wieder lesen möchte, ist es für mich nicht.
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Sonntag, 31. Januar 2010
Samstag, 5. Dezember 2009
Bücher die man nicht lesen kann, Teil 4: Weihnachtsduft und zarte Küsse (Bianca Spezial-Weihnachtsband)
Ich hätte es ja eigentlich wissen sollen, daß diese Cora-Romanhefte nichts für mich sind. Aber als ich so lässigen Schrittes durch die Zeitschriftenabteilung bei Karstadt schlenderte und mich auf die Adventszeit und das Plätzchenbacken freute, bekam ich plötzlich Lust auf eine richtig romantische, sentimentale Weihnachtsliebesgeschichte. Und in diesem Doppelband gibt es gleich zwei davon! Also habe ich nicht lange überlegt und mir das Heft gekauft.
Ein Fehler, wie sich wenig später herausstellte.
Die beiden Romane in dem Heft heißen "Nur Küsse schmecken besser" von Ellen James und "...und eine Prise Leidenschaft" von Teresa Southwick. Laut Inhaltsangabe auf der Rückseite sind beide Romanheldinnen Köchinnen, was mich in meiner Zimt-und-Orangenduftumnachtung natürlich gleich an Geschichten mit romantischen Begegnungen beim Plätzchenbacken und liebevollen Umarmungen bei der Zubereitung von Truthahnbraten mit leckerem "Stuffing" denken ließ. Ich will auch gar nicht ausschließen, daß es diese Dinge in den beiden Geschichten gibt, nur bin ich leider gar nicht soweit gekommen.
Angefangen habe ich natürlich mit dem ersten Buch, "Nur Küsse schmecken besser". Darin haben Gwen Ferris, die Heldin und Robert Beltramo, der Held, je eine Hälfte eines italienischen Restaurants geerbt. Beide wollen das Restaurant für sich haben, aber beide weigern sich auch, dem jeweils anderen ihren Anteil zu verkaufen. Also verfallen sie auf die Idee, das Restaurant für kurze Zeit gemeinsam zu führen. Derjenige, der erfolgreicher ist, soll es dann behalten dürfen.
Ich bin ja durchaus gewillt, diese ziemlich absurde Grundlage der Geschichte zu akzeptieren, und wenn ich weitergelesen hätte, hätte ich vielleicht auch noch herausgefunden, wie die beiden ihren Erfolg, oder auch nur die Anzahl der Gäste pro Koch, messen wollen. Und auch die Tatsache, daß sich Gwen direkt auf der ersten Seite des Buches darüber aufregt, daß Roberts Anwälte ihr in der Adventszeit schreiben und ihr auch noch Geld für ihre Hälfte des Restaurants bieten, hätte ich vielleicht ignorieren können. Obwohl ich den Gedanken, daß Anwälte in der Weihnachtszeit nicht arbeiten dürften, schon ziemlich vermessen finde. Nur leider wird alles noch viel schlimmer.
Zunächst bewerfen sich Gwen und Robert in ihrer Küche mit einem Papierflieger, der prompt im Eierkuchenteig landet. In diesen Teig langt der gute Robert dann auch direkt mit seinen ungewaschenen Fingern und holt den Papierflieger heraus. Als nächstes erfährt der staunende Leser, daß die Kücher über und über mit Stechpalmenzweigen dekoriert ist: neben dem Salzfaß, auf dem Gewürzbord und unter einem Tellerstapel. Auf dem Arbeitstisch liegen verschiedene Gemüsesorten in wildem Durcheinander und auf dem Fußboden wurde Puderzucker verstreut. Immerhin war die liebe Gwen aber so umsichtig, die Haare zu einem Pferdeschwanz zu binden und ein Polohemd zu tragen, das zu ihrer Augenfarbe paßt. Dazu trägt sie eine bekleckerte Schürze. Gwen, die offenbar ganz alleine in der Restaurantküche schuftet, ist jedoch nicht nur eine begnadete Köchin, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte all ihrer Gäste. Wahrscheinlich lastet es sie nicht aus, ganz allein jeden Tag Unmengen von Menschen zu bekochen, und diese schluffen bei jeder sich bietenden Gelegenheit einfach mal in die Küche, um ihr was zu erzählen?
Während ich noch überlege, warum niemand angesichts der Zustände in dieser Küche das Gesundheitsamt ruft, greift Robert ins Geschehen ein und zeigt Gwen mit immer noch ungewaschenen Händen, wie man Tomaten fachgerecht zerlegt. Dabei fällt ihm ihr Verlobungsring auf und Gwen erinnert sich an ihren Verlobten Scott, den sie für "eine gute Wahl" hält. Tja, ich halte meine Waschmaschine für eine gute Wahl, aber ich habe noch nie romantische Gefühle für sie entwickelt. Was mich zu der Frage bringt, warum Liebesromanheldinnen dazu neigen, sich mit Männern zu verloben, in die sie nicht verliebt sind und die sie wie eine heiße Kartoffel fallenlassen, sobald der Held auftaucht. Gwen zum Beispiel ist 27 und hat einen Beruf, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen kann, solange ihr nicht das Gesundheitsamt auf die Schliche kommt. Warum verlobt sie sich mit diesem Scott, dem sie bestenfalls mildes Interesse entgegenbringt? Ist sie vielleicht als Kind mal vom Wickeltisch gefallen?
Nun, am nächsten Tag begegnen sich Gwen und Robert beim Joggen, und nachmittags beginnt ihre gemeinsame Arbeit im Restaurant. Da sind wir gerade auf Seite 34 und am Anfang von Kapitel 3, und Gwen hat zum Kochen ein Seidenkleid angezogen, um, ungeachtet ihres Verlobten, Robert zu beeindrucken.
Normalerweise wäre das Buch jetzt in die Ecke geflogen, aber es ist ja ein Doppelband und ich gab mich der Hoffnung hin, daß die zweite Geschichte, "...und eine Prise Leidenschaft", mich in die gewünschte Weihnachtsstimmung versetzen könnte. Tatsächlich ist sie auch um einiges besser als die erste, da die Charaktere zwar einigermaßen bizarre Verhaltensweisen an den Tag legen, aber nicht annhähernd so grenzdebil sind wie Gwen und Robert. Fran Carlino ist Köchin und hat sich darauf spezialisiert, Fertiggerichte, wie z. B. Babykost, für größere Hersteller zu entwickeln. Alex Marchetti ist der Bruder von Frans bester Freundin. Seine Familie besitzt eine Restaurantkette und möchte die Gerichte als Tiefkühlkost vermarkten. Er taucht bei Fran auf, weil die Familie jemanden für die Entwicklung der Tiefkühlgerichte einstellen möchte.
Hier waren es die schon erwähnten bizarren Verhaltensweisen und das Aufeinanderhäufen von uralten Liebesromanklischees, die mich am Weiterlesen gehindert haben, denn Fran und Alex sind, von ihren Neurosen mal abgesehen, gar nicht so übel. Alex taucht bei Fran auf, weil seine Schwester sie ihm als begnadete Köchin empfohlen hat und er eine solche sucht. Nachdem also Alex extra bei Fran auftaucht, um sie wegen der zu besetzenden Stelle in der Tiefkühlgerichtentwicklung anzusprechen, schaut sie am nächsten Tag mitsamt ihrem Lebenslauf und ihren Referenzen bei ihm vorbei, doch plötzlich ziert sich Alex und wird zickig: angeblich sucht er jemanden mit mehr Erfahrung.
Die beiden einigen sich, daß Fran Alex bei sich zu Hause ein Probeessen kocht. Alles ist tip-top, aber Fran läßt Alex alleine speisen. Warum? Tja, der gute Mann ist dermaßen überwältigend attraktiv, daß Fran befürchtet, in seiner Gegenwart alles um sich herum zu vergessen und sich in ihn zu verlieben. Und das geht mal gar nicht, da sie mit Anfang 20 eine ganz schlimme Erfahrung mit ihrem damaligen Freund gemacht hat. Daraus mußte sie natürlich haarscharf folgern, daß alle Männer Mistkerle sind. Aber auch Alex sucht keine Frau, da seine große Liebe gestorben ist und er davon überzeugt ist, daß alle Männer in seiner Familie sich nur einmal im Leben verlieben. Nun gut, Alex' Gründe kann ich ja noch nachvollziehen, aber Frans sind ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
Kurzum, die zweite Geschichte ist nicht annähernd so supermies wie die erste, aber sie hat auch nichts, was mich zum Weiterlesen veranlaßt. Davon abgesehen scheint mir auch die Übersetzung nicht so gelungen zu sein, wie der folgende Dialog beweist (da zeigt Alex Fran gerade ihren neuen Arbeitsplatz):
Er zeigte auf eine Tür. "Dort geht es zur Cafeteria für das Personal."
"Praktisch."
"Wir versuchen, an alles zu denken. Selbst an Meerschweinchen...ich meine natürlich treue Angestellte, die es kaum abwarten können, unsere neuesten Kreationen zu testen."
Eigentlich kann man doch von einem Übersetzer erwarten, daß er in diesem Zusammenhang die englischen guinea pigs mit Versuchskaninchen übersetzt. So etwas merken viele Leser und sind verstimmt.
Tja, an diesem Buch können sich andere ergötzen. Mein Fall ist es nicht.
Ein Fehler, wie sich wenig später herausstellte.
Die beiden Romane in dem Heft heißen "Nur Küsse schmecken besser" von Ellen James und "...und eine Prise Leidenschaft" von Teresa Southwick. Laut Inhaltsangabe auf der Rückseite sind beide Romanheldinnen Köchinnen, was mich in meiner Zimt-und-Orangenduftumnachtung natürlich gleich an Geschichten mit romantischen Begegnungen beim Plätzchenbacken und liebevollen Umarmungen bei der Zubereitung von Truthahnbraten mit leckerem "Stuffing" denken ließ. Ich will auch gar nicht ausschließen, daß es diese Dinge in den beiden Geschichten gibt, nur bin ich leider gar nicht soweit gekommen.
Angefangen habe ich natürlich mit dem ersten Buch, "Nur Küsse schmecken besser". Darin haben Gwen Ferris, die Heldin und Robert Beltramo, der Held, je eine Hälfte eines italienischen Restaurants geerbt. Beide wollen das Restaurant für sich haben, aber beide weigern sich auch, dem jeweils anderen ihren Anteil zu verkaufen. Also verfallen sie auf die Idee, das Restaurant für kurze Zeit gemeinsam zu führen. Derjenige, der erfolgreicher ist, soll es dann behalten dürfen.
Ich bin ja durchaus gewillt, diese ziemlich absurde Grundlage der Geschichte zu akzeptieren, und wenn ich weitergelesen hätte, hätte ich vielleicht auch noch herausgefunden, wie die beiden ihren Erfolg, oder auch nur die Anzahl der Gäste pro Koch, messen wollen. Und auch die Tatsache, daß sich Gwen direkt auf der ersten Seite des Buches darüber aufregt, daß Roberts Anwälte ihr in der Adventszeit schreiben und ihr auch noch Geld für ihre Hälfte des Restaurants bieten, hätte ich vielleicht ignorieren können. Obwohl ich den Gedanken, daß Anwälte in der Weihnachtszeit nicht arbeiten dürften, schon ziemlich vermessen finde. Nur leider wird alles noch viel schlimmer.
Zunächst bewerfen sich Gwen und Robert in ihrer Küche mit einem Papierflieger, der prompt im Eierkuchenteig landet. In diesen Teig langt der gute Robert dann auch direkt mit seinen ungewaschenen Fingern und holt den Papierflieger heraus. Als nächstes erfährt der staunende Leser, daß die Kücher über und über mit Stechpalmenzweigen dekoriert ist: neben dem Salzfaß, auf dem Gewürzbord und unter einem Tellerstapel. Auf dem Arbeitstisch liegen verschiedene Gemüsesorten in wildem Durcheinander und auf dem Fußboden wurde Puderzucker verstreut. Immerhin war die liebe Gwen aber so umsichtig, die Haare zu einem Pferdeschwanz zu binden und ein Polohemd zu tragen, das zu ihrer Augenfarbe paßt. Dazu trägt sie eine bekleckerte Schürze. Gwen, die offenbar ganz alleine in der Restaurantküche schuftet, ist jedoch nicht nur eine begnadete Köchin, sondern hat auch ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte all ihrer Gäste. Wahrscheinlich lastet es sie nicht aus, ganz allein jeden Tag Unmengen von Menschen zu bekochen, und diese schluffen bei jeder sich bietenden Gelegenheit einfach mal in die Küche, um ihr was zu erzählen?
Während ich noch überlege, warum niemand angesichts der Zustände in dieser Küche das Gesundheitsamt ruft, greift Robert ins Geschehen ein und zeigt Gwen mit immer noch ungewaschenen Händen, wie man Tomaten fachgerecht zerlegt. Dabei fällt ihm ihr Verlobungsring auf und Gwen erinnert sich an ihren Verlobten Scott, den sie für "eine gute Wahl" hält. Tja, ich halte meine Waschmaschine für eine gute Wahl, aber ich habe noch nie romantische Gefühle für sie entwickelt. Was mich zu der Frage bringt, warum Liebesromanheldinnen dazu neigen, sich mit Männern zu verloben, in die sie nicht verliebt sind und die sie wie eine heiße Kartoffel fallenlassen, sobald der Held auftaucht. Gwen zum Beispiel ist 27 und hat einen Beruf, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienen kann, solange ihr nicht das Gesundheitsamt auf die Schliche kommt. Warum verlobt sie sich mit diesem Scott, dem sie bestenfalls mildes Interesse entgegenbringt? Ist sie vielleicht als Kind mal vom Wickeltisch gefallen?
Nun, am nächsten Tag begegnen sich Gwen und Robert beim Joggen, und nachmittags beginnt ihre gemeinsame Arbeit im Restaurant. Da sind wir gerade auf Seite 34 und am Anfang von Kapitel 3, und Gwen hat zum Kochen ein Seidenkleid angezogen, um, ungeachtet ihres Verlobten, Robert zu beeindrucken.
Normalerweise wäre das Buch jetzt in die Ecke geflogen, aber es ist ja ein Doppelband und ich gab mich der Hoffnung hin, daß die zweite Geschichte, "...und eine Prise Leidenschaft", mich in die gewünschte Weihnachtsstimmung versetzen könnte. Tatsächlich ist sie auch um einiges besser als die erste, da die Charaktere zwar einigermaßen bizarre Verhaltensweisen an den Tag legen, aber nicht annhähernd so grenzdebil sind wie Gwen und Robert. Fran Carlino ist Köchin und hat sich darauf spezialisiert, Fertiggerichte, wie z. B. Babykost, für größere Hersteller zu entwickeln. Alex Marchetti ist der Bruder von Frans bester Freundin. Seine Familie besitzt eine Restaurantkette und möchte die Gerichte als Tiefkühlkost vermarkten. Er taucht bei Fran auf, weil die Familie jemanden für die Entwicklung der Tiefkühlgerichte einstellen möchte.
Hier waren es die schon erwähnten bizarren Verhaltensweisen und das Aufeinanderhäufen von uralten Liebesromanklischees, die mich am Weiterlesen gehindert haben, denn Fran und Alex sind, von ihren Neurosen mal abgesehen, gar nicht so übel. Alex taucht bei Fran auf, weil seine Schwester sie ihm als begnadete Köchin empfohlen hat und er eine solche sucht. Nachdem also Alex extra bei Fran auftaucht, um sie wegen der zu besetzenden Stelle in der Tiefkühlgerichtentwicklung anzusprechen, schaut sie am nächsten Tag mitsamt ihrem Lebenslauf und ihren Referenzen bei ihm vorbei, doch plötzlich ziert sich Alex und wird zickig: angeblich sucht er jemanden mit mehr Erfahrung.
Die beiden einigen sich, daß Fran Alex bei sich zu Hause ein Probeessen kocht. Alles ist tip-top, aber Fran läßt Alex alleine speisen. Warum? Tja, der gute Mann ist dermaßen überwältigend attraktiv, daß Fran befürchtet, in seiner Gegenwart alles um sich herum zu vergessen und sich in ihn zu verlieben. Und das geht mal gar nicht, da sie mit Anfang 20 eine ganz schlimme Erfahrung mit ihrem damaligen Freund gemacht hat. Daraus mußte sie natürlich haarscharf folgern, daß alle Männer Mistkerle sind. Aber auch Alex sucht keine Frau, da seine große Liebe gestorben ist und er davon überzeugt ist, daß alle Männer in seiner Familie sich nur einmal im Leben verlieben. Nun gut, Alex' Gründe kann ich ja noch nachvollziehen, aber Frans sind ziemlich an den Haaren herbeigezogen.
Kurzum, die zweite Geschichte ist nicht annähernd so supermies wie die erste, aber sie hat auch nichts, was mich zum Weiterlesen veranlaßt. Davon abgesehen scheint mir auch die Übersetzung nicht so gelungen zu sein, wie der folgende Dialog beweist (da zeigt Alex Fran gerade ihren neuen Arbeitsplatz):
Er zeigte auf eine Tür. "Dort geht es zur Cafeteria für das Personal."
"Praktisch."
"Wir versuchen, an alles zu denken. Selbst an Meerschweinchen...ich meine natürlich treue Angestellte, die es kaum abwarten können, unsere neuesten Kreationen zu testen."
Eigentlich kann man doch von einem Übersetzer erwarten, daß er in diesem Zusammenhang die englischen guinea pigs mit Versuchskaninchen übersetzt. So etwas merken viele Leser und sind verstimmt.
Tja, an diesem Buch können sich andere ergötzen. Mein Fall ist es nicht.
Dienstag, 17. November 2009
Jennifer Crusie: Strange Bedpersons
Tess Newhart ist eine Lehrerin, die von Hippies aufgezogen wurde und sich am liebsten nur wohltätigen Projekten widmen würde. Nick Jamieson ist ein Rechtsanwalt und legt Wert auf ein konservatives Erscheinungsbild, denn er hat die Chance, in der Kanzlei, für die er arbeitet, als Partner einzusteigen. Tess und Nick sind in einander verliebt, aber beide sind fest davon überzeugt, daß eine Beziehung niemals funktionieren könnte, weil sie zu unterschiedlich sind. Trotzdem willigt Tess ein, für ein Wochenende Nicks Verlobte zu spielen, um bei einem potentiellen Klienten einen guten Eindruck zu hinterlassen. Dann wird in ihrer Wohnung eingebrochen und die Ereignisse überstürzen sich...
Strange Bedpersons ist ein ziemlich altes und relativ dünnes Buch; ursprünglich wurde es 1994 als Harlequin Temptation veröffentlicht. Auf einigen Websites, wie z. B. All About Romance oder auch Smart Bitches, Trashy Books wird ja immer wieder verlautbart, daß die sogenannten category oder auch series romances zwar kürzer, aber deswegen nicht notwendigerweise schlechter sind als "normale Bücher". Meine Erfahrung war leider eine andere. Ich habe immer mal wieder solche Bücher gelesen, entweder weil sie irgendwo empfohlen wurden oder aber weil ich die Inhaltsangabe interessant fand. Und ich bin jedesmal auf die Nase gefallen und habe mich geärgert, meine Zeit mit so einem grottigen Buch verschwendet zu haben. Man schaue sich nur mal die letzten beiden Machwerke an, über die ich mich furchtbar ärgern mußte:
Sarah Mayberry: She's Got It Bad
Kimberly Raye: Slippery When Wet
Aber dieses Buch ist unterhaltsam. Auch sehr fluffig und nicht besonders gehaltvoll, aber die Personen sind sympathisch, die Handlung ist witzig und ich mag die Dialoge. Ebenso mag ich die Tatsache, daß es weder 30jährige Jungfrauen gibt, die auf die Gleichung Sex = Ehe = Kinder fixiert sind, noch 30jährige Junggesellen, die feste Beziehungen scheuen, weil sie vor 15 Jahren auf der High School von ihrer ersten Freundin hintergangen wurden, und weil Mama sowieso die beste ist. Es gibt keine unbegründeten Anwandlungen von Eifersucht und, zumindest bei den Hauptpersonen, keine "ich bin nicht gut genug für ihn/sie"-Dramen. Tess und Nick sind beide Ende 30 und wissen, was sie wollen. Das einzige Manko von Strange Bedpersons ist, daß es ziemlich lange dauert, bis sie endlich auf die Antwort auf eine bestimmte Frage kommen, während der Leser - also ich - schon direkt nach Auftauchen dieser Frage wußte, was los ist. Aber egal: das Buch eignet sich hervorragend, um es in der Badewanne bei einem Gläschen Sekt oder auch am Strand zu lesen. Eben Entspannung pur. Und es zeigt, daß gute Unterhaltung eben doch auch in einem kurzen Format möglich ist!
Strange Bedpersons ist ein ziemlich altes und relativ dünnes Buch; ursprünglich wurde es 1994 als Harlequin Temptation veröffentlicht. Auf einigen Websites, wie z. B. All About Romance oder auch Smart Bitches, Trashy Books wird ja immer wieder verlautbart, daß die sogenannten category oder auch series romances zwar kürzer, aber deswegen nicht notwendigerweise schlechter sind als "normale Bücher". Meine Erfahrung war leider eine andere. Ich habe immer mal wieder solche Bücher gelesen, entweder weil sie irgendwo empfohlen wurden oder aber weil ich die Inhaltsangabe interessant fand. Und ich bin jedesmal auf die Nase gefallen und habe mich geärgert, meine Zeit mit so einem grottigen Buch verschwendet zu haben. Man schaue sich nur mal die letzten beiden Machwerke an, über die ich mich furchtbar ärgern mußte:
Sarah Mayberry: She's Got It Bad
Kimberly Raye: Slippery When Wet
Aber dieses Buch ist unterhaltsam. Auch sehr fluffig und nicht besonders gehaltvoll, aber die Personen sind sympathisch, die Handlung ist witzig und ich mag die Dialoge. Ebenso mag ich die Tatsache, daß es weder 30jährige Jungfrauen gibt, die auf die Gleichung Sex = Ehe = Kinder fixiert sind, noch 30jährige Junggesellen, die feste Beziehungen scheuen, weil sie vor 15 Jahren auf der High School von ihrer ersten Freundin hintergangen wurden, und weil Mama sowieso die beste ist. Es gibt keine unbegründeten Anwandlungen von Eifersucht und, zumindest bei den Hauptpersonen, keine "ich bin nicht gut genug für ihn/sie"-Dramen. Tess und Nick sind beide Ende 30 und wissen, was sie wollen. Das einzige Manko von Strange Bedpersons ist, daß es ziemlich lange dauert, bis sie endlich auf die Antwort auf eine bestimmte Frage kommen, während der Leser - also ich - schon direkt nach Auftauchen dieser Frage wußte, was los ist. Aber egal: das Buch eignet sich hervorragend, um es in der Badewanne bei einem Gläschen Sekt oder auch am Strand zu lesen. Eben Entspannung pur. Und es zeigt, daß gute Unterhaltung eben doch auch in einem kurzen Format möglich ist!
Montag, 21. September 2009
Sarah Mayberry: She's Got It Bad oder: Mit dem Kopf nach unten hängen ist wohl doch nicht so gesund
Diesmal habe ich ein Buch von einer australischen Schriftstellerin gelesen. Es ist ein Harlequin Blaze und unterscheidet sich nicht wesentlich von den amerikanischen Exemplaren dieser Reihe, außer daß da und dort mal jemand mit den Worten "G'day, mate" begrüßt wird. Es kommen auch weder Känguruhs noch Koalabären vor. Und jetzt eine W A R N U N G: diese Buchrezension hat vielleicht hier und da einen kleinen Spoiler. Wer sich von diesem Buch lieber unvorbereitet treffen läßt, guckt jetzt am besten ganz schnell weg. Eine zweite, dritte und vierte Meinung - genauer gesagt ist ja eigentlich meine Meinung die vierte - ohne Spoiler gibt es bei AAR, Bücher über alles und bei Books and Games. Alle anderen können sich eine Tasse Kaffee holen und sich freuen, daß ich schon mal dieses Buch durchlitten habe und daher weise Warnungen für alle Unverzagten aussprechen kann, die es trotzdem noch lesen wollen.
Als Zoe Ford ein Teenager war, nahmen ihre Eltern Liam Masters nach dem Tod seiner Mutter bei sich auf. Zoe verliebte sich bis über beide Ohren in ihn (da war sie 15 und er 17) und er sich in sie, doch weil er fand, er sei nicht gut genug für sie, verließ er Zoes Elternhaus überstürzt. 12 Jahre später treffen sie sich wieder: Zoe arbeitet als Tätowiererin und Rocksängerin, und Liam hat eine florierende Firma, die Motorräder herstellt. Schnell kommt Liam zu dem Schluß, daß so ein Leben für eine anständige junge Frau unangemessen ist, und gibt sein bestes, um Zoe zu helfen.
Ich fange mal mit etwas positivem an: ich mag Sarah Mayberrys Schreibstil wirklich, sowohl die Art, wie sie die Personen charakterisiert (damit meine ich aber ausdrücklich nicht, daß ich die Personen sympathisch finde), als auch wie sie die Handlung beschreibt. Wenn sie es mal schafft, sich ein paar bessere Charaktere und eine gute Handlung auszudenken, könnte dabei ein richtig gutes Buch herauskommen.
Und jetzt zu den negativen Aspekten des Buches - also zu allem anderen.
Liam, der Held, ist ein Riesen-Ar....mleuchter. Genau das, was die Amerikaner als "knuckledragger" bezeichnen: ein Rückfall in die Zeit der Neandertaler, dem quasi die überlangen Arme über den Boden schleifen, wenn er sie nicht gerade benutzt, um kreischende, unwillige Frauen in seine Höhle zu schleppen. Übrigens hat Liam tatsächlich außerordentlich lange Arme, und das erfahren wir schon auf Seite 25. Da entdeckt er nämlich auf einer Kunstausstellung ein Aktbild von Zoe. Oh no! Kreisch! Eine nackte Frau! Wo doch jeder weiß, daß Aktmalerei nichts weiter ist als eine Vorstufe der Prostitution! Da muß unser Liam natürlich sofort eingreifen, und er verliert keine Zeit, bevor er das Bild packt, von der Wand nimmt und es mit der unbemalten Seite zum Betrachter an die Wand lehnt. Das interessante an dieser Szene - abgesehen davon, daß sie eindrucksvoll zeigt, daß Liam ein bigotter Idiot ist - ist die Tatsache, daß dieses Bild 8 x 10 Fuß (= 2,4384 x 3,048 Meter) groß ist. Nun entspricht der Abstand von einer Hand zur anderen bei waagerecht ausgestreckten Armen bei einem normal proportionierten Menschen seiner Körperhöhe. Ich habe das extra gerade mal ausprobiert und bei mir stimmt es: genau 162,5 cm. Wenn also Liam das Bild problemlos und ohne Hilfe von der Wand nehmen kann, ist er entweder über 2,40 m groß, oder seine Arme schleifen beim Gehen hinter ihm her.
Aber weiter im Text: unser tüchtiger Liam findet heraus, wo Zoe arbeitet und verklickert ihr direkt, daß mit ihr etwas nicht stimmen kann, wenn sie sich so ganz nackelig malen läßt (pfui) und als Tätowiererin arbeitet. An dieser Stelle ist Zoe immerhin schlau genug, ihn rauszuschmeißen, aber da Liam auch als Stalker nicht ganz unbegabt ist, beschließt er, ihr nach der Arbeit nach Hause zu folgen. Dies wiederum führt dazu, daß er herausfindet, daß sie in einer schmuddeligen Kneipe als Rocksängerin auftritt. Oh mein Gott, wie grauenhaft! Ganz klar: Zoe braucht Hilfe, und die bietet Liam ihr an. Da Zoe aber eigenartigerweise darauf beharrt, keine Hilfe zu wollen, schieben sie noch schnell eine Nummer, bevor sie ihrer Wege gehen; natürlich nicht, ohne daß Liam Zoe schnell noch klarmacht, daß anständige Frauen auch kein Makeup benutzen (zu schade, daß er kein Deutsch kann, denn sonst hätte er meine Oma zitieren können: Mit Schminke und mit Puder beschmiert sich jedes Luder).
Die nächste Zeit verbringt Liam damit, Zoe zu verfolgen. Schließlich bringt er sie dazu, in seiner Motorradwerkstatt zu arbeiten - sie soll eines der Motorräder bemalen. Umgehend läßt er alle seine Angestellten wissen, daß a) er nichts von ihr will - nein, nein, sie sind nur Freunde und b) keiner von ihnen es wagen soll, Zoe anzubaggern, jedenfalls nicht, wenn er in Zukunft noch feste Nahrung zu sich nehmen will. Danach überlassen sich Zoe und Liam mehr oder weniger ihren Trieben, nicht ohne in einer Endlosschleife sich selbst und dem Leser zu versichern, daß es wirklich nichts ist außer einer heißen Affäre.
Zoe ist nämlich fest überzeugt, daß sie einem Mann nichts zu bieten hat, und Liam hat eine schlimme Kindheit gehabt.
Liam zeigt uns die noch arschlochigere Seite seiner ohnehin schon nicht gerade gewinnenden Persönlichkeit, als er Zoe zwingt (wirklich zwingt), ihm etwas zu erzählen, worüber sie nicht sprechen möchte.
Was passiert noch? Tja, er überrascht sie damit, daß er Zoes Bilder (sie malt auch) einer Galeriebesitzerin zeigt, schnallt irgendwann, daß er sich doch in sie verliebt hat, und prügelt einen Typen krankenhausreif, der sie belästigt.
Zoe kommt glücklicherweise zu dem Schluß, daß sie trotz allem ein vollwertiges menschliches Wesen ist, aber statt sich einen netten, normalen Mann zu suchen, sagt sie sich, daß auch bigotte Vollidioten Liebe brauchen, und beschließt, den Rest ihres Lebens mit Liam zu verbringen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann drücken sie sich heute wahrscheinlich die Nasen an den Fensterscheiben ihres Hauses platt und passen auf, daß die Nachbarn keinen Schweinkram machen. Oder vielleicht haben sie eine Bürgerinitiative gegen das öffentliche Ausstellen von Aktbildern gegründet.
Als Zoe Ford ein Teenager war, nahmen ihre Eltern Liam Masters nach dem Tod seiner Mutter bei sich auf. Zoe verliebte sich bis über beide Ohren in ihn (da war sie 15 und er 17) und er sich in sie, doch weil er fand, er sei nicht gut genug für sie, verließ er Zoes Elternhaus überstürzt. 12 Jahre später treffen sie sich wieder: Zoe arbeitet als Tätowiererin und Rocksängerin, und Liam hat eine florierende Firma, die Motorräder herstellt. Schnell kommt Liam zu dem Schluß, daß so ein Leben für eine anständige junge Frau unangemessen ist, und gibt sein bestes, um Zoe zu helfen.
Ich fange mal mit etwas positivem an: ich mag Sarah Mayberrys Schreibstil wirklich, sowohl die Art, wie sie die Personen charakterisiert (damit meine ich aber ausdrücklich nicht, daß ich die Personen sympathisch finde), als auch wie sie die Handlung beschreibt. Wenn sie es mal schafft, sich ein paar bessere Charaktere und eine gute Handlung auszudenken, könnte dabei ein richtig gutes Buch herauskommen.
Und jetzt zu den negativen Aspekten des Buches - also zu allem anderen.
Liam, der Held, ist ein Riesen-Ar....mleuchter. Genau das, was die Amerikaner als "knuckledragger" bezeichnen: ein Rückfall in die Zeit der Neandertaler, dem quasi die überlangen Arme über den Boden schleifen, wenn er sie nicht gerade benutzt, um kreischende, unwillige Frauen in seine Höhle zu schleppen. Übrigens hat Liam tatsächlich außerordentlich lange Arme, und das erfahren wir schon auf Seite 25. Da entdeckt er nämlich auf einer Kunstausstellung ein Aktbild von Zoe. Oh no! Kreisch! Eine nackte Frau! Wo doch jeder weiß, daß Aktmalerei nichts weiter ist als eine Vorstufe der Prostitution! Da muß unser Liam natürlich sofort eingreifen, und er verliert keine Zeit, bevor er das Bild packt, von der Wand nimmt und es mit der unbemalten Seite zum Betrachter an die Wand lehnt. Das interessante an dieser Szene - abgesehen davon, daß sie eindrucksvoll zeigt, daß Liam ein bigotter Idiot ist - ist die Tatsache, daß dieses Bild 8 x 10 Fuß (= 2,4384 x 3,048 Meter) groß ist. Nun entspricht der Abstand von einer Hand zur anderen bei waagerecht ausgestreckten Armen bei einem normal proportionierten Menschen seiner Körperhöhe. Ich habe das extra gerade mal ausprobiert und bei mir stimmt es: genau 162,5 cm. Wenn also Liam das Bild problemlos und ohne Hilfe von der Wand nehmen kann, ist er entweder über 2,40 m groß, oder seine Arme schleifen beim Gehen hinter ihm her.
Aber weiter im Text: unser tüchtiger Liam findet heraus, wo Zoe arbeitet und verklickert ihr direkt, daß mit ihr etwas nicht stimmen kann, wenn sie sich so ganz nackelig malen läßt (pfui) und als Tätowiererin arbeitet. An dieser Stelle ist Zoe immerhin schlau genug, ihn rauszuschmeißen, aber da Liam auch als Stalker nicht ganz unbegabt ist, beschließt er, ihr nach der Arbeit nach Hause zu folgen. Dies wiederum führt dazu, daß er herausfindet, daß sie in einer schmuddeligen Kneipe als Rocksängerin auftritt. Oh mein Gott, wie grauenhaft! Ganz klar: Zoe braucht Hilfe, und die bietet Liam ihr an. Da Zoe aber eigenartigerweise darauf beharrt, keine Hilfe zu wollen, schieben sie noch schnell eine Nummer, bevor sie ihrer Wege gehen; natürlich nicht, ohne daß Liam Zoe schnell noch klarmacht, daß anständige Frauen auch kein Makeup benutzen (zu schade, daß er kein Deutsch kann, denn sonst hätte er meine Oma zitieren können: Mit Schminke und mit Puder beschmiert sich jedes Luder).
Die nächste Zeit verbringt Liam damit, Zoe zu verfolgen. Schließlich bringt er sie dazu, in seiner Motorradwerkstatt zu arbeiten - sie soll eines der Motorräder bemalen. Umgehend läßt er alle seine Angestellten wissen, daß a) er nichts von ihr will - nein, nein, sie sind nur Freunde und b) keiner von ihnen es wagen soll, Zoe anzubaggern, jedenfalls nicht, wenn er in Zukunft noch feste Nahrung zu sich nehmen will. Danach überlassen sich Zoe und Liam mehr oder weniger ihren Trieben, nicht ohne in einer Endlosschleife sich selbst und dem Leser zu versichern, daß es wirklich nichts ist außer einer heißen Affäre.
Zoe ist nämlich fest überzeugt, daß sie einem Mann nichts zu bieten hat, und Liam hat eine schlimme Kindheit gehabt.
Liam zeigt uns die noch arschlochigere Seite seiner ohnehin schon nicht gerade gewinnenden Persönlichkeit, als er Zoe zwingt (wirklich zwingt), ihm etwas zu erzählen, worüber sie nicht sprechen möchte.
Was passiert noch? Tja, er überrascht sie damit, daß er Zoes Bilder (sie malt auch) einer Galeriebesitzerin zeigt, schnallt irgendwann, daß er sich doch in sie verliebt hat, und prügelt einen Typen krankenhausreif, der sie belästigt.
Zoe kommt glücklicherweise zu dem Schluß, daß sie trotz allem ein vollwertiges menschliches Wesen ist, aber statt sich einen netten, normalen Mann zu suchen, sagt sie sich, daß auch bigotte Vollidioten Liebe brauchen, und beschließt, den Rest ihres Lebens mit Liam zu verbringen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann drücken sie sich heute wahrscheinlich die Nasen an den Fensterscheiben ihres Hauses platt und passen auf, daß die Nachbarn keinen Schweinkram machen. Oder vielleicht haben sie eine Bürgerinitiative gegen das öffentliche Ausstellen von Aktbildern gegründet.
Samstag, 12. September 2009
Kimberly Raye: Slippery When Wet
Jaycee Anderson und ihre Schwester Riley Vaughn haben von ihrem Vater ein NASCAR Racing Team geerbt. Jaycee ist die einzige weibliche Fahrerin bei diesen Autorennen, doch sie und ihre Schwester brauchen Geld, und daher einen Sponsor. Ihr einziger Sponsor ist jedoch der Hersteller eines Energydrinks, der darauf besteht, daß die eher burschikose Jaycee sich ein feminineres Image zulegt. Außerdem verliebt sich Jaycee auch noch in ihren stärksten Konkurrenten auf der Rennstrecke, Rory Canyon...
Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie grauenhaft dieses Buch ist. Nichts, was darin passiert, ist auch nur das kleinste bißchen logisch oder plausibel - und es macht noch nicht mal Spaß, es zu lesen. Aber fangen wir mit etwas Positivem an: Jaycee hat den Röntgenblick, was diese Szene beweist:
"Her eyes snapped open and she found Rory Canyon looming over her. He wore gray sweatpants that hung low on his hips. A thin line of dark black hair bisected his six-pack abs and funneled to a thin line that disappeared into the waistband of his pants. A crisp white Xtreme Racing T-shirt emphasized his broad chest and heavily muscled arms."
Verweilen wir doch einen Moment bei dieser Szene und analysieren sie. Jaycee kann also Rorys Brusthaare sehen, obwohl er ein T-Shirt trägt. Natürlich wäre es möglich, daß das T-Shirt durchsichtig ist, was Rory noch uncooler machen würde, als er sowieso schon ist. Aber nehmen wir an, daß Jaycee durch Kleidung durchgucken kann. IGITT!!! Was macht sie denn, wenn statt eines jungen und durchtrainierten Mannes ein fetter Alter vor ihr steht, auf dessen ausladendem Bauch ein brennendes Herz und der Schriftzug "Brunhilde 4ever" tätowiert ist? Oder wenn dieser Typ sich umdreht und ihr seinen haarigen Rücken zudreht? Wie muß sich eine junge Frau fühlen, die wirklich jeden Tag Arschgeweihe sieht? Nicht nur eins oder zwei, sondern Dutzende, eins fieser als das nächste? Was ist mit Brustwarzenpiercings oder auf spektakuläre Weise fehlgeschlagenen Brustvergrößerungen? Oder was passiert, wenn ihre Krankheit eines Tages fortschreitet und sie nicht nur die Ober- sondern auch die Unterkörper ihrer Mitmenschen durch die Kleidung sieht? Nun, andererseits könnte Jaycee dann sicherlich auf jedem Flughafen der Welt sofort einen Job bekommen. Falls es mit den Autorennen mal nicht mehr so klappt.
Aber weiter mit dem Buch, oder besser gesagt: mit dieser in Papier manifestierten Gehirnkrankheit. Die Sache mit dem Sponsor, der Jaycee eine Lifestyleberatung verpaßt, ist von vorn bis hinten kompletter Blödsinn, wie jeder weiß, der schon mal bei einem Autorennen auf die Zuschauer geachtet oder die Werbung von einem Energydrink gesehen hat. Jaycee soll sich nämlich in damenhaften Pastellkostümen zeigen, zugunsten von Sojasprossensandwiches auf Burger verzichten, und sie soll meditieren. Als Krönung wird ihre Website dann noch mit Musik von Michael Bolton unterlegt. Das laßt euch jetzt mal durch den Kopf gehen. Ich würde ohne Bedenken mein nächstes Gehalt darauf verwetten, daß weibliche Fans von Autorennen weder damenhafte Pastellkostüme tragen noch Michael Bolton hören (eigentlich sollte den niemand hören, aber das ist wieder ein anderes Thema). Und essen Energydrink-Konsumenten Sojasprossensandwiches? Ich glaube nicht!
Und dann ist da noch Rory, der sich nicht in Jaycee verlieben will, obwohl er total hingerissen von ihr ist, seit sie sich die Beine rasiert. Rorys Papa hat nämlich einen halboffiziellen Herrenclub namens Himanists gegründet (Wortspiel mit Humanists. Haha. Wartet einen Moment, bis ich mich von meinem Lachkrampf erholt habe). Die Himanists sind sowas ähnliches wie Al Bundys NO MA'AM Verein: sie setzen sich für eine Welt ein, in der Männer noch Männer sind und Frauen sich um Kinder, Küche und Kirche kümmern. Selbstbewußte, berufstätige Frauen sind da absolut tabu. Nun ist Jaycee zwar nicht besonders selbstbewußt, aber Rennfahrerin ist für Rory und seinen Papa ein irgendwie unweiblicher Beruf, und Rory befürchtet, enterbt zu werden, falls er was mit ihr anfängt.
Oder in anderen Worten: Rennfahrerin muß lernen, auf Stöckelschuhen zu gehen und ihr Möchtegern-Lover läßt sich bei der Wahl seiner Freundin von den verkorksten Vorstellungen seines durchgeknallten Papas beeinflussen.
Mehr fällt mir dazu nicht ein.
Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie grauenhaft dieses Buch ist. Nichts, was darin passiert, ist auch nur das kleinste bißchen logisch oder plausibel - und es macht noch nicht mal Spaß, es zu lesen. Aber fangen wir mit etwas Positivem an: Jaycee hat den Röntgenblick, was diese Szene beweist:
"Her eyes snapped open and she found Rory Canyon looming over her. He wore gray sweatpants that hung low on his hips. A thin line of dark black hair bisected his six-pack abs and funneled to a thin line that disappeared into the waistband of his pants. A crisp white Xtreme Racing T-shirt emphasized his broad chest and heavily muscled arms."
Verweilen wir doch einen Moment bei dieser Szene und analysieren sie. Jaycee kann also Rorys Brusthaare sehen, obwohl er ein T-Shirt trägt. Natürlich wäre es möglich, daß das T-Shirt durchsichtig ist, was Rory noch uncooler machen würde, als er sowieso schon ist. Aber nehmen wir an, daß Jaycee durch Kleidung durchgucken kann. IGITT!!! Was macht sie denn, wenn statt eines jungen und durchtrainierten Mannes ein fetter Alter vor ihr steht, auf dessen ausladendem Bauch ein brennendes Herz und der Schriftzug "Brunhilde 4ever" tätowiert ist? Oder wenn dieser Typ sich umdreht und ihr seinen haarigen Rücken zudreht? Wie muß sich eine junge Frau fühlen, die wirklich jeden Tag Arschgeweihe sieht? Nicht nur eins oder zwei, sondern Dutzende, eins fieser als das nächste? Was ist mit Brustwarzenpiercings oder auf spektakuläre Weise fehlgeschlagenen Brustvergrößerungen? Oder was passiert, wenn ihre Krankheit eines Tages fortschreitet und sie nicht nur die Ober- sondern auch die Unterkörper ihrer Mitmenschen durch die Kleidung sieht? Nun, andererseits könnte Jaycee dann sicherlich auf jedem Flughafen der Welt sofort einen Job bekommen. Falls es mit den Autorennen mal nicht mehr so klappt.
Aber weiter mit dem Buch, oder besser gesagt: mit dieser in Papier manifestierten Gehirnkrankheit. Die Sache mit dem Sponsor, der Jaycee eine Lifestyleberatung verpaßt, ist von vorn bis hinten kompletter Blödsinn, wie jeder weiß, der schon mal bei einem Autorennen auf die Zuschauer geachtet oder die Werbung von einem Energydrink gesehen hat. Jaycee soll sich nämlich in damenhaften Pastellkostümen zeigen, zugunsten von Sojasprossensandwiches auf Burger verzichten, und sie soll meditieren. Als Krönung wird ihre Website dann noch mit Musik von Michael Bolton unterlegt. Das laßt euch jetzt mal durch den Kopf gehen. Ich würde ohne Bedenken mein nächstes Gehalt darauf verwetten, daß weibliche Fans von Autorennen weder damenhafte Pastellkostüme tragen noch Michael Bolton hören (eigentlich sollte den niemand hören, aber das ist wieder ein anderes Thema). Und essen Energydrink-Konsumenten Sojasprossensandwiches? Ich glaube nicht!
Und dann ist da noch Rory, der sich nicht in Jaycee verlieben will, obwohl er total hingerissen von ihr ist, seit sie sich die Beine rasiert. Rorys Papa hat nämlich einen halboffiziellen Herrenclub namens Himanists gegründet (Wortspiel mit Humanists. Haha. Wartet einen Moment, bis ich mich von meinem Lachkrampf erholt habe). Die Himanists sind sowas ähnliches wie Al Bundys NO MA'AM Verein: sie setzen sich für eine Welt ein, in der Männer noch Männer sind und Frauen sich um Kinder, Küche und Kirche kümmern. Selbstbewußte, berufstätige Frauen sind da absolut tabu. Nun ist Jaycee zwar nicht besonders selbstbewußt, aber Rennfahrerin ist für Rory und seinen Papa ein irgendwie unweiblicher Beruf, und Rory befürchtet, enterbt zu werden, falls er was mit ihr anfängt.
Oder in anderen Worten: Rennfahrerin muß lernen, auf Stöckelschuhen zu gehen und ihr Möchtegern-Lover läßt sich bei der Wahl seiner Freundin von den verkorksten Vorstellungen seines durchgeknallten Papas beeinflussen.
Mehr fällt mir dazu nicht ein.
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