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Montag, 12. März 2018

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 12: Neulich, in der Selbsthilfegruppe für Scheißbuch-Opfer

Gruppenleiterin: Guten Tag, liebe Teilnehmerinnnen. Ich begrüße Sie bei unserer ersten Sitzung der Selbsthilfegruppe für Opfer von gräßlichen Büchern. Wir wollen uns gegenseitig dabei helfen, unsere Erlebnisse mit abscheulichen Büchern zu verarbeiten und wieder fröhliche Leserinnen zu werden. Vielleicht stellen wir uns und unser jeweiliges Buch einmal kurz vor. Du zu meiner Linken, möchtest Du anfangen?

Susi: Ja, gern. Also, ich heiße Susi und wurde zum Opfer eines Scheißbuchs. Das Buch heißt "Die irische Meerjungfrau" und ist von einer Autorin namens Carolin Römer.

Gruppenleiterin: Vielen Dank, Susi. Und du...?

Susan: Okay. Ich heiße Susan und wurde ebenfalls zum Opfer eines grottenschlechten Buchs. Es wurde von einer Schriftstellerin namens Margot Baumann geschrieben und heißt "Der Himmel über Positano".

Alle anderen (seufzen): Oooh, Italien! Da würde ich so gern mal Urlaub machen!

Susan: Tja, wer nicht? Aber das Buch ist trotzdem mies.

Gruppenleiterin: Und du dort drüben?

Susanne: Na ja, ich heiße Susanne, und es überrascht euch bestimmt nicht, wenn ich jetzt sage, daß ich auch zum Opfer eines miserablen Buchs wurde. Mein Scheißbuch ist "I've got my Duke to Keep Me Warm" von Kelly Bowen.

Gruppenleiterin: Susi, dann fang doch mal an zu erzählen. Was war denn so mies an deinem Buch?

Susi: Ich dachte natürlich, es sei ein gutes Buch! Deshalb habe ich es mir ja runtergeladen. Carolin Römer hat wirklich einen unterhaltsamen Schreibstil. "Die irische Meerjungfrau" ist ein Krimi, dessen Protagonist ein Polizist bzw. Komissar ist, der von seinen Vorgesetzten und seinen Kollegen für einen Versager gehalten wird, und dessen Frau sich von ihm scheiden lassen will. Und da will er die Gelegenheit nutzen, in einem kleinen, abgelegenen irischen Kaff einen spektakuläres Verbrechen aufzuklären, was ihm aber niemand zutraut.

Susan und Susanne: Das hört sich doch ganz spannend an.

Susi: Nicht wahr? Bei dem Verbrechen geht es um ein Bild von van Gogh, das gestohlen wurde. Und nach dem Ablauf des Diebstahls denkt die Polizei, daß die Täter eigentlich zwei berüchtigte Verbrecherbrüder sein müßten, die aus dem Ort Foley stammen. Diese beiden Verbrecher gelten seit Jahren als tot, allerdings gab es dafür nie Beweise. Deshalb wird der "Held" des Buchs, er heißt Fin O'Malley, nach Foley geschickt, um zu ermitteln.

Gruppenleiterin: Hört sich immer noch nicht so übel an. Was passiert denn in Foley?

Susi: (runzelt die Stirn) Also, der Held ist ständig besoffen. Nein, wirklich. Der ext eine Pulle Whisky nach der anderen. Manchmal weicht er auch auf Rotwein aus. Der ist ein richtiger Spritti, versteht ihr? Und das ist noch das kleinste Problem. Daß er ständig naß wird, Autounfälle hat und wegen seiner alkoholbedingten Kopfschmerzen Tabletten schluckt, fand ich ja schon ein bißchen bedenklich. Weil ich halt am Anfang dachte, daß der Typ, da er ja nunmal der Protagonist des Buchs ist, irgendwann mal was auf die Reihe kriegen müßte. Kriegt er aber nicht.

Susan: Passiert denn noch was anderes, außer Saufen, naß werden und Autounfällen?

Susi: Oh ja. Fin verliebt sich in eine Verdächtige. Das läuft über mehrere Buch-Tage so ab: er ist besoffen, wird von ihr vor dem irischen Wetter oder den Gezeiten gerettet, sie haben Sex, sie versucht, ihn wegzuschicken, er läßt sich nicht wegschicken...undsoweiter undsofort. Und er findet immer mal zwischendurch Hinweise auf die Verbrecherbrüder, deren vergangene Untaten, und den van Gogh.

Susanne: Ja, aber das ist doch gut, oder?

Susi: Na ja, es wäre gut. Wenn er diese Hinweise irgendwie dokumentieren, fotografieren oder wenigstens per Telefon an seine Polizeikollegen in Dublin weitergeben würde. Macht er aber nicht! Ich glaube, das ist echt der mieseste Buch-Polizist in der Geschichte der miesen Buch-Polizisten.

Gruppenleiterin: Was hat das Buch denn endgültig zu einem Scheißbuch für dich gemacht?

Susi: Na, die Auflösung des Buchs! Darf ich euch ein bißchen spoilern?

Gruppenleiterin, Susan und Susanne: Na klar!

Susi: Okay...also, die verdächtige Frau, in die sich Fin verliebt hat, ist in Wirklichkeit einer der angeblich toten Verbrecherbrüder, der sich zur Frau hat umoperieren lassen. Und sie hat auch zusammen mit ihrem ebenfalls nicht toten Bruder den van Gogh geklaut. Der aber eine Fälschung ist. Der gute Fin hat also den van Gogh-Diebstahl und das Schicksal der Verbrecherbrüder aufgeklärt, aber nichts davon dokumentiert. Versteht ihr? Wenn das tatsächlich passieren würde - oder wenn es auch nur ein etwas besseres Buch wäre - könnte man nichts davon vor Gericht beweisen! Also sagt er seinem Chef, er hätte das Bild gefunden. Dann kündigt er und zieht nach Foley um, wo er die Dorfkneipe übernimmt. Das gefälschte Bild wird für 75 Mio. Pfund versteigert. Das ist doch alles total bescheuert!

Susanne: (zieht die Augenbrauen hoch) Krass!

Susan: (kichert) Hammergeil! Aber ich glaub, ich erspare mir das Buch trotzdem. Vielleicht könnte diese Carolin Römer mal Drehbücher für GZSZ schreiben?

Gruppenleiterin: (leicht grünlich im Gesicht) Oha, das war ja wirklich ein richtig übles Buch. Aber vielleicht kannst du ihm ja trotzdem etwas Positives abgewinnen.

Susi: Hä? Was denn?

Gruppenleiterin: Na ja, in den meisten Büchern, in denen der Held für einen Versager gehalten wird, beweist er am Ende allen, daß er in Wirklichkeit ein ganz toller, kluger Typ ist. Und hier wird er für einen Versager gehalten und ist auch einer. What you see is what you get, ne?

Susi: Hmmm ja, ok...

Gruppenleiterin: Susan, erzähl du doch mal von deinem schlechten Buch. Der Himmel über Positano, das hört sich ein bißchen nach einem gaaanz seichten Liebesroman vor einer hübschen Urlaubskulisse an?

Susan: Genau! Genau das wollte ich haben. Und die Leseprobe war auch echt vielversprechend. Ihr wißt schon: schöne, liebenswerte Menschen in einer schönen Landschaft bei warmem und sonnigem Wetter...ich dachte, es wäre genau das richtige, so im Januar, als mir die Kälte und der Dauerregen aufs Gemüt schlugen!

Gruppenleiterin: Worum geht's denn in dem Buch?

Susan: Also, die Heldin heißt Lara Jauch und ist eine junge Lehrerin aus Hamburg. Sie fliegt zur Hochzeit ihrer italienischen Freundin Celia Marconi nach Positano, wo Celias Vater ein Hotel besitzt. Und da verliebt sie sich in Romeo, den Bruder von Celia. Und dann gibt es da noch ein dunkles Familiengeheimnis bei den Marconis. Romeo wird von seinem Vater nämlich dauernd wie Dreck behandelt, und keiner weiß, warum.

Susanne: Hört sich doch gar nicht schlecht an, wenn man in Stimmung für so ein Buch ist? Was konnte da denn nur schiefgehen?

Susan: Na ja, zunächst mal gar nichts. Alles tippi toppi. Lara tut und sagt in den ersten paar Kapiteln nichts auffallend dummes, Celia und Romeo auch nicht. Sie reden, essen, und genießen das schöne Wetter und die tolle Landschaft.

Susi: Ja, und?

Susan: Dann tauchten die ersten zaghaften Hinweise darauf auf, daß es ein Scheißbuch sein könnte. Also, Lara wird von den Bewohnern von Positano beispielsweise als "Hexe" oder "Wikingerin" bezeichnet, weil sie recht groß ist und rote Haare hat.

Susanne und Susi: Hä?

Susan: Ja, genau, das dachte ich mir auch. Es ist ja nicht so, daß es in Italien kein Internet, keinen Tourismus und keine Haarfärbemittel gäbe. Die haben dort alle schon mal große, rothaarige Frauen gesehen. Ich meine, selbst wenn ich noch nie bei Ikea gewesen wäre, wüßte ich doch, daß es da Teelichter gibt und wie die aussehen.

Gruppenleiterin: War das denn das einzige, was dich gestört hat?

Susan: Nein, natürlich nicht. Da hätte ich kein Wort drüber verloren, wenn das Buch nicht noch viiiel schlechter geworden wäre. Das größte Problem ist der Arschloch-Held. Ich hasse Arschloch-Buchhelden, und dieser ist schon ein echt selten arschlochiges Exempalur.

Gruppenleiterin: Grundgütiger. Was hat der denn getan?

Susan: Also, Lara und Romeo beginnen eine Affäre, wobei sie sich aber einig sind, daß es nichts von Dauer ist, weil ja Lara nach Celias Hochzeit zurück nach Deutschland fliegt. Soweit, so gut. Dann hat Romeos und Celias Vater einen Unfall und muß ins Krankenhaus. Romeo und Lara besuchen ihn da zusammen, weil es gerade eine schockierende Enthüllung gab...darf ich sagen, was das für eine schockierende Enthüllung war? Nicht, daß ihr das Buch noch lesen wollt...?

Susi und Susanne: Ne ne, leg ruhig los.

Susan: Also, Romeo hat gerade rausgefunden, daß sein Vater ihn immer so schlecht behandelt hat, weil er ein uneheliches Kind ist und aus einer früheren Beziehung seiner Mutter stammt.

Susanne: Kein feiner Zug von Vattern!

Susi: Ne, echt nicht.

Gruppenleiterin: Ja, und dann?

Susan: Tja, Romeo läßt Lara einfach spät abends im Krankenhaus sitzen und fährt weg. Obwohl er weiß, daß um die Zeit keine Busse mehr fahren und es irre teuer ist, mit dem Taxi vom Krankenhaus zum Hotel zu fahren. Das macht er einfach so, weil er "aufgewühlt" ist. Unterwegs gabelt er dann noch eine ehemalige Schulkameradin auf und treibt es mit ihr.

Gruppenleiterin: (noch grünlicher als vorher) Oha. Was für ein Traumtyp. Was passiert dann?

Susan: Na ja, am nächsten Tag ist Lara natürlich sauer auf Romeo, obwohl sie noch nicht mal weiß, daß er mit dieser anderen Frau Sex hatte, während sie versuchte, irgendwie zurück ins Hotel zu kommen. Und sie ist richtig knatschig....bis Romeo ihr ein paar Sandalen schenkt und sie ihn wieder superlieb findet. (knurrt)

Susi: WAAAAAS????

Susan: Ich hätte ihn die Scheiß-Sandalen essen und runterschlucken lassen!

Susanne und Gruppenleiterin: Ich auch!

Susan: Na ja, ich hab dann mehr aus Sensationsgier noch ein Stück weitergelesen, um zu gucken, wie schlecht dieses Buch noch werden kann. Aber dann ist der leibliche Vater von Romeo aufgetaucht. Der war natürlich ein fieser Berufskrimineller und wollte von Romeo Geld erpressen, indem er gedroht hat, das Geheimnis von Romeos Vater öffentlich zu machen, noch vor Celias Hochzeit. Aber mal ehrlich, wen interessiert sowas, außer die betroffenen Familien selbst?

Susanne: Na, äh...niemanden.

Susi: Absolut keinen. Außer es sind die Kardashians oder so.

Susan: Genau, und da konnte ich wegen dieses Schwachsinns das Buch nicht mehr weiterlesen. Was für eine Enttäuschung.

Gruppenleiterin: Und sag mal, Susan, gibt es denn etwas, das dich über die Schlechtigkeit dieses Buches hinwegtrösten kann? Oder hast du vielleicht sogar etwas daraus gelernt?

Susan: (überlegt) Vielleicht könnte mich ein Eis trösten. Und immerhin weiß ich jetzt, daß ich in der Gegend um Neapel nur dann Urlaub machen sollte, wenn ich bereit bin, sehr viele Stufen runter und wieder rauf zu gehen, wenn ich zum Strand will.

Gruppenleiterin: Susanne, du bist unser drittes Oper eines scheußlichen Buchs. Was war denn der Grund, warum du dein Buch so hassenswert fandest?

Susanne: Nun, das wird jetzt ein bißchen seltsam, aber mein Grund ist sozusagen das Gegenteil von dem, was Susan an ihrem Buch gehaßt hat.

Susan: Wie denn das?

Susanne: Also, "I've Got My Duke to Keep Me Warm" ist jetzt nicht sooo grauenhaft wie eure Bücher, glaube ich. Aber es ist ein Liebesroman, der in England im Jahr 1816 spielt. Und der Held ist eigentlich keine fiktive Person, sondern ein wandelndes feministisches Manifest. Grundsätzlich ein super Typ, aber er wirkt halt ein bißchen deplaziert im 19. Jahrhundert.

Gruppenleiterin: Kurios. Erzähl doch mal.

Susanne: Nun ja, die Heldin heißt Gisele, und ich habe ihren Nachnamen vergessen. Sie wurde von ihrem Mann, einem Marquis, gequält, und hat ihren eigenen Tod und den ihrer Stieftocher vorgetäuscht, um ihm zu entkommen. Jetzt hat sie irgendwie Wind davon bekommen, daß dieser Marquis wieder heiraten will, und will seine Verlobte vor ihm retten. Und sie hat sich überlegt, daß das am besten geht, indem sie einen attraktiven, wortgewandten jungen Mann findet, den sie dafür bezahlt, daß er der jungen Frau den Kopf verdreht, damit diese dann dem Marquis den Laufpaß gibt...soweit klar?

Gruppenleiterin, Susi und Susan: (nicken)

Susanne: Und der Mann, den sie für diese Aufgabe findet, ist ein waschechter Aristokrat. Er heißt James Montcrief, genannt Jamie, und er ist der uneheliche Sohn von einem Herzog, weil seine Eltern erst ne Viertelstunde nach seiner Geburt geheiratet haben. Aber das nur nebenbei. Er ist ein Held des Kriegs gegen Napoleon, aber jetzt verwahrlost und arbeitslos. Gisele und ihr Kumpel Sebastien waschen und rasieren Jamie und besorgen ihm saubere Klamotten. Gisele bemerkt, daß sie Jamie total heiß findet. Jamie findet Gisele auch heiß. Dann reiten sie alle nach London.

Gruppenleiterin: Ja, und dann?

Susanne: Na ja, Jamie nimmt an einem Ball mit lauter vornehmen und reichen Leuten teil, was scheinbar kein Problem für den unehelichen Sohn eines Herzogs ist. Da begrüßen sie ihn alle begeistert wie einen verlorenen Sohn. Und er lernt den Marquis und seine Verlobte kennen. Die Verlobte läßt sich aber nicht so leicht den Kopf verdrehen.

Susi: Komm mal zum Punkt. Was ist denn jetzt das Problem mit dem Buch?

Susanne: Da gibt's mehrere! Ich habe das Buch ungefähr bis zur Hälfte gelesen. Zu diesem Zeitpunkt hatten Jamie und Gisele schon Sex...(kramt in ihrer voluminösen Handtasche und zieht ihren Kindle hervor)...Moment mal...(tippt auf dem Bildschirm des Kindles herum)...genau, hier ist es: "He had seen her need to prove herself she had the courage to give her body in trust, without that gift's exacting a cost to her own identity." Seht ihr? Er denkt tiefsinnige Gedanken. Und da kennen sie sich noch nicht mal seit einer Woche! Und da weiß er auch schon, daß er sie liebt!

Gruppenleiterin: Tja, hm, das ist ganz schön bekloppt. Aber ich denke, die Bücher von Susi und Susan waren noch schlimmer.

Susanne: Ja, das seh ich ja genauso. Aber jetzt kommt der Punkt, warum ich das Buch endgültig weggelegt habe. Also, nachdem die Verlobte vom Marquis sich nicht so leicht den Kopf verdrehen läßt, suchen Gisele, Jamie und Sebastien nach Plan B und C. Man überlegt kurz, die junge Dame zu entführen. Dann beschließt Gisele, daß sie den Marquis in den Wahnsinn treiben wird, um, ich zitieren...Moment..."to bring the crazy out for everyone to see".

Susan: Ja, und?

Susanne: Gisele will das machen, indem sie sich ihrem Exmann zeigt. Also, der soll sie sehen, und alle anderen sollen denken, daß er sich das nur einbildet, weil sie ja "tot" ist. Und da wußte ich natürlich auch, wie die weitere Handlung des Buchs sein wird. Muß ich es aussprechen?

Susan: (grinst) Meinetwegen nicht. Ich hab schon mal nen historischen Liebesroman gelesen.

Susi: Innovativer Plot. Nicht.

Gruppenleiterin: Ja wie jetzt, was meinst du denn, was passieren wird?

Susan und Susi: (rollen mit den Augen)

Susanne: Der Marquis erwischt Gisele und fängt an, sie zu quälen. Dann wird sie von Jamie gerettet, und sie leben glücklich bis an ihr Ende.

Gruppenleiterin: Aha. Aber das weißt du gar nicht, oder?

Susanne: Haha, ne. Ich hab ja das Buch nicht zuende gelesen. Aber 5 Euro würd ich drauf verwetten!

Gruppenleiterin: Ok, meine Damen, unsere Sitzung ist für heute zuende! Ich hoffe, daß es euch trotz eurer schlechten Bücher jetzt ein wenig besser geht. Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Susi: Joa, ist schon ok. Gibt ja auch noch bessere Bücher, irgendwo da draußen.

Susan: Tja, na ja. Ich wollte wirklich gern ein Buch lesen, das wie Urlaub ist. Da muß ich wohl weitersuchen.

Susanne: Ich hab mir das neue Meredith Duran-Buch runtergeladen. Das ist viel besser.

Susi: Hat jetzt nix mit Büchern zu tun, aber in der Bar nebenan ist noch Happy Hour...

Susan, Susanne und die Gruppenleiterin: Yippie! Pina Coladas für alle!!



 

Sonntag, 11. September 2016

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 11: Rafael Eigner: Kammerflimmern und Klabusterbeeren

Benny Brandstätter ist - seiner eigenen Auffassung nach - der tollste Typ der Welt. Er ist Ende 30, Arzt an einem Stuttgarter Krankenhaus und soeben von der Anästhesie in die Notaufnahme gewechselt. Vor seiner Zeit im Krankenhaus hat er auch schon armen kranken Menschen in Afrika geholfen. Neben seiner Arbeit nimmt er noch an mehreren Weiterbildungskursen teil, unter anderem an einem Lehrgang über Palliativmedizin. Nichts davon hält ihn von seinen Hobbies ab: er ist nebenbei nämlich auch noch ein genialer Musiker und Sänger, Sportler und Teilzeitalkoholiker und -kiffer. Ganz klar, der gute Mann ist nicht ausgelastet. Deshalb ist er auch vollkommen fasziniert und hingerissen, als eine wundervolle Frau in sein Leben tritt, an die er sich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern kann, weil er hackenbreit war.

Nun ja. Das beste, das ich über dieses Buch sagen kann, ist wohl, daß ich es über Kindle unlimited heruntergeladen habe und nichts dafür extra bezahlen mußte. In den Amazon-Kundenbewertungen sind die Meinungen etwas geteilt, aber davon habe ich mich dummerweise nicht abhalten lassen, weil ich die Leseprobe ganz lustig fand. Ein Liebesroman aus der Sicht eines Mannes, von einem männlichen Autor geschrieben. Hörte sich ja auch interessant an.

Von der Ansicht, daß Ärzte Halbgötter in Weiß sind, habe ich mich sowieso schon lange getrennt.

Romanheld Benny ist aber noch mal eine ganz andere Dimension von, nun ja, sprechen wir es direkt aus, scheiße. Seinen Patienten bringt er grundsätzlich nichts anderes als Desinteresse und / oder Verachtung entgegen. Weibliche Patienten werden erstmal auf ihre erotische Attraktivität hin überprüft, die aber oft zu wünschen übrig läßt:

"Alles an der jungen Frau, vom ausgewaschenen Pullover mit merkwürdigen Flecken über der rechten Brust bis zum achtlos mit einer Klammer im Nacken zusammengesteckten Haar, schrie: 'Ich bin Vollzeitmutter und kann mich nicht auch noch um Klamotten und Haare kümmern!'

Klar. Ich finde es auch sehr dreist, daß die Frau sich nicht wenigstens ein hübsches Kleid anzieht und eine schicke Frisur macht, bevor sie mit ihrem Kleinkind ins Krankenhaus zur Notaufnahme fährt.

Andere Patienten, deren gesundheitliches Problem Benny irgendwie lustig oder bizarr findet, werden erstmal heimlich fotografiert und die Fotos per Whatsapp an Ricky (die entschwundene Angebetete) und alle möglichen anderen Leute verschickt.

Und das sind nur die Dinge, die passieren, wenn Benny tatsächlich mal arbeitet. Seine Weiterbildungskurse besucht er meistens nur, um da zu schlafen, und zum Dienst in der Notaufnahme verspätet und voll wie 'n Eimer zu erscheinen, sieht er auch nicht als Problem an. Egal, lutscht er halt ein Pfefferminzbonbon, damit nicht alle sofort den Alkohol riechen.

Bennys Angebetete Ricky war, als die beiden sich kennenlernten, nur kurz in Stuttgart, ist aber inzwischen nach Mallorca umgezogen und arbeitet dort als Immobilienmaklerin. Die beiden verbringen jeden Tag mehrere Stunden am Telefon. Sie schicken sich Unmengen von Whatsapp-Nachrichten oder telefonieren. Ständig versichern sie sich, wie sehr sie sich schon ineinander verliebt haben und wie wichtig ihnen die jeweils andere Person geworden ist. Und seitenlang werden in dem Buch die Whatsapps der beiden abgebildet, in denen sie sich gegenseitig bestätigen, das sie doch echt viel besser, klüger, intellektueller und überhaupt geiler als alle anderen Menschen auf der Welt sind. Das hält Benny übrigens nicht davon ab, zwischendurch noch mit ein paar anderen Frauen ins Bett zu gehen.

Jetzt denkt ihr bestimmt, daß die arme Ricky wirklich Pech hat, weil sie sich in so ein Mega-Arschloch verliebt - und das stimmt auch. Allerdings ist Ricky selbst eine ziemliche Nervensäge. Sie hat nämlich die Unternehmensberater-Krankheit. Soll heißen: sie liebt es, ständig irgendwelche englischen Begriffe in ihre Konversation einzubauen. Einfach so, weil sie sich dann toll vorkommt. Ihre Immobilienkunden sind grundsätzlich High Rollers, und manchmal ist sie in quite a sentimental mood und wenn sie krank ist, schreibt sie ihrem Benny, daß sie sich in case of emergency zu ihm ins Krankenhaus fliegen lassen würde.

Im Stuß labern sind alle beide ganz groß.

Wenn der geneigte Leser sich jetzt fragt, ob dieses Buch auch eine Handlung hat, kann ich sagen: tja, na ja. Es hat mehr Handlung als Bis(s) zum Morgengrauen. Weniger würde auch kaum gehen, da selbst eine Einkaufsliste mehr Handlung als Bis(s) zum Morgengrauen hat. Aber da dem Ich-Erzähler Benny seine Mitmenschen einschließlich seines Vaters weitestgehend am Allerwertesten vorbeigehen, und da Selbstmitleid definitiv das stärkste Gefühl ist, das er im Lauf des Buches verspürt, ist das bißchen, was an Handlung da ist, auch nicht sonderlich interessant.

Ich kann wirklich nur jedem raten, einen großen Bogen um dieses mißlungene Buch und seinen zutiefst unsympathischen Protagonisten zu machen.



Mittwoch, 23. Dezember 2015

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 10: Leseprobe from Hell

Ich muß euch was gestehen. Ich lese manchmal e-mail Newsletter. Bin ich deshalb unnormal? Egal. Am liebsten lese ich natürlich den Secret Escapes Newsletter und gucke mir die tollen Hotels an. Vorgestern habe ich aber den Romantic Times Book Reviews Newsletter gelesen. Darin wurde das neue Buch von E. L. Todd empfohlen. Von der Autorin hatte ich noch nie gehört, aber lt. Newsletter sind ihre Bücher der neueste heiße Scheiß. Also habe ich direkt mal auf die Website geklickt und mir die Leseprobe ihres neuesten Buchs, Into the Fire, durchgelesen. Nun, zumindest habe ich es versucht.

Das erste was mir auffiel, war, daß der Held das ist, was der Volksmund als Loser bezeichnet. Und ich meine damit nicht, daß er einer dieser sympathischen Verlierer ist, die ihrem Schicksal tapfer entgegentreten und die man einfach gern haben muß. Nein: Ash ist ist klotzhohl, hat eine große Klappe und findet sich selbst total geil.

In der Anfangsszene spricht Ash mit einem Banker, von dem er einen Kredit will. Der Banker will ihm den Kredit nicht geben, weil er klamm ist. Und dann...schnauzt er den Banker einfach mal an:
“Just give me the loan,” I barked.
Kurioserweise läßt sich der Banker dadurch eher nicht so beeindrucken.  Unser findiger Held hat aber noch ein As im Ärmel. Ash ist nämlich Tätowierer von Beruf und braucht den Kredit, weil er ein eigenes Tattoo-Studio aufmachen will. Und so macht er den folgenden Vorschlag:
“How about some free ink? I’m the best in the business.”
Der Banker ruft seinen Compliance Officer und den Sicherheitsdienst, und Ash wird diskret hinter einem erstaunlich gut bewässerten Ficus benjamini zusammengeschlagen und mit einem gewaltigen Arschtritt vor die Tür gesetzt.

Ok, den letzten Absatz habe ich mir leider nur ausgedacht. Aber einen Kredit bekommt Ash trotzdem nicht.

Dem tatkräftigen Tätowierer bleibt nun noch Plan B: das Geld zurückfordern, das er seinen Eltern vor einigen Jahren geliehen hat. Eigentlich müßten die genug Kohle haben, denkt er sich, denn sie haben sich ja gerade erst einen neuen Audi gekauft. Aber Mama und Papa denken sich eher so:



Vor allem die Tatsache, daß Ash noch nie ein nettes Mädchen mit nach Hause gebracht hat, obwohl er fast 30 ist, macht den beiden Sorgen. Also trifft Ash eine Vereinbarung mit seinen Eltern: er präsentiert ihnen eine für sie akzeptable Freundin, dann geben sie ihm sein Geld zurück.

Wenig später kotzt der gute Ash sich bei seinem Kumpel Sawyer über sein schlimmes Schicksal aus...



Er hat nämlich überhaupt keine Ahnung, was man mit so einer...äh, Dings...Freundin überhaupt macht, da seine bisherigen Erfahrungen mit Frauen aus schnellem Sex auf der Straße und anschließender Verhaftung wegen öffentlicher Unzucht bestehen.
“But I don’t want one. What do you do with them anyway?”
He shrugged. “Talk to them?”
“See, I don’t like to talk.”
“Take them out to dinner?”
“But then I’d have to talk to them for an entire meal. Shit, I don’t have that much to talk about.”
Schon der Gedanke an soviel Konversation macht den guten Butthead Ash natürlich total fertig, und er beschließt, eine Escort-Dame dafür zu bezahlen, daß sie sich als seine Freundin ausgibt.

Und so gerät er an Alessandra, die offenbar über eine übermenschliche Sehstärke verfügt, denn schon auf den ersten Blick und von weitem erkennt sie:
His eyes were blue like the ocean, and they were endless in their depth.
Natürlich wundert sich Alessandra, daß ein so unfaßbar attraktiver Mann eine Frau dafür bezahlen muß, daß sie sich als seine Freundin ausgibt. Vielleicht ist Ash ja schwul? Dies streitet er jedoch ab:
“No…” He narrowed his eyes on my face. “How the hell did I give you that impression? I checked out your rack the second I walked in the door. And when you turn around, I’m going to check out your ass.”
"Als ich dich gesehen hab, hab ich erstmal deine Titten angestarrt, und sobald du dich umdrehst, glotze ich auch noch deinen Arsch an". Seufz. Ja, so gewinnt man Frauenherzen. Mal ehrlich, Mädels, auf so einen charmanten Typen warten wir doch alle, oder?

Aber Ash ist immerhin so fair, Alessandra davor zu warnen, sich in ihn zu verlieben:
"I really don’t want to break your heart like I did to all the others."
Danach tauschen sich die beiden noch ein bißchen darüber aus, was Alessandra als Ashs Freundin alles über ihn und sein Leben wissen sollte, er bietet ihr an, ihr sein Intimpiercing zu zeigen, und Alessandra beweist, daß sie auch im Widergeben von Kalendersprüchen sehr gut ist:
"All a parent needs to do is love their child unconditionally. It doesn’t matter what you do for a living.”
 Au Backe. Wenn dumm das neue sexy ist, sehe ich tiefschwarz für meine Lesegewohnheiten. Aber ich will ja hier so kurz vor Weihnachten keinen Kulturpessimismus verbreiten.

Sonntag, 8. März 2015

2014 - Der Leserückblick, Teil 2

Okay, hier geht's weiter mit Teil 2 vom Leserückblick und den Autoren mit den Anfangsbuchstaben H - W:

Elizabeth Haynes: Under a Silent Moon
Ein englischer Krimi, ganz spannend, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Fortsetzung lese. Die Schreibweise ist ein bißchen ungewöhnlich, aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven und nach Tagen und Uhrzeiten sortiert. Der Ex-Freund / Kollege der Inspektorin ist ein echter Versager, und dann werden noch ein paar echt krasse sexuelle Perversionen beschrieben. Igitt.

Caroline Kimberley: An Inconvenient Kiss
Das Buch wurde irgendwo wärmstens empfohlen - kann mich nicht mehr erinnern, wo, vielleicht All About Romance? Jedenfalls ist es ein Regency-Roman. Ich habe ihn zuende gelesen, und es war auch kein schlechtes Buch, aber einiges hat mich ganz gewaltig gestört. Die Heldin ist nämlich das bedauernswerteste Geschöpf der Welt. Am Anfang des Buches wird sie in einer kompromittierenden Situtation entdeckt, die noch nicht mal ihre Schuld ist, und von da an denkt jeder, daß sie die größte Schlampe der Welt ist. Sogar ihre Familie, die es ja eigentlich besser wissen sollte! Diese kompromittierende Situation fand auf einer Party der oberen Zehntausend in London statt, und das kuriose daran ist, daß offensichtlich jeder, ja wirklich jeder britische Staatsbürger bis hin zum letzten Soldaten im britisch besetzten Indien, von Georgianas Schande weiß - selbst viele Jahre später noch. Von so einer Publicity kann der Wendler nur träumen. Vielleicht sollte er sich mal in London auf einem Ball von einem Mitglied des Landadels abknutschen lassen.

Kimberly Kincaid: Gimme Some Sugar
Großstadtköchin verliebt sich in Kleinstadthandwerker mit OMG SCHLIMMER KINDHEIT. Joa. Ok. Kann man lesen, ist auch ganz unterhaltsam.

Kimberly Kincaid: Turn Up the Heat
Na dieses Buch war ja nun wirklich ne Vollkatastrophe. Der Held ist solch ein Depp. Er kann nicht mit der Heldin zusammensein, weil sie in der gleichen Stadt wie sein Vater lebt, und weil er mit seinem Vater Zoff hat. Ooookay. Das wäre vielleicht verständlich, wenn das eine "Stadt" mit 250 Einwohnern wäre, von denen 247 gelangweilte Rentner sind, die ständig die Nase in die Angelegenheiten ihrer Mitmenschen stecken. Tatsächlich geht es aber um Philadelphia.Und ich würde mal mutmaßen, daß man sich in einer Stadt mit über 1,5 Mio. Einwohnern ganz gut aus dem Weg gehen kann.

Laabs Kowalski: So zärtlich war das Ruhrgebiet
Da erzählt jemand haarsträubende Geschichten aus seiner Kindheit in Dortmund in den 70er und 80er Jahren. Interessant für mich, weil ich viele der erwähnten Orte kenne. Aber lest das Buch nicht euren Wellensittichen vor, ok?

Rose Lerner: In For a Penny
Meine Begeisterung über Rose Lerners Buch Sweet Disorder habe ich hier ja schon ausgiebig Ausdruck verliehen. In For a Penny ist ein etwas älteres Buch von ihr, und fast genauso toll.

Rose Lerner: A Lily Among Thorns
Die Heldin ist ein bißchen allzu unnahbar, aber der Held - seufz. Was für ein Traummann. (Wirklich. Lest es).

Rose Lerner: True Pretenses. Wie immer bei Rose Lerner supergut geschrieben, aber leider seeeeeeeeehr traurig. Ich schreibe noch was dazu.

Ava Lore: Hard Rock Arrangement
Der Held ist ein Rockstar und die Heldin ist eine Putzteufelin. Wirklich, sie putzt immer, wenn sie gestreßt, ärgerlich oder ängstlich ist. Die könnte gerne bei mir einziehen, dann wär die Wohnung immer schön sauber, wenn ich nach Hause komme. Das Kiffen müßte sie aber aufgeben.

Ava Lore: Hard Rock Improv
Die Fortsetzung der Fortsetzung von Hard Rock Arrangement. Die Heldin ist die Schwester der Heldin aus dem ersten Buch. Leider ist sie unfaßbar dumm. Der Held ist auch ein ziemlicher Schwachmat.

Ava Lore: Hard Rock Remix
In der Reihenfolge dieser Ava Lore-Bücher gehört dieses hier zwischen Hard Rock Arrangement und Hard Rock Improv. Ziemlich schräge Geschichte. Sektenflüchtling trifft Säufer.

Ava Lore: Record, Rewind
Eine Kurzgeschichte, aber ich kann mich an die Handlung nicht so richtig erinnern. Jedenfalls werden Held und Heldin bei eisiger Kälte beim Rauchen auf dem Dach eines New Yorker Hotels ausgesperrt.

Stuart MacBride: The 45 % Hangover
Eine Logan McRae Kurzgeschichte, die zum Zeitpunkt der Abstimmung spielt, als die Schotten gewählt haben, ob sie weiterhin zum UK gehören wollten.

Stuart MacBride: Blind Eye
Ich habe die Logan McRae-Krimis von Stuart MacBride inzwischen alle mit großer Begeisterung gelesen, weil sie spannend, sehr, sehr finster, und teilweise eben auch sehr witzig sind. Blind Eye gehört in die Kategorie ultrakraß. Ein Verbrecher sticht seinen Opfern die Augen aus.

Stuart MacBride: Broken Skin
Uiuiui, dieser hier ist auch ganz schön schlimm. Es geht um Vergewaltigung, Mord und sexuelle Perversionen.

Stuart MacBride: Close to the Bone
Noch ein kurioser Fall aus der Logan McRae-Krimireihe. Logan wurde inzwischen mit Hilfe einer Gesprächstherapie mehr oder weniger von seinem Dasein als Vegetarier geheilt, bekommt es aber mit einem irren Teenager-Mädchen zu tun, das sich einbildet, eine Romanfigur zu sein.

Stuart MacBride: Cold Granite
Das erste Buch aus der Krimireihe. Logan McRae hilft bei der Aufklärung einer Serie von Kindermorden und versucht, es sowohl seinem Süßigkeiten vernichtenden Chef und seiner kettenrauchenden, fluchenden Chefin rechtzumachen. Dazwischen werden eine Menge fettiger Schinkenbütterchen vertilgt.

Stuart MacBride: Dark Blood
In diesem Buch wird mal wieder unter sehr widrigen Witterungsverhältnissen gegen das organisierte Verbrechen gekämpft.

Stuart MacBride: Dying Light
Ein Krimi, in dem es (unter anderem) um Morde an Prostituierten geht. Letzten Endes ist es dann aber doch etwas völlig anderes.

Stuart MacBride: Flesh House
Das hier war nun definitiv das grauenhafteste, gruseligste und finsterste Buch aus der Logan McRae Reihe. Nix für schwache Nerven.

Stuart MacBride: Partners in Crime
Eine Kurzgeschichte, ein bißchen lustig, aber eher nur so mittelspannend.

Stuart MacBride: Shatter the Bones
Noch ein Buch aus der Logan McRae-Reihe. Eine Casting-Show Teilnehmerin wurde entführt.

Erin McCarthy: Perfect
Eine Kurzgeschichte über eine junge Frau, die durch einen peinlichen Facebook-Zwischenfall ihre große Liebe findet. War ganz okay.

Cara McKenna: Lay it Down
Ein Liebesroman mit einem Hauch von Suspense. Die Heldin ist Fotografin und der Held, wenn ich mich richtig erinnere, ein motorradfahrender Steinbrucharbeiter. Irgendwer in dem Buch - ich glaube der Bruder des Helden? - wird verletzt und läßt sich von einem Bekannten unter zweifelhaften hygienischen Umständen in einem Wohnwagen verarzten, weil er AUS GRÜNDEN nicht ins Krankenhaus will. Na ja, vielleicht hat er keine Krankenversicherung. Das Buch war gar nicht so schlecht.

Courtney Milan: Talk Sweetly to Me
Eine Kurzgeschichte über eine junge Frau, die Astronomin werden will. War ganz süß.

Lotte Minck: An der Mordseeküste
Eine Ruhrgebiets-Krimikomödie, die allerdings an der Nordsee spielt, wo alle Leute fremdartige Vornamen haben und Tee trinken.

Lotte Minck: Einer gibt den Löffel ab
Noch eine Ruhrgebietskrimikomödie mit der Heldin Loretta Luchs. Hintergrund der Handlung sind die Aufnahmen für eine Fernsehsendung in der Art von "Das perfekte Dinner".

Lotte Minck: Radieschen von unten
Das erste Loretta Luchs-Buch könnte genausogut unter dem Motto "Mord im Schrebergarten" stehen. Da tun sich Abgründe auf.

Sarah Morgan: Maybe This Christmas
Das, was man in Amerika so als Small Town Romance bezeichnet. Held und Heldin sind 'n bißchen verpeilt, aber ganz nett, und es kommen zu viele Hunde in dem Buch vor. Aber eine Sache hat mich doch recht betroffen gemacht. Held und Heldin sind seit ihrer Kindheit miteinander befreundet, so daß die Heldin für die Familie des Helden quasi ein Familienmitglied ist. Als sich herausstellt, daß die beiden scharf aufeinander sind, haben sie berechtigterweise Bedenken, daß ihre Freundschaft vorbeisein wird, wenn es mit der Liebe nicht klappt. Kurioserweise versucht aber jeder ihrer Verwandten und Bekannten, mit Ausnahme der Eltern der Heldin - JEDER!! - sie miteinander ins Bett zu schubsen!

Sarah Morgan: Sleigh Bells in the Snow. Dazu habe ich ja schon alles gesagt.

Sarah Morgan: Suddenly Last Summer. Das mit Sicherheit dämlichste Buch aus dieser Serie. Die Heldin ist eine französische Köchin, die mit großer Sorgfalt alle Klischees erfüllt, die es über französische Köche gibt. Außerdem gibt sie ständig überflüssige Weisheiten von sich, als wäre sie ein wandelnder Abreißkalender. So Sachen wie: "Es ist immer eine schwierige Zeit, wenn ein geliebter Mensch verstorben ist". Echt jetzt?

Lisa Clark O'Neill: Mr. Write. Auch eine Small Town Romance (wie soll man das am besten übersetzen? Vielleicht mit Kaff-Romanze?) Aber diese hier hat mir richtig, richtig gut gefallen. Sympathische Charaktere und eine spannende Geschichte mit einem ziemlich ausgeprägten Krimi-Element. Und die Heldin hat eine Katze namens Useless und führt zusammen mit ihrer Freundin ein Büchergeschäft. Was will man mehr?

Lisa Clark O'Neill: Serendipity. Geht eher in Richtung Romantic Suspense und war ganz spannend, aber ehrlich, der Held geht mal so gar nicht. Der Typ hat die ganze Zeit nichts anderes im Sinn, als die Heldin zu verwöhnen und ihr jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Das hört sich ja erstmal ganz toll an, und ich bin die letzte, die in Büchern oder im wirklichen Leben auf diese Alpha-Helden abfährt, die immer die ganze Welt nach ihrer Pfeife tanzen lassen. Aber Jordan, der Held aus Serendipity, erinnert mich die ganze Zeit an Smithers aus der Serie Die Simpsons.

Karen Ranney: The Witch of Clan Sinclair. Spielt in Edinburgh im frühen 19. Jahrhundert und hat mir eher so mittelgut gefallen. Die Heldin war ziemlich nervig. Sie setzt sich für Frauenrechte ein - Daumen hoch - ist aber mehr als nur ein bißchen dämlich.

Sherry Thomas: The Luckiest Lady in London. Aaah. Ich sollte mehr Sherry Thomas Bücher lesen. Sie schreibt wirklich gut. Die Heldin aus The Luckiest Lady in London mag ich wirklich, sie ist kein schüchternes Mauerblümchen, sondern eine Frau, die sich holt, was sie will. Ich war allerdings ein bißchen verdutzt wegen ihrer Dauergeilheit. Na ja, die einen mögen's so, die anderen so! Der Held ist da schon eher eine Standardausgabe und leidet am Ich-muß-wegen-meiner-schlimmen-Kindheit-ein-Arschloch-sein-Syndrom. Aber was soll's. Einem so gut geschriebenen Buch kann man fast alles verzeihen!

Sarah Wendell: Lighting the Flames. Also, das war schon mal was anderes. Es spielt im Dezember in einem Winter-Ferienkamp nur für Juden, während der Chanukka-Zeit (mußte ich auch googeln, so hab ich wenigstens was gelernt). Die Handlung des Buches selbst - zwei junge Camp-Mitarbeiter, die seit vielen Jahren befreundet sind, entdecken ihre Liebe - ist leider ungefähr so spannend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen.

Chuck Wendig: Double Dead. Haha, das war mal so richtig abgefahren. Vampir beschützt menschliche Familie vor Zombies, damit er immer was zu Trinken hat. Super!

Sonntag, 6. Juli 2014

Komprimierter Irrsinn

Leseproben sind eine feine Sache. Normalerweise. Aber dann gibt es auch welche, bei denen sich meine Augenbrauen so sehr nach oben bewegen, daß sie an meinem Hinterkopf landen würden, wenn meine Haare nicht im Weg wären,

Und damit sind wir beim Thema Cherry Adair. Wenn man gerade Bock auf ein Buch mit völlig absurder Handlung und dämlichen Protagonisten hat, die in wirklich jeder Lebenslage nur an Sex denken, dann ist man bei Cherry Adair goldrichtig. Ich mag solche Bücher ja hin und wieder mal. Und so kam es, daß ich mir eine Leseprobe zu ihrem Buch Ice Cold heruntergeladen habe. Allerdings hätte ich mit Sicherheit einen riesengroßen Bogen um diese Leseprobe gemacht, wenn ich vorher gewußt hätte, daß ein Teil der Handlung in Deutschland spielt. Wenn amerikanische Autoren ihre Bücher in Deutschland spielen lassen, dann geht das meistens auf vielfältige Weise schief. Bei einer Autorin, die sowieso schon für den Irrsinn ihrer Bücher bekannt ist, kann man das Ergebnis je nach Laune als "krasser Scheiß" oder "OMG dieses Buch hat der Teufel in die Welt gebracht" bewerten.

Aber seht selbst. Die Leseprobe fängt damit an, daß unsere Heldin Honey Winston, die als Computerexpertin für eine dieser allgegenwärtigen streng geheimen Geheimorganisationen arbeitet, gegen den Helden Rafael Navarro kämpft. Rafael arbeitet ebenfalls für die streng geheime Geheimorgansation und wird auch als "der spanische Hengst" bezeichnet. Gnnnnnnnhihi. Peinlichster Spitzname ever, oder? Wenig später stellen die beiden fest, daß sie Kollegen sind, und daß Honeys Chef gerade ermordet wurde (mit 37 Messerstichen; Honey hat nachgezählt). Dann macht Rafael das Licht an, und Honey sieht, daß er lange, glatte, glänzende schwarze Haare hat. Das ist blöd, denn vor meinem geistigen Auge sieht er jetzt wie Jorge Gonzalez aus...


...was, neben dem bescheuerten Spitznamen, seinem Status als romantischer Held ein wenig abträglich ist.

Dann verlangt Honey, daß Rafael sie küßt, weil sie von ihrer Mentorin in der streng geheimen Geheimorganisation gehört hat, daß diese einmal einen Orgasmus hatte, als sie von Rafael geküßt wurde. (Ich glaube, diesen Typen müßte man mal gründlich mit Sagrotan einsprühen, bevor man ihm auch nur die Hand schüttelt). Rafael küßt Honey.

Wer jetzt glaubt, unsere beiden Helden würden mal so langsam aus dem Quark kommen und die Polizei rufen - wir erinnern uns, toter Chef mit 37 Messerstichen - ist, wie sollte es anders sein, völlig auf dem Holzweg. Stattdessen kommt die Müllabfuhr der streng geheimen Geheimorganisation und räumt alles auf. Echt jetzt. Im Originaltext steht "Garbage detail".

Nachdem das geklärt ist, nimmt Rafael Honey mit zum Flughafen, denn da ihr Chef ja nun leider wegen der 37 Messerstiche ausgefallen ist, muß Honey ihn auf eine Mission begleiten. Ursprünglich sollte diese Mission in Griechenland stattfinden. Offenbar will eine kolumbianische Terrorgruppe namens Luz Roja etwas Böses tun. Eine marxistische Terrororganisation namens Revolutionary Strength kommt ihr aber zuvor und sprengt dort eine Bank in die Luft. Da aber fast zeitgleich in Dresden ein ganzer Häuserblock einschließlich einer dort ansässigen Bank explodiert, begeben sich unsere beiden wackeren Helden lieber dorthin.

Warum eine Bank in Dresden eine streng geheime amerikanische Geheimorganisation zur Hilfe ruft, wenn dort eine Bombe explodiert...? Äh, keine Ahnung. Auf jeden Fall ist der spanische Hengst ein super-duper Bombenexperte, denn wenig später äußert er die folgenden weisen Worte:

"Bomben sind wie wütende Schneeflocken, keine zwei sind gleich".

Tja. Während sich Rafael also auf die Suche nach der Schneeflocke der Bombe macht, setzt sich Honey mit ihrem Laptop in ein Café in einer Nebenstraße von Unter den Linden. Laut Google Maps gibt es diese Straße in Dresden übrigens nicht. Vielleicht hat Frau Adair Dresden mit Berlin verwechselt? Kann ja mal vorkommen.

Rafael und Honey stellen fest, daß aus der Bank nichts gestohlen wurde. Rafael will, daß Honey nach Hause fliegt, aber sie will nicht. Beide bewundern noch kurz und verstohlen gegenseitig ihre Schönheit, und dann ist das Leid die Leseprobe auch schon zuende.

Puh. Ich weiß absurde und abgefahrene Bücher ja durchaus zu schätzen, aber das hier ist wirklich ein wenig zuviel des Guten.

(Das Bild von Jorge Gonzalez habe ich auf Wikimedia Commons gefunden).

Mittwoch, 28. Mai 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 4

Meine lieben Mitreisenden, ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen guten Morgen und freue mich, Sie auch heute wieder begrüßen zu dürfen!

Kann's losgehen? Super. Also, wir kommen zusammen mit Lianne und dem Raben an einer trostlosen, heruntergekommenen Fabrikhalle an, in die er mit seinem Auto hereinfährt. Aus der Tatsache, daß das Tor sich von alleine öffnet, schließt Lianne haarscharf, daß des Raben übersinnliche Kräfte da am Werk waren. Wäre ja auch voll uncool, wenn er einfach nur einen elektrischen Torheber mit Fernbedienung eingebaut hätte, ne?

Hier hat Lianne zunächst Gelegenheit, des Raben Zweit- und Drittwagen zu bewundern, bei denen es sich um einen Thunderbird High Back und einen Range Rover Evoque handelt. Oh, na klar, Herr Waldmann, ich mußte die auch erst googeln! Aber keine Sorge, nachher bekommen Sie noch einen "kleine Infobroschüre", hihi, vom literarischen Institut Sankt Infodumping. Diesmal mit Fotos. Tja, offenbar verdient man sehr gut bei der streng geheimen Geheimorganisation!

Hinter einer massiven Eisentür befindet sich schließlich die Wohnung vom Raben. Okay, meine Lieben, es ist Zeit für ein kleines Quiz. Für diejenigen unter Ihnen, die schon mal ein Romantic Suspense-Buch mit einem coolen, geheimnisvollen Helden gelesen haben, ist es bestimmt nicht schwierig. Also: was befindet sich hinter der Eisentür und wird vom Raben bewohnt: a) die ehemalige Waschkaue der Fabrik, in die er sich eine Matratze gelegt hat, oder b) die Treppe in den Keller, wo er in einem leeren Ölfaß schläft, oder c) ein megacooles Loft mit einer superschicken Einrichtung, die jeden Innenarchitekten in Tränen des Neids ausbrechen ließe?

Ja, richtig, es ist Antwort c! War doch gar nicht schwer zu erraten, oder? Und er züchtet sogar frische Kräuter auf der Fensterbank in der Küche...nein, Cheyenne-Kimberly, als ich dieses Buch zuletzt bereist habe, hatte der Rabe zumindest noch keinen schwulen Zwillingsbruder!

Leider hat Lianne nicht sehr viel Zeit, ihre neue Umgebung zu bewundern. Natürlich nimmt sie sie sich trotzdem, dafür kennen wir doch inzwischen unsere Heldin! Anschließend versucht sie, dem Raben zu helfen, der arg unter Fieber und Schüttelfrost leidet, sich aber weigert, einem Arzt Einlaß in sein Luxusdomizil zu gewähren.

Anschließend macht der Rabe ein zwei Tage langes Nickerchen, das aber nicht annähernd so erholsam ist, wie es sich anhört. Der Ärmste muß im Schlaf nämlich die Zeit seiner Gefangenschaft und Folter aufs Neue erleben. Obendrein wurde er in dieser Zeit auch noch mit geheimnisvollen Drogen traktiert, die ihn abhängig machten.

Als er wieder aufwacht, erblickt er als erstes Lianne und bewundert ihre blonden Haare und ihre auch ungeschminkt schwarzen Wimpern. Ja, Frau Klawuttke, ich finde das auch ganz erstaunlich! Aber wissen Sie was, es wird schon wieder Zeit für ein Quiz! Jawollo. Und danach dürfen Sie nach Herzenslust Gebrauch von diesem besonders großzügig ausgebauten Klischee-Aussichtspunkt machen. Also, es geht los. Unser gesundheitlich schwer angeschlagener Held hat fast zwei Tage lang geschlafen und hat zwischendurch nur hin und wieder mal Medikamente und Wasser von Lianne bekommen. Er hat grauenhafte Alpträume gehabt. Was will er nach dem Aufwachen als erstes: a) pinkeln, b) was auf die Gabel oder c) mit Lianne vögeln?

Natürlich ist Antwort c richtig! Nun ja, ich habe auch schon Bücher mit überraschenderen Wendungen gelesen. Aber immerhin hat Raven eine Handlung, und damit hat es so manch anderem Buch, wie beispielswese dem Telefonbuch oder Twilight, durchaus etwas voraus!

Lassen wir die beiden nun einen Moment alleine, um ihre Zweisamkeit zu genießen. Wir können uns unterdessen an der wundervollen Prosa dieses Buches ergötzen.

ihre Brüste wippten wie goldene Äpfel auf dem Baum der Versuchung

Hach. So etwas liest man nicht alle Tage, nicht wahr?

Leider hält das Glück nicht lange an, und nach dem Sex ist der Rabe schweigsam und verschlossen, was bei Lianne seitenlanges Nachdenken über das wieso und warum dieses fiesen Verhaltens auslöst. Aber ich glaube, wir sind jetzt alle bereit für einen leckeren Teller Bohnen auf labberigem Toastbrot, nicht wahr?

Machen Sie es gut. Bis morgen!

Donnerstag, 1. Mai 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 3

Hallöli, meine lieben Mitreisenden! Endlich geht's weiter im Buch Raven von Andrea Mertz! Ich hoffe, Sie sind alle topfit und voller Tatendrang, denn heute wird es sportlich. Wir springen und klettern von einem Klischee-Aussichtspunkt zum nächsten. Haben Sie alle festes Schuhwerk, Helme, Schutzbrillen und Schwimmwesten? - Ausgezeichnet, dann kann's ja losgehen!

Als erstes gehen wir ins Krankenhaus, denn dort wurde Lianne hingebracht. Obschon ihre Verletzungen harmlos sind und keiner weiteren medizinischen Aufmerksamkeit bedürfen, wurde sie dort in einem Einzelzimmer untergebracht und wird von einer resoluten, aber herzlichen Krankenschwester umsorgt. Respekt, britisches Gesundheitssystem!

Lianne hat gerade Besuch, denn ihre Kollegen von der Zeitung sind da. Dabei stellt sich heraus - ja, meine Lieben, hier ist unser erster Klischee-Aussichtspunkt, bitte nicht drängeln, jeder kann ein Foto machen - daß der Pressefotograf der Zeitung in Lianne verknallt ist. Sie mag ihn aber nur als Freund, weil sie überhaupt noch nie wirkliche Leidenschaft für einen Mann empfunden hat und Sex für total überbewertet hält.

Wenig später werden Liannes Kollegen von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester vertrieben, und Lianne - ja, genau, dies ist schon der nächste Klischee-Aussichtspunkt. Bitte betreten Sie den immer nur zu zweit. Es ist ein bißchen eng. Also Lianne sinnt vorm Einschlafen - holy moly! - darüber nach, wie sinnlich und wundervoll sich des Raben Körper während der Rettungsaktion an ihrem angefühlt hat. Sie stellt sich vor, wie sie mit ihm (total überbewerteten?) Sex hat, und beschließt, ihn zu suchen.

Indessen beobachtet der Rabe das Krankenhausvon seinem Auto aus. Er ist ein körperliches Wrack und hält sich nur mit Hilfe von aus einer Apotheke geklauten Tabletten wach. Er war nämlich monatelang in Gefangenschaft, wo man ihn grauenvollen Versuchen und Tests an Körper und Geist ausgesetzt hatte. Jetzt ist seine Erinnerung lückenhaft wie ein Schweizer Käse und seine körperlichen Kräfte schmelzen dahin wie das Eis am Polarkreis.

- Ja, Herr Schneider, ich finde auch, daß er sich als Frau verkleiden und sich einfach in Liannes Krankenbett legen und von der resoluten aber herzlichen Krankenschwester umsorgen lassen sollte. Der arme Kerl bricht uns noch zusammen! Nein, Scherz. Wir wollen doch Action sehen, stimmt's?

Oh, bevor ich's vergesse. Haben Sie alle Ihre Rucksäcke mit? Ausgezeichnet. Dann verteile ich jetzt mal die heutige Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Sie haben recht, Frau Klawuttke, 15 Kilogramm sind schon sehr viel für eine sehr klein und auf ganz dünnem Papier gedruckte Infobroschüre. Aber was soll man machen, dem Raben geht eben sehr viel durch sein lückenhaftes Gedächtnis. Seien Sie froh, daß er so viel vergessen hat, sonst bräuchten wir einen Gabelstapler, um die Broschüren zu transportieren.

Also, der Rabe wurde nach dem Anschlag auf seine streng geheime Geheimorganisation gefangen genommen, ist getürmt und wurde irgendwann in Bulgarien ausgesetzt. Zurück in England traute er sich nicht, sich bei der streng geheimen Geheimorganisation zu melden, weil er davon überzeugt ist, daß sie einen Maulwurf haben.

Der Rabe - aber sicher, hier können Sie wieder einige sehr hübsche Klischee-Fotos machen - hat seinen Glauben an die Menschheit schon in seiner schlimmen Kindheit verloren, denn er wuchs in Heimen und bei Pflegeeltern auf, und sein Pflegevater tötete seinen einzigen Freund, einen Raben namens Charlie.

Außerdem findet er Lianne wunderschön und sexy, aber hält nichts von Beziehungen...ja, Klischeefotos. Ein Glück, daß die Digitalkameras erfunden wurden, nicht wahr? Sonst müßten Sie alle fünf Minuten einen neuen Film einlegen...wo war ich? Genau. Also, der Rabe hält nichts von Beziehungen, weil er frei sein will und alle Frauen entweder eiskalt und herzlos sind oder anfangen zu klammern.

Plötzlich stellt er fest, daß ein großer schwarzer BMW vorm Krankenhaus hält und drei Männer aussteigen, die dunkel gekleidet sind und die Mantelkragen hochgeschlossen haben. Nun, höchstwahrscheinlich waren die T-Shirts mit der Aufschrift "WIR SIND VERBRECHER UND HABEN ES AUF LIANNE ABGESEHEN" gerade in der Wäsche. Das macht aber gar nichts, denn der Rabe weiß natürlich sofort, was diese Herren im Schilde führen.

Der Rabe macht sich auf die Socken zu Liannes Zimmer, von dem er unerklärlicherweise weiß, wo es sich befindet. Lianne und der Rabe starren sich ungefähr 20 Minuten bzw. 1 1/2 Buchseiten lang an und sinnen darüber nach, wie geil sie sich gegenseitig finden und welch wunderschöne Augen die jeweils andere Person hat. Anschließend läßt der Rabe Lianne wissen, daß sie sofort mit ihm mitkommen muß, weil sie in Gefahr ist, daß er ihren Bruder kennt und daß er Raven genannt wird.

Bevor sie sich auf den Weg machen, folgt noch der überflüssigste Infodump der Geschichte, in dem eine halbe Seite lang alles beschrieben wird, was der durchschnittliche Mitteleuropäer mit Raben assoziieren kann. Also zum Beispiel die Mythologie der Wikinger, nach der der Chefgott Odin jeden Morgen seine Raben Hugin und Munin aussandte, die ihm dann abends die neuesten Nachrichten zurückbrachten. Deshalb nannte man Odin auch Hrafnagud, den Rabengott. - Hey! Aufwachen! Sie werden doch wegen ein paar vollkommen überflüssiger Informationen nicht gleich einnicken! Tsktsk.

Einige Seiten unwichtiger Informationen und beknackter Dialoge weiter, verlassen unsere beiden Helden endlich das Krankenzimmer.

Halten Sie Ihre Kameras bereit, meine Damen und Herren, denn jetzt kommt eins meiner - und sicherlich auch gleich Ihrer - Lieblingsklischees. Ein echter Klassiker. Einfach wundervoll.

Die Bösewichte sind im Anmarsch, und damit sie Lianne und den Raben nicht bemerken, packt er sie und küßt sie. Viele, viele Zeilen lang. Und viele, viele weitere Zeilen lang denkt Lianne darüber nach, wie wundervoll dieser Kuß war, und was es damit auf sich hatte.

Wenig Zeit und viele langweilige und überflüssige Gedankengänge später schaffen es unsere beiden wackeren Helden, das Krankenhaus zu verlassen. Leider gibt es dabei eine Schießerei und die Bösewichte sind ihnen auf den Fersen. Also türmen die beiden in einem geklauten Lieferwagen. Es gibt eine Verfolgungsjagt, die spannend und voller Action wäre, wenn sie nicht ständig von Liannes ziemlich dämlichen Gedankengängen unterbrochen würde.

Während Lianne noch darüber nachdenkt, ob sie sich einen Hund anschaffen soll, kommen sie und der Rabe bei dessen eigenem Auto an fahren damit weiter.

Der Rabe schafft es schließlich, die Verbrecher los zu werden und bringt Lianne zu seiner Wohnung, wo schon die nächsten Klischees auf uns warten. Aber das sparen wir uns für den nächsten Tag auf, denn jetzt wollen wir sicher alle ins Hotel und uns mit einem leckeren Teller Bohnen stärken!

Bis morgen, meine lieben Mitreisenden!

Samstag, 25. Januar 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 2

Guten Morgen meine Damen und Herren, liebe Kinder. Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Nachtruhe und können ausgeruht und gestärkt in den zweiten Tag unserer Rundreise durch das Buch Raven von Andrea Mertz starten!

Wir haben einen kleinen Zeitsprung gemacht und befinden uns 11 Wochen nach dem Prolog in London. Wir begleiten zunächst die junge Reporterin Lianne Morgan. Sie erinnern sich: Lianne ist die kleine Schwester von Frank Morgan. Die Ärmste leidet sehr darunter, daß ihr Bruder verschwunden ist. - Ja Cheyenne-Kimberly, ich finde Liannes Schlangenledersandaletten auch voll geil. Nein, bleib bitte stehen und lauf nicht zu Lianne. Wir sind doch hier nicht in einem Jasper Fforde-Buch! - Äh, keine Ahnung, ob Lianne die Schuhe bei Zalando bestellt hat!

Wo war ich stehengeblieben? Genau. Lianne wartet gerade auf den britischen Außenminister, mit dem sie ein Interview führen soll. Lianne hat vor dem Interview schon mit einem kaputten Auto, einem verpaßten Bus, einem überfüllten Bus und einem Beinahe-Überfall gekämpft, und obwohl sie schon ziemlich erschöpft ist, fällt ihr am Außenminister, William Hague, sofort alles Wichtige auf. Beispielsweise, von welchem Designer sein Anzug ist. Lianne befragt den Außenminister über die Situation in Libyen, erfährt aber nichts, was sie nicht schon wußte oder sich hätte denken können. Tja, wäre sie mal Tabloid-Reporterin geworden. Da hätte sie sich die schönsten Schlagzeilen einfach ausdenken können.

Zuletzt stellt Lianne Herrn Hague noch eine Frage über Franks streng geheime Geheimorganisation, die Shadow Force. Er gibt aber vor, darüber nichts zu wissen. Gegen Ende des Interviews, der Minister ist schon gegangen, bekommt Lianne eine Panikattacke, und wenig später explodiert etwas, so daß das ganze Gebäude ins Wanken gerät.

Gehen wir nun in die Tiefgarage desselben Gebäudes. Da ist unser Held Raven gerade dabei, einige Sprengsätze zu entschärfen. Sehen Sie - oh, ich verteile erstmal die Unterlagen des literarischen Instituts Sankt Infodumping für den heutigen Tag. Jaja, so dick wie fünf Hotelbibeln. Die Jungs von Sankt Infodumping scheuen eben weder Kosten noch Mühen, um Sie, meine sehr verehrten Gäste, mit allen wichtigen und unwichtigen Fakten zu versorgen!

Also, Raven hat irgendwie von dem Anschlag auf die Londoner City Hall und von Liannes Termin in just diesem Gebäude gewußt. Und natürlich wollte er die Menschheit im Allgemeinen und Lianne im Besonderen beschützen. Deshalb hat er ihr Auto sabotiert und versucht, alle Bomben zu entschärfen. Aber - Heilige Hölle! - es ist ihm nicht gelungen.

Ja, Sie haben recht. Der Typ kann einfach nicht fluchen. Er ist schon dreimal durch die Prüfung in der Wessel-Akademie für korrektes Fluchen und schlimme Wörter gefallen, der arme Kerl. Aber niemand kann alles, nicht?

Wenig später bricht wegen einer weiteren Explosion alles zusammen und der Rabe rennt los, um Lianne zu retten.

Diese hat sich, da die Explosion sie zu Boden geworfen hat, erstmal hingelegt, und läßt die Mutter aller Infodumps los, während sie darauf wartet, daß der Rabe sie abholt. - Oh nein, sie weiß natürlich nicht, daß sie auf ihn wartet. Sie kennt ihn ja noch gar nicht.

Wenig später findet dieser tatsächlich unsere wackere Heldin, packt sie und trägt sie weg. Unterwegs retten sie noch ein paar andere Leute, bevor sie es dank der übersinnlichen Fähigkeiten sowie der Sprungkraft des Raben schaffen, das Gebäude zu verlassen.

Anschließend schläft Lianne in Ravens starken Armen ein. Er setzt sie irgendwo ab und türmt. Anschließend - ja, das sind die nächten 30 Seiten in Ihrer Broschüre - läßt er selbst erst mal einen ganz gepflegten, ausgiebigen Infodump ab. Ja, das haben Sie sehr gut erkannt, Frau Klawuttke. Für die Charaktere in diesem Buch sind Infodumps ebenso entspannend, wie ein langes heißes Bad für lebendige Menschen!

Der Rabe weiß also, daß jemand sowohl den Minister als auch Lianne abmurksen wollte. Davon abgesehen geht es ihm schlecht und alles tut ihm weh, so daß er schleunigst in seine Unterkunft auf Zeit flüchten will. Während er sich also verletzt, blutend, mit in Fetzen hängender Kleidung und vor Fieber glühend durch London schleppt, denkt er ganz ausgiebig darüber nach, wie wunderschön und sexy er Lianne findet, und was er für ein cooler Einzelgänger ist, der nicht am Leben hängt. - Oh, ja genau, das ist schon einer von unseren Klischee-Aussichtspunkten. Machen Sie gern so viele Fotos, wie sie möchten.

Nun, meine lieben Mitreisenden, das war ein ganz schön anstrengender Tag für unsere Protagonisten! Während sie sich erholen, wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Abend in der Weltstadt London, und wir sehen uns morgen früh vor Ihrem Hotel in alter Frische.

Tschüssikowski!

Samstag, 4. Januar 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 1

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kinder, herzlich willkommen auf unserer Rundreise durch das Buch Raven von Andrea Mertz. Mein Name ist Susi, und ich bin Ihre Reiseleiterin.

Lassen Sie uns zunächst ein paar organisatorische Details besprechen, bevor wir uns ins Vergnügen stürzen. Für Ihre Übernachtungen haben wir Ihnen Zimmer im 4 Sterne-Hotel "The Mishapen Metaphor" in London gebucht, und selbstverständlich gehört dazu auch die Halbpension, wobei Sie morgens und abends jeweils zwischen Bohnen mit Toast oder Toast mit Bohnen wählen können. Abends wird Ihnen dazu gratis ein Glas warmes Bier ohne Schaumkrone gereicht.

Hin und wieder werden wir an einigen wohlbekannten Klischees vorbeikommen. An diesen Stellen haben wir für Sie sogenannte Klischee-Aussichtspunkte eingerichtet, damit Sie ein paar besonders schöne Fotos machen können. Selbstverständlich werde ich Sie jeweils rechtzeitig auf die Aussichtspunkte aufmerksam machen.

Beginnen wir unsere Rundreise nun mit dem Prolog, der in Libyen spielt. Wie Sie sehen, wird er aus der Sicht eines gewissen Frank Morgan, genannt Eagle, erzählt. Er denkt auf einer Fahrt durch die libysche Wildnis an seine Schwester Lianne, die Heldin des Buches. Dadurch erfahren wir, daß Lianne eine attraktive, kluge und modebewußte Frau mit einem Schuhtick ist, und daß sie eine Reporterin ist.

Hier sehen Sie, wie Frank und seine Kollegen, die alle übersinnliche Fähigkeiten haben und einer streng geheimen Geheimorganisation angehören, in einen Kampf geraten, in dem zunächst einmal ihr Jeep explodiert.

Ah, sehen Sie, hier kommt schon der nächste Protagonist. Es ist John McDermott, genannt Raven. Er besitzt genau wie Frank übersinnliche Fähigkeiten und ist Mitglied der streng geheimen Geheimorganisation.

- Ja, die Dame mit der hellblauen Leinenjacke - Frau Schneider, nicht wahr? - Sie haben eine Frage?

- Nun, wir haben einen Adler und einen Raben, da erscheint es mir durchaus logisch, anzunehmen, daß die Autorin weitere Bücher über übersinnlich begabte Helden mit Vogelnamen plant. Ich kann Ihnen leider noch nicht sagen, ob auch ein Geier, ein Huhn und ein Kanarienvogel dabei sein werden. Ich persönlich finde die Idee ganz bezaubernd, der Kanarienvogel könnte beispielsweise ein Opernsänger sein...nur die Sache mit dem Geier wäre ein wenig unappetitlich, finden Sie nicht? Aasfressen ist ja so unsexy.

So, jetzt gebe ich Ihnen erstmal eine Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Wenn Sie sich die Broschüre nachher in Ruhe durchlesen, werden Sie alles über Wesen und Geschichte der streng geheimen Geheimorganisation erfahren. Fürs erste reicht es, wenn Sie im Hinterkopf behalten, daß sie als Shadow Force oder auch Schattenkrieger bezeichnet wird und ein Teil des britischen MI6 ist.

- Ja, Herr...äh...Waldmann?

Oh, sie haben natürlich recht. Ich finde es auch etwas...ungewöhnlich, daß unsere großen, starken Alphahelden den Tod eines Kumpels und des Fahrers des soeben explodierten Jeeps mit "Verdammter Mist" und "Das kannst du laut sagen" kommentieren, und dem guten Frank ansonsten höchstens mal ein "holy moly" entfleucht. Vielleicht hat die Autorin nicht gewußt, wie man "fuck" oder "scheiße" buchstabiert?

Okay, ich muß jetzt noch mal eine Unterlage vom literarischen Institut Sankt Infodumping verteilen. Helfen Sie mir mal tragen, Herr Kaczmarek? Danke. Ja, die sind schwer. Dick wie Telefonbücher. Also, lassen Sie uns mal kurz (hihi) querlesen. Der Rabe ist davon überzeugt, daß es unter den Schattenkriegern einen Verräter gibt, der sie immer wieder in Fallen lockt. Wir erfahren, daß der Rabe in den Augen des Adlers ein hochgewachsener, sturer und wortkarger Schotte ist, den er zunächst für einen arroganten, selbstgefälligen, oberflächlichen Draufgänger und gefühllosen Frauenvernascher (ja, ein süßer Ausdruck, nicht?) hielt. In Wirklichkeit ist er aber 'n ganz netten Kerl, der intelligent, loyal und verläßlich ist. Der Adler glaubt nun auch, daß es einen Verräter gibt, aber auf gar keinen Fall kann es der Rabe sein.

So. Hier sehen Sie nun, wie der Rabe sein Maschinengewehr wegschmeißt und die Feinde mittels seiner übersinnlichen Kräfte in die Flucht schlägt. Hier tauchen noch zwei Schattenkrieger auf, ein Falke und ein Habicht. Diese beiden werden von Frank angewiesen, sich und einige Verletzte mit einem noch fahrtüchtigen Jeep in Sicherheit zu bringen und einen Hubschrauber zu rufen, der Frank  und John vom Ort des Kampfes abholt.

Oh! Hier haben wir ein besonders schönes Exemplar von...nun, ich kann wirklich nicht sagen, was das ist...aber sehen Sie selbst:

Ravens Wangenknochen mahlten, doch er schwieg.

Mahlende Wangenknochen! Wer weiß, wo der gute Rabe noch überall Gelenke hat, wo Normalsterbliche keine haben.

Aber Scherz beiseite. Der arme Frank verspürt urplötzlich am ganzen Körper unerträgliche Schmerzen, die offenbar durch einen bösen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten verursacht werden. Der Rabe hat offensichtlich das gleiche Problem. Franks letzter Gedanke gilt seiner Schwester Lianne, dann verliert er das Bewußtsein und der Prolog ist vorbei.

Nun, meine Damen und Herren, liebe Kinder, das war doch mal ein furioser Einstieg in das Buch! Und morgen geht es gleich mit ganz viel Action weiter. Wir treffen uns um 9 Uhr vor dem Hoteleingang. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine angenehme Nachtruhe!

Sonntag, 30. Januar 2011

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 8: Stacia Kane: Unholy Ghosts

In einer wohl futuristischen Parallelwelt haben sich die Toten, also Geister, erhoben und die Lebenden angegriffen. Nichts ist mehr wie es war, und die Kirche der Echten Wahrheit, die nicht wirklich eine Religionsgemeinschaft ist, sorgt mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür, daß die Verstorbenen die Lebenden in Zukunft in Frieden lassen. Eine ihrer Angestellten ist Chess Putnam, eine Hexe mit der Gabe, Geister zu bannen. Chess hat einen ganzen Schwung übelster Probleme: sie ist drogensüchtig und schuldet einem mächtigen Mafiaboss eine große Menge Geldes. So kann sie auch schlecht nein sagen, als dieser von ihr verlangt, ihm einen Gefallen zu tun. Leider ist dieser Gefallen lebensgefährlich und beinhaltet die Beschäftigung mit der schlimmsten Form schwarzer Magie - ganz zu schweigen davon, daß auch eine rivalisierende Gangsterbande großen Wert auf Chess' Hilfe legt...

Auf das Buch war ich durch ein Interview mit der Autorin im Verlorene Werke-Blog gestoßen. Die Autorin machte einen ganz sympathischen Eindruck, und die Inhaltsangabe des Buches hörte sich interessant an. Auch die Leseprobe sagte mir zu.

Das Buch hätte richtig gut sein können. Ist es aber nicht. Dabei fängt es so spannend und lustig an: da ist Chess nämlich gerade dabei, unter Einsatz von Leib und Leben einen Geist aus einem Haus zu vertreiben, der ihr frecherweise den Stinkefinger zeigt und der angeblich auch zu Lebzeiten ein unangenehmer Zeitgenosse war.

Es ist diesmal nicht die durchaus spannende Handlung, die mich so sehr gestört hat, daß ich nicht weiterlesen konnte. Es ist nicht der Schreibstil der Autorin und es sind nicht die Charaktere. Die Heldin Chess (die eigentlich irgendwie anders heißt und nur so genannt wird, aber ich habe es vergessen und habe keinen Bock zum Nachgucken) ist drogensüchtig und hat die Probleme, die meines Wissens damit einhergehen: zu wenig Knete, um die Sucht zu finanzieren, Schulden, es geht ihr schlecht, wenn sie ihre Pillen nicht bekommt, und oft weiß sie nicht, ob sie etwas tatsächlich wahrnimmt, oder ob sie wegen der Drogen halluziniert. Die anderen Charaktere sind fast alle zwielichtige Gestalten von unterschiedlicher Gewalttätigkeit.

Diese Dinge wußte ich, bevor ich das Buch kaufte, und sie hätten mich nicht dazu gebracht, es wegzulegen. Oh nein, das Grauenhafte an Unholy Ghosts - und das ist wirklich ungewöhnlich - sind die entsetzlichen Dialoge. Fast alle Charaktere sprechen nämlich in einer Art Slang, der in geringen Dosen zur Atmosphäre des Buches beigetragen hätte. Von einer geringen Dosis kann hier aber überhaupt nicht die Rede sein, dieser von der Autorin erfundene Slang wird auf nahezu jeder Seite gleichsam kübelweise über dem Leser ausgeschüttet. Auf Seite 180 war meine Geduld erschöpft, und ich sagte mir: warum tust du dir das an? Dein SUB läßt das Himalaya-Gebirge wie einen Ameisenhaufen aussehen und das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher. Also weg damit.

Ach ja. Kostprobe gefällig? Wie wär's damit:

In dieser Szene ist Chess mit Terrible, dem Schläger ihres Drogendealers bzw. Gläubigers, auf der Suche nach einem Jungen namens Brain. Unterwegs befragen sie den Besitzer eines Imbißstands:

"You know Brain? One of Hunchback's kids?"

"Aye, I knows him. Seed him earlier, that's what you askin. He powerful scared. Ain't in no trouble with you, hoping?"

Tja, was soll ich dazu noch sagen. Außer vielleicht: "It goes me on the alarm clock".

Sonntag, 2. Januar 2011

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 14

Zunächst mal wünsche ich euch allen ein frohes und gesundes neues Jahr 2011! Für mich hat es mit dem Gefühl des Erstaunens angefangen - und zwar darüber, daß die russischen Nachbarn meines Vaters es für eine fabelhafte Idee hielten, Silvesterraketen vom (überdachten) Balkon eines Mehrfamilienhauses abzuschießen. Na ja, zum Glück ist nichts passiert.

Doch es gibt noch etwas, das ich eigentlich schon lange zuende bringen wollte: meine Wiedergabe der ergreifenden Romanze von Jake und Isabelle. Ist ja zum Glück nicht mehr viel übrig von dem Buch. Wir erinnern uns: Bösewicht Rafe wurde in die ewigen Jagdgründe befördert, was wirklich verblüffend ist, wenn man die ewige Liebesromanregel bedenkt: hat der Böse einen Heldennamen (und Rafe Sullivan ist definitiv ein Heldenname), so entpuppt er sich in einer der nächsten Folgen der Romanserie ohne Zweifel als der vom Schicksal gebeutelte und nur langsam durch die Liebe einer wundervollen Frau seine innere Größe entdeckende Held. Das geht bei Rafe jetzt nicht mehr. Tja, vielleicht kann er ja als Vampir zurückkommen, oder Dämon oder ein anderes übernatürliches Wesen.

Wie dem auch sei, vor seinem Ableben hatte Rafe überall in der Umgebung Sprengsätze versteckt, und jetzt müssen Jake und seine Navy SEAL-Kumpels versuchen, sie zu finden und zu entschärfen, bevor sich die Autorin aus Personalmangel gezwungen sieht, ihre grottenschlechte Romanserie vorzeitig zu beenden und einen anständigen Beruf zu erlernen.

Wenig später begeht Jakes Kumpel Nick den Fehler, Isabelle sowohl von ihren Fesseln als auch von der daran befestigten Bombe zu befreien. Jake hat sich allerdings vorher aus dem Staub und auf die Suche nach Onkel Cal gemacht. Diesen findet er prompt in einem nahegelegenen Gebäude. Blöd nur, daß an Onkel Cal die größte aller Bomben befestigt ist, die explodieren wird, sobald sein Handy klingelt. Das wird in etwa fünf Minuten passieren, denn Onkel Cal hat sein Handy so programmiert, daß es ihn jeden Abend zur selben Zeit daran erinnert, seine Medikamente zu nehmen.

Jetzt müßte im Buch eigentlich eine spannende Beschreibung der Szene kommen, in der Jake in letzter Sekunde die Bombe entschärft und Onkel Cal rettet - aber Fehlanzeige. Einen Absatz später tauchen Jake und Onkel Cal etwas verdreckt, aber ansonsten quietschlebendig bei Isabelle und Nick auf. Was war denn da los, Stephanie Tyler? Keinen Bock gehabt, die Suchworte "Bomben entschärfen" zu googeln oder wenigstens mal einen Actionfilm auf DVD zu gucken? Wäre nicht wenigstens ein kurzer Absatz à la: "Boah scheiße, nehm' ich jetzt das rote oder das grüne Kabel?" drin gewesen? Das ist genauso enttäuschend wie die Stelle in Twilight, als endlich mal ein böser Vampir über Bella herfällt und sie ohnmächtig wird, die langweilige Trulla.

Und was soll ich sagen? Danach passiert nichts mehr, außer daß Isabelle Jake wissen läßt, daß sie unbedingt zurück nach Afrika will, ein ausgedehntes Nickerchen macht und sich mit ihm einen Sonnenaufgang anguckt.

Tja, das beste, was man über dieses Buch und seine Charaktere sagen kann, ist wohl, daß sie einander verdient haben und daß es nicht allzu dick war. Das Buch, meine ich. Die weiteren Machwerke dieser Autorin kann sich aber jemand mit einer größeren Toleranz für Unsinn antun...bei All About Romance ist man wohl ganz begeistert von ihr!

Sonntag, 29. August 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 13

Ich hab's ja diesmal lange geschafft, mich von dieser...äh...literarischen Erfahrung fernzuhalten! Okay, wo waren wir? Bösewicht Rafe hat den guten alten Onkel Cal entführt und ihn erstmal an den Handgelenken aufgehängt. Für Onkel Cal die perfekte Gelegenheit, sich in einer Rückblende in Kursivschrift an die gute alte Zeit zu erinnern. Damals hat es nicht nur Onkel Cal mit Isabelles Mama getrieben, sondern ihr angeblicher Papa James (und Onkel Cals bester Kumpel) war auch spielsüchtig. Tsk tsk. Aber es kommt noch schlimmer: um Spielschulden zu bezahlen, hat James an einen afrikanischen Kriegsherrn Waffen verkauft, und als dieser Handel aufflog, wurde Kevin, dem Bösewicht Rafe sein Papa, der Untat bezichtigt. James hatte ihn hereingelegt! Die ganze Geschichte erzählt Cal Rafe, und irgendwie muß sie sich wohl über telepathische Wellen oder die Bildzeitungs-App oder was auch immer unter allen Charakteren des Buchs verbreiten, denn plötzlich weiß auch Jake davon. Aber: wat nu?

Na was wohl? Isabelle läßt Jake wissen, daß sie sich fortan bis zur Festnahme Rafes vom FBI beschützen lassen wird, während Jake darüber nachdenkt, wie er Rafe finden und Onkel Cal befreien kann. Dann kommt ein weiterer unvermeidlicher Dialog über Isabelles Selbstfindungstrip und ihre und Jakes Beziehung (ich habe nicht mitgezählt, schätze aber, daß es das etwa 583. Gespräch dieser Art in den 370 Seiten dieses Buchs sein dürfte). Und natürlich bleibt auch noch mehr als genug Zeit für 'ne schnelle Nummer:

"I do love you."
He swallowed hard. "That scares me more than anything. But fuck, Isabelle, I do love you."
She smiled, the first real smile he'd seen all day, since the insanity began. "'But fuck, Isabelle, I do love you'?" she repeated. "You know, only coming from you could that actually sound romantic."
And he laughed and she laughed and that felt good. Real.
He took the gun out of his pants and laid it on the table.
"The safety's not on", he said, and then he let her push him so he was flat on his back on the bed.

Ah. Wie ergreifend. Was könnte sich eine Frau denn mehr wünschen als einen Typen, der beim Sex sogar die Waffe ablegt?

Wenig später wird Isabelle von einem FBI-Agenten abgeholt und in einem Auto weggebracht. Nach ungefähr 500 Metern fängt sie an zu quengeln, es sei ein Fehler gewesen und man möge sie sofort zu Jake und seinem Haus zurückbringen - aber zu spät: der FBI-Agent hat plötzlich ein Einschußloch im Kopf, und der Fahrer des Wagens stellt sich als Rafe heraus.

Leider hat Rafe wie so viele Buch- und Filmschurken das dringende Bedürfnis, seine Opfer noch in epischer Breite über seine Pläne für weitere Untaten zu informieren. Deswegen sieht er auch davon ab, mich von meinem Leid zu erlösen, indem er Isabelle unverzüglich an Ort und Stelle meuchelt. Stattdessen erzählt er ihr von seinen Plänen, Jake und Onkel Cal um die Ecke zu bringen und Isabelle mit nach Afrika zu nehmen.

Also mal ehrlich. Was zum Teufel wollen all die Typen in diesem Buch mit dieser Nervensäge Isabelle? Wenn ich ein Mann wäre, würde ich die noch nicht mal anrühren, wenn sie wie Salma Hayeks hübschere Schwester aussähe, eine eigene Brauerei besäße und jeden Tag in roten Seidendessous das ganze Haus putzen würde!

Natürlich läßt es sich Isabelle auch jetzt nicht nehmen, ihre innere Frau Kalwass heraushängen zu lassen, und während Rafe sie an einem Baum festkettet, läßt sie ihn in ihrer unendlichen Güte an ihrer Weisheit teilhaben:

"You can't blame your life on other people", she told him.
He took a few steps toward her, grabbed her ankles and began to chain her to the nearest tree. He grabbed her already bound wrists and wrapped the metal shackles around them.
"Your father and your uncle - or should I say,your two fathers - ruined my life. Do you know what kind of monsters raised me, Izzy?"
"I know you had all the chances in the world to make something of yourself. I know that every man's worth more than the very worst thing he's ever done - it's not too late for you, Rafe."

Sekunden später hat Rafe die zweifelhafte Ehre, der erste in diesem Buch zu sein, der etwas sinnvolles tut: er knebelt Isabelle. Hätte er das mal schon viel eher getan.

Nun taucht Jake auf, der sich, wie sich herausstellt, im Kofferraum des FBI-Autos versteckt hatte. Es folgt der unvermeidliche "Isabelle ist mein - nein, mein - nein mein, und außerdem sollen alle leiden, weil ihr Vater meinen Vater um die Ecke gebracht hat - bla, bla"-Dialog. Blöd, daß gerade kein Schnee zu liegen scheint, denn sonst hätten sie sich das ganze sparen und einfach gucken können, wer ein größeres Loch in den Schnee pinkeln kann.

Offenbar bin ich jedoch nicht die einzige, die von dem ganzen Geschwafel genervt ist, denn Jakes Kumpel Nick erscheint aus dem nichts und erschießt Rafe ohne weitere Umschweife. Bravo, Nick! Wenn du Jake und Isabelle jetzt vielleicht noch dazu überreden könntest, ein Schweigegelübde abzulegen...? Nein? Na ja, einen Versuch war es wert.

Tja, eigentlich könnten jetzt alle in den Sonnenuntergang reiten und bis an ihr Lebensende tiefschürfende Gedanken über ihre jeweiligen Beziehungen austauschen, wenn sie nicht gerade das amerikanische Militär für seine gelungene Ausbildung 15jähriger Knaben zu perfekten Kampfmaschinen bewundern, wenn nicht...tja, wenn es nicht noch ein klitzekleines Problem gäbe. Der soeben sang- und klanglos verblichene Rafe hat nämlich mehrere Sprengsätze versteckt, die jederzeit explodieren könnten. Nun muß Isabelle am Baum gefesselt bleiben, bis sie alle gefunden und entschärft wurden. Wenn Jake schlau wäre, hätte er auch den Knebel in ihrem Mund gelassen - aber schließlich haben wir ja mittlerweile gelernt, daß es nicht seine intellektuellen Kapazitäten sind, die ihn so bewundernswert machen, nicht wahr?

Sonntag, 18. Juli 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 12

Das Ende naht. Also, das Ende dieses Buches. Am Ende der letztens erwähnten Sex-im-Schlamm-Szene (ohne afrikanische Wolldecke) hatte Jake die folgenden tiefschürfenden Worte von sich gegeben:

"I'm just a man who's falling in love for the first time in his life, a man who doesn't know the rules of the game and who thinks he's going down this road alone."

Hach, seufz. Der arme Kerl. Als die beiden in Jakes Haus ankommen, ist Isabelle schon wieder am schmollen. Jake gibt ihr gerade noch den Rat mit auf den Weg, alle Fenster geschlossen zu halten und nicht ohne ihre Pistole duschen zu gehen, da verschwindet sie schon in ihren Privatgemächern.

Jakes Bruder/Navy SEAL Kumpel / Sequel-Bait Nick hat inzwischen eine Akte über den Bösewicht Rafe aus Onkel Cals Büro geklaut, und deswegen können sich Nick und Jake jetzt erstmal gemütlich einen kleinen Kaffeeklatsch nebst ausgiebiger Diskussion von Rafe und seiner Lebensgeschichte gönnen. Rafe, der arme Kerl, wurde von Papa und Mama im Stich gelassen und wuchs in Pflegefamilien auf, wo er verprügelt und mißbraucht wurde. Okay, das ist sicherlich gut zu wissen, wenn man ihn ausfindig machen und verhaften will, weil - äh, keine Ahnung warum. Vielleicht sollen wir uns auch einfach nur mal klarmachen, wie schwer dieser arme Mann es im Leben hatte.

Dann wird es aber doch noch spannend, denn Nick, Jake und ich erfahren aus der geklauten Akte, daß Rafes Papa Isabelles Papa (der, wir erinnern uns, eigentlich nicht wirklich ihr Vater war, da ihre Mutter ein Techtelmechtel mit Onkel Cal hatte) gemeuchelt hat, und daß Onkel Cal danach Rafes Papa in die ewigen Jagdgründe befördert hat. Boah ey! Das ist ja wie in 'ner Seifenoper. Isabelle hat die ganze Geschichte auch mitgekriegt, weil sie sich klammheimlich an unsere beiden super-wachsamen, mit nahezu übermenschlichen Sinnen ausgestatteten Navy SEALs herangeschlichen hat.

Ganz klar: Rafe ist gemeingefährlich und immer noch hinter Isabelle her (und hinter Onkel Cal, der aus Reue über seine Verfehlungen seinen Job als Admiral aufgeben will und urplötzlich von einem Angreifer von hinten niedergeschlagen wird).

Deswegen jetzt eine kleine Denksportaufgabe: Was ist für Isabelle in dieser Situation die wichtigste Maßnahme?

a) Sich vor Rafe in Sicherheit bringen und hoffen, daß er bald verhaftet wird
b) Vor Angst zittern
c) Jakes schlimme Kindheit sowie ihre Beziehungsprobleme in epischer Breite ausdiskutieren

Wer meine Berichte über diesen wundervollen literarischen Exkurs in die Welt des Schwachsinns des öfteren verfolgt hat, weiß natürlich sofort, daß sich Isabelle ohne weiteres Nachdenken und Inanspruchnahme des Publikumsjokers direkt für Option C entscheidet.

Die beiden zanken sich ein wenig darüber, ob Isabelle (wir entsinnen uns, sie ist plastische Chirurgin) Jakes Narben wegoperieren soll, dann gibt es das bizarrste Vorspiel der Literaturgeschichte:

"She paused a minute before slamming his shoulders with her palms as hard as she could. He didn't move at all, but he did bare his teeth at her. So she did it again. And again. Until tears were running down her cheeks and her teeth grit together so hard that her head ached, until he caught her wrists."

Sexy! Kein Wunder, daß unsere beiden Helden sich nicht mehr beherrschen können:

"I'm going to take you now, Isabelle. Right here. On the floor. The couch. The table. So if you don't want that to happen, you'd better leave."

(Ich frage mich gerade, ob Jake ein Bügelbrett hat. Ist schließlich auch eine waagerechte Oberfläche, und ich habe noch nie eine Sexszene auf einem Bügelbrett gelesen. Ob das überhaupt geht? Und welches maximale Benutzergewicht hält so ein Bügelbrett wohl aus? Und ob die Stelle im Buch dann wohl eine Fußnote mit der Bemerkung "Don't try this at home" bekäme? Ist aber eigentlich egal. Wenn Jake schon fremde Frauen mit nach Hause nimmt, damit sie ihm nachts Pfannkuchen machen, dann wird er wohl auch nicht selbst bügeln.)

Jake und Isabelle machen also wild, leidenschaftlich und hemmungslos - allerdings bügelbrettfrei - Liebe, und danach macht Isabelle das, was die meisten Frauen wohl nicht tun, nachdem sie gerade Sex mit ihrem neuen Freund hatten: sie ruft ihre Mama an, um sie erneut nach der tragischen Geschichte von ihrem Nicht-Vater, Onkel Cal und Rafe seinem Papa zu fragen. Und so bietet sich mir die Gelegenheit, dieses Kapitel mit den weisen Worten von Isabelles Mutter zu beenden:

"Sometimes, for the people you love, you do things that you think you should be incapable of doing - things that seem impossible. You do what's best."

Hach. Tja, und beim nächsten mal wird's dann richtig spannend!

Sonntag, 27. Juni 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 11

Oh Mann, ich habe Isabelle, Jake und alle ihre ebenso durchgedrehten Zeit- und Leidensgenossen ja schon so lange vernachlässigt! Wie gut, daß Papier geduldigt ist, selbst wenn man es wochenlang unter anderem Papier vergraben unberührt auf dem Schreibtisch liegen läßt.

Isabelle, nicht die Art von Frau, die die wichtigsten Dinge lange unausgesprochen läßt, teilt Jake mit, daß er sie zwar vor Rafe beschützen darf, aber daß sie nicht bereit für eine Beziehung ist und es vielleicht auch nie sein wird. Danach ist sie geknickt, weil sie nun für Jake nur noch ein Job ist.

Isabelles Mama Jeannie möchte indessen ihr cleveres Töchterchen in Schutzhaft nehmen - was diese strikt ablehnt, da sie mit der Situation alleine fertig werden möchte. So muß Senatorin Jeannie sich damit begnügen, Jake die schlimmste aller Beleidigungen an den Kopf zu werfen: er sei Rafe nicht gewachsen! Pfui, also wirklich. Wo wir doch alle wissen, daß Rambo im Vergleich zu Jake ein Waschlappen ist.

Jake selbst weiß das natürlich auch: selbst wenn er Fehler hätte (ein absurder Gedanke), dann würde übertriebene Bescheidenheit keinesfalls dazugehören. So macht er es sich in einem leeren Büro der Klinik gemütlich und beobachtet den Parkplatz, während Isabelle arbeitet. Sicherlich wird Rafe es nie auch nur in Erwägung ziehen, sich Isabelle zu Fuß oder gar mit dem Bus oder auf dem Fahrrad zu nähern!

Rafe übt sich unterdessen in psychologischer Kriegsführung. Stunden später findet Isabelle nämlich ein Päckchen auf ihrem Schreibtisch, das sie ohne Umschweife öffnet; wie jetzt, Briefbombe? Anthrax? Aber nein, wer könnte denn nur auf so etwas kommen? Zu unser aller großem Glück befindet sich in dem Paket jedoch nur eine afrikanische Wolldecke. Bei diesem furchterregenden Anblick ist Isabelle vor Schreck wie gelähmt und kann noch nicht einmal lange genug den Mund aufmachen, um Jake zu rufen.

Dann klingelt das Telefon. Isabelle kann sich aus ihrer Schreckstarre lange genug befreien, um nach dem Hörer zu greifen. Der Anrufer ist Rafe, der Isabelle sagt, daß er Jake in seiner Gewalt hat. Oh nein! Unmöglich! Isabelle glaubt's nicht, und tatsächlich: Sekunden später taucht unser Held putzmunter auf, um die hyperventilierende Isabelle zu beruhigen. Die beiden machen sich auf den Weg zu Jakes Haus, aber natürlich wäre es viel zu einfach, dort hinzufahren und Isabelle hinter den breiten, muskelbepackten Rücken von Jake und seinen Brüdern zu verstecken. Also halten sie auf einem Feldweg an, weil sie sagt, ihr sei schlecht. Das ist aber nur ein Vorwand: in Wirklichkeit muß sie nur wieder einmal ihre und Jakes Beziehungsproblematik...oder Nicht-Beziehungsproblematik...oder was auch immer ausdiskutieren. Logo, das ist ja auch viel wichtiger, als sich vor einem gemeingefährlichen, bis an die Zähne bewaffneten, mordlustigen Irren in Sicherheit zu bringen!

Es folgt eine Sex-im-Schlamm-Szene, dann machen sich die beiden, von Rafe nach wie vor unbehelligt, auf den Weg zu Jakes Haus.

Mein Fazit der heutigen Folge? Rafe ist überflüssig. Total überflüssig. Wenn Isabelle so weitermacht, wird sie in nicht allzuferner Zukunft von einem Auto überfahren, weil sie zu dumm und zu dickköpfig ist, um von der Straße zu gehen. Ich persönlich kann's kaum erwarten, aber ich fürchte, die Autorin wird mir diese Art von Happy End nicht gönnen...

Ach, und möchte jemand wissen, was gerade in Afrika passiert? Sarah macht sich Vorwürfe, weil sie Isabelle nicht vor Rafe beschützt hat. Sie und Clutch/Wachholder mieten sich ein Hotelzimmer. Sarah verarztet Wachholder, mutmaßt, er könne eine Gehirnerschütterung haben, und dann treiben die beiden es im Stehen (klar, das ist wahrscheinlich das erste, was man macht, wenn man eine Gehirnerschütterung hat).

Freitag, 18. Juni 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 7: Edith Layton: To Love A Wicked Lord

Als Inhaltsangabe muß ich mich hier einfach mal auf den Klappentext verlassen, weil ich wirklich nicht sehr weit in dem Buch gekommen bin: Phillipa Carstairs ist eine hinreißend schöne junge Frau aus gutem Hause im England des frühen 19. Jahrhunderts. Trotz all ihrer wundervollen Eigenschaften ist ihr unerklärlicherweise ihr Verlobter abhanden gekommen, was bei Pippa (so wird sie genannt) ein Gefühl vager Beunruhigung auslöst. Pippas Oma schleppt einen etwas schleimigen, dandyhaften Typen an, der bei der Suche nach dem verschwundenen Verlobten helfen soll. Warum? Na ja, der Typ posiert nur als Geck. In Wirklichkeit ist er nämlich ein supertoller Spion in supergeheimer Mission im Auftrag der Krone. Da sollte es für ihn doch ein Klacks sein, den Mann zu finden, der es gewagt hat, sich Pippas fleischgewordener Perfektion durch Flucht zu entziehen. Aber es kommt natürlich so, wie es kommen muß: Pippa und Maxwell (der Spion) verlieben sich ineinander...

Noch nicht mal auf Leseproben kann man sich verlassen. Ich mochte die Inhaltsangabe des Buchs, und ich mochte die Leseprobe. Die besteht nämlich aus dem Prolog, der durchaus auf ein spannendes, unterhaltsames Buch schließen ließ. Der Prolog ist 8 Seiten lang. Danach geht's nur noch bergab. Es ist nicht die Handlung, die ich so verabscheuenswert finde, und ich habe auch kein Problem mit den Personen. Ich konnte überhaupt nicht weit genug lesen, um Kritikpunkte an der Handlung und den Personen zu finden! Nein, es ist der Schreibstil, der unbeschreiblich grauenhaft und mies ist. Ich habe mit 12 einen besseren Schreibstil gehabt, und ich frage mich ernsthaft, wer überhaupt auf den absurden Gedanken verfallen konnte, ein derartig unterirdisches Buch zu veröffentlichen.

Weiter als bis Seite 27 habe ich es nicht geschafft, in dem Buch zu lesen, und das war schon mehr als genug. Zum Beginn der Handlung sitzen Pippa und ihre Freundin Adele in dieser Halle in Bath, wo Englands obere Zehntausend früher immer das Wasser der gesunden, aber stinkigen Heilquelle zu schlürfen pflegten. Sie sprechen über Pippas getürmten Verlobten und wiederholen dabei einfach mal alles, was sie sich ohne Zweifel schon mindestens hundert mal erzählt haben. Pippa bedauert, daß der arme Mann geflüchtet ist, anstatt sie zu heiraten und sie durch seinen frühzeitigen Tod zur Witwe zu machen (nett!) Anschließend erzählt die Verlassene in epischer Breite von ihrem Leben in den letzten paar Jahren und beschreibt sehr ausgiebig, wie ihr Verlobter ihr den Hof gemacht hat, warum sie ihn heiraten wollte etc. etc. In anderen Worten: sie erzählt alles, was ihre beste Freundin sowieso schon wußte.

Genau das ist es, was mich so furchtbar an dem Buch gestört hat: Pippa und Adele käuen alle Ereignisse der letzten Jahre wieder, nur damit ich, die Leserin, davon erfahre. Das ist einfach ein ungeschickter, grottenschlechter Schreibstil. Dieser Satz hat mir wirklich den Rest gegeben:

"Grandfather approved. Noel's credentials were good, and though he was an orphan like me, he came from old stock. We put the notice in the papers, set the day, posted the banns. We had a great party to celebrate and invited everyone in the district and beyond. In fact, I invited you."

Ich habe dann noch ein wenig weitergelesen, aber das Buch wurde auch auf den nächsten paar Seiten nicht besser. Pippas Oma stellt Pippa und Adele Maxwell vor und Pippa und Maxwell verabreden sich zum Abendessen im Hotelzimmer der Oma, um zu besprechen, wie man des entfleuchten Verlobten habhaft werden könnte. Pippa nimmt sich vor dem Abendessen Zeit, sich mit Hilfe ihrer Kammerzofe mächtig aufzubrezeln und ihre eigene Perfektion vor dem Spiegel andächtig zu bestaunen. Die hübschen Brüste! Der geile Arsch! (Na ja, mein Ausdruck, nicht Edith Laytons. Im Buch ist von einer "pert derrière" die Rede. Jedenfalls ist Pippa fest davon überzeugt, daß jeder Mann zwischen 15 und 95 scharf auf sie sein muß).

Anschließend erfährt die geneigte (bzw. in meinem Fall ungeneigte) Leserin in einigen länglichen Absätzen alles über die Lebensweise von Pippas Großeltern, bevor das Outfit der Oma bis ins kleinste Detail beschrieben wird. Oma trägt ein silbernes Rokoko-Kleid, eine Hochsteckfrisur mit Glitter und ist zu stark geschminkt. Bevor Pippa und ihre Oma sich zu Maxwell gesellen, hält letztere noch einen langen Vortrag über die französische Revolution und deren negative Auswirkungen auf die Herrenmode.

An dieser Stelle hat's mir gereicht. Ich verstehe wirklich nicht, warum dieses Machwerk so eine gute Bewertung auf AAR bekommen hat - ich konnte es jedenfalls einfach nicht mehr länger ertragen.

Sonntag, 23. Mai 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 10

Ha, Drama, endlich! Na ja, wenigstens ein bißchen. Wird aber auch Zeit, denn immerhin habe ich schon mehr als die Hälfte von diesem Buch gelesen.

Nachdem Jake schweißgebadet von seinen fürchterlichen Albträumen erwacht ist, ist erstmal eine kalte Dusche angesagt. Da seine nichtsnutzigen Brüder immer noch nicht aufgetaucht sind, lungert Isabelle derweil unbehelligt im Gang vor seinem Schlafzimmer herum. Damit der Leser nicht einnickt, versucht es die Autorin nun wieder mal mit einer halbherzigen Sexszene: eine wilde Fummelei im Gang folgt, Isabelle hat den tollsten Höhepunkt ihres Lebens, und anschließend ziehen sich unsere beiden Helden in Jakes Schlafzimmer zurück, um noch ein wenig zu kuscheln. Nun hat vielleicht jeder Mensch eine andere Vorstellung vom perfekten Liebesgeflüster; das von Jake und Isabelle ist jedenfalls irgendwie anders als das, was ich kenne.

Die beiden erzählen sich nämlich erneut und diesmal in epischer Breite, wie schwer sie es hatten. Jake wurde als 15jähriger während seiner NavySEAL-Ausbildung gefoltert ("aber mach dir nichts draus, Schätzelein, was mich nicht umbringt, härtet mich ab"). Während er diese tragische Geschichte seitenlang der entsetzten Isabelle erzählt, ist er selbst kaum weniger entsetzt. Er hat sich in Isabelle verliebt! Wat nu??

Anschließend gesteht Jake, daß er von Onkel Cal damit beauftragt wurde, Isabelle zu beschützen, weil Rafe immer noch auf freiem Fuß ist. Isabelle ist schwerstens beleidigt, nimmt sich aber dennoch die Zeit, in aller Ausführlichkeit, sehr detailreich und in Kursivschrift von ihren Erlebnissen mit Rafe in Afrika zu berichten. Nachdem das auch geklärt ist, fängt sie wieder an zu zetern: sie will sofort zurück zu Onkel Cal. Und zwar JETZT GLEICH!!

Bei Onkel Cal angekommen, geht das Drama weiter, und zum ersten mal seit ich angefangen habe, dieses Buch zu lesen, muß ich breit grinsen. Und mit den Augen rollen. Es ist mal wieder so eine richtige WTF?-Szene. Anfangs macht Isabelle Onkel Cal heftigste Vorwürfe, weil er ihr verschwiegen hat, daß Rafe noch lebt, und weil er Jake damit beauftragt hat, auf sie aufzupassen. Es dauert aber gar nicht lange, bis sie unbedingt von ihm wissen will, warum er denn nicht mit ihrer Mama zusammen sei? Yup, das Liebesleben dieser beiden rüstigen Senioren muß genau jetzt dringend geklärt werden. Onkel Cal bringt aber gerade mal die ersten paar Sätze hervor, die er sich beim mühsamen Auswendiglernen des Buches "Liebesromanklischees für Dummies" gemerkt hat ("es war nur zu ihrem Besten"), da ruft Isabelles Mama an und wird natürlich direkt auch von ihr angepfiffen.

Wie jetzt? Ja klar, Isabelle pflaumt ihre Mutter zuerst wegen der Rafe-Geschichte an. Aber das "du hast meinen Papa mit Onkel Cal betrogen"-Thema muß natürlich auch dringend ausdiskutiert werden. Anschließend willigt sie widerwillig ein, sich weiterhin von Jake und seinen Brüdern beschützen zu lassen, bevor sie sich auf den Weg zur Arbeit macht.

In Afrika sind die Vorgänge derweil nicht minder dramatisch, denn Sarah und Clutch/Wachholder versuchen, Rafe am Flughafen abzufangen. Dabei wird Wachholder von einem unbekannten Angreifer (an dessen raubtierhaften Bewegungen Sarah sofort erkennt, daß er vom Militär ist) niedergeschlagen und gefesselt. Sarah erschießt seinen Angreifer und macht sich auf die Socken, um Rafe aufzuhalten. Rafe zielt mit einer Pistole auf Sarah, woran sie erkennt, daß dies ein ausgezeichneter Zeitpunkt ist, um ihn anzuzicken. Du hast mich betrogen und belogen!!, nörgelt sie. Rafe hat offenbar eine Schwäche für hysterische Frauen, denn statt Sarah zu erschießen, bietet er ihr sofort an, sie mitzunehmen.

Leider taucht just in diesem Moment Clutch auf und wirft sich auf Sarah, die gerade mit Rafe das Flugzeug besteigen wollte. Es gibt eine Schießerei, bei der weder Menschen noch Flugzeuge ernsthaft zu Schaden kommen, und schon ist Rafe entschwunden. Ich möchte an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß Stephanie Tyler nicht das Drehbuch für die nächste Folge von Stirb Langsam oder irgendeinen anderen Actionfilm schreibt. Dieser Film würde etwa so aufregend wie ein Kaffeekränzchen in einer Seniorenbegegnungsstätte.

Jedenfalls bleiben Sarah und Wachholder zurück und müssen nun noch mit der geheimen Geheimorganisation fertigwerden, die immer noch nicht von GOST in BULLSHIT umbenannt wurde und deren Mitglieder fortwährend Wachholders Handy anrufen und Todesdrohungen ausstoßen.

Ich muß mich jetzt erstmal wieder von dieser wundervollen literarischen Erfahrung erholen und überlasse unsere wackeren Helden fürs erste sich selbst!