Samstag, 4. Januar 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 1

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kinder, herzlich willkommen auf unserer Rundreise durch das Buch Raven von Andrea Mertz. Mein Name ist Susi, und ich bin Ihre Reiseleiterin.

Lassen Sie uns zunächst ein paar organisatorische Details besprechen, bevor wir uns ins Vergnügen stürzen. Für Ihre Übernachtungen haben wir Ihnen Zimmer im 4 Sterne-Hotel "The Mishapen Metaphor" in London gebucht, und selbstverständlich gehört dazu auch die Halbpension, wobei Sie morgens und abends jeweils zwischen Bohnen mit Toast oder Toast mit Bohnen wählen können. Abends wird Ihnen dazu gratis ein Glas warmes Bier ohne Schaumkrone gereicht.

Hin und wieder werden wir an einigen wohlbekannten Klischees vorbeikommen. An diesen Stellen haben wir für Sie sogenannte Klischee-Aussichtspunkte eingerichtet, damit Sie ein paar besonders schöne Fotos machen können. Selbstverständlich werde ich Sie jeweils rechtzeitig auf die Aussichtspunkte aufmerksam machen.

Beginnen wir unsere Rundreise nun mit dem Prolog, der in Libyen spielt. Wie Sie sehen, wird er aus der Sicht eines gewissen Frank Morgan, genannt Eagle, erzählt. Er denkt auf einer Fahrt durch die libysche Wildnis an seine Schwester Lianne, die Heldin des Buches. Dadurch erfahren wir, daß Lianne eine attraktive, kluge und modebewußte Frau mit einem Schuhtick ist, und daß sie eine Reporterin ist.

Hier sehen Sie, wie Frank und seine Kollegen, die alle übersinnliche Fähigkeiten haben und einer streng geheimen Geheimorganisation angehören, in einen Kampf geraten, in dem zunächst einmal ihr Jeep explodiert.

Ah, sehen Sie, hier kommt schon der nächste Protagonist. Es ist John McDermott, genannt Raven. Er besitzt genau wie Frank übersinnliche Fähigkeiten und ist Mitglied der streng geheimen Geheimorganisation.

- Ja, die Dame mit der hellblauen Leinenjacke - Frau Schneider, nicht wahr? - Sie haben eine Frage?

- Nun, wir haben einen Adler und einen Raben, da erscheint es mir durchaus logisch, anzunehmen, daß die Autorin weitere Bücher über übersinnlich begabte Helden mit Vogelnamen plant. Ich kann Ihnen leider noch nicht sagen, ob auch ein Geier, ein Huhn und ein Kanarienvogel dabei sein werden. Ich persönlich finde die Idee ganz bezaubernd, der Kanarienvogel könnte beispielsweise ein Opernsänger sein...nur die Sache mit dem Geier wäre ein wenig unappetitlich, finden Sie nicht? Aasfressen ist ja so unsexy.

So, jetzt gebe ich Ihnen erstmal eine Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Wenn Sie sich die Broschüre nachher in Ruhe durchlesen, werden Sie alles über Wesen und Geschichte der streng geheimen Geheimorganisation erfahren. Fürs erste reicht es, wenn Sie im Hinterkopf behalten, daß sie als Shadow Force oder auch Schattenkrieger bezeichnet wird und ein Teil des britischen MI6 ist.

- Ja, Herr...äh...Waldmann?

Oh, sie haben natürlich recht. Ich finde es auch etwas...ungewöhnlich, daß unsere großen, starken Alphahelden den Tod eines Kumpels und des Fahrers des soeben explodierten Jeeps mit "Verdammter Mist" und "Das kannst du laut sagen" kommentieren, und dem guten Frank ansonsten höchstens mal ein "holy moly" entfleucht. Vielleicht hat die Autorin nicht gewußt, wie man "fuck" oder "scheiße" buchstabiert?

Okay, ich muß jetzt noch mal eine Unterlage vom literarischen Institut Sankt Infodumping verteilen. Helfen Sie mir mal tragen, Herr Kaczmarek? Danke. Ja, die sind schwer. Dick wie Telefonbücher. Also, lassen Sie uns mal kurz (hihi) querlesen. Der Rabe ist davon überzeugt, daß es unter den Schattenkriegern einen Verräter gibt, der sie immer wieder in Fallen lockt. Wir erfahren, daß der Rabe in den Augen des Adlers ein hochgewachsener, sturer und wortkarger Schotte ist, den er zunächst für einen arroganten, selbstgefälligen, oberflächlichen Draufgänger und gefühllosen Frauenvernascher (ja, ein süßer Ausdruck, nicht?) hielt. In Wirklichkeit ist er aber 'n ganz netten Kerl, der intelligent, loyal und verläßlich ist. Der Adler glaubt nun auch, daß es einen Verräter gibt, aber auf gar keinen Fall kann es der Rabe sein.

So. Hier sehen Sie nun, wie der Rabe sein Maschinengewehr wegschmeißt und die Feinde mittels seiner übersinnlichen Kräfte in die Flucht schlägt. Hier tauchen noch zwei Schattenkrieger auf, ein Falke und ein Habicht. Diese beiden werden von Frank angewiesen, sich und einige Verletzte mit einem noch fahrtüchtigen Jeep in Sicherheit zu bringen und einen Hubschrauber zu rufen, der Frank  und John vom Ort des Kampfes abholt.

Oh! Hier haben wir ein besonders schönes Exemplar von...nun, ich kann wirklich nicht sagen, was das ist...aber sehen Sie selbst:

Ravens Wangenknochen mahlten, doch er schwieg.

Mahlende Wangenknochen! Wer weiß, wo der gute Rabe noch überall Gelenke hat, wo Normalsterbliche keine haben.

Aber Scherz beiseite. Der arme Frank verspürt urplötzlich am ganzen Körper unerträgliche Schmerzen, die offenbar durch einen bösen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten verursacht werden. Der Rabe hat offensichtlich das gleiche Problem. Franks letzter Gedanke gilt seiner Schwester Lianne, dann verliert er das Bewußtsein und der Prolog ist vorbei.

Nun, meine Damen und Herren, liebe Kinder, das war doch mal ein furioser Einstieg in das Buch! Und morgen geht es gleich mit ganz viel Action weiter. Wir treffen uns um 9 Uhr vor dem Hoteleingang. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine angenehme Nachtruhe!

Dienstag, 22. Oktober 2013

Das Geheimnis der Gummifrau

Wenn ihr schon immer mal den Wunsch hattet, eine größere Gruppe erwachsener Männer und Frauen in hysterische Schreie und verzweifeltes Weinen ausbrechen zu lassen, dann...

...solltet ihr dieses Buchcover unbedingt auf einem Chiropraktiker-Kongress präsentieren!

Sonntag, 13. Oktober 2013

Vivian Arend: High Risk

Rebecca James, genannt Becki, war eine renommierte Bergsteigerin/Bergrettungsexpertin, bis bei einem schrecklichen Unfall ihr Freund ums Leben kam. Leider hat Becki einen Filmriß und kann sich nicht an den Unfall erinnern, doch ständige Alpträume plagen sie und lassen sie nicht richtig schlafen. Als sie eine Stelle als Trainerin an einer Bergretterschule (wer hätte gedacht, daß es so etwas gibt) annimmt, trifft sie dort Marcus Landers wieder. Mit ihm hatte sie vor Jahren eine heiße Affäre, und sie fühlen sich immer noch zueinander hingezogen. Marcus hat allerdings auch gewisse Probleme...

Also, wenn ihr ein Buch in die Hand nehmt und auf der Vorderseite steht in großen Buchstaben als Titel "High Risk", und darunter in kleineren Buchstaben "An Adrenaline Novel"; und wenn ihr dann das Buch umdreht und auf dem Buchrücken steht: "Romantic Suspense" - würdet ihr dann nicht erwarten, daß das Buch eine Handlung hat, und zwar eine spannende? Tja, so ging es mir auch. Blöderweise hat das Buch aber bis auf die letzten paar Seiten überhaupt keine Handlung, und die ist dann wirklich nicht sehr spannend.

Ich will das mal beschreiben, allerdings geht das nicht ohne ein paar Spoiler, also Vorsicht:

Am Anfang des Buches kommt Becki nach Banff (das ist eine Stadt in Kanada) und trifft Marcus wieder. Marcus und Becki laufen, klettern und machen überhaupt jede Menge Sport, so daß ich dabei schon vom Lesen total müde werde. Dabei denken sie die ganze Zeit, wie sexy sie die jeweils andere Person finden und wie gerne sie mit ihm/ihr Sex hätten. Ich habe ja schon viele amerikanische Buchrezensionen gelesen, in denen sich die Rezensentin über das fortwährende "mental lusting" (wie nennt man das auf deutsch?) aufgeregt hat. Und immer dachte ich dann: hey, was ist denn so schlimm daran? Ich denke solche Gedanken recht oft und gerne in Zusammenhang mit meinem Liebsten...na ja, aber seit ich High Risk gelesen habe, hat sich meine Meinung ein wenig geändert. Es hat mich so genervt, daß ich nur noch dachte, jetzt vögelt euch doch endlich das letzte bißchen Gehirn weg, vielleicht geht's euch und mir dann besser. Sport und an Sex denken ist als Handlung für ein Buch eher dürftig!

Tja, aber man soll mit seinen Wünschen ja vorsichtig sein, weil sie vielleicht in Erfüllung gehen könnten. So auch hier. Der Mittelteil des Buches besteht aus den folgenden Komponenten: Sport, Vögeln, Labern. Nun bringe ich Sport generell ja ein eher mildes Interesse entgegen. Der Sex in High Risk war mir persönlich ein bißchen zu ausgefallen, denn Becki besitzt nicht nur ein Brustwarzen- sondern auch ein Intimpiercing, was leider bei jeder sich bietenden Gelegenheit erwähnt wird, so daß man es einfach nicht ignorieren kann. Das ist so eklig! Und der Marcus liebt es, Becki mit einem Seil und raffiniertesten Seemannsknoten zu fesseln (dafür mein Respekt, denn immerhin hat er nur eine Hand), bevor sie zur Sache kommen. Und das Labern ist...nun ja, labern. Es ist nicht so, daß Becki und Marcus totalen Schwachsinn von sich geben, aber sie erzählen sich ein bißchen, wie es ihnen so geht und was sie für Probleme haben, nur daß sie dann nicht über eine Lösung für ihre Probleme nachdenken, sondern sie machen direkt mit Sport oder Sex weiter. Laaaaaaaaaaaaaangweilig!

Im letzten Teil bekommt Becki schließlich, zur großen Überraschung von...niemandem, schätze ich, die Gelegenheit, eine wichtige Rolle bei einer Bergrettung zu spielen, und erinnert sich an ihren Unfall. Dann reiten Marcus, Becki und ihre Seemannsknoten in den Sonnenuntergang - oder besser gesagt, in den Nieselregen, denn in dem Buch herrscht ständig mieses Wetter.

Dem Buch fehlt sowohl eine Handlung als auch sympathische Charaktere. Okay, Becki und Marcus sind nicht unsympathisch, aber sie haben gar nichts an sich, was mich mit ihnen fühlen läßt. Sie haben keine Macken und keinen Humor. Eigentlich sind sie nur zwei überaus durchtrainierte Körper mit dauergeilen Geschlechtsorganen. Ich habe auch keine Ahnung, warum sie sich ineinander verliebt haben, denn außer daß die jeweils andere Person super aussieht und wahnsinnig muskulös ist, bekomme ich nicht viel davon mit, was Becki über Marcus und Marcus über Becki denkt.

Romantic Suspense ist das jedenfalls nicht. Das ganze sollte lieber als Erotikroman vermarktet werden, da würde man sich wahrscheinlich auch nicht so über die Piercings und die Seile wundern.

Freitag, 4. Oktober 2013

Maggie Robinson: In the Arms of the Heiress

Louisa Stratton ist eine reiche Erbin, die am Anfang des 20. Jahrhunderts lebt und dem Klischee "Frauen am Steuer - ungeheuer" in jeder Hinsicht gerecht wird, während sie auf der Flucht vor ihrer nicht gerade liebenswerten Familie ist. Eines Tages muß sie jedoch auf ihren Familienstammsitz zu ihrer fiesen Tante Grace und ihrem noch fieseren Cousin Hugh zurückkehren. Da sie dummerweise ihrer Tante vorgeschwindelt hat, verheiratet zu sein, muß schleunigst ein Schauspieler her, der für die Zeit ihres Aufenthalts in Rosemont vorgibt, Louisas Ehemann zu sein. Hier kommt Charles Cooper ins Spiel, ein durch den Burenkrieg schwerstens traumatisierter und dem Alkohol nicht abgeneigter Ex-Soldat. Charles und Louisa verlieben sich ineinander, und es könnte alles so schön sein - wären da nicht die Anschläge auf Charles und die Tatsache, daß von Louisas Konto auf geheimnisvolle Weise Geld verschwindet.

Bücher wie dieses gibt es in letzter Zeit öfter, zumindest in meinem Bücherregal. Ich meine damit weder die Handlung noch die Charaktere - nein, es ist dieses Gefühl, sich beim Lesen prächtig zu amüsieren, obwohl man ganz genau weiß, daß alles, was in dem Buch passiert, totaler Schwachsinn ist.

In the Arms of the Heiress hat mich wirklich sehr gut unterhalten. Wenn ich es einem Genre zuordnen sollte, würde ich sagen, es ist eine Gothic Comedy. Ja, mir ist klar, daß das absurd ist und es so etwas gar nicht geben kann. Aber Maggie Robinson kriegt es irgendwie hin. Louisa hat eine schwere Kindheit und Jugend gehabt. Ihre Eltern sind früh gestorben, und sie ist bei ihrer verbitterten Tante und ihrem niederträchtigen Cousin aufgewachsen, wo sie auf nahezu jede erdenkliche Art gedemütigt wurde. Trotzdem fürchtet Louisa diese Leute zwar und fühlt sich in ihrer Gegenwart unwohl, aber sie ist grundsätzlich ein fröhlicher und sogar optimistischer Mensch. Sie ist auch gar nicht besonders furchtsam und hat ein recht gesundes Selbstbewußtsein. Dazu scheint es ihr leicht zu fallen, anderen Personen zu vertrauen. Wie kann das sein? Meiner Ansicht nach kann das nicht sein - nicht bei einem echten Menschen, der das gleiche erlebt hat wie Louisa.

Charles hat im Burenkrieg furchtbare Erlebnisse gehabt und ist durch eine Verletzung halb blind. Er hat Albträume, die ihn am Schlaf hindern, und ist auf dem Weg, zum Alkoholiker zu werden. Aber durch das Zusammensein mit Louisa und die Notwendigkeit, sie vor ihren gräßlichen Verwandten zu beschützen, schafft er es ganz schnell, sich zusammenzureißen und zu ihrem strahlenden Helden zu werden.

Dazu kommt das große, gruselige Gemäuer, in dem Louisas Sippschaft wohnt, und die zwischen schmerzhalt, eklig und geführlich rangierenden Anschläge auf Charles. Alles zusammen müßte eigentlich einen etwas gruseligen Roman à la Victoria Holt ergeben (ich habe ihre Bücher verschlungen, als ich ein Teenager war!). Aber stattdessen verlieren weder Charles noch Louisa den Humor, verbringen die meisten Nächte engumschlungen und wissen nach etwa zwei Wochen (ich glaube, über diesen Zeitraum erstreckt sich die Handlung), daß sie den Rest ihres Lebens miteinander verbringen wollen.

Yup. Das hört sich alles sehr kurios an und ist es auch. Aber ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen (trotz Arbeit!) durchgelesen und danach direkt das nächste Maggie Robinson-Buch bestellt. Mir gefallen der Humor, der Schreibstil und die abwechslungsreiche Handlung. In the Arms of the Heiress ist nicht einer dieser Liebesromane, wo man zu jeder Zeit genau weiß, was als nächstes passieren wird, weil man das alles schon hundertmal gelesen hat. Wer ein Buch mit einer, gelinde gesagt, äußerst unwahrscheinlichen Handlung und einem enormen Spaßfaktor genießen kann, sollte es mit diesem hier ruhig mal versuchen.


Samstag, 21. September 2013

Michelle Raven: Riskantes Manöver

Kyla Mosley ist eine amerikanische Geheimagentin, die einen Einsatz in Afghanistan nur knapp überlebt hat, nicht zuletzt dank eines geheimnisvollen Retters, den sie nur unter dem Namen "Hamid" kennt. Monate nach diesem Einsatz kämpft Kayla immer noch mit dessen Auswirkungen, und auch Hamid kann sie nicht vergessen. Als Kyla nach Berlin geschickt wird, um mit einem BND-Mitglied ein Gespräch zu führen, stellt sie zu ihrer Überraschung fest, daß dieser Christoph Nevia nicht nur ihr geheimnisvoller Retter aus Afghanistan ist, sondern daß sich neben dem fiesen Wetter auch noch alles mögliche andere gegen sie und Chris verschworen hat. Nur knapp entgehen die beiden mehreren Anschlägen auf ihr Leben und fliehen nach Amerika, um die Drahtzieher der Verbrechen unschädlich zu machen...
Riskantes Manöver ist die Fortsetzung von Gefährlicher Einsatz und ich muß sagen,ich habe mich äußerst gut unterhalten gefühlt, obwohl ich zwar die ganze Zeit mühelos der Handlung folgen konnte, aber die Motive der Bösewichte größtenteils rätselhaft für mich blieben. Ja richtig, es gibt mehrere davon. Vor allem der Hauptbösewicht ist ein bißchen arg übertrieben, fast als wollte er die Grenzen seines Papierdaseins überwinden und sich für eine Hauptrolle im nächsten James Bond-Film ins Gespräch bringen. Trotzdem ist das ganze sehr spannend geschrieben, es taucht beinah jede Ermittlungs- und Geheimdienstbehörde auf, die es in Deutschland und den USA gibt, und vor allem sind die Haupt- und Nebenfiguren auf Seiten der "Guten" wirklich sympathisch- allen voran Chris, der einen tollen, etwas geheimnisvollen Helden abgibt. Von dem militärischen Hintergrund mal abgesehen, erinnern mich die Bücher von Michelle Raven ein wenig an die von Karen Rose, weil beide beschreiben, wie die jeweiligen Verbrechen bzw. Verbrecher nur im Team und mit respektvollem gegenseitigem Umgang der Teammitglieder bekämpft werden können. Das gefällt mir sehr gut und gibt der Geschichte einen Hauch von Glaubhaftigkeit.
Riskantes Manöver ist definitiv mehr Romantic als Suspense (die Wortkreation des Lyx Verlages, der diese Art von Büchern als Romantic Thrill bezeichnet, finde ich völlig beknackt). Das ist aber gar nicht schlimm, denn es gibt trotzdem eine Menge gut geschriebener, spannender Action-Szenen. Und beim Sex wird endlich mal niemand gefesselt oder geschlagen. Danke dafür, Frau Raven! Diese Angewohnheit breitet sich nämlich seit dem 50 Shades-Hype in Liebesromanen so aus wie Bakterien auf einem Dixiklo, und ich finde beides gleichermaßen abstoßend. Ich verstehe es auch nicht; als die Harry Potter Bücher neu waren, hat doch auch nicht plötzlich in jedem Buch jemand gezaubert oder eine zahme Eule gehabt!
Die meisten der Charaktere sind Amerikaner, aber weil Michelle Raven eine deutsche Autorin ist, fehlt hier auch dieser "wir Amerikaner sind doch echt zu geil für diese Welt, und deshalb sind alle anderen nur dazu da, um uns zu bewundern"-Grundton. Das geht mir bei Anne Stuart so dermaßen auf den Zwirn, daß ich von ihr bestimmt nichts mehr lesen werde. Wer solche romantischen Spannungsromane mit militärischem Hintergrund mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Klare Empfehlung von mir!

Dienstag, 10. September 2013

Komplimente können so unfaßbar fies sein

Wieder mal habe ich das Romantic Times blabla kann mir nie merken wie das heutzutage heißt Magazin gelesen und dabei die Rezension zu dem Buch Shooting Scars von Karina Halle gefunden.

Dieses Buch hat 4 Sterne bekommen. Im, ihr wißt schon, komischer Name der sich dauernd ändert-Magazin heißt das "compelling". Also, wenn ich ein Buch geschrieben hätte, würde ich mich ja freuen, wenn meine Leser das Buch unwiderstehlich fänden.

Aber - gebrochene Herzen, die im Schneckentempo heilen, und eine unsterbliche Liebe, so hartnäckig wie die Anrufe von Telefonverkäufern? WTF? Dazu noch ein Lob für die anmutige und zeitlich perfekt passende Art der Charaktere, "fuck" zu sagen?

Den Ausdruck "damning with faint praise" kenne ich ja, und daß nett die kleine Schwester von  scheiße ist, ist mir auch bekannt. Aber das ist wirklich mal eine sehr innovative Art der Beleidigung. Respekt! (Obwohl mir die Autorin deswegen ein bißchen leid tut).


Freitag, 6. September 2013

Die Photoshop-Katastrophe des Tages

Öhm ja, diese komische Regel läßt scheinbar nicht nur Bauchett schwinden, sondern auch die Fähigkeit, korrekt den Imperativ des Verbs "lesen" zu bilden?

Gefunden habe ich dieses verlockende Werbebanner übrigens bei Averie Cooks, ausgerechnet neben einem Rezept für Reese's Pieces Peanut Butter Cookies with Peanut Butter Buttercream. Ob ich diese Kekse mal nachbacke, weiß ich noch nicht, aber sie schmecken wahrscheinlich köstlich und haben 5 Trilliarden Kalorien.

Mittwoch, 4. September 2013

Frl. Krise und Frau Freitag ermitteln: Der Altmann ist tot

Frl. Krise und Frau Freitag sind zwei Bloggerinnen, die über ihren Alltag als Lehrerinnen in sogenannten "Brennpunktschulen" in Berlin schreiben. Die Blogs verfolge ich schon seit einiger Zeit mit einer Mischung aus Vergnügen und Entsetzen. O tempora! O Mores!, wie wir Lateiner sagen, oder auch: boah, was wächst denn da für 'ne Generation von Voll-Asis heran.

Natürlich war ich interessiert, als ich mitbekam, daß die beiden ein Buch veröffentlicht haben, und habe in meinem nicht mehr ganz jugendlichen Leichtsinn gleich mal 14,99 € bei Real auf den Tisch des Hauses gelegt, als ich das Buch da beim Einkaufen gesehen habe.

Diese etwas längliche Vorgeschichte ist aber leider auch schon das spannendste an dem Buch. Genaugenommen ist das ein total überflüssiges Buch, jedenfalls wenn man die Blogs liest. Ein Mathematiklehrer namens Günther Altmann wird tot aufgefunden, und wenig später stellt sich heraus, daß er ermordet wurde. Tja, mich persönlich wundert nur, daß nicht mehr Mathelehrer gewaltsam aus dem Leben scheiden. Oder Sportlehrer. Mathelehrer sind immerhin "nur" sadistisch. Sportlehrer dagegen sind im allgemeinen auch noch strunzdumm, aber das nur nebenbei. Meine Freundin H. hat mal als kaufmännische Angestellte in einem Fitneßstudio gearbeitet, wo sie einen Sportstudenten als Praktikanten hatte. Der konnte noch nicht mal das Alphabet!

Die Handlung von "Der Altmann ist tot" besteht daraus, daß Frl. Krise und Frau Freitag Kolleginnen des Verblichenen sind und aus purer Neugier anfangen, eigene Ermittlungen anzustellen, obwohl die Polizei das wahrscheinlich auch ohne sie hinkriegen würde. Es gibt Unmengen von Verdächtigen: angeblich konnte Altmann seine Finger nicht von seinen Schülerinnen lassen, er war fies zu seinen Kollegen und zu nahezu allen anderen Leuten, die ihn kannten, und mit seiner Frau stimmt auch etwas nicht. Es bedarf einiger waghalsiger Aktionen und peinlicher Undercover-Einsätze, um den Täter zu entlarven.

Das war's.

Ich würde jetzt gerne sagen, daß das Buch mäßig spannend und ziemlich lustig ist. Ist es aber nicht.  Passender wäre der folgende Kommentar:


Mein Rat: lest die Blogs und laßt das Buch links liegen. Der größte Teil des Buchtextes besteht aus Geschichten, bzw. der fiktiven Fortsetzung von Geschichten, die man schon in den Blogs und dort amüsanter aufbereitet lesen konnte. Mit einer aufgepfropften und wirklich nicht spannenden Krimigeschichte. Laaaaaaaaaaangweilig.


Mittwoch, 14. August 2013

Schatzi, du piekst!

Haha, das zieht mir die Schuhe aus. Neben Wer-Rindern gibt es jetzt auch einen Liebesroman über Wer-Igel. Ja genau, Igel. Die putzigen kleinen Stacheltiere, die im Herbst oftmals gerettet werden müssen, damit sie nicht verhungern. Wer näheres dazu wissen will, liest die Rezension, die ich bei Smart Bitches, Trashy Books gefunden habe.



Da fällt mir gerade was ein. Igel machen doch einen Winterschlaf, oder? Also - machen Wer-Igel das dann auch?  Und wenn frau sich in so einen Wer-Igel verliebt, muß sie dann den ganzen Winter lang selbst Schnee schippen, weil der feine Herr Igel ja pennen muß?

Andererseits könnte es noch viel schlimmer kommen. Frau könnte sich in eine Wer-Schildkröte verlieben (muß im Winter einige Monate lang im Kühlschrank gelagert werden) oder sogar in einen Wer-Storch (verbringt das halbe Jahr in Afrika und bringt JEDE MENGE Babys).

Warten wir's mal ab. Amerikas umtriebige Liebesroman-Autorinnen arbeiten sich bestimmt noch durch Brehms komplettes Tierleben. Das wird noch ganz spannend, wenn sie bei E wie Elefant oder N wie Nacktschnecke ankommen.

Dienstag, 13. August 2013

Rainer Löffler: Blutsommer

Martin Abel, der beste Fallanalytiker des Stuttgarter Landeskriminalamts, wird nach Köln "ausgeliehen", denn dort treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Daß ihn seine junge Kollegin Hannah Christ begleitet, um von ihm etwas zu lernen, begeistert ihn anfangs überhaupt nicht. Dazu kommt, daß die Kölner Polizei seine Arbeit mit großem Mißtrauen beobachtet und daß es äußerst schwierig ist, den Mörder zu fassen. Dieser scheint alles zu wissen, was die Polizei tut, und er hinterläßt keine Spuren...

Blutsommer ist ein spannender Krimi, aber er bietet wirklich überhaupt gar nichts neues für jemanden, der schon etliche Krimis gelesen hat und / oder einige Folgen von Serien wie CSI oder Criminal Minds im Fernsehen gesehen hat. Dafür reiht sich aber ein Klischee ans andere: der Ermittler ist ein menschliches Wrack, dessen psychische Probleme einer ganzen Schar von Psychologiestudenten zu Themen für ihre Diplomarbeiten verhelfen könnten. Alle schönen Frauen fahren auf den größten Loser ab. Der Mörder hatte eine schlimme Kindheit (das ist jetzt nicht wirklich ein Spoiler, oder?).

Wenn Rainer Löffler mal noch ein Buch veröffentlicht und mir dieses Buch zufällig in die Hände fällt, werde ich es höchstwahrscheinlich lesen, weil ich nun einmal gern spannende und gruselige Krimis lese. Aber Blutsommer hat kein Alleinstellungsmerkmal, das es von dutzenden anderer Bücher mit ähnlichen Themen abhebt.

Die Handlung ist nicht sonderlich originell, und die Charaktere sind weder besonders sympathisch noch besonders unsympathisch. Hannah Christ hat, um es in den Worten meines Kollegen B. zu sagen, Eier. Also, im übertragenen Sinne. Sie trägt nämlich, und das wird im Verlauf des Buches mehrmals erwähnt, das Parfüm Angel. Im Hochsommer, bei Temperaturen um die 30° C. Wer dieses Parfüm kennt, wird wissen, daß es eine (meiner Meinung nach) sehr schöne und einzigartige Duftnote hat. Aber es ist sehr schwer und intensiv und nur in homöopathischen Dosen zwischen November und März auszuhalten. Insofern: Respekt, Hannah. Und danke, daß du nicht stattdessen Opium trägst. Da wird mir schon beim Gedanken daran schlecht.

Aber zu wissen, welches Parfüm eine der Hauptfiguren trägt, macht das Buch auch nicht zu einem Bestseller. Daher würde ich mir für weitere Bücher von Herrn Löffler wünschen, daß er den flüssigen Schreibstil beibehält und von der Kreativität her noch 'ne Schippe drauflegt.