Sonntag, 18. September 2011

Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 10


Liebes Tagebuch,

es war so aufregend! Also, nicht die Sache mit Bella und Kevin und Ricky gestern abend. Da habe ich noch eine Menge lautes Stöhnen und Keuchen und Peitschenschläge gehört (nun ja, Kevin ist immerhin Papas Erbe, nicht war? Da muß er wohl auch gelegentlich die Dienstboten züchtigen), aber Bella ist nicht in mein Zimmer gekommen.

Nun ja, nachdem der Fremde in Lord und Lady Mousys Bibliothek meine Kleidung aus dem Weg geschoben hatte, packte er meine Schultern, schob…irgendwie…seine Beine zwischen meine und plötzlich merkte ich, daß mich etwas längliches warmes…da unten…berührte. Da, wo ich mich nicht waschen darf! (Hat mein Kindermädchen immer gesagt). Dann packte mich der Fremde und hob mich hoch, so daß ich meine Beine um seine Hüften schlingen mußte, um nicht wie ein nasser Sack auf den Boden zu plumpsen. Und plötzlich rutschte das längliche warme in mich hinein! So ein seltsames Gefühl. Irgendwie…beglückend? Der Fremde setzte meinen entblößten verlängerten Rücken auf dem Schreibtisch ab (hoffe, daß ich da jetzt keine Tintenflecken habe, kann aber leider nicht hinschauen; Bella muß morgen mal nachsehen) und begann sich auf und ab zu bewegen und so eigenartig zu grunzen. Ich bemerkte, daß ich laut stöhnte. Der Fremde bewegte sich immer schneller. Plötzlich öffnete sich die Tür der Bibliothek und ich sah – nun ja, keine Ahnung, wer das war. Der Kleidung nach muß es wohl ein Lakai von Lord und Lady Mousy gewesen sein. Er schloß die Tür ganz schnell und muß  fortgegangen sein, und das war gut, denn ich konnte mich nur noch auf den Fremden konzentrieren, dessen Gesicht nun gerötet und schweißgebadet war, und dessen Mund sich an meinem Hals festgesaugt hatte. Es war so unbeschreiblich wundervoll, und Wellen der unglaublichsten Gefühle überkamen mich und wollten gar nicht mehr aufhören, bis der Fremde ganz plötzlich laut stöhnte und ich merkte, wie an meinen Beinen etwas warmes und dickflüssiges herunterlief.

Eigenartig, das. Ich muß Kevin danach fragen. Jedenfalls war ich gar nicht mehr traurig, daß ich keine Süßigkeiten im Schreibtisch gefunden hatte und auch nicht wußte, was aus der Salami geworden war. Verdutzt starrte ich den Fremden an und sagte das erste, was mir einfiel: "Wer…wer sind Sie?"

Der Fremde lächelte mich an, aber es war ein etwas unangenehmes Lächeln. "Du, meine Süße, kannst mich Freddy nennen, wenn wir unter uns sind. Aber deinem Papa kannst du viele Grüße von Frederick St.Moron, dem Herzog von Steelyballs ausrichten. Und bei der Gelegenheit kannst du ihm auch sagen, daß ich erwarte, daß er in Zukunft etwas mehr unternimmt, um das Amulett der Sündigen Fanny zu finden. Da reicht es nicht, daß er mir seine schöne Tochter hinterherschickt, damit sie mich verführt! Dieses Amulett gehört den St.Morons seit Generationen, und deine nichtswürdige, ehrlose Familie hat es gestohlen!" Nun hatte der Fremde, also der Herzog, sich wohl in Rage geredet, und schon hatte er auch seine Kleidung gerichtet und war verschwunden.

Und ich? Ich japste nach Luft, so sehr, daß mindestens die Hälfte der Schnüre an meinem Korsett gerissen sind. Dann wurde ich an Ort und Stelle bewußtlos!

Sonntag, 11. September 2011

Voilà, je vous présente...

Ich weiß, es gibt da draußen in der großen weiten Welt viele Anne Stuart Fans. Ich gehöre nicht dazu; ich habe nämlich eine recht niedrige Arschloch-Helden-Toleranzschwelle. Nun ist es aber so, daß ich über den DearReader.com Romance Bookclub jede Woche per e-mail Leseproben von Liebesromanen bekomme. Oft werden da etwas ältere Exemplare vorgestellt, aber in der letzten Woche war Breathless von Anne Stuart dran. Ich habe gar keine Zeit gehabt, mir die Leseproben richtig durchzulesen, aber etwas fiel mir doch auf: der Name des Helden! Der heißt nämlich

Lucien de Malheur

WTF? Was kommt denn da als nächstes? Der Duc du Schlechtes Karma? Mademoiselle Dumm Gelaufen?

Und noch wichtiger: wird es ein Crossover-Buch von Anne Stuart und J.R. Ward geben, in dem sich der grauenhaft gefährliche, fürchterlich leidende und Lederkleidung tragende Vampir Mhächtig Anhgepisst unsterblich in die französische Aristokratin Princesse de Pleiten-Pech et Pannen verliebt?

Pamela Clare: Extreme Exposure

Kara McMillan ist Journalistin bei einer Tageszeitung in Colorado. Schon seit Jahren hat sie sich für nichts anderes interessiert als die Erziehung ihres kleinen Sohnes Connor und ihre Arbeit. Eines Tages überschlagen sich jedoch die Ereignisse: ehe sie es sich versieht, hat Kara eine heiße Affäre mit Reece Sheridan, einem attraktiven, intelligenten, integren und kompetenten Politiker (na klar doch) und ist gleichzeitig einem Skandal auf der Spur: eine Firma, die Zement herstellt, scheint gegen jedes der Menschheit bekannte Gesetz gegen Umweltverschmutzung zu verstoßen. Schon bald steckt Kara in der Zwickmühle: Unbekannte bedrohen sie und verüben Anschläge auf sie - etwa die Zementfirma? Und welche Verbindung hat Karas neuer Liebhaber zu dieser Firma?

Eins muß man Pamela Clare lassen: sie hat ein Händchen für ziemlich außergewöhnliche Szenen - und unfreiwillige Komik, aber dazu später mehr. Der Anfang des Buches ist bewundernswert schräg: Da geht Kara mit einer Freundin aus, betrinkt sich und fängt direkt an, Reece, den sie bisher nur beruflich von einem Interview kannte, faszinierende Details über ihre sexuellen Vorlieben zu erzählen. Das ist ja die Wucht in Tüten. So betrunken könnte ich überhaupt nicht sein! Aber egal: Reece steht auf Kara, Kara fährt auf Reece ab, und so könnte die Liebesgeschichte ihren Lauf nehmen, wenn Karas Gewissenbisse wegen ihres kleinen Sohns dem nicht im Weg stünden. Diese Bedenken kann Reece aber nach und nach ausräumen.

Etwas spannender ist da schon der Suspense-Plot, wenn ich diesen Anglizismus mal ausnahmsweise benutzen darf (ja, darf ich. Ist ja mein Blog). Kara bekommt unter größter Geheimhaltung Hinweise und vertrauliche Unterlagen von einem Mitarbeiter der Zementfirma. Sie schafft es, heimlich das Werksgelände der Firma aufzusuchen und dort Fotos zu machen und Wasserproben zu entnehmen. Ein bißchen wie Julia Roberts in Erin Brockovich. Als Kara aber auch noch anfängt, die Anwohner in der Umgebung der Firma zu befragen, bemerken deren Verantwortliche offensichtlich, daß etwas im Busch ist, und von da an wird es richtig gefährlich.

Extreme Exposure ist ein spannendes Buch und das Lesen hat mir wirklich Spaß gemacht. Aber es ist schon eher das, was ich als "fluffy" bezeichnen würde. Insbesondere mit dem Helden hatte ich so meine Probleme. Reece Sheridan ist eigentlich ein Lehrer, der sich ins Amt des Senators wählen ließ, um seinen Schülern zu beweisen, daß die Beteiligung jedes einzelnen Bürgers am politischen Geschehen möglich und sinnvoll ist. Er sieht gut aus, ist ein toller Liebhaber, unbestechlich, selbstlos, treu, ehrlich, zuverlässig und reich. Oder mit anderen Worten: daß es jemanden wie ihn gibt, ist ungefähr so wahrscheinlich wie die Landung eines Ufos auf meinem Balkon innerhalb der nächsten 5 Minuten. Hier in Dortmund sind schon die Kommunalpolitiker weltfremd, inkompetent, korrupt, verlogen und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Nichts deutet für mich darauf hin, daß das auf Landes- oder Bundesebene irgendwie anders sein könnte. Abgesehen davon fällt mir nicht ein einziger Politiker ein, den man auch nur im entferntesten als gutaussehend bezeichnen könnte. In den USA werden die Verhältnisse in der Hinsicht wohl auch nicht großartig anders sein.

Immerhin hat Extreme Exposure aber die etwas zweifelhafte Ehre, einen der bescheuertsten Sätze in der Geschichte der Literatur zu beinhalten. Ich kichere jetzt noch, wenn ich dran denke. Gegen Ende des Buches wollen die Bösen Kara nämlich töten, in dem sie sie in einen Ofen stecken (ich bin aus der Beschreibung nicht ganz schlau geworden, aber es könnte sich um einen Drehrohrofen handeln). Egal, Kara hat jedenfalls schlagkräftige Argumente, die selbst den kaltblütigsten Mörder von seiner grausen Tat abhalten würden:

The blast of heat took her breath away. The white-orange blaze was painfully bright even in the daylight, and the roar was like that of a freight train. Red, glowing bricks lined the interior, even the door. She turned her face away and shut her eyes against the glare. "Killing me constitutes a major violation of the First Amendment!"

Yup. Die Bösewichter sind davon genauso beeindruckt wie ich, aber gerettet wird Kara natürlich trotzdem.

Abschließend noch ein paar Worte der Warnung: wer an Diabetes leidet, sollte auf gar keinen Fall auch nur daran denken, den Epilog dieses Buches zu lesen. Das ist mein Ernst. Ich habe es getan und merkte schon beim Lesen, wie sich Karies über meine Zähne ausbreitete. Ich liebe Happy Ends, und ich mag Süßigkeiten, aber was zuviel ist, ist zuviel.

Samstag, 3. September 2011

Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 9


Liebes Tagebuch,
die Bibliothek von Lord und Lady Mousy ist ganz schön armselig. Da sind noch nicht mal Süßigkeiten im Schreibtisch versteckt! Wenn ich einen Schreibtisch hätte, dann würde ich in die Hälfte der Schubladen Süßigkeiten und in die andere Hälfte kleine Flaschen mit Hustensaft legen. So hätte ich immer, was ich brauche.

Während ich die Schubladen des Schreibtischs öffnete, hörte ich plötzlich ein Räuspern hinter mir. Und als ich mich umdrehte – ich wurde ein bißchen rot, weil ich mir nicht sicher war, ob Lord und Lady Mousy damit einverstanden sind, daß ich in ihrem Schreibtisch Süßigkeiten suche – sah ich, daß der Fremde von Lady Sandcastles Ball hereingekommen war!

Oh, er ist ja so anbetungswürdig. Er hat unglaublich breite Schultern. Aber er hat etwas grimmig geguckt und die Stirn gerunzelt. "Was machst du kleine Hexe denn da?" hat er mich angeherrscht.

Oh je. Im Ausredenerfinden hatte ich zwar eine 2 in der Schule – aber…unserere Lehrerinnen waren ja auch nicht so attraktiv und maskulin wie dieser Fremde. Ich fürchte, ich habe ein bißchen herumgestammelt und etwas in der Art von "Ich…äh, also…mir ist was runtergefallen…ein Familienerbstück. Das Amulett von meiner Ur-ur-ur-Oma Fanny. Sie war, äh…zwei Wochen lang die Geliebte von Charles II!" gesagt. (Meine Lehrerin Miss Dunwick hat immer gesagt, daß nahezu jede britische Adelsfamilie eine Urahnin hat, die die Geliebte von Charles II war. Und dann hat sie noch gesagt, daß wir deswegen alle miteinander verwandt und irgendwie inzestgeschädigt sind. Was kann sie damit nur gemeint haben??).

Der Fremde sah beeindruckt aus. Er runzelte zwar immer noch die Stirn, aber er sagte, er würde mir beim Suchen helfen. Dann kam er auf mich zu und packte meine Hüften! Er riß mich an sich und plötzlich biß er mich ins Ohrläppchen und rieb seine Vorderseite an mir. Ich spürte etwas hartes, längliches, etwa in der Höhe meines Bauchnabels – ob er wohl von Lady Mousys Buffett eine Salami mitgenommen hatte? Aber egal: plötzlich begann der Fremde mich zu küssen und gleichzeitig am Ausschnitt meines Kleids zu ziehen. Es war so aufregend! Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, und ich hörte ein lautes Stöhnen und merkte, daß ich das selbst war! Mir fiel plötzlich ein, daß es mittags schon wieder nur Schafsinnereien gegeben hatte, und so griff ich nach der Salami, die plötzlich noch größer wurde, und der Fremde ließ von meinem Ausschnitt ab und schob meinen Rock und meinen Unterrock und meinen Unter-Unterrock hoch und dann…

…oh. Ich muß das Licht ausmachen. Nebenan quiekt Bella ganz laut, und wer weiß, vielleicht ärgert sie sich gerade über Kevin und kommt gleich rüber, um ihren Zorn an mir und meiner Katze auszulassen! Ich muß ganz schnell tun, als würde ich schlafen.

Dienstag, 30. August 2011

Der rustikale Rinderwirt Rhett und seine bovinen Brüder oder: viele Kühe machen Mühe

Im Mai war ich ja erschüttert, als ich herausgefunden hatte, daß es Literatur über Rindviecher-Gestaltwandler gibt. Genau genommen rollen sich mir beim Gedanken daran immer noch die Zehennägel auf.

Aber jetzt kommt's: Jane von Dear Author besaß tatsächlich genug Nervenstärke, um dieses Highlight der erotischen Gestaltwandler-Literatur zu lesen! Unfaßbar, aber wahr, und hier könnt ihr die Rezension lesen.

Ich weiß nicht..ich bin ein ganz winziges, klitzekleines bißchen in Versuchung, das Buch selbst zu lesen. Einfach um sagen zu können, daß ich das bescheuertste Buch aller Zeiten gelesen habe. Andererseits gibt es höchstwahrscheinlich in ganz Nordrhein-Westfalen nicht genug Alkohol, um das zu ertragen, also lasse ich es doch lieber bleiben.

Sonntag, 28. August 2011

Stefan Holtkötter: Bullenball

Im Münsterländischen Hinterland tobt völlig unerwartet das Leben: Kurz vor dem sogenannten Bullenball, wo sich alljährlich die gesamte Landbevölkerung trifft, wird in der Veranstaltungshalle ein Sicherheitsmann getötet. Während die Polizeit in Gestalt des Hauptkommissars Bernhard Hambrock noch versucht, den Tathergang zu klären und mögliche Verdächtige ausfindig zu machen, erhält eine nahegelegene Schule Drohungen von einem angeblichen Amokläufer. Obendrein gibt es Anschläge auf die Jazzband, die beim Bullenball auftreten soll und in der fast jeder mitspielt, der in der Lage ist, ein Instrument zu halten. Bei dem langerwarteten Fest, das gleichzeitig Schauplatz des Junggesellenabschieds eines jungen Hochzeitspaars ist, spitzt sich die Lage dramatisch zu...

Als Krimi funktioniert das Buch. Es ist spannend geschrieben, und genauso wie die Polizei tappt der Leser lange Zeit im Dunkeln in Bezug auf die Frage, wer wem was getan hat oder antun möchte. Es gibt einfach jede Menge Verdächtige: frustrierte Erwachsene, gemobbte Jugendliche, eine von ihrem Angebeteten verschmähte Frau und einen Beinah-Pädophilen. Aber genau das ist auch das Problem: das Buch ist höllisch deprimierend, weil von allen Personen kaum jemand auch nur ein kleines bißchen Lebensfreude an den Tag legt, bzw. Grund dazu hätte. Selbst der Kommissar schiebt ständig Frust, weil er seine Frau vermißt - dabei ist sie weder abgehauen noch gestorben, sondern nur für eine Woche bei ihren Eltern in den Niederlanden!

Bei einigen Personen kommt man auch nicht so wirklich dahinter, warum sie es denn nun eigentlich so fürchterlich schwer haben - da gibt es jede Menge Andeutungen, daß dieser oder jener eine wirklich schlimme Kindheit gehabt habe, aber man erfährt nicht, was genau eigentlich so schlimm war.

Insgesamt ist Bullenball ein spannendes Buch, aber es gibt keine besonders liebenswerten Charaktere, und der Lesespaß bleibt leider weitestgehend auf der Strecke.

Dienstag, 16. August 2011

Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 8


Liebes Tagebuch, 
ich bin ganz aufgewühlt und kann nicht einschlafen. Nun ja, ich könnte vielleicht einschlafen, wenn Kevin in seinem Schlafzimmer nicht so komische Geräusche machen würde. So eine Mischung aus Stöhnen und Schreien. Ich glaube, Bella ist wieder mit der Peitsche auf ihn losgegangen und einer unserer Stallburschen (er heißt Ricky und ist gebaut wie ein Schrank) ist vorhin mit einem Strick in der Hand und einer ganz seltsamen Ledermaske vor den Augen in Kevins Zimmer verschwunden. Eigenartig. Ich bin mir ganz sicher, daß es in Kevins Zimmer gar keine Pferde gibt.

Vor meinen Eltern konnte ich natürlich nicht so tun, als hätte ich die Maul- und Klauenseuche. Deshalb habe ich mir das Gesicht und die Hände mit Salz abgerubbelt, so daß sich meine Haut gerötet hat. Meinen Eltern habe ich einfach gesagt, der Schafsmagen, den wir heute Mittag hatten, sei mir nicht bekommen und ich hätte einen Ausschlag. Mama und Papa haben besorgt geguckt und gesagt, ich solle Lord Festerwart aus dem Weg gehen, damit er mich so nicht sieht. Das war gut. Wenn ich Lord Festerwart dennoch begegnete, wollte ich ihm sagen, eine Wunderheilung hätte mich schon fast – aber nur fast – von der Seuche befreit.

Als wir bei Lady Mousy ankamen, sah ich, daß der Fremde aus Lady Sandcastles Garten auch da war! Ich wollte schon auf ihn zugehen und ihn fragen, ob er…das…von gestern abend…noch mal mit mir machen könnte, als mir einfiel, daß ich ja einen vorgetäuschten Ausschlag hatte. Also wollte ich zu Mama sagen, daß ich meine Nase pudern gehe, aber sie hat gar nicht auf mich geachtet. Papas Gesicht wurde nämlich ganz rot und sein Hals schwoll ganz furchtbar an, als würde er (also, mein Papa) gleich platzen. Da mußte wohl der Herzog von Steelyballs irgendwo in der Nähe sein. Ich wüßte so gern, warum Papa ihn so haßt und wie er wohl aussieht? Ob er und Papa sich wohl in Papas Jugend (vor hundert Jahren oder so?) um Mamas Gunst duelliert haben?

Jedenfalls ist mit Papa nicht gut Kirschen essen, wenn er sich so aufregt. Ich bin vorsichtshalber weggelaufen und habe mich in der Bibliothek von Lord und Lady Mousy versteckt.

In der Bibliothek war es langweilig. Da waren lauter Bücher. Und keins davon hatte Bilder! In einer Ecke stand ein Schreibtisch. Ich habe in alle Schubladen geschaut weil ich dachte, es seien vielleicht irgendwo Süßigkeiten versteckt.

Sonntag, 14. August 2011

Ben Aaronovitch: Midnight Riot

Peter Grant ist ein junger Polizist in London, der eines Tages unversehens entdeckt, daß es nicht nur Geister und Magie und übernatürliche Wesen gibt, sondern daß er mit den Geistern auch sprechen kann. Das trifft sich gut, da London gerade von einer Welle äußerst brutaler und völlig unerklärlicher Morde heimgesucht wird. Ehe er es sich versieht, wird Peter der Azubi von Chief Inspector Thomas Nightingale, der bei der Londoner Polizei dafür zuständig ist, magische Verbrechen aufzuklären. Gemeinsam versuchen sie, weitere grausame Verbrechen zu verhindern...

Ich bin ja nicht der größte Fantasy-Fan weit und breit, aber Midnight Riot ist wirklich klasse und eine ganz klare Empfehlung - allerdings nur für Leute, die damit leben können, wenn ein Buch in der Ich-Form geschrieben ist.

Ich höre ja im Radio oft den Sender BFBS, das ist der britische Soldatensender. Dabei fällt mir ganz oft auf, wie sehr sich doch das britische vom amerikanischen Englisch unterscheidet. Das ist bei Midnight Riot auch der Fall: man hört Peter, den Erzähler, quasi mit seinem englischen Akzent sprechen, wenn man das Buch liest.

Die Geschichte selbst ist noch nicht mal das tollste an dem Buch, obwohl sie okay ist: es geht um das Böse schlechthin, um Schauspieler und Mörder aus dem 17. Jahrhundert, und um Flußgötter. Aber was mich vor Begeisterung wirklich umgehauen hat, ist der Humor. Es macht einfach einen Riesenspaß, dieses Buch zu lesen, und die Dialoge sind Gold wert.

Da ist zum Beispiel ein Gespräch ganz zu Anfang des Buches, als Peter seinen zukünftigen Lehrmeister Thomas Nightingale gerade erst kennengelernt hat:

"So magic is real", I said. "Which makes you a...what?"
"A wizard."
"Like Harry Potter?"
Nightingale sighed. "No", he said. "Not like Harry Potter."
"In what way?"
"I'm not a fictional character", said Nightingale.

Großartig, oder?

Oder wie wäre es mit der Szene, als Peter - um seiner umfassenden Ausbildung als Zauberer willen - in das riesige, gewaltige Haus von Thomas Nightingale einzieht und entdeckt, daß dort der Wissenschaftler Isaac Newton (ihr wißt schon: der mit dem Apfel) verehrt wird:

Carved above the lintel were the words SCIENTIA POTESTAS EST.


Science points east, I wondered. Science is portentous, yes? Science protests too much. Scientific potatoes rule. Had I stumbled upon the lair of dangerous plant geneticists?

Großartig. Einfach großartig.

Oder dies hier:

Something round and dirty and white was resting near my foot. It was a skull, I picked it up.
"Is that you, Nicholas?", I asked.
"Put that down, Peter", said Nightingale. "You don't know where it's been."

Also: Midnight Riot ist ein großartiges, phantastisches, absolut lesenswertes Buch mit einer nicht gerade wahnsinnig originellen Handlung, aber mit einem Schreibstil und einem Sinn für Humor, der mich vor Begeisterung umhaut. Lest es!

Mittwoch, 3. August 2011

Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 7

Liebes Tagebuch,

Bella war sehr übellaunig, als sie von ihrem Ausflug mit Lord Festerwart zurückkam. Ich verstehe gar nicht, warum. Für ein Mitglied der Unterschicht wie Bella muß es doch unglaublich schön sein, mit einem echten Lord einen Ausflug zu machen, nicht wahr? Aber Bella hat nur gesagt, Lord Festerwart habe versucht, in ihre derrière zu kneifen und in ihr Dekolleté zu sabbern. Dann ist sie schnurstracks in den Garten gerannt. Nach ganz hinten, wo diese komischen Pflanzen mit den vielen Blättern stehen, die unsere Dienstboten immer trocknen und die so seltsam riechen, wenn sie sie rauchen.

Das war gut. Wenn Bella diese Pflanzen geraucht hat, läßt sie meistens sogar meine Katze für mehrere Stunden in Ruhe. Allerdings behauptet Alphonse – das ist unser französischer Koch – daß sie dann die ganze Küche leerfrißt. Aber ich glaube, das stimmt gar nicht. Na ja, einmal vielleicht. Da hat Alphonse uns zum Abendessen Löwenzahntee und ein paar vertrocknete Brotkrusten vorgesetzt! Papa war sehr wütend und hätte Alphonse beinah entlassen. Das hat er dann allerdings doch nicht gemacht, weil Alphonse sagte, er könne sofort eine Anstellung beim Herzog von Steelyballs bekommen. Der Herzog ist nämlich Papas Erzfeind.

Heute abend sind wir übrigens bei einem musikalischen Abend bei Lady Mousy. Papa sagt, ich soll etwas hübsches anziehen, weil Lord Festerwart auch dasein wird. Oh je, das wird schwierig. Lord Festerwart denkt doch, ich hätte die Maul- und Klauenseuche! Vielleicht sollte ich mir eine Kuh suchen oder ein Schaf, und versuchen, mich wirklich mit dieser Krankheit anzustecken. Aber wie soll ich bis heute Abend mitten in London ein Schaf finden? Also, ein lebendiges. Ein totes habe ich ja fast jeden Tag auf dem Teller. Manchmal auch nur die Eingeweide. Mit Pfefferminzsauce…Oh! Ich frage mich, ob die Schafe wohl schon tot sind, wenn Alphonse sie kauft?

Jaci Burton: The Perfect Play

Oder auch: das Buch mit Sabber-Garantie. Für die meisten von euch, wenn auch nicht so unbedingt für mich.

Mick Riley ist ein berühmter Footballspieler, der auf einer Party die Event-Planerin Tara Lincoln kennenlernt. Zwischen Mick und Tara funkt es sofort, nur leider hat Tara ungefähr eine Milliarde plausibler und nicht wirklich plausibler Gründe, sich nicht auf eine Beziehung mit Mick einzulassen. Darunter firmieren auch die Tatsachen, daß sie die alleinerziehende Mutter eines Teenagers ist, sie schrecklich viel Arbeit mit ihrer Firma hat, und überhaupt. Neben Tara selbst gibt es noch jemanden, der nicht gerade entzückt von Micks und Taras Liebesbeziehung ist, und das ist seine Managerin Elizabeth Darnell. Die findet es nämlich wesentlich lukrativer, Mick bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit mit irgendwelchen weiblichen Promis über rote Teppiche flanieren zu lassen. Und so nimmt der Weg zum Happy End über 300 Seiten in Anspruch.

Warum wollte ich das Buch eigentlich lesen? Am Cover kann's nicht gelegen haben, ich stehe gar nicht auf so übertrieben muskulöse Typen die so aussehen, als würden sie wer weiß was für Pillen einwerfen...na ja, vielleicht war's die Leseprobe. Die hat schon ein bißchen mehr versprochen, als das Buch gehalten hat.

Das heißt nicht, daß The Perfect Play ein fürchterlich mieses, grottiges Buch ist. Es liest sich wirklich ganz angenehm, ist nicht langweilig, und hat ein paar ganz sympathische Charaktere.

Die Heldin gehört leider nicht dazu, denn die ist eine zickige Dumpfbacke. Anfangs ziert sie sich ganz fürchterlich, weil der Held mit ihr ausgehen will ("Aber das geht doch nicht! Ich bin doch eine alleinerziehende MUTTER!!!") - wobei ihr Sohn allerdings 14 oder 15 ist. Da kann der muntere Knabe ja wohl mal so langsam damit klarkommen, daß Mama einen Freund hat, oder?

Aber okay. Was ich noch schlimmer fand, war eine Szene weiter hinten im Buch. Tara weiß nämlich von Anfang an, daß Mick auf Wunsch seiner Managerin immer wieder mit irgendwelchen Schauspielerinnen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen oder ähnlichen Gelegenheiten erscheint. Einmal ist es so kurzfristig, daß er vergißt, ihr vorher Bescheid zu sagen - und es handelt sich ausgerechnet um eine Veranstaltung, die Tara organisiert hat. Sofort zickt sie fürchterlich rum und macht Schluß mit Mick. Der Ärmste hat ein entsetzlich schlechtes Gewissen, aber ich saß nur da und dachte: was soll denn dieses ganze Theater?

Dazu kommt, daß die Dialoge ziemlich lausig sind. Größtenteils sind sie sehr gestelzt - so redet einfach niemand.

Ich muß The Perfect Play nicht unbedingt noch mal lesen, und den Nachfolgeband, Changing the Game, möge auch lesen wer will - aber für ein paar angenehme Lesestunden mit einem netten, aber irgendwie langweiligen Helden, einer zickigen Heldin und mehr expliziten Sexszenen als der durchschnittliche Fernsehabend auf RTL 2 reicht's alle mal.