Dienstag, 28. Juni 2011

Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 1

Liebes Tagebuch,
heute habe ich wieder an der Salontür gelauscht. Mama und Papa haben sich ganz fürchterlich doll gestritten. Mama hat geweint und gesagt, daß wir bald nicht mehr die Rechnungen von Madame Claude, das ist unsere Lieblingsschneiderin, bezahlen können, wenn Papa weiter unser ganzes Geld für Cognac, Glücksspiel und Opernsängerinnen ausgibt (komisch, das mit den Opernsängerinnen. Papa ist eigentlich gar nicht musikalisch). Papa hat geschrien, daß es Mama nichts angeht, was er mit seinem Geld macht. Mama hat noch doller geweint. Papa hat Sampson (unseren Butler) angebrüllt, damit er ihm sein Cape holt und die Kutsche, und dann ist Papa weggefahren. Mama hat wie wild in ihrem Nähkörbchen gewühlt. Das ist komisch, mit Mama und ihrem Nähkörbchen. Mama wühlt nämlich ständig darin, vor allem, wenn sie aufgeregt ist. Es sind auch etwas Wolle und ein Stickrahmen drin. Ich habe aber noch nie gesehen, daß Mama gestickt hat. Und Mama riecht immer so komisch, wenn sie sich mit ihrem Nähkörbchen beschäftigt hat. Ein bißchen so wie der Hustensaft, den mein Kindermädchen immer getrunken hat und von dem sie immer eingeschlafen ist, hihi.

Na ja, abends wurde es aber richtig schlimm, denn Mama und Papa haben sich wieder gestritten. Dann mußte ich in den Salon kommen und sie haben mir gesagt, daß ich Lord Festerwart heiraten muß, weil er ganz, ganz reich ist, und wenn ich ihn geheiratet habe, soll er Papas Schulden bezahlen. Ich habe den Kopf geschüttelt und gesagt, daß ich nur heirate, wenn es die große Liebe ist. Papa hat aber gesagt, daß ich schon 22 bin und es ja wohl unwahrscheinlich sei, daß ich in meinem Alter noch die große Liebe fände. Mama hat wieder geweint und meinte, daß meine kleine Schwester Cindy keine Season haben und auch keinen Mann finden wird, wenn ich nicht Lord Festerwart und sein Geld heirate. Da habe ich auch geweint. Ach, es ist alles so furchtbar!

Jetzt liege ich im Bett und überlege…was soll ich nur tun? Ich kann doch Papa und Mama und Cindy nicht im Stich lassen! Aber was, wenn Lord Festerwart ein Scheusal ist? Mama hat gesagt, daß ich ihm morgen abend auf dem Ball von Lady Sandcastle vorgestellt werde, und daß ich mein schönstes Kleid anziehen soll, damit ich bezaubernd aussehe. Also, noch bezaubernder als sonst.

Ach, welch schreckliches Schicksal steht mir nur bevor!!

Google macht Spaß noch spaßiger

Langsam werde ich süchtig danach, mir die Statistiken meines Blogs anzuschauen. Kein Wunder, wenn sie für soviel Heiterkeit sorgen! Offenbar hat sich irgendwer meinen Bericht von der RWA-Tagung von Google ins Englische übersetzen lassen und dabei einige ganz erstaunliche Erkenntnisse gewonnen. Aber seht selbst:


(Auf das Bild klicken macht es größer)

Sonntag, 26. Juni 2011

Gail Carriger: Soulless

In einer dem viktorianischen London gleichenden Parallelwelt ist Miss Alexia Tabarotti so etwas wie eine höhere Tocher zweiter Klasse. Aufgrund ihres etwas exotischen Aussehens (ihr Vater war Italiener), ihres sehr selbstbewußten Auftretens und ihrer direkten Art ist der Rest ihrer Familie zu dem Schluß gekommen, daß ihr ein Dasein als alte Jungfer vorherbestimmt ist. Was ihre Familie aber nicht weiß, ist, daß Alexia seelenlos und daher eine sogenannte preternatürliche Person ist, die die übernatürlichen Kräfte von Werwölfen und Vampiren neutralisieren kann. Eines Tages ist sie gezwungen, einen Vampir zu töten, der versucht, sie trotz ihrer Kräfte anzugreifen. Es stellt sich heraus, daß neuerdings immer mehr solcher schlecht ausgebildeter Vampire auftauchen. Die Welt der Übernatürlichen ist im Aufruhr, und Alexia will der Sache zusammen mit dem attraktiven Alpha-Werwolf Lord Connall Maccon und dessen Mitarbeiter Professor Lyall auf den Grund gehen.

Ich habe lange gezögert, das Buch zu lesen - im wirklichen Leben würde ich schließlich auf gar keinen Fall etwas mit einem seelenlosen Menschen (was immer man sich darunter vorstellen mag) zu tun haben wollen. Alexia ist aber eigentlich eine ganz normale Frau - mit einer Vorliebe für Hightech-Sonnenschirme - die eben nur die Fähigkeiten von Werwölfen und Vampiren außer Kraft setzen kann.

Soulless ist ein sehr amüsantes Buch. Die Welt, der die Charaktere leben, ist weniger detailliert ausgemalt als, sagen wir mal, diejenige in The Iron Duke von Meljean Brook. Aber dafür ist Gail Carrigers Schreibstil richtig witzig, und ihre Hauptpersonen haben jede Menge Ticks und Macken und sind wirklich liebenswert (bis auf die Bösewichte, versteht sich).

Alexia ist eine Frau, die nie aufgibt und sich niemals hängen läßt. Die Macken ihrer Mutter und ihrer Stiefschwestern nimmt sie mit bemerkenswerter Gelassenheit hin und macht grundsätzlich immer, was sie will.

Die anderen Figuren sind ebenso originell: Alexias Freundin Ivy hat eine Vorliebe für häßliche Hüte, und ihr Freund Lord Akeldama ist ein uralter Vampir mit einer Vorliebe für sehr elegante und eher barocke Kleidung.

Wirklich gruselig und furchteinflößend ist die Handlung zu keinem Zeitpunkt; Soulless ist eine Komödie und keine Horrorthriller. Trotzdem wird es im letzten Teil des Buches richtig spannend und hat mich vom Anfang bis zum Ende ganz großartig unterhalten.

Lachen ist gesund!

Was ich in anderen Bücherblogs immer über alle Maßen amüsant finde, sind die Suchbegriffe, die die Besucher eingegeben haben, um zu den jeweiligen Blogs zu finden. Viele Blogger veröffentlichen diese Suchbegriffe ja mehr oder weniger regelmäßig. Und ich habe immer gedacht, daß der Weg zu meinem Blog dagegen über sehr normale Suchbegriffe führt. Meistens sind es Begriffe wie "Bücherblog", Autorennamen oder Buchtitel. Als ich aber heute meine Blicke über meine Blogstatistik schweifen ließ, endeckte ich....


...das hier! Höhö. Okay, besonders originell ist es nicht, aber dafür schräg...besonders wenn man bedenkt, daß ich meistens abends in einer Jogginghose, einem ungefähr 5.000 mal gewaschenen T-Shirt und mit Birkenstock-Schlappen vorm PC sitze.

Fragt sich bloß, was man mit diesem Suchbegriff zu finden hofft. Ein Bücherblog dürfte es wohl nicht sein!

Donnerstag, 23. Juni 2011

Nora Roberts: Happy Ever After

Parker Brown (das ist eine Frau) betreibt mit ihren drei besten Freundinnen einen Hochzeitsplanungs- und -durchführungsservice. Da in Amerika die Hochzeiten offenbar weitaus minutiöser und vorausschauender geplant werden als, sagen wir, Afghanistan-Feldzüge, und da Parker ein Organisationstalent ist, ist ihre Firma überaus erfolgreich. Trotzdem findet sie die Zeit, sich mit dem netten Kfz-Werkstattbesitzer Malcolm Kavanaugh zu treffen. Wären da nur nicht diese Zweifel, ob sie mit diesem Mann auch tatsächlich den Rest ihres Lebens verbringen will!

Ihr findet, daß diese Zusammenfassung kurz ist und obendrein zu einem großen Teil aus überflüssigen Kommentaren und Adjektiven besteht? Tja, sorry, Leute. Aber das Buch hat nun mal keine Handlung, die man zusammenfassen könnte.

Happy Ever After wird als Liebesroman vermarktet, aber das ist eine Mogelpackung. Ein Liebesroman ist für mich ein Roman, dessen zentrales Thema die sich entwickelnde Beziehung zweier Menschen ist, die ein oder mehrere Hindernisse überwinden müssen, bevor es für sie ein Happy End gibt.  Parker und Malcolm haben zwar eine sich entwickelnde Beziehung, aber sie ist mitnichten das Hauptthema des Buches. Und sie haben auch keine wirklichen Probleme. Davon abgesehen ist die Liebesgeschichte der beiden etwa so aufregend wie Cola ohne Kohlensäure. Das geht in etwa so:

Er: Sie hat schöne Beine!

Sie: Na ja, irgendwie ist er ja nicht ganz unattraktiv...

Er: (packt sie und küßt sie)

Alle Nebenfiguren: (kommen nach ausgiebigen Verhören von Held und Heldin zu dem Schluß, daß die beiden für einander bestimmt sind)

Alle möglichen anderen Leute: (heiraten nach schier unendlichen, seitenlangen Beschreibungen von Blumenschmuck, Torten und Kleidern)

Susi: (kann nicht mehr mit Gähnen aufhören)

Er und Sie: Wir lieben uns! Wir werden heiraten!!

Susi: (schnarcht)

Happy Ever After ist das vierte und letzte Buch in der Bride Quartet-Serie von Nora Roberts. Das erste Buch war gut, das zweite dank zickiger TSTL-Heldin mies, das dritte war einfach nur blah, und Happy Ever After noch blaher.

Nora Roberts hat ja bereits gefühlte 5 Milliarden Bücher geschrieben, und so hat sie durchaus einen gefälligen Schreibstil. Happy Ever After ist nicht so grauenvoll, daß man sich Zahnarzttermine ausdenkt, um nicht darin weiterlesen zu müssen. Aber leider hat es keine Handlung, und die Charaktere haben weder Charme noch irgend etwas anderes, das sie interessant machen würde. So lautet mein Rat in Bezug auf dieses Buch: Hände weg!

Dienstag, 21. Juni 2011

Blogger macht meine Nerven kaputt

Wie man an meinem letzten Eintrag unschwer erkennen kann, hat sich Blogger entschlossen, meine Links nur noch zu kennzeichnen, wenn man mit der Maus draufzeigt. Doof! Falls mir jemand einen Hinweis geben kann, wo ich vielleicht eine Einstellung ändern müßte, um dieses Problem zu beheben, wäre ich sehr dankbar! Ansonsten: Viel Erfolg bei der Link-Jagd! Zumindest, bis ich mich durch die mutmaßlich irgendwo vorhandenen Blogger-Anwender-Hilfsforen gewühlt und hoffentlich des Rätsels Lösung gefunden habe...

WTF?? - Diesmal in Blau und mit Zipfelmützen

Der Wahn der Menschheit kennt wirklich keine Grenzen. Auf dem Blog von Cora Buhlert habe ich einen Link zu einem Artikel auf Spiegel Online gefunden. Demzufolge ist irgendein französischer Wissenschaftler zu dem Schluß gekommen, daß die Schlümpfe - ja, die Schlümpfe! - stalinistisches und/oder nationalsozialistisches Gedankengut verbreiten.

Äh...mir fällt dazu nichts mehr ein. Wie in aller Welt kommt man denn nur auf so einen Schwachsinn? Und was kommt als nächstes? Die Glücksbärchis als Scientologen? Obwohl...die fand ich  ja schon immer gruselig.

Donnerstag, 16. Juni 2011

A Lady's Lesson in Scandal (das neue Meredith Duran-Buch)

Ha! Amazon hat mir geschrieben, daß es wahrscheinlich schon am kommenden Montag (16.06.11) bei mir ankommen wird. Und ich habe die erste Rezension bei AAR gefunden. Es ist sogar ein "Desert Isle Keeper"!

Gute Zeiten, jedenfalls in Bezug auf Bücher. Wenn jetzt noch das neue Carrie Lofty-Buch Portrait of Seduction als gedrucktes Buch veröffentlicht würde...

Sonntag, 12. Juni 2011

Neulich bei der RWA-Tagung

Da stand sie nun. Es war Susis erste Liebesroman-Tagung, und sie fühlte sich ein wenig verloren. Es war alles so aufregend! Mit feuchten Händen ihr Programmheft umklammernd, betrat sie den Tagungsraum und setzte sich auf den ersten besten Stuhl.

Auf dem Podium selbst hatte sich indessen alles versammelt, was in der amerikanischen Verlagswelt Rang und Namen hatte; immerhin ging es bei dem folgenden Vortrag um nichts geringeres als die Zukunft des paranormalen Liebesromans.

Nach einem kurzen Test der Mikrofone und einigem Herumdrehen an den Knöpfen des Beamers ging es auch schon los. Eine Frau, die ihrem Namensschild nach eine wichtige Mitarbeiterin des Avon Verlags namens Ms. Finch war, erhob sich und begann: "Schon lange hören wir, daß Leserinnen Vampire und Werwölfe satt haben…". Dabei zeigte sie auf die riesige Leinwand, die sich hinter ihr befand, und auf der ein bleicher Mann mit Reißzähnen sowie ein etwas struppiges grau-braunes Wesen zu sehen waren.

"Ha! Das stimmt nicht! Vampire gehen immer, sie müssen nur in der Sonne glitzern!" warf eine Frau ein, die aufgeregt auf einem Stuhl in der ersten Reihe herumzappelte.

"Boah ey, Steffi! Krieg dich wider ein!"

"Glitzernde Vampire sind Weicheier!"

"Mein Jean-Claude tritt glitzernde Vampire in den Arsch und verspeist sie zum Frühstück!"

"Mein Wrath nimmt glitzernde Vampire in den Arm und hat sie ganz doll lieb!"

Die Frau namens Steffi verzog ihr Gesicht als wolle sie gleich anfangen zu weinen. Was war denn falsch an wunder-wunderschönen glitzernden Vampiren?

"Wenn ich jetzt fortfahren dürfte…?" Ms. Finch runzelte die Stirn. Sie haßte es, wenn ihre Vorträge unterbrochen wurden. "Also haben wir, die Liebesroman-Verlage zusammen mit der RWA, nach neuen Möglichkeiten gesucht, um unser Publikum zu begeistern. Und ich darf Ihnen heute mit Stolz mitteilen, daß unsere Suche mehr als erfolgreich war! Aber sehen Sie selbst…"

Auf der Leinwand erschienen nun einige grasende Kühe. "Unsere Marktforschung hat ergeben, daß die Nachfrage nach Gestaltwandlern aller Art nach wie vor stark ist, doch wir sollten unseren Horizont in dieser Hinsicht erweitern. Und so präsentiere ich Ihnen…das Wer-Rind!"

Ms. Finch lächelte, nickte, und hob an, sich für den Applaus zu bedanken – der jedoch leider ausblieb.

"Ich esse Kühe", rief eine noch junge Autorin aus, die unweit von Susi ganz am hinteren Rand des Raumes saß.

"Die Leserinnen und Leser werden begeistert sein! Wer-Rinder sind Vegetarier, und so können wir eine ganz neue Zielgruppe erobern, nämlich die, äh, Vegetarier!"

"Bullshit!"

Man konnte nicht erkennen, von wem dieser Zwischenruf kam, aber einige Autorinnen, die durch ihre riesigen Cowboyhüte unschwer als Texanerinnen zu identifizieren waren, nickten zustimmend und rieben sich die Bäuche. "So'n lecker blutiges Steak wär jetzt nicht verkehrt!" "Wann gibt's hier denn mal was auf die Gabel?"

Ms. Finch rollte entnervt mit den Augen und wünschte sich, sie hätte ein kleines Holzhämmerchen wie Richterin Salesch. Damit könnte sie Ruhe in den Saal bringen und notfalls mit einem gezielten Wurf die schlimmsten Störer k.o. schlagen. Doch da sie eben kein Hämmerchen hatte und die wie immer sehr undisziplinierten Liebesroman-Autorinnen einfach weiterdisktierten – mittlerweile war man dazu übergegangen, Rezepte für Rinderrouladen auszutauschen – blieb ihr keine andere Möglichkeit. "FREIBIER FÜR ALLE!!!" brüllte sie ins Mikrofon.

Sofort senkte sich Totenstille über den Raum, denn alle blickten erwartungsvoll zur Tür, durch die sicherlich gleich einige Bierfässer gerollt würden.

"Ne, war nur Spaß", grinste Ms. Finch. "Also, offensichtlich ist die Zeit vor allem bei den konservativeren Mitgliedern unserer Community noch nicht reif für Wer-Rinder. Aber wir haben natürlich nicht nur einen großartigen Vorschlag für neue Romanfiguren vorbereitet, meine Damen!"

Ein Klick auf die Fernbedienung des Beamers, und das Foto der grasenden Kühe wurde durch ein wesentlich furchteinflößenderes Bild von riesigen Dinosauriern mit bizarr geformten Hörnern ersetzt. Im Hintergrund waren einige feuerspeiende Vulkane zu sehen.

"Geilomat!" schrie eine Autorin. "Wer-Vulkane! Ich darf sie zuerst benutzen!"

"Laurell, Schätzelein", sagte die Vertreterin des Penguin-Verlages, die bisher geschwiegen hatte, "du hast doch nicht wieder vergessen, deine Tabletten zu nehmen? Und denk dran, was ich dir gesagt habe: wenn Anita Blake mehr als 365 Lover hat, werden die Leserinnen anfangen, die Serie für unrealistisch zu halten!"

"Och Menno!" Die als Laurell angesprochene Autorin schmollte.

Ms. Finch lächelte indessen stolz. "Richten Sie doch bitte Ihre Blicke auf die gewaltigen Tiere im Vordergrund. Wer-Dinosaurier! Welche Frau hätte noch nicht davon geträumt, von einer gewaltig großen, gefräßigen Urzeit-Echse entführt zu werden? Wer von Ihnen, meine Lieben, hatte noch nie die Fantasie, sich von schwer verdaulichen, haushohen Schachtelhalmen zu ernähren und ihrem graugeschuppten Liebhaber jede Woche ein Ei von der Größe eines Dackels zu legen? Wer wollte noch nie dem Erdöl beim Entstehen zuschauen?"

Betretenes Schweigen war offensichtlich nicht die Reaktion, mit der Ms. Finch gerechnet hatte, doch mit Ausnahme einer Texanerin, die beim Wort "Erdöl" beglückt strahlte, schauten alle peinlich berührt zu Boden.

"Äh, okay, aber das war noch nicht alles…"

Man merkte deutlich, daß Ms. Finch langsam nervös wurde. Hektisch wühlte sie in ihrer Handtasche, die sie auf dem Tisch neben dem Beamer abgestellt hatte, bis sie schließlich einige Magentabletten zu Tage förderte. Diese steckte sie sich in den Mund und schluckte sie unzerkaut herunter, bevor sie wieder die Fernbedienung des Beamers betätigte.

Auf der Leinwand war nun eine Unterwasserlandschaft zu sehen. Bunte Fische verschiedener Größen tummelten sich zwischen Korallen und Seeanemonen, während Meerestiere wie Seesterne und Seeigel auf dem felsigen Untergrund zu sehen waren.

"Boah, hübsch! Den Bildschirmschoner hab ich auch!" entfuhr es Susi.

Ms. Finch blickte gezwungen lächelnd in die Runde. "Wir haben schon lange keine richtig gut verkäufliche Geschichte über Atlantis gehabt…"

Niemand nutzte Ms. Finchs Kunstpause für einen Zwischenruf. Offensichtlich waren auch Fische und Meeresfrüchte nicht ohne weiteres in der Lage, die Phantasie von Liebesroman-Autorinnen anzuregen. So mußte sie wohl oder übel und ohne weitere Ermunterung durch ihr Publikum fortfahren.

"Nun stellen Sie sich die Möglichkeiten vor, meine Damen! Denken Sie an einen Quastenflosser-Gestaltwandler, der seinem nassen, kalten, dunklen Reich entsteigt, um aus Rache die Tochter jenes Ölmagnaten zu verführen, der in seiner Untersee-Lustgrotte nach Öl bohrte und das Zuhause des Quastenflossers zerstörte!"

Endlich! Einige Harlequin Blaze-Autorinnen spitzten deutlich interessiert die Ohren und machten sich Notizen. Auch die durch ihre schwarzen Lackleder-Stiefel und Stachelhalsbänder unschwer als Elloras Cave-Autorinnen erkennbaren Frauen wurden unruhig und rutschten auf ihren Stühlen hin und her.

"Untersee-Lustgrotte! Geil. Das wird 'ne tolle Gay Romance!"

"Ja, oder wie wär's mit einer Ménage-Geschichte um einen Quastenflosser, eine menschliche Frau und den Klabautermann?"

"Ja, und dann kommt noch ein Wer-Walroß dazu!"

"Yippieh, ich kann's kaum erwarten, mit Schreiben anzufangen!"

"Applaus!"

Endlich! Die Menge tobte vor Begeisterung, und Ms. Finch lächelte zufrieden. Die Umsätze der Liebesroman-Verlage würden im nächsten Jahr wieder gewaltig steigen. Sie winkte einen Hotelangestellten herbei. "Jetzt können Sie den Champagner servieren", sagte sie.


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Ein Jahr später veröffentlichte J.R. Ward das erste Buch einer neuen Serie. Das Buch hieß "Carrot Lover", und der Held war ein Wer-Kaninchen namens Fhluffy, das sich unsterblich in eine Wissenschaftlerin verliebt, die zu Tierversuchen gezwungen wird, um ihren spielsüchtigen Vater vor dem Ruin zu retten.

Etwa zur gleichen Zeit erschien Laurell K. Hamiltons achtunddreißigstes Anita Blake Buch, in dem Anita – natürlich in fescher Lederkleidung – in einem Sado-Maso Club unaussprechlich schmerzhafte Dinge mit einem verwunschenen Seeigel tut.

Katie MacAlister schrieb ein Buch über eine Fußpflegerin, deren Freund sich bei Vollmond in einen Vorwerk-Staubsaugervertreter verwandelt. Das Buch steckte voller lustiger und abgefahrener Ideen, aber das wußte niemand außer Katie selbst und Harriet Klausner. Alle anderen warfen das Buch nämlich nach spätestens 50 Seiten in die Altpapiertonne, weil sie von den sinnfreien und unlustigen Selbstgesprächen der Heldin so genervt waren.

Alles war gut.

Samstag, 11. Juni 2011

Warum einfach, wenn's auch kompliziert geht?

Mein Vater hat die Hörzu (eine Fernsehzeitschrift) abonniert, und ich blättere die immer mal ganz gerne durch, wenn ich bei ihm bin. Unter anderem gibt es jede Woche eine Seite mit Leserbriefen, die manchmal von der Hörzu-Redaktion beantwortet werden. Tja, und was ich da in der letzten Woche gelesen habe, das hat mir so sehr die Schuhe ausgezogen, daß die schon bei mir vor der Wohnung standen während ich noch 10 Kilometer entfernt bei meinem Vater auf der Couch saß. Da ich nun einerseits eine Schwäche für öffentlich zelebrierten Schwachsinn habe, andererseits jedoch die Hörzu-Leserbriefe nicht im Internet verfügbar sind, zitiere ich einfach mal.

Leserin Anna Lena P. schreibt (in Bezug auf einen Artikel der vorherigen Woche):
"Einleuchtend, dass man Interesse am Gegenüber zeigen soll. Aber was, wenn mir andere diese Aufmerksamkeit schuldig bleiben? Immer wieder passiert es mir, dass ich in einem Kaufhaus von den Verkäufern konsequent übersehen werde. Wie mache ich auf mich aufmerksam, ohne gleich lautstark zu schimpfen?"

Tja, hätte man mir diese Frage gestellt, so hätte meine Antwort wohl wie folgt gelautet:
"Liebe Frau P., es wird alles auf den Kopf stellen, was Sie bisher über den Einzelhandel wußten, aber der Kunde ist gleichsam die Daseinsberechtigung des Verkäufers. Kaum zu glauben, aber wahr: Verkäufer bekommen sogar Geld, um Kunden behilflich zu sein und ihre Fragen zu beantworten! So ist die Lösung Ihres Problems ganz einfach, und Sie können es im nächsten Jahr vermeiden, noch im Februar bei Karstadt in der ersten Etage zu stehen und sich zu fragen, wo die Christbaumkugeln sind. Bei Ihrem nächsten Einkauf gehen Sie einfach geradewegs auf den Verkäufer zu und sagen (je nach Anlaß): 'Entschuldigung, wo sind die Kundentoiletten?' / 'Haben Sie diese Schuhe auch in Größe 38?' / 'Hände hoch, dies ist ein Überfall'. Ihr spektakulärer Erfolg mit dieser Methode wird sie überraschen."

Aber ich muß wohl ein besonders einfach gestrickter Mensch sein. Kein Wunder, daß ich es nicht geschafft habe, Managementtrainerin zu werden. Es geht nämlich auch viel raffinierter, wie die Antwort der Hörzu-Redakteurin Angela Meyer-Barg beweist:

"Managementtrainerin Barbara Berckhan empfiehlt in ihrem Buch 'Leicht und locker kommunizieren' ein paar kleine Tricks: 1. Simulieren Sie einen schlimmen Hustenanfall. 2. Kommen Sie dem Verkäufer immer näher. Wenn er sie anschaut, gehen Sie ein wenig zurück und sagen freundlich: 'Guten Tag.' 3. Tun Sie so, als würden Sie am Handy einen Anruf entgegennehmen. Sagen Sie: 'Ja, ich höre das Baby schreien. Ich werde hier sicher gleich bedient und komme dann sofort nach Hause.'"

Bedient ist ein gutes Stichwort. Ich bin von soviel...äh...kommunikativer Kompetenz auch ganz bedient.