Sonntag, 13. Februar 2011

Meljean Brook: The Iron Duke

In der Welt dieses Buches wurde England - so etwa im 19. Jahrhundert, würde ich sagen - vor wenigen Jahren von der Besetzung durch die Mongolen (die als "Horde" bezeichnet werden) befreit. Die Gesellschaft befindet sich im Umbruch. Handel und Wandel werden dadurch eingeschränkt, daß große Teile der Welt abseits der großen Städte nur noch von Zombies bevölkert werden. Doch es herrscht auch eine Aufbruchstimmung: nahezu jedes Ding und sogar menschliche Körper können mechanisch und durch Dampfmaschinen angetrieben werden, und jeden Tag kommen neue Erfindungen hinzu. In dieser Welt lebt die Polizistin Mina Wentworth. Sie entstammt einer alteingesessenen, aber etwas verarmten Adelsfamilie. Eines Tages muß sie einen bizarren Mordfall aufklären: ein Toter wurde aus einem Luftschiff direkt auf das Grundstück des "Eisernen Herzogs", eines berühmten Nationalhelden, geworfen. Schon bald erweist sich der Mord als Teil einer perfiden Verschwörung, die Mina mit Hilfe von Rhys Trahearn, des Eisernen Herzogs, aufdecken muß, um eine nationale Katastrophe zu verhindern. Doch wie lange wird sie sich dessen Annhäherungsversuchen entziehen können - und wollen?

Oh Mann. Worte reichen kaum aus um zu beschreiben, wie großartig dieses Buch ist. Die Welt, die die Autorin geschaffen hat, ist der helle Wahnsinn. So viel Fantasie muß man erst mal haben! Und es ist alles so detailliert beschrieben. Mir haben sich vor Begeisterung ein ums andere Mal die Zehennägel aufgerollt. Es gibt mechanisch funktionierende Körperteile und ganze künstliche Tiere, wie beispielsweise Riesenhaie, die die Meere bevölkern. Es gibt sogar dampfbetriebene Autos, bei denen man zwischendurch immer mal ein paar Scheite Holz nachlegen muß (oder war es Kohle? Ich gestehe, daß ich es nicht mehr weiß. Aber trotzdem: das ist so cool!) Es gibt Luftschiffe. Und Zombies. Die Luft ist in den Städten - ein großer Teil des Buches spielt in London - natürlich völlig verpestet, aber auch dafür gibt's eine Lösung: die Bewohner lassen sich eine Art mechanische Bakterien (Bugs) spritzen, die sich in ihrem Blutkreislauf breitmachen und die Schadstoffe auffressen.

Ja, Charaktere und eine Handlung gibt es natürlich auch. Mina, die Polizistin, ist in einer schwierigen Situation. Ihr biologischer Vater war ein Mongole, so daß ihre Gesichtszüge ein wenig asiatisch sind - und da die Mongolen jahrelang die verhaßten Unterdrücker Englands waren, trifft sie deswegen des öfteren auf Ablehnung. Ihr Verhalten muß ebenso tadellos sein wie ihr Ruf, gerade auch, um ihren Arbeitsplatz behalten zu können, denn ihr Beitrag zum Lebensunterhalt ihrer Familie ist wichtig. Eine Affäre mit dem Eisernen Herzog käme ihr daher ganz und gar ungelegen, aber sie fühlt sich auch gegen ihren Willen zu ihm hingezogen. Dennoch dauert es lange, bis sie ihm vertrauen kann. Bei ihren Vorgesetzten ist Mina gut angesehen, aber sie selbst ist sich nicht sicher, ob nicht einige von ihnen selbst in finstere Machenschaften verwickelt sind. Trotzdem scheut Mina keine Mühen, um die Verschwörung aufzuklären, besonders, als ihr kleiner Bruder in Gefahr gerät.

Rhys Trahearn, der Eiserne Herzog, hat vor wenigen Jahren mit seiner Schiffsbesatzung quasi im Alleingang England von der Horde befreit und ist daher ein enorm beliebter Nationalheld. Er kann kaum irgendwo hingehen, ohne erkannt zu werden. Sein Adelstitel wurde ihm als Dank für seine Heldentaten verliehen, und er muß sich erst noch an sein neues Leben als reicher Adliger und Händler gewöhnen. Rhys ist schon das, was man als Alpha-Helden bezeichnet: er sieht etwas, das er haben will, und nimmt es sich einfach, ohne allzuviele Gedanken an die Wünsche seiner Mitmenschen zu verschwenden.

Doch das ist nur eine Seite seiner Persönlichkeit. Rhys hat einige gute Freunde, denen er vertraut und für die er alles tun würde, und nachdem er Mina besser kennenlernt, lernt er auch, ihre Wünsche zu respektieren und auf ihre Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.

Zugegeben, es gibt einige Handlungselemente, die nicht ganz logisch sind. Normalerweise ist das ja etwas, womit ich gar nicht gut leben kann. Aber bei The Iron Duke dachte ich mir - was soll's? Es gibt eine faszinierende, bizarre Parallelwelt. Dampfmaschinen, Zombies, interessante Charaktere und jede Menge Action. Was es in diesem Buch auf keiner einzigen Seite gibt, ist Langeweile. Also: ich will mehr! Hoffentlich schreibt die Autorin noch weitere Bücher, die in dieser Welt spielen.

(Nur das Buchcover, das ist mordshäßlich. Ich dachte erst, es sei ein Hamsterrad darauf abgebildet, es ist aber wohl eher eine Art Gullydeckel).

Kommentare:

  1. Ach verdammt, jetzt komme ich mir echt doof vor, denn ich höre nur immer Begeisterung über das Buch, und ich habe es abgebrochen!! Ich denke ich bin wahrscheinlich so überhaupt nicht geschaffen für steam punk, das geht - im Moment jedenfalls - so gar nicht an mich, lässt mich kalt und extrem desinteressiert. Während ich über diese bugs und irgendwelche Gerätschaften und uninteressante Menschen am Anfang gelesen habe spürte ich den Sog der schrecklichen Langeweile LOL Zudem musste ich wieder feststellen, ich habe mit Brooks Sprache immer das Problem dass ich mich extrem konzentrieren muss beim Lesen, damit es nicht einfach so durch mein Hirn rauscht und nach 10 Minuten vergessen ist! das passiert mir nur bei Meljean Brook! LOL Keine Ahnung was das für ein Phänomen ist... Jedenfalls find ichs total schade, aber aber ich merke, dass mich dieses Subgenre überhaupt nicht entertained :( Dabei entdecke ich doch so gerne neue abgefahrene Sachen .. :(

    AntwortenLöschen
  2. Oha, es gibt nichts Schlimmeres als den Sog der schrecklichen Langeweile. Aber ich schätze, solange The Iron Duke nicht das letzte und einzige Buch auf Erden ist, ist das kein Problem für dich ;-)

    AntwortenLöschen
  3. schon wahr Susi :) Ich falle dennoch immer in den Schmollmodus wenn alle einen riesen Spaß haben mit einem Buch, nur ich nicht LOL

    AntwortenLöschen
  4. Mich verunsichert ja die Inhaltsangabe ziemlich. Das soll echt lesenswert sein? Auf jeden Fall ... anders. Und das ist ja nie verkehrt. Na ja, ich wette, es ist eh schon irgendwo für eine Übersetzung eingeplant und zumindest bald. ;)

    AntwortenLöschen