Im Mai war ich ja erschüttert, als ich herausgefunden hatte, daß es Literatur über Rindviecher-Gestaltwandler gibt. Genau genommen rollen sich mir beim Gedanken daran immer noch die Zehennägel auf.
Aber jetzt kommt's: Jane von Dear Author besaß tatsächlich genug Nervenstärke, um dieses Highlight der erotischen Gestaltwandler-Literatur zu lesen! Unfaßbar, aber wahr, und hier könnt ihr die Rezension lesen.
Ich weiß nicht..ich bin ein ganz winziges, klitzekleines bißchen in Versuchung, das Buch selbst zu lesen. Einfach um sagen zu können, daß ich das bescheuertste Buch aller Zeiten gelesen habe. Andererseits gibt es höchstwahrscheinlich in ganz Nordrhein-Westfalen nicht genug Alkohol, um das zu ertragen, also lasse ich es doch lieber bleiben.
Dienstag, 30. August 2011
Sonntag, 28. August 2011
Stefan Holtkötter: Bullenball
Im Münsterländischen Hinterland tobt völlig unerwartet das Leben: Kurz vor dem sogenannten Bullenball, wo sich alljährlich die gesamte Landbevölkerung trifft, wird in der Veranstaltungshalle ein Sicherheitsmann getötet. Während die Polizeit in Gestalt des Hauptkommissars Bernhard Hambrock noch versucht, den Tathergang zu klären und mögliche Verdächtige ausfindig zu machen, erhält eine nahegelegene Schule Drohungen von einem angeblichen Amokläufer. Obendrein gibt es Anschläge auf die Jazzband, die beim Bullenball auftreten soll und in der fast jeder mitspielt, der in der Lage ist, ein Instrument zu halten. Bei dem langerwarteten Fest, das gleichzeitig Schauplatz des Junggesellenabschieds eines jungen Hochzeitspaars ist, spitzt sich die Lage dramatisch zu...
Als Krimi funktioniert das Buch. Es ist spannend geschrieben, und genauso wie die Polizei tappt der Leser lange Zeit im Dunkeln in Bezug auf die Frage, wer wem was getan hat oder antun möchte. Es gibt einfach jede Menge Verdächtige: frustrierte Erwachsene, gemobbte Jugendliche, eine von ihrem Angebeteten verschmähte Frau und einen Beinah-Pädophilen. Aber genau das ist auch das Problem: das Buch ist höllisch deprimierend, weil von allen Personen kaum jemand auch nur ein kleines bißchen Lebensfreude an den Tag legt, bzw. Grund dazu hätte. Selbst der Kommissar schiebt ständig Frust, weil er seine Frau vermißt - dabei ist sie weder abgehauen noch gestorben, sondern nur für eine Woche bei ihren Eltern in den Niederlanden!
Bei einigen Personen kommt man auch nicht so wirklich dahinter, warum sie es denn nun eigentlich so fürchterlich schwer haben - da gibt es jede Menge Andeutungen, daß dieser oder jener eine wirklich schlimme Kindheit gehabt habe, aber man erfährt nicht, was genau eigentlich so schlimm war.
Insgesamt ist Bullenball ein spannendes Buch, aber es gibt keine besonders liebenswerten Charaktere, und der Lesespaß bleibt leider weitestgehend auf der Strecke.
Als Krimi funktioniert das Buch. Es ist spannend geschrieben, und genauso wie die Polizei tappt der Leser lange Zeit im Dunkeln in Bezug auf die Frage, wer wem was getan hat oder antun möchte. Es gibt einfach jede Menge Verdächtige: frustrierte Erwachsene, gemobbte Jugendliche, eine von ihrem Angebeteten verschmähte Frau und einen Beinah-Pädophilen. Aber genau das ist auch das Problem: das Buch ist höllisch deprimierend, weil von allen Personen kaum jemand auch nur ein kleines bißchen Lebensfreude an den Tag legt, bzw. Grund dazu hätte. Selbst der Kommissar schiebt ständig Frust, weil er seine Frau vermißt - dabei ist sie weder abgehauen noch gestorben, sondern nur für eine Woche bei ihren Eltern in den Niederlanden!
Bei einigen Personen kommt man auch nicht so wirklich dahinter, warum sie es denn nun eigentlich so fürchterlich schwer haben - da gibt es jede Menge Andeutungen, daß dieser oder jener eine wirklich schlimme Kindheit gehabt habe, aber man erfährt nicht, was genau eigentlich so schlimm war.
Insgesamt ist Bullenball ein spannendes Buch, aber es gibt keine besonders liebenswerten Charaktere, und der Lesespaß bleibt leider weitestgehend auf der Strecke.
Dienstag, 16. August 2011
Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 8
Liebes Tagebuch,
ich bin ganz aufgewühlt und kann nicht einschlafen. Nun ja, ich könnte vielleicht einschlafen, wenn Kevin in seinem Schlafzimmer nicht so komische Geräusche machen würde. So eine Mischung aus Stöhnen und Schreien. Ich glaube, Bella ist wieder mit der Peitsche auf ihn losgegangen und einer unserer Stallburschen (er heißt Ricky und ist gebaut wie ein Schrank) ist vorhin mit einem Strick in der Hand und einer ganz seltsamen Ledermaske vor den Augen in Kevins Zimmer verschwunden. Eigenartig. Ich bin mir ganz sicher, daß es in Kevins Zimmer gar keine Pferde gibt.
Vor meinen Eltern konnte ich natürlich nicht so tun, als hätte ich die Maul- und Klauenseuche. Deshalb habe ich mir das Gesicht und die Hände mit Salz abgerubbelt, so daß sich meine Haut gerötet hat. Meinen Eltern habe ich einfach gesagt, der Schafsmagen, den wir heute Mittag hatten, sei mir nicht bekommen und ich hätte einen Ausschlag. Mama und Papa haben besorgt geguckt und gesagt, ich solle Lord Festerwart aus dem Weg gehen, damit er mich so nicht sieht. Das war gut. Wenn ich Lord Festerwart dennoch begegnete, wollte ich ihm sagen, eine Wunderheilung hätte mich schon fast – aber nur fast – von der Seuche befreit.
Als wir bei Lady Mousy ankamen, sah ich, daß der Fremde aus Lady Sandcastles Garten auch da war! Ich wollte schon auf ihn zugehen und ihn fragen, ob er…das…von gestern abend…noch mal mit mir machen könnte, als mir einfiel, daß ich ja einen vorgetäuschten Ausschlag hatte. Also wollte ich zu Mama sagen, daß ich meine Nase pudern gehe, aber sie hat gar nicht auf mich geachtet. Papas Gesicht wurde nämlich ganz rot und sein Hals schwoll ganz furchtbar an, als würde er (also, mein Papa) gleich platzen. Da mußte wohl der Herzog von Steelyballs irgendwo in der Nähe sein. Ich wüßte so gern, warum Papa ihn so haßt und wie er wohl aussieht? Ob er und Papa sich wohl in Papas Jugend (vor hundert Jahren oder so?) um Mamas Gunst duelliert haben?
Jedenfalls ist mit Papa nicht gut Kirschen essen, wenn er sich so aufregt. Ich bin vorsichtshalber weggelaufen und habe mich in der Bibliothek von Lord und Lady Mousy versteckt.
In der Bibliothek war es langweilig. Da waren lauter Bücher. Und keins davon hatte Bilder! In einer Ecke stand ein Schreibtisch. Ich habe in alle Schubladen geschaut weil ich dachte, es seien vielleicht irgendwo Süßigkeiten versteckt.
Sonntag, 14. August 2011
Ben Aaronovitch: Midnight Riot
Peter Grant ist ein junger Polizist in London, der eines Tages unversehens entdeckt, daß es nicht nur Geister und Magie und übernatürliche Wesen gibt, sondern daß er mit den Geistern auch sprechen kann. Das trifft sich gut, da London gerade von einer Welle äußerst brutaler und völlig unerklärlicher Morde heimgesucht wird. Ehe er es sich versieht, wird Peter der Azubi von Chief Inspector Thomas Nightingale, der bei der Londoner Polizei dafür zuständig ist, magische Verbrechen aufzuklären. Gemeinsam versuchen sie, weitere grausame Verbrechen zu verhindern...
Ich bin ja nicht der größte Fantasy-Fan weit und breit, aber Midnight Riot ist wirklich klasse und eine ganz klare Empfehlung - allerdings nur für Leute, die damit leben können, wenn ein Buch in der Ich-Form geschrieben ist.
Ich höre ja im Radio oft den Sender BFBS, das ist der britische Soldatensender. Dabei fällt mir ganz oft auf, wie sehr sich doch das britische vom amerikanischen Englisch unterscheidet. Das ist bei Midnight Riot auch der Fall: man hört Peter, den Erzähler, quasi mit seinem englischen Akzent sprechen, wenn man das Buch liest.
Die Geschichte selbst ist noch nicht mal das tollste an dem Buch, obwohl sie okay ist: es geht um das Böse schlechthin, um Schauspieler und Mörder aus dem 17. Jahrhundert, und um Flußgötter. Aber was mich vor Begeisterung wirklich umgehauen hat, ist der Humor. Es macht einfach einen Riesenspaß, dieses Buch zu lesen, und die Dialoge sind Gold wert.
Da ist zum Beispiel ein Gespräch ganz zu Anfang des Buches, als Peter seinen zukünftigen Lehrmeister Thomas Nightingale gerade erst kennengelernt hat:
"So magic is real", I said. "Which makes you a...what?"
"A wizard."
"Like Harry Potter?"
Nightingale sighed. "No", he said. "Not like Harry Potter."
"In what way?"
"I'm not a fictional character", said Nightingale.
Großartig, oder?
Oder wie wäre es mit der Szene, als Peter - um seiner umfassenden Ausbildung als Zauberer willen - in das riesige, gewaltige Haus von Thomas Nightingale einzieht und entdeckt, daß dort der Wissenschaftler Isaac Newton (ihr wißt schon: der mit dem Apfel) verehrt wird:
Carved above the lintel were the words SCIENTIA POTESTAS EST.
Science points east, I wondered. Science is portentous, yes? Science protests too much. Scientific potatoes rule. Had I stumbled upon the lair of dangerous plant geneticists?
Großartig. Einfach großartig.
Oder dies hier:
Something round and dirty and white was resting near my foot. It was a skull, I picked it up.
"Is that you, Nicholas?", I asked.
"Put that down, Peter", said Nightingale. "You don't know where it's been."
Also: Midnight Riot ist ein großartiges, phantastisches, absolut lesenswertes Buch mit einer nicht gerade wahnsinnig originellen Handlung, aber mit einem Schreibstil und einem Sinn für Humor, der mich vor Begeisterung umhaut. Lest es!
Ich bin ja nicht der größte Fantasy-Fan weit und breit, aber Midnight Riot ist wirklich klasse und eine ganz klare Empfehlung - allerdings nur für Leute, die damit leben können, wenn ein Buch in der Ich-Form geschrieben ist.
Ich höre ja im Radio oft den Sender BFBS, das ist der britische Soldatensender. Dabei fällt mir ganz oft auf, wie sehr sich doch das britische vom amerikanischen Englisch unterscheidet. Das ist bei Midnight Riot auch der Fall: man hört Peter, den Erzähler, quasi mit seinem englischen Akzent sprechen, wenn man das Buch liest.
Die Geschichte selbst ist noch nicht mal das tollste an dem Buch, obwohl sie okay ist: es geht um das Böse schlechthin, um Schauspieler und Mörder aus dem 17. Jahrhundert, und um Flußgötter. Aber was mich vor Begeisterung wirklich umgehauen hat, ist der Humor. Es macht einfach einen Riesenspaß, dieses Buch zu lesen, und die Dialoge sind Gold wert.
Da ist zum Beispiel ein Gespräch ganz zu Anfang des Buches, als Peter seinen zukünftigen Lehrmeister Thomas Nightingale gerade erst kennengelernt hat:
"So magic is real", I said. "Which makes you a...what?"
"A wizard."
"Like Harry Potter?"
Nightingale sighed. "No", he said. "Not like Harry Potter."
"In what way?"
"I'm not a fictional character", said Nightingale.
Großartig, oder?
Oder wie wäre es mit der Szene, als Peter - um seiner umfassenden Ausbildung als Zauberer willen - in das riesige, gewaltige Haus von Thomas Nightingale einzieht und entdeckt, daß dort der Wissenschaftler Isaac Newton (ihr wißt schon: der mit dem Apfel) verehrt wird:
Carved above the lintel were the words SCIENTIA POTESTAS EST.
Science points east, I wondered. Science is portentous, yes? Science protests too much. Scientific potatoes rule. Had I stumbled upon the lair of dangerous plant geneticists?
Großartig. Einfach großartig.
Oder dies hier:
Something round and dirty and white was resting near my foot. It was a skull, I picked it up.
"Is that you, Nicholas?", I asked.
"Put that down, Peter", said Nightingale. "You don't know where it's been."
Also: Midnight Riot ist ein großartiges, phantastisches, absolut lesenswertes Buch mit einer nicht gerade wahnsinnig originellen Handlung, aber mit einem Schreibstil und einem Sinn für Humor, der mich vor Begeisterung umhaut. Lest es!
Mittwoch, 3. August 2011
Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 7
Liebes Tagebuch,
Bella war sehr übellaunig, als sie von ihrem Ausflug mit Lord Festerwart zurückkam. Ich verstehe gar nicht, warum. Für ein Mitglied der Unterschicht wie Bella muß es doch unglaublich schön sein, mit einem echten Lord einen Ausflug zu machen, nicht wahr? Aber Bella hat nur gesagt, Lord Festerwart habe versucht, in ihre derrière zu kneifen und in ihr Dekolleté zu sabbern. Dann ist sie schnurstracks in den Garten gerannt. Nach ganz hinten, wo diese komischen Pflanzen mit den vielen Blättern stehen, die unsere Dienstboten immer trocknen und die so seltsam riechen, wenn sie sie rauchen.
Das war gut. Wenn Bella diese Pflanzen geraucht hat, läßt sie meistens sogar meine Katze für mehrere Stunden in Ruhe. Allerdings behauptet Alphonse – das ist unser französischer Koch – daß sie dann die ganze Küche leerfrißt. Aber ich glaube, das stimmt gar nicht. Na ja, einmal vielleicht. Da hat Alphonse uns zum Abendessen Löwenzahntee und ein paar vertrocknete Brotkrusten vorgesetzt! Papa war sehr wütend und hätte Alphonse beinah entlassen. Das hat er dann allerdings doch nicht gemacht, weil Alphonse sagte, er könne sofort eine Anstellung beim Herzog von Steelyballs bekommen. Der Herzog ist nämlich Papas Erzfeind.
Heute abend sind wir übrigens bei einem musikalischen Abend bei Lady Mousy. Papa sagt, ich soll etwas hübsches anziehen, weil Lord Festerwart auch dasein wird. Oh je, das wird schwierig. Lord Festerwart denkt doch, ich hätte die Maul- und Klauenseuche! Vielleicht sollte ich mir eine Kuh suchen oder ein Schaf, und versuchen, mich wirklich mit dieser Krankheit anzustecken. Aber wie soll ich bis heute Abend mitten in London ein Schaf finden? Also, ein lebendiges. Ein totes habe ich ja fast jeden Tag auf dem Teller. Manchmal auch nur die Eingeweide. Mit Pfefferminzsauce…Oh! Ich frage mich, ob die Schafe wohl schon tot sind, wenn Alphonse sie kauft?
Jaci Burton: The Perfect Play
Oder auch: das Buch mit Sabber-Garantie. Für die meisten von euch, wenn auch nicht so unbedingt für mich.
Mick Riley ist ein berühmter Footballspieler, der auf einer Party die Event-Planerin Tara Lincoln kennenlernt. Zwischen Mick und Tara funkt es sofort, nur leider hat Tara ungefähr eine Milliarde plausibler und nicht wirklich plausibler Gründe, sich nicht auf eine Beziehung mit Mick einzulassen. Darunter firmieren auch die Tatsachen, daß sie die alleinerziehende Mutter eines Teenagers ist, sie schrecklich viel Arbeit mit ihrer Firma hat, und überhaupt. Neben Tara selbst gibt es noch jemanden, der nicht gerade entzückt von Micks und Taras Liebesbeziehung ist, und das ist seine Managerin Elizabeth Darnell. Die findet es nämlich wesentlich lukrativer, Mick bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit mit irgendwelchen weiblichen Promis über rote Teppiche flanieren zu lassen. Und so nimmt der Weg zum Happy End über 300 Seiten in Anspruch.
Warum wollte ich das Buch eigentlich lesen? Am Cover kann's nicht gelegen haben, ich stehe gar nicht auf so übertrieben muskulöse Typen die so aussehen, als würden sie wer weiß was für Pillen einwerfen...na ja, vielleicht war's die Leseprobe. Die hat schon ein bißchen mehr versprochen, als das Buch gehalten hat.
Das heißt nicht, daß The Perfect Play ein fürchterlich mieses, grottiges Buch ist. Es liest sich wirklich ganz angenehm, ist nicht langweilig, und hat ein paar ganz sympathische Charaktere.
Die Heldin gehört leider nicht dazu, denn die ist eine zickige Dumpfbacke. Anfangs ziert sie sich ganz fürchterlich, weil der Held mit ihr ausgehen will ("Aber das geht doch nicht! Ich bin doch eine alleinerziehende MUTTER!!!") - wobei ihr Sohn allerdings 14 oder 15 ist. Da kann der muntere Knabe ja wohl mal so langsam damit klarkommen, daß Mama einen Freund hat, oder?
Aber okay. Was ich noch schlimmer fand, war eine Szene weiter hinten im Buch. Tara weiß nämlich von Anfang an, daß Mick auf Wunsch seiner Managerin immer wieder mit irgendwelchen Schauspielerinnen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen oder ähnlichen Gelegenheiten erscheint. Einmal ist es so kurzfristig, daß er vergißt, ihr vorher Bescheid zu sagen - und es handelt sich ausgerechnet um eine Veranstaltung, die Tara organisiert hat. Sofort zickt sie fürchterlich rum und macht Schluß mit Mick. Der Ärmste hat ein entsetzlich schlechtes Gewissen, aber ich saß nur da und dachte: was soll denn dieses ganze Theater?
Dazu kommt, daß die Dialoge ziemlich lausig sind. Größtenteils sind sie sehr gestelzt - so redet einfach niemand.
Ich muß The Perfect Play nicht unbedingt noch mal lesen, und den Nachfolgeband, Changing the Game, möge auch lesen wer will - aber für ein paar angenehme Lesestunden mit einem netten, aber irgendwie langweiligen Helden, einer zickigen Heldin und mehr expliziten Sexszenen als der durchschnittliche Fernsehabend auf RTL 2 reicht's alle mal.
Mick Riley ist ein berühmter Footballspieler, der auf einer Party die Event-Planerin Tara Lincoln kennenlernt. Zwischen Mick und Tara funkt es sofort, nur leider hat Tara ungefähr eine Milliarde plausibler und nicht wirklich plausibler Gründe, sich nicht auf eine Beziehung mit Mick einzulassen. Darunter firmieren auch die Tatsachen, daß sie die alleinerziehende Mutter eines Teenagers ist, sie schrecklich viel Arbeit mit ihrer Firma hat, und überhaupt. Neben Tara selbst gibt es noch jemanden, der nicht gerade entzückt von Micks und Taras Liebesbeziehung ist, und das ist seine Managerin Elizabeth Darnell. Die findet es nämlich wesentlich lukrativer, Mick bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit mit irgendwelchen weiblichen Promis über rote Teppiche flanieren zu lassen. Und so nimmt der Weg zum Happy End über 300 Seiten in Anspruch.
Warum wollte ich das Buch eigentlich lesen? Am Cover kann's nicht gelegen haben, ich stehe gar nicht auf so übertrieben muskulöse Typen die so aussehen, als würden sie wer weiß was für Pillen einwerfen...na ja, vielleicht war's die Leseprobe. Die hat schon ein bißchen mehr versprochen, als das Buch gehalten hat.
Das heißt nicht, daß The Perfect Play ein fürchterlich mieses, grottiges Buch ist. Es liest sich wirklich ganz angenehm, ist nicht langweilig, und hat ein paar ganz sympathische Charaktere.
Die Heldin gehört leider nicht dazu, denn die ist eine zickige Dumpfbacke. Anfangs ziert sie sich ganz fürchterlich, weil der Held mit ihr ausgehen will ("Aber das geht doch nicht! Ich bin doch eine alleinerziehende MUTTER!!!") - wobei ihr Sohn allerdings 14 oder 15 ist. Da kann der muntere Knabe ja wohl mal so langsam damit klarkommen, daß Mama einen Freund hat, oder?
Aber okay. Was ich noch schlimmer fand, war eine Szene weiter hinten im Buch. Tara weiß nämlich von Anfang an, daß Mick auf Wunsch seiner Managerin immer wieder mit irgendwelchen Schauspielerinnen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen oder ähnlichen Gelegenheiten erscheint. Einmal ist es so kurzfristig, daß er vergißt, ihr vorher Bescheid zu sagen - und es handelt sich ausgerechnet um eine Veranstaltung, die Tara organisiert hat. Sofort zickt sie fürchterlich rum und macht Schluß mit Mick. Der Ärmste hat ein entsetzlich schlechtes Gewissen, aber ich saß nur da und dachte: was soll denn dieses ganze Theater?
Dazu kommt, daß die Dialoge ziemlich lausig sind. Größtenteils sind sie sehr gestelzt - so redet einfach niemand.
Ich muß The Perfect Play nicht unbedingt noch mal lesen, und den Nachfolgeband, Changing the Game, möge auch lesen wer will - aber für ein paar angenehme Lesestunden mit einem netten, aber irgendwie langweiligen Helden, einer zickigen Heldin und mehr expliziten Sexszenen als der durchschnittliche Fernsehabend auf RTL 2 reicht's alle mal.
Montag, 25. Juli 2011
Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 6
Liebes Tagebuch,
ich hatte mich so gut vorbereitet und mein Plan hätte perfekt funktionieren können! Als unser Butler Sampson Lord Festerwart ankündigte, saß ich schon im Salon und wartete auf ihn. Lord Festerwart, meine ich, nicht den Butler. Ich hatte die Vorhänge halb zugezogen (damit Lord Festerwart mich im Halbdunkel nicht so gut sehen kann) und sogar versucht, die toten Mäuse, die zwischen den Falten zum Vorschein kamen, unter ein Tischchen zu schieben. Ekelig! Beim nächsten mal kann Bella das machen. Ich hatte mir die Hände und Füße mit Tüchern umwickelt und ein weiteres vor mein Gesicht gebunden. Wie ein Bandit!
Als Lord Festerwart hereinkam, sagte ich ihm, daß ich nicht mit ihm spazieren fahren kann, weil ich Migräne und außerdem die Maul- und Klauenseuche habe.
Natürlich dachte ich, jetzt graust es Lord Festerwart und er geht sofort wieder weg. Er hat aber nur mit den Schultern gezuckt und gesagt, egal, Frauen haben doch dauernd Migräne, und ich sollte jetzt mitkommen.
Ja, habe ich gesagt, aber wenn ich ihn mit der Maul- und Klauenseuche anstecke? Oder seine Pferde?
Auch egal, hat er gesagt, die Mistviecher haben sowieso schon jede Krankheit, die es gibt, und außerdem sind die nur geliehen. Seltsam, oder? Ich meine, wo doch Lord Festerwart so reich ist, warum kauft er sich denn dann keine gesunden Pferde?
Also sah es so aus, als müßte ich mit Lord Festerwart wegfahren. Ich hatte aber eine phänomenal gute Idee. Ich habe Lord Festerwart gesagt, ich müsse nur noch kurz meinen Eltern Bescheid sagen und mein Riechsalz holen. Dann bin ich losgerannt, um Bella zu suchen. Ich fand sie schon wieder in Kevins Schlafzimmer. Komischerweise hat er wieder so gegrunzt, obwohl Bella eine Peitsche in der Hand hatte und so aussah, als wolle sie damit auf ihn losgehen. Diese Bella, sie vergißt wirklich, wer sie ist!
Aber ich habe ihr ganz schnell klar gemacht, daß sie meine Zofe ist und deswegen mir gehorchen muß. Dann habe ich ihr die ganzen Tücher umgewickelt, die ich um den Kopf und die Hände und Füße gewickelt hatte. Bella hat blonde Haare wie ich, und deswegen sah sie mir in der Verkleidung auch richtig ähnlich. Großartig!
Und so kam es, daß Lord Festerwart glaubte, er würde mit mir spazieren fahren, während ich mich in den Salon schlich um zu gucken, ob noch irgendwo etwas Hustensaft zu finden ist.
Alles in allem ist heute doch ein guter Tag.
Sonntag, 24. Juli 2011
Gruseln am Sonntag
Ich muß mich hier mal outen: ich liebe schwachsinnige Fernsehsendungen. Allerdings nicht alle. Mein Interesse für nervende Kunst-Blondinen mit künstlichen Brüsten hält sich beispielsweise sehr in Grenzen, weswegen ich auch versuche, Programmen mit Frau Katzenberger aus dem Weg zu gehen.
Heute hat mich Vox aber gewissermaßen aus dem Hinterhalt mit Katzenberger 2.0 - jetzt noch nervender! - erschlagen. Ich schaltete nämlich nichtsahnend den Fernseher an, um als Hintergrundberieselung zum Zusammenbau einer Balkon-Solarlaterne die Auswanderersendung anzuschauen. Und da tauchte gleich eine junge (wahrscheinlich Anfang 20?) blonde (was sonst?) Frau mit getunten Möpsen auf, dank ihres mißlungenen Make ups wie Mitte 30 aussah und die anfingfürchterlich zu kreischen zu singen. Okay, da bin ich abgehärtet, habe schließlich auch schon öfter mal DSDS geschaut und hatte mal eine Fahrgemeinschaft mit einem sangesfreudigen Arbeitskollegen. Aber dann erschienen die Hände der jungen Frau im Bild, und ich hätte mich vor Angst beinah hinterm Sofa versteckt!
Diese Fingernägel!! Sie hat die Fingernägel von Freddy Krueger!!! Guckt euch das an! (Am besten direkt im Fernsehen, weil ich im Internet kein Bild gefunden habe, auf dem man das so richtig gut erkennen kann. Aber Vorsicht: der Anblick ist nichts für schwache Nerven. Kleine Kinder sollte man diese Sendung nicht schauen lassen, vor allem, wenn sie sensibel sind.
Ach ja, und falls ihr Freddy Kruegers Erbin selbst googeln möchtet: Die junge Dame heißt Miriam Balcerek.
Heute hat mich Vox aber gewissermaßen aus dem Hinterhalt mit Katzenberger 2.0 - jetzt noch nervender! - erschlagen. Ich schaltete nämlich nichtsahnend den Fernseher an, um als Hintergrundberieselung zum Zusammenbau einer Balkon-Solarlaterne die Auswanderersendung anzuschauen. Und da tauchte gleich eine junge (wahrscheinlich Anfang 20?) blonde (was sonst?) Frau mit getunten Möpsen auf, dank ihres mißlungenen Make ups wie Mitte 30 aussah und die anfing
Diese Fingernägel!! Sie hat die Fingernägel von Freddy Krueger!!! Guckt euch das an! (Am besten direkt im Fernsehen, weil ich im Internet kein Bild gefunden habe, auf dem man das so richtig gut erkennen kann. Aber Vorsicht: der Anblick ist nichts für schwache Nerven. Kleine Kinder sollte man diese Sendung nicht schauen lassen, vor allem, wenn sie sensibel sind.
Ach ja, und falls ihr Freddy Kruegers Erbin selbst googeln möchtet: Die junge Dame heißt Miriam Balcerek.
Samstag, 23. Juli 2011
Patricia Briggs: Hunting Ground
Die Werwölfin Anna Latham und ihr neuentdeckter Gefährte Charles Cornick nehmen an einem internationalen Werwolf-Gipfeltreffen teil, bei dem es um die Frage geht, ob die Werwölfe ihre Existenz öffentlich machen sollen. Dieses Thema ist sehr umstritten, und obendrein mischen sich auch noch alle möglichen anderen übernatürlichen Lebewesen wie Vampire und Hexen ein. Alle verfolgen unterschiedliche Ziele, und Anna und Charles brauchen ihre ganze Kraft und Intelligenz, um die Veranstaltung zu überleben...
Hunting Ground ist das zweite Buch aus Patricia Briggs' Alpha und Omega-Reihe, wenn man von einer Kurzgeschichte in einer Anthologie absieht. Diese Serie hat eins der Handlungselemente, die ich in Urban Fantasy (und, na ja, auch allen anderen) Büchern eigentlich verabscheue: Anna und Charles sind nämlich vom Schicksal vorherbestimmte Gefährten. Patricia Briggs schafft es aber, das Thema so gut zu verpacken, daß ich die Bücher trotzdem lese und spannend und interessant finde.
Anna wurde vor einigen Jahren gegen ihren Willen zur Werwölfin gemacht und danach fortwährend von ihrem Rudel mißhandelt, vergewaltigt und ausgenutzt. Charles hat dieser Praxis ein Ende gemacht, da er der Sohn und die rechte Hand des Anführers aller US-amerikanischen Werwölfe ist und Annas Rudel in alle möglichen illegalen Aktivitäten verstrickt war. Mit ihrem neuen Leben als Paar müssen aber beide erst nach und nach klarkommen. Besonders Anna fällt es anfangs schwer, Charles zu vertrauen - allerdings nicht so schwer, daß es die immerhin recht Action-lastige Handlung behindern würde. (Vieles davon wurde allerdings schon im Vorgängerbuch beschrieben, aber mit Hunting Ground kann man wirklich nichts anfangen, wenn man Cry Wolf nicht gelesen hat).
Was mir an Hunting Ground wirklich gut gefallen hat ist die Beschreibung, wie Anna sich in ihre Rolle als Omega-Wölfin (die offenbar beruhigend auf ihre Gefährten wirkt) findet und an Selbstvertrauen gewinnt. Sie lernt ihre eigene Stärke und Klugheit schätzen und einzusetzen und bildet mit Charles ein gutes Team.
Die Handlung ist so spannend, daß man das Buch in einem Rutsch durchlesen kann. Charles und Anna schlägt eine Menge offene Feindschaft entgegen und immerhin taucht niemand geringeres als die Bestie von Gévaudan auf (was mich an den Film Der Pakt der Wölfe erinnert hat. Ich fand den Film ja mittelmäßig, aber wer auch immer da für die Ausstattung, die Kostüme und die Aufnahmen zuständig war - das waren Genies. Wirklich.) Einer der Werwölfe hält sich möglicherweise für König Artus, und bei mehreren Charakteren können Anna und Charles zunächst nicht feststellen, ob sie Freunde oder Feinde sind.
Zum Ende hin wird es richtig dramatisch, und Held und Heldin müssen ordentlich einstecken und sich mit bösen Feen und Trollen anlegen, bevor alles gut wird.
Für mich war Hunting Ground ein rundum unterhaltsames Leseerlebnis und es lohnt sich auf jeden Fall, die Serie weiterzuverfolgen.
Hunting Ground ist das zweite Buch aus Patricia Briggs' Alpha und Omega-Reihe, wenn man von einer Kurzgeschichte in einer Anthologie absieht. Diese Serie hat eins der Handlungselemente, die ich in Urban Fantasy (und, na ja, auch allen anderen) Büchern eigentlich verabscheue: Anna und Charles sind nämlich vom Schicksal vorherbestimmte Gefährten. Patricia Briggs schafft es aber, das Thema so gut zu verpacken, daß ich die Bücher trotzdem lese und spannend und interessant finde.
Anna wurde vor einigen Jahren gegen ihren Willen zur Werwölfin gemacht und danach fortwährend von ihrem Rudel mißhandelt, vergewaltigt und ausgenutzt. Charles hat dieser Praxis ein Ende gemacht, da er der Sohn und die rechte Hand des Anführers aller US-amerikanischen Werwölfe ist und Annas Rudel in alle möglichen illegalen Aktivitäten verstrickt war. Mit ihrem neuen Leben als Paar müssen aber beide erst nach und nach klarkommen. Besonders Anna fällt es anfangs schwer, Charles zu vertrauen - allerdings nicht so schwer, daß es die immerhin recht Action-lastige Handlung behindern würde. (Vieles davon wurde allerdings schon im Vorgängerbuch beschrieben, aber mit Hunting Ground kann man wirklich nichts anfangen, wenn man Cry Wolf nicht gelesen hat).
Was mir an Hunting Ground wirklich gut gefallen hat ist die Beschreibung, wie Anna sich in ihre Rolle als Omega-Wölfin (die offenbar beruhigend auf ihre Gefährten wirkt) findet und an Selbstvertrauen gewinnt. Sie lernt ihre eigene Stärke und Klugheit schätzen und einzusetzen und bildet mit Charles ein gutes Team.
Die Handlung ist so spannend, daß man das Buch in einem Rutsch durchlesen kann. Charles und Anna schlägt eine Menge offene Feindschaft entgegen und immerhin taucht niemand geringeres als die Bestie von Gévaudan auf (was mich an den Film Der Pakt der Wölfe erinnert hat. Ich fand den Film ja mittelmäßig, aber wer auch immer da für die Ausstattung, die Kostüme und die Aufnahmen zuständig war - das waren Genies. Wirklich.) Einer der Werwölfe hält sich möglicherweise für König Artus, und bei mehreren Charakteren können Anna und Charles zunächst nicht feststellen, ob sie Freunde oder Feinde sind.
Zum Ende hin wird es richtig dramatisch, und Held und Heldin müssen ordentlich einstecken und sich mit bösen Feen und Trollen anlegen, bevor alles gut wird.
Für mich war Hunting Ground ein rundum unterhaltsames Leseerlebnis und es lohnt sich auf jeden Fall, die Serie weiterzuverfolgen.
Donnerstag, 21. Juli 2011
Aus dem Tagebuch einer Regency-Romanheldin, Teil 5
Liebes Tagebuch,
ich glaube, ich weiß jetzt, warum Kevin gesagt hat, daß ich anklopfen soll, bevor ich in sein Zimmer gehe. Das hatte ich nämlich vergessen! Als ich in Kevins Zimmer kam, sah ich, daß er auf Bella lag und grunzte. Wie eigenartig. Vielleicht hat er sich auf sie geworfen, als sie wieder mal versucht hat, meine Katze zu vergiften.
Kevin hat ganz komisch gestöhnt und gesagt, daß er jetzt nicht mit mir sprechen kann. Ich bin in die Bibliothek gegangen, um ein Buch über Krankheiten zu suchen. Natürlich mußte ich eine Krankheit finden, die ich einfach und glaubhaft vortäuschen konnte, um mich nicht mit Lord Festerwart treffen zu müssen. Mal sehen…Blattern? Nein, zu schwierig. Vielleicht hätte ich meine Haut mit Porridge einreiben können, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wie diese Krankheit wirklich aussieht.
Cholera? Möglich, aber da müßte ich die ganze Zeit auf dem Nachttopf sitzen bleiben, oder? Hysterie und Melancholie scheinen mir zu harmlos zu sein (das ist wirklich schade. Meine Lehrerinnen haben früher immer gesagt, ich hätte ein großes Talent für die Hysterie). Ich wollte meinen eigentlich sehr guten Plan schon aufgeben und versuchen, nett zu Lord Festerwart zu sein, als ich plötzlich hörte, wie draußen vor unserem Haus ein Pferd wieherte. Und da hatte ich eine Idee. Es ist eine richtig gute Idee, und wenn ich wetten würde – was ein anständiges Mädchen wie ich natürlich niemals tut – dann würde ich mein Lieblings-Strumpfband aus rosa Seide darauf verwetten, daß sich Lord Festerwart noch heute abend eine andere bezaubernde, unschuldige, wunderhübsche, goldblonde, blauäugige junge Dame aus gutem Hause zum Heiraten sucht!
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