Während nahezu jeder Bücherfreund, der auf sich hält, an diesem Wochenende zur Frankfurter Buchmesse geht, habe ich heute so aufregende Dinge getan wie Staubsaugen, den Fußboden wischen und das Badezimmer putzen. Dafür habe ich aber jetzt die Gelegenheit, wieder einmal mitten in der Nacht ein paar Worte in meinem Blog zu hinterlassen. Übrigens, aber das nur nebenbei, stehe ich Buchmesse-Besuchern seit einigen Jahren ein wenig mißtrauisch gegenüber. Wahrscheinlich völlig zu Unrecht, aber die Volkshochschule Dortmund hat mal eine Busfahrt zur Buchmesse organisiert und ich bin mitgefahren. Nun, die Mitfahrer in diesem Bus waren eine Menge Leute, die höchstwahrscheinlich intellektuell waren (längsgestreifte Hosen, Wollsocken, Birkenstockschuhe und filzige Haare sind ein nahezu untrügliches Zeichen dafür), jedenfalls mehr als ich. Das äußerte sich vor allem dadurch, daß sie uncoole Kleidung trugen und humorlos waren. Mit uncooler Kleidung habe ich kein Problem, ich kleide mich ja auch nicht nach der neuesten Mode - aber den Riesenaufriß, weil ich auf dem Rückweg etwas zu spät zum Bus kam, hätten sie sich schenken können. War ja nicht meine Schuld, daß der Busfahrer nicht gesagt hat wo er parkt, als er uns absetzte - so mußte ich über sämtliche Parkplätze in der Umgebung trotten, und das, obwohl mir die Füße sowieso schon wehtaten. Aber egal, zurück zu den Piraten:
...äh, halt. Moment. Ich sollte wohl noch vor Spoilern warnen. Achtung, mögliche Spoiler!
Also, im Prolog wird das Schiff von Samanthas (das ist die Heldin) Eltern von Piraten überfallen, die alle niedermetzeln, die sich ihnen in den Weg stellen. Ein böses Schicksal, und Samantha wird im letzten Moment von einem Angestellten ihrer Eltern gerettet, indem er sie über Bord wirft. Daß mit dem Buch etwas nicht stimmt, fiel mir schon auf Seite drei auf, denn während die Piraten so vor sich hinmeucheln, sorgt sich Samantha - zu recht - um die Sicherheit ihrer kleinen Schwester:
"Her sister was so young, barely twelve, with long blond ringlets, innocent eyes the color of a mountain stream, cheeks that dimpled when she laughed."
Hört sich ein bißchen nach Miss Piggy an, aber was soll denn diese blumige Beschreibung an dieser Stelle? Ich würde mein nächstes Gehalt darauf verwetten, daß z. B. meine Freundin H., wenn ich sie nach der Augenfarbe ihrer Schwester fragen würde, eher mit "blau" als mit "so wie ein fröhlich plätscherndes Gebirgsbächlein" antworten würde.
Nun, fünf Jahre später ist Samantha in den Besitz eines Schiffs gelangt und will sich am Mörder ihrer Familie rächen. Luke Bradley, ein weiterer Pirat, soll ihr helfen, ihn zu finden, aber sie muß ihn zuerst aus dem Gefängnis befreien. Lukes Erscheinung, die wohl jede Frau dazu bringen könnte, sich ihm mit den Worten "nimm mich jetzt!" an den Hals zu werfen, hatte ich ja bereits beschrieben. Nach einigem Hin und Her willigt Luke ein, mit Samantha den Knast zu verlassen, und da sie mit Hilfe einer List schon alles vorbereitet hat, um die Gefängniswärter abzulenken, kann's auch direkt losgehen. Kaum haben die beiden die Straße betreten, zeigt Luke schon, was in ihm steckt.
Oder besser gesagt, was nicht in ihm steckt. Nämlich ein großer Denker. Der gute Mann hat nämlich nichts besseres zu tun als Samantha erstmal durch die Stadt zu tragen. Genau: tragen. Auf seinen Armen. Weil sie ja alle Zeit der Welt für Sightseeing und Fummeleien haben.
"Ignoring her muttered protests, Luke wove through the confusion, her slight weight allowing him to keep a steady pace. However, he couldn't see down so well, and more than once he stepped into something soft that squished beneath his boots. Perfect. He had a beautiful wench in his arms, he was escaping the gallows, and his boots were now covered in shit."
Sehr clever, Luke.
Spätestens jetzt hätte Samantha merken müssen, daß in Lukes Oberstübchen etwas nicht stimmt, aber sie nimmt ihn trotzdem mit auf ihr Schiff. Allerdings weiß er noch nicht, daß sie selbst der berühmte Pirat Sam Steele ist. So macht der gute Luke erstmal einige der Seeleute auf dem Schiff blöd an, bevor er in Samanthas Kapitänskajüte geht und sich in der Disziplin "sexuelle Belästigung" übt. Wenig später drückt ihm Samantha sogenannte "articles" in die Hand. Nun ist ja Englisch nicht meine Muttersprache, und bei dem Wort "articles" erschien erstmal ein riesiges Fragezeichen über meinem Kopf. Ich dachte direkt an Zeitungsartikel, aber es stellte sich recht schnell heraus, daß es sich um eine Art Vertrag handelt, den Samantha mit Luke abschließen will.
Allerdings hat Luke ein massives Problem mit Paragraph 5 des Vertrages. Offenbar hat er sich gerade in den Volkshochschulkurs "Alkoholiker werden leicht gemacht" eingeschrieben, und deshalb kann er ganz und gar nicht damit konform gehen, daß Samantha an Bord ihres Schiffes kein Besäufnis erlauben will.
Tatsächlich muß sie versprechen, ihm ihr Schiff zu überlassen, damit er diesen geradezu unmöglichen Vertragsbedingungen zustimmt.
Dies war die Stelle, an der ich das Buch zum ersten Mal weggelegt habe, doch die Frage, ob es noch schlimmer kommen kann, läßt mir keine Ruhe. Daher werde ich tapfer und unverzagt weiter in diesem grauenhaften Buch lesen!
Sonntag, 18. Oktober 2009
Sonntag, 11. Oktober 2009
Karen Rose: Todesschrei (Originaltitel: Die For Me)
Auf einem abgelegenen Feld in Philadelphia werden mehre Gräber gefunden. Schnell findet die Polizei heraus, daß die Toten ermordet und einige von ihnen gefoltert wurden. Um Informationen über die Foltermethoden zu erhalten, wendet sich Detective Vito Ciccotelli an die Archäologin Sophie Johannsen. Schon bald sucht sich der Mörder neue Opfer und Vito, sein Team und auch Sophie tun alles, um ihn zu finden und sich und ihre Angehörigen vor ihm zu schützen...
Dieses Buch habe ich in der Bücherabteilung bei Kaufland entdeckt; ich kann nämlich eigentlich nie an Bücherabteilungen vorbeigehen. Ich bin lange vor dem Bücherregal auf- und abgegangen und habe überlegt, ob ich es wirklich kaufen soll, denn Bücher von englischsprachigen Autoren lese ich ja normalerweise lieber im Original. Aber die ersten paar Seiten fand ich gleich sehr packend, und da habe ich es dann doch mit genommen. Und ich habe es nicht bereut! An diesem Buch stimmt wirklich alles. Genau so soll ein Romantic Suspense meiner Ansicht nach sein.
Ich mag die Protagonisten sehr, vor allem Vito. Vito hat durch seine Arbeit als Polizist schon einiges erlebt, auch wirklich schlimme Dinge. Aber anders als viele andere Krimi-Protagonisten ist er kein bißchen zynisch oder verbittert. Er geht respektvoll mit anderen Menschen um und für ihn gibt es keine Alleingänge - er arbeitet im Team. Vito hat ein sehr gesundes Selbstbewußtsein und ist sich sicher, auf Frauen im Allgemeinen und Sophie im Besonderen attraktiv zu wirken; trotzdem tritt er weder arrogant noch machohaft auf. Er hat eine Familie, mit der er zusammenhält und die er über alles liebt.
Sophie ist ein wenig schwieriger, doch ihre Eigenheiten werden aufgrund ihrer kuriosen Familienverhältnisse und eines schlimmen Erlebnisses, das sie als junge Frau hatte, plausibel erklärt. Sie ist sehr intelligent, und das beste daran ist, daß sie in der Lage ist, ihre eigenen Fehler zu erkennen und dann über ihren eigenen Schatten zu springen und sich zu ändern.
Auch die anderen Charaktere des Buches sind sympathisch bzw. zumindest so beschrieben, daß man ihre Handlungen versteht. Eine Ausnahme bildet da natürlich der Mörder: der ist einfach ein Psychopath.
Ganz besonders hat mir auch die Beschreibung der Polizeiarbeit gefallen. Vito, seine Chefin und seine Kollegen setzen sich zusammen und überlegen, was sie tun können, um den Mörder zu finden und zu überführen. Sie alle arbeiten so schnell und effizient wie möglich und helfen sich gegenseitig. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Verbrecher aufzuhalten - keinem von ihnen geht es nur darum, besser zu sein als die anderen.
Todesschrei ist ein richtig spannendes, gut geschriebenes Buch mit sympathischen Charakteren und empfehlenswert für jeden, der dieses Genre mag.
Eine einzige Frage hätte ich allerdings doch noch: Kann man wirklich die Leiche eines erwachsenen Mannes im Kofferraum eines Porsche verstecken? (Es ist ein Sportwagen, kein Cayenne). Aber hey - das ist keine Kritik. Nur 'ne Frage!
Dieses Buch habe ich in der Bücherabteilung bei Kaufland entdeckt; ich kann nämlich eigentlich nie an Bücherabteilungen vorbeigehen. Ich bin lange vor dem Bücherregal auf- und abgegangen und habe überlegt, ob ich es wirklich kaufen soll, denn Bücher von englischsprachigen Autoren lese ich ja normalerweise lieber im Original. Aber die ersten paar Seiten fand ich gleich sehr packend, und da habe ich es dann doch mit genommen. Und ich habe es nicht bereut! An diesem Buch stimmt wirklich alles. Genau so soll ein Romantic Suspense meiner Ansicht nach sein.
Ich mag die Protagonisten sehr, vor allem Vito. Vito hat durch seine Arbeit als Polizist schon einiges erlebt, auch wirklich schlimme Dinge. Aber anders als viele andere Krimi-Protagonisten ist er kein bißchen zynisch oder verbittert. Er geht respektvoll mit anderen Menschen um und für ihn gibt es keine Alleingänge - er arbeitet im Team. Vito hat ein sehr gesundes Selbstbewußtsein und ist sich sicher, auf Frauen im Allgemeinen und Sophie im Besonderen attraktiv zu wirken; trotzdem tritt er weder arrogant noch machohaft auf. Er hat eine Familie, mit der er zusammenhält und die er über alles liebt.
Sophie ist ein wenig schwieriger, doch ihre Eigenheiten werden aufgrund ihrer kuriosen Familienverhältnisse und eines schlimmen Erlebnisses, das sie als junge Frau hatte, plausibel erklärt. Sie ist sehr intelligent, und das beste daran ist, daß sie in der Lage ist, ihre eigenen Fehler zu erkennen und dann über ihren eigenen Schatten zu springen und sich zu ändern.
Auch die anderen Charaktere des Buches sind sympathisch bzw. zumindest so beschrieben, daß man ihre Handlungen versteht. Eine Ausnahme bildet da natürlich der Mörder: der ist einfach ein Psychopath.
Ganz besonders hat mir auch die Beschreibung der Polizeiarbeit gefallen. Vito, seine Chefin und seine Kollegen setzen sich zusammen und überlegen, was sie tun können, um den Mörder zu finden und zu überführen. Sie alle arbeiten so schnell und effizient wie möglich und helfen sich gegenseitig. Ihr gemeinsames Ziel ist es, den Verbrecher aufzuhalten - keinem von ihnen geht es nur darum, besser zu sein als die anderen.
Todesschrei ist ein richtig spannendes, gut geschriebenes Buch mit sympathischen Charakteren und empfehlenswert für jeden, der dieses Genre mag.
Eine einzige Frage hätte ich allerdings doch noch: Kann man wirklich die Leiche eines erwachsenen Mannes im Kofferraum eines Porsche verstecken? (Es ist ein Sportwagen, kein Cayenne). Aber hey - das ist keine Kritik. Nur 'ne Frage!
Ich habe einen Award bekommen!!
Irina von Bücher über Alles hat mir einen Award verliehen! Ich hab's erst gestern gemerkt. Natürlich freue ich mich sehr darüber uns sage vielen Dank! Eigentlich soll man diesen Award an 5 weitere Personen bzw. Blogs weiterreichen, aber leider fällt mir jetzt niemand ein, an den ich ihn "verleihen" könnte - ich bin noch nicht so lange auf den deutschen Bücherblogs unterwegs.
Bücher, die man nicht lesen kann, Teil 3: Michelle Beattie: What A Pirate Desires oder: Humor ist, wenn man trotzdem lacht
Als Samantha Fine ein junges Mädchen war, wurde ihre Familie von einem berüchtigten Piraten namens Dervish ermordet. Einige Jahre später besitzt sie ein eigenes Piratenschiff und will sich an dem Mörder rächen. Doch zuerst muß sie ihn finden. Dazu braucht sie die Hilfe von Luke Bradley, der seine eigenen Gründe hat, Dervish zu hassen...
Hier habe ich mal wieder ein wahres Prachtexemplar von einer literarischen Katastrophe gefunden. Kurios nur, daß es einige äußerst positive Bewertungen dieses Buches im Internet gibt! Schaut mal bei AAR und The Romance Reader. Eigentlich hatte ich das Buch schon nach 27 Seiten beiseite gelegt (ein neuer Rekord), doch dann, getrieben von derselben morbiden Neugier und Sensationslust, die Autofahrer dazu bringt, an den Schauplätzen grauenhafter Unfälle anzuhalten und nach zermalmten Autos und verstümmelten Toten Ausschau zu halten, habe ich es doch wieder zur Hand genommen. Einfach nur, um zu sehen, ob es noch schlimmer werden kann. Natürlich kann ich What A Pirate Desires nur in sehr, sehr kleinen Dosen ertragen, und deshalb habe ich beschlossen, immer mal zwischendurch in meinem Blog zu berichten, was Samantha und Luke so treiben. Und weil heute Sonntag ist, fange ich nicht mit dem Anfang des Buchs, sondern mit einem besonderen Highlight an: mit der Beschreibung von Lukes Aussehen.
Okay, seid ihr bereit?
Wirklich?
Das ist nichts für schwache Nerven....
Nein, im Ernst. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
His soiled shirt gaped open nearly to his waist, revealing smudges of dirt and enough chains around his neck to anchor a small ship. A gold sash, with its tails hanging down to his right knee, hugged a lean waist. He wore black pants and boots, both of which had faded to gray. [...] Unlike most scalawags, he wore neither hat nor bandana. His hair was the color of a summer sun, and it hung unfettered to his shoulders. A thin mustache topped lips that curled in amusement. His left eye was covered by a shiny black patch.
Ist das nicht der Hammer? Der Typ muß doch wie eine Kreuzung aus Fabio und 50 Cent aussehen! Oder ist er vielleicht so eine Art frühe Form des in den 90ern so berüchtigten Mantafahrers, und sein Piratenschiff hatte einen Fuchsschwanz da, wo andere eine Galionsfigur haben? In diesem Falle wären mit Boots wohl abgelatschte Cowboystiefel gemeint?
Au weia, die arme Samantha. Andere Liebesromanheldinnen bekommen wenigstens gutaussehende Helden, auch wenn diese gelegentlich an übertriebener Eifersucht, maßloser Arroganz oder krankhafter Selbstüberschätzung leiden. Samantha dagegen bekommt einen grenzdebilen Möchtegern-Alkoholiker (doch, wirklich. Ihr werdet schon sehen) mit einem Stylingproblem.
Aber andererseits, wer weiß? Schließlich habe ich bisher nur bis Seite 69 gelesen. Die beiden könnten immer noch eine Zeitreise ins 21. Jahrhunder machen, bei MTV vorstellig werden und eine Fernsehsendung namens "Pimp My Pirate" erfinden.
Fortsetzung folgt...
Hier habe ich mal wieder ein wahres Prachtexemplar von einer literarischen Katastrophe gefunden. Kurios nur, daß es einige äußerst positive Bewertungen dieses Buches im Internet gibt! Schaut mal bei AAR und The Romance Reader. Eigentlich hatte ich das Buch schon nach 27 Seiten beiseite gelegt (ein neuer Rekord), doch dann, getrieben von derselben morbiden Neugier und Sensationslust, die Autofahrer dazu bringt, an den Schauplätzen grauenhafter Unfälle anzuhalten und nach zermalmten Autos und verstümmelten Toten Ausschau zu halten, habe ich es doch wieder zur Hand genommen. Einfach nur, um zu sehen, ob es noch schlimmer werden kann. Natürlich kann ich What A Pirate Desires nur in sehr, sehr kleinen Dosen ertragen, und deshalb habe ich beschlossen, immer mal zwischendurch in meinem Blog zu berichten, was Samantha und Luke so treiben. Und weil heute Sonntag ist, fange ich nicht mit dem Anfang des Buchs, sondern mit einem besonderen Highlight an: mit der Beschreibung von Lukes Aussehen.
Okay, seid ihr bereit?
Wirklich?
Das ist nichts für schwache Nerven....
Nein, im Ernst. Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
His soiled shirt gaped open nearly to his waist, revealing smudges of dirt and enough chains around his neck to anchor a small ship. A gold sash, with its tails hanging down to his right knee, hugged a lean waist. He wore black pants and boots, both of which had faded to gray. [...] Unlike most scalawags, he wore neither hat nor bandana. His hair was the color of a summer sun, and it hung unfettered to his shoulders. A thin mustache topped lips that curled in amusement. His left eye was covered by a shiny black patch.
Ist das nicht der Hammer? Der Typ muß doch wie eine Kreuzung aus Fabio und 50 Cent aussehen! Oder ist er vielleicht so eine Art frühe Form des in den 90ern so berüchtigten Mantafahrers, und sein Piratenschiff hatte einen Fuchsschwanz da, wo andere eine Galionsfigur haben? In diesem Falle wären mit Boots wohl abgelatschte Cowboystiefel gemeint?
Au weia, die arme Samantha. Andere Liebesromanheldinnen bekommen wenigstens gutaussehende Helden, auch wenn diese gelegentlich an übertriebener Eifersucht, maßloser Arroganz oder krankhafter Selbstüberschätzung leiden. Samantha dagegen bekommt einen grenzdebilen Möchtegern-Alkoholiker (doch, wirklich. Ihr werdet schon sehen) mit einem Stylingproblem.
Aber andererseits, wer weiß? Schließlich habe ich bisher nur bis Seite 69 gelesen. Die beiden könnten immer noch eine Zeitreise ins 21. Jahrhunder machen, bei MTV vorstellig werden und eine Fernsehsendung namens "Pimp My Pirate" erfinden.
Fortsetzung folgt...
Samstag, 3. Oktober 2009
Michelle Raven: Ghostwalker - Die Spur der Katze
Nach einem Ereignis, das sowohl ihr bisheriges Berufs- als auch ihr Privatleben auf schreckliche Weise zerstört hat, lebt die Journalistin Marisa Perez zurückgezogen in einer kleinen Hütte in den Bergen Kaliforniens, mit einem Hund als einzigem Gefährten. Eines Abends findet Marisa einen schwerverletzten Mann auf ihrer Veranda, dem sie hilft. Am nächsten Morgen wird Marisa von der Polizei befragt, da ihr Nachbar ermordet wurde - hatte der Verletzte etwa damit zu tun? Und wer ist hinter ihm - und plötzlich auch hinter Marisa - her?
Seit ich dieses Blog besitze, habe ich einen Tick: ich markiere mir besonders bemerkenswerte Stellen in Büchern mit kleinen bunten Post-it Zetteln. Besonders schlechte Bücher haben besonders viele besonders bemerkenswerte Stellen. Gute Bücher haben fast gar keine, und überragende Bücher haben natürlich Stellen, die markiert werden müssen, weil sie so wundervoll sind. Die Spur der Katze hat gar keine Post-it Zettel, das bedeutet, daß ich es gut, aber nicht überragend fand.
Die Handlung hat auf jeden Fall den Vorteil, daß sie meistens ganz logisch ist, sofern man für die Länge dieses Buches akzeptiert, daß es Gestaltwandler gibt (und täte man das nicht, müßte man das Buch ja gar nicht erst lesen). Nur eine Gestaltwandler-Partyszene hat mich ein bißchen gewundert: es gab eigentlich keinen Anlaß für diese Party und dringendere Dinge, die die meisten der Partygäste hätten erledigen müssen.
Vor allem hat mir gefallen, wie die Autorin das Leben der Gestaltwandler ausgeschmückt hat: wie sie zurückgezogen im Wald leben und im Alter gezwungen sind, andere Lebensformen zu suchen. Andererseits hat es mich schon gewundert, wie leicht es Marisa akzeptiert, daß Coyle, der Verletzte auf ihrer Veranda und später ihr Geliebter, sich in einen Berglöwen verwandeln kann und dies auch in ihrer Gegenwart häufig tut. Wenn ich einen Mann kennenlernen würde und der sich, sagen wir mal nach dem 1. Date, in ein Tier verwandelte, würde er von mir bestenfalls noch einen Kondensstreifen sehen! So etwas akzeptiert man doch nicht so leicht wie die Entdeckung, daß der neue Partner, sagen wir mal, eine häßliche Narbe oder eine Allergie hat!
Die Gründe, warum beide denken, daß aus ihrer Liebe keine dauerhafte Beziehung werden kann, sind dagegen wieder sehr nachvollziehbar - und das Happy End glaubhaft.
Genausogut wie die Haupt-Handlung hat mir übrigens die Geschichte um Bowen, einen jungen Gestaltwandler, der von einem skrupellosen Wissenschaftler gefangen wurde, und Isabelle, die Tochter des Wissenschaftlers, gefallen. Diese Geschichte war wirklich sehr abgefahren, vor allem, als Isabelles Vater Bowen LSD verabreicht.
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, aber es ist kein Keeper.
Seit ich dieses Blog besitze, habe ich einen Tick: ich markiere mir besonders bemerkenswerte Stellen in Büchern mit kleinen bunten Post-it Zetteln. Besonders schlechte Bücher haben besonders viele besonders bemerkenswerte Stellen. Gute Bücher haben fast gar keine, und überragende Bücher haben natürlich Stellen, die markiert werden müssen, weil sie so wundervoll sind. Die Spur der Katze hat gar keine Post-it Zettel, das bedeutet, daß ich es gut, aber nicht überragend fand.
Die Handlung hat auf jeden Fall den Vorteil, daß sie meistens ganz logisch ist, sofern man für die Länge dieses Buches akzeptiert, daß es Gestaltwandler gibt (und täte man das nicht, müßte man das Buch ja gar nicht erst lesen). Nur eine Gestaltwandler-Partyszene hat mich ein bißchen gewundert: es gab eigentlich keinen Anlaß für diese Party und dringendere Dinge, die die meisten der Partygäste hätten erledigen müssen.
Vor allem hat mir gefallen, wie die Autorin das Leben der Gestaltwandler ausgeschmückt hat: wie sie zurückgezogen im Wald leben und im Alter gezwungen sind, andere Lebensformen zu suchen. Andererseits hat es mich schon gewundert, wie leicht es Marisa akzeptiert, daß Coyle, der Verletzte auf ihrer Veranda und später ihr Geliebter, sich in einen Berglöwen verwandeln kann und dies auch in ihrer Gegenwart häufig tut. Wenn ich einen Mann kennenlernen würde und der sich, sagen wir mal nach dem 1. Date, in ein Tier verwandelte, würde er von mir bestenfalls noch einen Kondensstreifen sehen! So etwas akzeptiert man doch nicht so leicht wie die Entdeckung, daß der neue Partner, sagen wir mal, eine häßliche Narbe oder eine Allergie hat!
Die Gründe, warum beide denken, daß aus ihrer Liebe keine dauerhafte Beziehung werden kann, sind dagegen wieder sehr nachvollziehbar - und das Happy End glaubhaft.
Genausogut wie die Haupt-Handlung hat mir übrigens die Geschichte um Bowen, einen jungen Gestaltwandler, der von einem skrupellosen Wissenschaftler gefangen wurde, und Isabelle, die Tochter des Wissenschaftlers, gefallen. Diese Geschichte war wirklich sehr abgefahren, vor allem, als Isabelles Vater Bowen LSD verabreicht.
Alles in allem hat mir das Buch gut gefallen, aber es ist kein Keeper.
Sonntag, 27. September 2009
Stöckchen werfen ohne Hund
Orchidee und Cleopatra vom Lesenswert-Empfehlenswert Blog haben mir ein Stöckchen zugeworfen! Das fange ich natürlich gerne auf und antworte wie folgt:
1. Frage: (aus aktuellem Anlass unserer Umfrage auf dem Blog) Lässt du dich beim Bücherkauf von schrecklichen Covern abschrecken, oder gehst du rein nach dem Klappentext, Rezensionen und/oder Empfehlungen? Hast du schonmal ein Buch nur wegen des Covers gekauft? Wenn ja, war das ein Reinfall oder eine positive Überraschung?
Antwort: Nein, von gräßlichen Covern lasse ich mich überhaupt nicht abschrecken. Die meisten Bücher bestelle ich im Internet (die Aktionäre von Amazon schließen mich wahrscheinlich jeden Abend in ihre Gebete ein), da fällt mir das Cover normalerweise sowieso erst auf, wenn ich das Buch in den Händen halte. Ich habe auch noch kein Buch nur wegen des Covers gekauft. Kürzlich habe ich allerdings mal ein Buch gelesen, dessen Cover mir schon vor dem Kauf gefiel und bei dem ich dachte, daß es in dieser Art mehr geben sollte. Das war "A View To A Kiss" von Caroline Linden. Das Buch mochte ich sehr, aber von dem Cover war ich bei näherem Hinsehen ein klein wenig enttäuscht: der darauf abgebildete Mann hat nämlich etwas leicht Enrique Iglesias-haftes.
2. Frage: Welches Genre liest du überhaupt nicht, und warum? Würdest du es mal probieren, wenn du es von allen Seiten empfohlen bekämst?
Antwort: Hm, ich lese natürlich nicht alle Genres gleich viel - Science Fiction und Fantasy sind zum Beispiel nicht so ganz meins, obwohl es auch da Ausnahmen gibt. Aber es gibt nichts, was ich rundheraus ablehne. Was die Empfehlungen betrifft - da müßte ich schon wissen, was die empfehlende Person sonst an Büchern mag. Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber ich habe den Verdacht, daß man Kafka-Anhängern nicht trauen kann, und Susan Elizabeth Philips-Fans werden auch niemals den gleichen Geschmack haben wie ich.
3. Frage: Welches Buch wolltest du schon immer lesen, hast es aber noch nicht geschafft? Und welches Buch könntest du immer wieder lesen?
Antwort: Der erste Teil der Frage ist ganz klar: King Hereafter von Dorothy Dunnett. Das Buch ist schon ewig in meinem SUB und ich habe keine Ahnung, warum ich es nicht schaffe, es mal ganz durchzulesen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich irgendwann doch noch mal durchhalte und es bis zum Ende lese.
Der zweite Teil der Frage geht für mich auch gleich mit Dorothy Dunnett weiter, weil ich eben ein großer Fan all ihrer anderen Bücher bin, einschließlich der Johnson Johnson-Krimis (von denen ich die meisten auf deutsch, aber leider nicht im englischen Original habe. Sie sind ein bißchen schwer zu bekommen). Ein paar andere Lieblingsbücher sind: Off Limits und One Way Out von Michele Albert, Across a Moonlit Sea von Marsha Canham, Welcome to Temptation und Bet Me von Jennifer Crusie, Pompeii von Robert Harris, Devil's Cub und The Grand Sophy von Georgette Heyer, The Suitor von Sandy Hingston, One Summer von Karen Robards und dann natürlich die Saint-Germain Bücher von Chelsea Quinn Yarbro und die Marcus Didius Falco Bücher von Lindsey Davis. Bestimmt habe ich jetzt etliche vergessen, aber es gibt so viele gute Bücher (zum Glück)!
Seid mir bitte nicht böse, aber ich werfe das Stöckchen erstmal nicht weiter - ich glaube, es ist schon auf jedem Blog aufgetaucht, das ich lese!
1. Frage: (aus aktuellem Anlass unserer Umfrage auf dem Blog) Lässt du dich beim Bücherkauf von schrecklichen Covern abschrecken, oder gehst du rein nach dem Klappentext, Rezensionen und/oder Empfehlungen? Hast du schonmal ein Buch nur wegen des Covers gekauft? Wenn ja, war das ein Reinfall oder eine positive Überraschung?
Antwort: Nein, von gräßlichen Covern lasse ich mich überhaupt nicht abschrecken. Die meisten Bücher bestelle ich im Internet (die Aktionäre von Amazon schließen mich wahrscheinlich jeden Abend in ihre Gebete ein), da fällt mir das Cover normalerweise sowieso erst auf, wenn ich das Buch in den Händen halte. Ich habe auch noch kein Buch nur wegen des Covers gekauft. Kürzlich habe ich allerdings mal ein Buch gelesen, dessen Cover mir schon vor dem Kauf gefiel und bei dem ich dachte, daß es in dieser Art mehr geben sollte. Das war "A View To A Kiss" von Caroline Linden. Das Buch mochte ich sehr, aber von dem Cover war ich bei näherem Hinsehen ein klein wenig enttäuscht: der darauf abgebildete Mann hat nämlich etwas leicht Enrique Iglesias-haftes.
2. Frage: Welches Genre liest du überhaupt nicht, und warum? Würdest du es mal probieren, wenn du es von allen Seiten empfohlen bekämst?
Antwort: Hm, ich lese natürlich nicht alle Genres gleich viel - Science Fiction und Fantasy sind zum Beispiel nicht so ganz meins, obwohl es auch da Ausnahmen gibt. Aber es gibt nichts, was ich rundheraus ablehne. Was die Empfehlungen betrifft - da müßte ich schon wissen, was die empfehlende Person sonst an Büchern mag. Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber ich habe den Verdacht, daß man Kafka-Anhängern nicht trauen kann, und Susan Elizabeth Philips-Fans werden auch niemals den gleichen Geschmack haben wie ich.
3. Frage: Welches Buch wolltest du schon immer lesen, hast es aber noch nicht geschafft? Und welches Buch könntest du immer wieder lesen?
Antwort: Der erste Teil der Frage ist ganz klar: King Hereafter von Dorothy Dunnett. Das Buch ist schon ewig in meinem SUB und ich habe keine Ahnung, warum ich es nicht schaffe, es mal ganz durchzulesen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß ich irgendwann doch noch mal durchhalte und es bis zum Ende lese.
Der zweite Teil der Frage geht für mich auch gleich mit Dorothy Dunnett weiter, weil ich eben ein großer Fan all ihrer anderen Bücher bin, einschließlich der Johnson Johnson-Krimis (von denen ich die meisten auf deutsch, aber leider nicht im englischen Original habe. Sie sind ein bißchen schwer zu bekommen). Ein paar andere Lieblingsbücher sind: Off Limits und One Way Out von Michele Albert, Across a Moonlit Sea von Marsha Canham, Welcome to Temptation und Bet Me von Jennifer Crusie, Pompeii von Robert Harris, Devil's Cub und The Grand Sophy von Georgette Heyer, The Suitor von Sandy Hingston, One Summer von Karen Robards und dann natürlich die Saint-Germain Bücher von Chelsea Quinn Yarbro und die Marcus Didius Falco Bücher von Lindsey Davis. Bestimmt habe ich jetzt etliche vergessen, aber es gibt so viele gute Bücher (zum Glück)!
Seid mir bitte nicht böse, aber ich werfe das Stöckchen erstmal nicht weiter - ich glaube, es ist schon auf jedem Blog aufgetaucht, das ich lese!
Hugh Laurie: The Gun Seller
Thomas Lang ist ein früherer englischer Soldat, der in eine Verschwörung gerät, deren Ziel es ist, eine neue Art von Militärhubschrauber mit Hilfe eines terroristischen Anschlags an den Mann, oder besser gesagt, an die Regierung zu bringen. Thomas versucht, das schlimmste zu verhindern und mit heiler Haut aus der Sache herauszukommen.
Dieses Buch ist sehr, sehr schwer zu beschreiben und bewerten - hauptsächlich deshalb, weil ich die Hälfte der Zeit keine Ahnung hatte, was vor sich ging. Die erste Hälfte das Buches war wirklich amüsant und unterhaltsam und voll schwarzen Humors. Ein bißchen wie die englische Antwort auf Carl Hiaasen. Dann bewegt sich die Handlung aber plötzlich innerhalb weniger Absätze um ein halbes Jahr vorwärts, und Thomas wird vom Geheimdienst gezwungen, eine Terroristengruppe zu infiltrieren. Leider erfährt der Leser aber überhaupt nicht, warum diese Terroristen Terroristen sind, warum sie eine bestimmte Person ermorden und eine Botschaft besetzen wollen. Vielleicht habe ich ja auch irgendwas nicht mitgekriegt, aber da ich mich selbst als eine Person von durchschnittlicher Intelligenz und mit beträchtlicher Erfahrung im Bücherlesen beschreiben würde, denke ich, daß hier vielleicht auch an der Handlung oder der Schreibweise etwas nicht stimmt. Was ich dann noch mitgekriegt habe ist, daß es mehr oder weniger ein Happy End gibt und daß der Held zum Schluß mit einer Blondine in einem Rover davonfährt.
Dieses Buch ist sehr, sehr schwer zu beschreiben und bewerten - hauptsächlich deshalb, weil ich die Hälfte der Zeit keine Ahnung hatte, was vor sich ging. Die erste Hälfte das Buches war wirklich amüsant und unterhaltsam und voll schwarzen Humors. Ein bißchen wie die englische Antwort auf Carl Hiaasen. Dann bewegt sich die Handlung aber plötzlich innerhalb weniger Absätze um ein halbes Jahr vorwärts, und Thomas wird vom Geheimdienst gezwungen, eine Terroristengruppe zu infiltrieren. Leider erfährt der Leser aber überhaupt nicht, warum diese Terroristen Terroristen sind, warum sie eine bestimmte Person ermorden und eine Botschaft besetzen wollen. Vielleicht habe ich ja auch irgendwas nicht mitgekriegt, aber da ich mich selbst als eine Person von durchschnittlicher Intelligenz und mit beträchtlicher Erfahrung im Bücherlesen beschreiben würde, denke ich, daß hier vielleicht auch an der Handlung oder der Schreibweise etwas nicht stimmt. Was ich dann noch mitgekriegt habe ist, daß es mehr oder weniger ein Happy End gibt und daß der Held zum Schluß mit einer Blondine in einem Rover davonfährt.
Samstag, 26. September 2009
T J Bennett: The Legacy
Wittenberg im Jahr 1525: Sabina von Ziegler ist aus dem Kloster geflüchtet und ist ihrem Stiefvater, dem Baron von Ziegler, schutzlos ausgeliefert. Er zwingt sie, Wolfgang Behaim, den Besitzer einer Druckerpresse, zu heiraten. Auch Wolfgang wurde vom Baron zu dieser Ehe erpreßt. Weder Sabina noch Wolfgang wollen sich verlieben oder verheiratet sein, denn beide hatten in der Vergangenheit schlimme Erlebnisse, und beide haben andere Pläne für die Zukunft. Dennoch fühlen sie sich unwiderstehlich zueinander hingezogen.
Es tut mir ja leid, daß ich mich schon wieder beschweren muß, aber dieses Buch war auch ein totaler Flop. Mir ist unerklärlich, warum es auf AAR so gut bewertet wurde. Wer wie ich schon in den 80er Jahren angefangen hat, amerikanische Liebesromane zu lesen, kann sich an diese Art von Buch wahrscheinlich noch erinnern: der Held ist ein Mega-Macho, der alle fünf Minuten aus ungerechtfertigter Eifersucht oder wegen anderer eingebildeter Beleidigungen seiner Ehre und seiner Männlichkeit ausflippt und der sich nie, aber auch niemals verlieben will, weil Frauen doch nur für das eine gut sind. Die Heldin ist wunderschön, voll unerweckter Sinnlichkeit (bis sie den Helden trifft, natürlich), temperamentvoll, impulsiv und dumm wie Bohnenstroh. Tja, mit 16 habe ich sowas ausgesprochen gerne gelesen, aber da hatte ich ja auch sozusagen keine andere Wahl, denn ich kannte schon alle Georgette Heyer-Bücher, die es in der Stadtbücherei in Dortmund-Scharnhorst gab, und auf den Bücherkrabbeltischen der Dortmunder Kaufhäuser gab es eben nur diese Art von Liebesroman.
Und da ich wie immer pingelig bin, fiel mir als erstes auf, daß sich Wolfgang mit Zitronen-Sandelholz-Seife und Sabina mit Vanille-Rosmarin-Seife wäscht, die ihre Haushälterin für sie herstellt. Okay, daß sie Seife benutzen, nehme ich einfach mal so hin. Schließlich gab es in jedem Zeitalter mehr oder weniger reinliche Zeitgenossen, und ich kenne selbst heute einige, denen man den Gedanken der Körperpflege mal ein bißchen näherbringen sollte. Daß die Seife mit Rosmarin parfümiert ist, kann ich glauben, denn ich habe Rosmarin hier in Deutschland schon in Gartengeschäften gesehen, daher nehme ich an, daß der auch hier wächst. Mit Sandelholz und Zitronen habe ich in diesem Zusammenhang ein Problem: ich vermute, daß es sie in Deutschland schon gab, aber es waren mit Sicherheit sündhaft teure Importwaren, die nur den ganz Reichen vorbehalten waren. Und Wolfgang lebt nicht schlecht von seiner Druckerpresse, aber reich ist er nicht! Aber die Erwähnung von Vanille hätte die Autorin sich wirklich schenken können. Ich habe extra mal auf Wikipedia nachgesehen. Vanille kommt ursprünglich aus Mexiko und Mittelamerika. Falls jemand in Deutschland im Jahr 1525 schon mal von Vanille gehört hatte, dann bestimmt nur jemand, der weitgereist und/oder steinreich war! Und bestimmt wäre niemand auf den Gedanken verfallen, daraus Seife zu machen!
Andererseits ist die Seifenfrage noch das kleinste Problem des Buches. Das größere Problem sind die Personen. Ich kann allerdings nicht sagen, ober mir Wolfgang oder Sabina mehr auf die Nerven geht. Wolfgang wird die ganze Zeit nicht müde, zu betonen, daß er nur seine verstorbene erste Frau geliebt hat, keine andere Frau jemals so wundervoll sein kann wie sie, er sich niemals wieder verlieben wird usw. usw. Man kennt das. Jedenfalls, wenn man vorher schon mal einen schlechten Liebesroman gelesen hat. Trotzdem läßt er Sabina aber nicht in Ruhe. Er kommandiert sie herum, verführt sie, und wird eifersüchtig, wenn sie mit einem anderen anderen Mann ein wenig herumflachst.
Sabina weiß nicht, was sie will. Sie will ein Haus für geflohene Nonnen einrichten. Ach nein, sie liebt Wolfgang und will bei ihm bleiben. Sie haßt Wolfgang und hält es keine Minute länger unter seinem Dach aus. Sie liebt Wolfgang, und er ist der edelste, heldenhafteste Mann der Welt. Usw. usw. Man kennt das.
Natürlich gibt es auch wieder die gefürchtete Weglauf-Szene. Die geht, wie in jedem derartigen Buch, in etwa so: Sabina hört, wie Wolfgang seinem Bruder sagt, daß er sie niemals lieben wird. Die beiden streiten sich, sie kündigt an, daß sie ihn verlassen wird. Er denkt, daß sie das sowieso nicht macht und ist baff, als sie plötzlich weg ist. Oh nein, aber sie liebt ihn doch! Und er sie! Wieso hat er das nicht eher erkannt! Wolfgangs Bruder schlägt vor, sie zu finden und zurückzuholen. Wolfgang äußert sich wie folgt: "Nay!" Wolf shouted. "She should have stayed and given me a chance. She should have understood how hard it is for me to adjust to so many changes after so long. Hell and damnation, she should know how I feel about her by now. Why do I have to explain?" Übersetzt heißt das: ich erzähle zwar meiner Frau und jedem, der mir über den Weg läuft, daß ich nur eine Vernunftehe will, aber wenn sie nicht solch eine Versagerin wäre, wüßte sie dank hellseherischer Fähigkeiten, daß ich sie über alles liebe - obwohl ich selbst das bis vor fünf Minuten auch nicht wußte.
Nach längerem Hin und Her läßt sich Wolfgang jedenfalls von seinem Bruder dazu überreden, Sabina zu suchen. Diese hat außer dem abgelegten Kleid eines Dienstmädchens und einer Laterne nichts weiter mitgenommen und sich auf den Weg zur Burg ihres Stiefvaters gemacht, weil sie glaubt, daß sie sich unbemerkt hineinschleichen, ein paar wichtige Dokumente an sich nehmen und wieder verschwinden kann.
Das einzige, was hier fehlt, ist die in vielen Romanen unvermeidliche Bösewicht-versucht-Heldin-zu-vergewaltigen-Szene. Hauptsächlich deswegen, weil der Haupt-Bösewicht der Stiefvater der Heldin ist, aber immerhin etwas.
Den Rest der Handlung kann sich sicher auch jeder denken: Held findet Heldin, Held und Heldin besiegen gemeinsam das Böse, versichern sich gegenseitig, wie sehr sie sich lieben, und leben glücklich bis an ihr Ende. Natürlich mag ich diese Art von Handlung grundsätzlich, aber ich mag auch Bücher mit intelligenten, sympathischen Hauptfiguren. Diese hier sind leider weder das eine noch das andere, und da Sabina am Ende des Buches schwanger ist, kann man noch nicht mal davon ausgehen, daß die Dummheit nach ihrem Tod ausstirbt. Aber was sage ich da. Wenn die Dummheit ausstürbe, wer würde dann bei Deutschland sucht den Superstar auftreten?
Es tut mir ja leid, daß ich mich schon wieder beschweren muß, aber dieses Buch war auch ein totaler Flop. Mir ist unerklärlich, warum es auf AAR so gut bewertet wurde. Wer wie ich schon in den 80er Jahren angefangen hat, amerikanische Liebesromane zu lesen, kann sich an diese Art von Buch wahrscheinlich noch erinnern: der Held ist ein Mega-Macho, der alle fünf Minuten aus ungerechtfertigter Eifersucht oder wegen anderer eingebildeter Beleidigungen seiner Ehre und seiner Männlichkeit ausflippt und der sich nie, aber auch niemals verlieben will, weil Frauen doch nur für das eine gut sind. Die Heldin ist wunderschön, voll unerweckter Sinnlichkeit (bis sie den Helden trifft, natürlich), temperamentvoll, impulsiv und dumm wie Bohnenstroh. Tja, mit 16 habe ich sowas ausgesprochen gerne gelesen, aber da hatte ich ja auch sozusagen keine andere Wahl, denn ich kannte schon alle Georgette Heyer-Bücher, die es in der Stadtbücherei in Dortmund-Scharnhorst gab, und auf den Bücherkrabbeltischen der Dortmunder Kaufhäuser gab es eben nur diese Art von Liebesroman.
Und da ich wie immer pingelig bin, fiel mir als erstes auf, daß sich Wolfgang mit Zitronen-Sandelholz-Seife und Sabina mit Vanille-Rosmarin-Seife wäscht, die ihre Haushälterin für sie herstellt. Okay, daß sie Seife benutzen, nehme ich einfach mal so hin. Schließlich gab es in jedem Zeitalter mehr oder weniger reinliche Zeitgenossen, und ich kenne selbst heute einige, denen man den Gedanken der Körperpflege mal ein bißchen näherbringen sollte. Daß die Seife mit Rosmarin parfümiert ist, kann ich glauben, denn ich habe Rosmarin hier in Deutschland schon in Gartengeschäften gesehen, daher nehme ich an, daß der auch hier wächst. Mit Sandelholz und Zitronen habe ich in diesem Zusammenhang ein Problem: ich vermute, daß es sie in Deutschland schon gab, aber es waren mit Sicherheit sündhaft teure Importwaren, die nur den ganz Reichen vorbehalten waren. Und Wolfgang lebt nicht schlecht von seiner Druckerpresse, aber reich ist er nicht! Aber die Erwähnung von Vanille hätte die Autorin sich wirklich schenken können. Ich habe extra mal auf Wikipedia nachgesehen. Vanille kommt ursprünglich aus Mexiko und Mittelamerika. Falls jemand in Deutschland im Jahr 1525 schon mal von Vanille gehört hatte, dann bestimmt nur jemand, der weitgereist und/oder steinreich war! Und bestimmt wäre niemand auf den Gedanken verfallen, daraus Seife zu machen!
Andererseits ist die Seifenfrage noch das kleinste Problem des Buches. Das größere Problem sind die Personen. Ich kann allerdings nicht sagen, ober mir Wolfgang oder Sabina mehr auf die Nerven geht. Wolfgang wird die ganze Zeit nicht müde, zu betonen, daß er nur seine verstorbene erste Frau geliebt hat, keine andere Frau jemals so wundervoll sein kann wie sie, er sich niemals wieder verlieben wird usw. usw. Man kennt das. Jedenfalls, wenn man vorher schon mal einen schlechten Liebesroman gelesen hat. Trotzdem läßt er Sabina aber nicht in Ruhe. Er kommandiert sie herum, verführt sie, und wird eifersüchtig, wenn sie mit einem anderen anderen Mann ein wenig herumflachst.
Sabina weiß nicht, was sie will. Sie will ein Haus für geflohene Nonnen einrichten. Ach nein, sie liebt Wolfgang und will bei ihm bleiben. Sie haßt Wolfgang und hält es keine Minute länger unter seinem Dach aus. Sie liebt Wolfgang, und er ist der edelste, heldenhafteste Mann der Welt. Usw. usw. Man kennt das.
Natürlich gibt es auch wieder die gefürchtete Weglauf-Szene. Die geht, wie in jedem derartigen Buch, in etwa so: Sabina hört, wie Wolfgang seinem Bruder sagt, daß er sie niemals lieben wird. Die beiden streiten sich, sie kündigt an, daß sie ihn verlassen wird. Er denkt, daß sie das sowieso nicht macht und ist baff, als sie plötzlich weg ist. Oh nein, aber sie liebt ihn doch! Und er sie! Wieso hat er das nicht eher erkannt! Wolfgangs Bruder schlägt vor, sie zu finden und zurückzuholen. Wolfgang äußert sich wie folgt: "Nay!" Wolf shouted. "She should have stayed and given me a chance. She should have understood how hard it is for me to adjust to so many changes after so long. Hell and damnation, she should know how I feel about her by now. Why do I have to explain?" Übersetzt heißt das: ich erzähle zwar meiner Frau und jedem, der mir über den Weg läuft, daß ich nur eine Vernunftehe will, aber wenn sie nicht solch eine Versagerin wäre, wüßte sie dank hellseherischer Fähigkeiten, daß ich sie über alles liebe - obwohl ich selbst das bis vor fünf Minuten auch nicht wußte.
Nach längerem Hin und Her läßt sich Wolfgang jedenfalls von seinem Bruder dazu überreden, Sabina zu suchen. Diese hat außer dem abgelegten Kleid eines Dienstmädchens und einer Laterne nichts weiter mitgenommen und sich auf den Weg zur Burg ihres Stiefvaters gemacht, weil sie glaubt, daß sie sich unbemerkt hineinschleichen, ein paar wichtige Dokumente an sich nehmen und wieder verschwinden kann.
Das einzige, was hier fehlt, ist die in vielen Romanen unvermeidliche Bösewicht-versucht-Heldin-zu-vergewaltigen-Szene. Hauptsächlich deswegen, weil der Haupt-Bösewicht der Stiefvater der Heldin ist, aber immerhin etwas.
Den Rest der Handlung kann sich sicher auch jeder denken: Held findet Heldin, Held und Heldin besiegen gemeinsam das Böse, versichern sich gegenseitig, wie sehr sie sich lieben, und leben glücklich bis an ihr Ende. Natürlich mag ich diese Art von Handlung grundsätzlich, aber ich mag auch Bücher mit intelligenten, sympathischen Hauptfiguren. Diese hier sind leider weder das eine noch das andere, und da Sabina am Ende des Buches schwanger ist, kann man noch nicht mal davon ausgehen, daß die Dummheit nach ihrem Tod ausstirbt. Aber was sage ich da. Wenn die Dummheit ausstürbe, wer würde dann bei Deutschland sucht den Superstar auftreten?
Montag, 21. September 2009
Sarah Mayberry: She's Got It Bad oder: Mit dem Kopf nach unten hängen ist wohl doch nicht so gesund
Diesmal habe ich ein Buch von einer australischen Schriftstellerin gelesen. Es ist ein Harlequin Blaze und unterscheidet sich nicht wesentlich von den amerikanischen Exemplaren dieser Reihe, außer daß da und dort mal jemand mit den Worten "G'day, mate" begrüßt wird. Es kommen auch weder Känguruhs noch Koalabären vor. Und jetzt eine W A R N U N G: diese Buchrezension hat vielleicht hier und da einen kleinen Spoiler. Wer sich von diesem Buch lieber unvorbereitet treffen läßt, guckt jetzt am besten ganz schnell weg. Eine zweite, dritte und vierte Meinung - genauer gesagt ist ja eigentlich meine Meinung die vierte - ohne Spoiler gibt es bei AAR, Bücher über alles und bei Books and Games. Alle anderen können sich eine Tasse Kaffee holen und sich freuen, daß ich schon mal dieses Buch durchlitten habe und daher weise Warnungen für alle Unverzagten aussprechen kann, die es trotzdem noch lesen wollen.
Als Zoe Ford ein Teenager war, nahmen ihre Eltern Liam Masters nach dem Tod seiner Mutter bei sich auf. Zoe verliebte sich bis über beide Ohren in ihn (da war sie 15 und er 17) und er sich in sie, doch weil er fand, er sei nicht gut genug für sie, verließ er Zoes Elternhaus überstürzt. 12 Jahre später treffen sie sich wieder: Zoe arbeitet als Tätowiererin und Rocksängerin, und Liam hat eine florierende Firma, die Motorräder herstellt. Schnell kommt Liam zu dem Schluß, daß so ein Leben für eine anständige junge Frau unangemessen ist, und gibt sein bestes, um Zoe zu helfen.
Ich fange mal mit etwas positivem an: ich mag Sarah Mayberrys Schreibstil wirklich, sowohl die Art, wie sie die Personen charakterisiert (damit meine ich aber ausdrücklich nicht, daß ich die Personen sympathisch finde), als auch wie sie die Handlung beschreibt. Wenn sie es mal schafft, sich ein paar bessere Charaktere und eine gute Handlung auszudenken, könnte dabei ein richtig gutes Buch herauskommen.
Und jetzt zu den negativen Aspekten des Buches - also zu allem anderen.
Liam, der Held, ist ein Riesen-Ar....mleuchter. Genau das, was die Amerikaner als "knuckledragger" bezeichnen: ein Rückfall in die Zeit der Neandertaler, dem quasi die überlangen Arme über den Boden schleifen, wenn er sie nicht gerade benutzt, um kreischende, unwillige Frauen in seine Höhle zu schleppen. Übrigens hat Liam tatsächlich außerordentlich lange Arme, und das erfahren wir schon auf Seite 25. Da entdeckt er nämlich auf einer Kunstausstellung ein Aktbild von Zoe. Oh no! Kreisch! Eine nackte Frau! Wo doch jeder weiß, daß Aktmalerei nichts weiter ist als eine Vorstufe der Prostitution! Da muß unser Liam natürlich sofort eingreifen, und er verliert keine Zeit, bevor er das Bild packt, von der Wand nimmt und es mit der unbemalten Seite zum Betrachter an die Wand lehnt. Das interessante an dieser Szene - abgesehen davon, daß sie eindrucksvoll zeigt, daß Liam ein bigotter Idiot ist - ist die Tatsache, daß dieses Bild 8 x 10 Fuß (= 2,4384 x 3,048 Meter) groß ist. Nun entspricht der Abstand von einer Hand zur anderen bei waagerecht ausgestreckten Armen bei einem normal proportionierten Menschen seiner Körperhöhe. Ich habe das extra gerade mal ausprobiert und bei mir stimmt es: genau 162,5 cm. Wenn also Liam das Bild problemlos und ohne Hilfe von der Wand nehmen kann, ist er entweder über 2,40 m groß, oder seine Arme schleifen beim Gehen hinter ihm her.
Aber weiter im Text: unser tüchtiger Liam findet heraus, wo Zoe arbeitet und verklickert ihr direkt, daß mit ihr etwas nicht stimmen kann, wenn sie sich so ganz nackelig malen läßt (pfui) und als Tätowiererin arbeitet. An dieser Stelle ist Zoe immerhin schlau genug, ihn rauszuschmeißen, aber da Liam auch als Stalker nicht ganz unbegabt ist, beschließt er, ihr nach der Arbeit nach Hause zu folgen. Dies wiederum führt dazu, daß er herausfindet, daß sie in einer schmuddeligen Kneipe als Rocksängerin auftritt. Oh mein Gott, wie grauenhaft! Ganz klar: Zoe braucht Hilfe, und die bietet Liam ihr an. Da Zoe aber eigenartigerweise darauf beharrt, keine Hilfe zu wollen, schieben sie noch schnell eine Nummer, bevor sie ihrer Wege gehen; natürlich nicht, ohne daß Liam Zoe schnell noch klarmacht, daß anständige Frauen auch kein Makeup benutzen (zu schade, daß er kein Deutsch kann, denn sonst hätte er meine Oma zitieren können: Mit Schminke und mit Puder beschmiert sich jedes Luder).
Die nächste Zeit verbringt Liam damit, Zoe zu verfolgen. Schließlich bringt er sie dazu, in seiner Motorradwerkstatt zu arbeiten - sie soll eines der Motorräder bemalen. Umgehend läßt er alle seine Angestellten wissen, daß a) er nichts von ihr will - nein, nein, sie sind nur Freunde und b) keiner von ihnen es wagen soll, Zoe anzubaggern, jedenfalls nicht, wenn er in Zukunft noch feste Nahrung zu sich nehmen will. Danach überlassen sich Zoe und Liam mehr oder weniger ihren Trieben, nicht ohne in einer Endlosschleife sich selbst und dem Leser zu versichern, daß es wirklich nichts ist außer einer heißen Affäre.
Zoe ist nämlich fest überzeugt, daß sie einem Mann nichts zu bieten hat, und Liam hat eine schlimme Kindheit gehabt.
Liam zeigt uns die noch arschlochigere Seite seiner ohnehin schon nicht gerade gewinnenden Persönlichkeit, als er Zoe zwingt (wirklich zwingt), ihm etwas zu erzählen, worüber sie nicht sprechen möchte.
Was passiert noch? Tja, er überrascht sie damit, daß er Zoes Bilder (sie malt auch) einer Galeriebesitzerin zeigt, schnallt irgendwann, daß er sich doch in sie verliebt hat, und prügelt einen Typen krankenhausreif, der sie belästigt.
Zoe kommt glücklicherweise zu dem Schluß, daß sie trotz allem ein vollwertiges menschliches Wesen ist, aber statt sich einen netten, normalen Mann zu suchen, sagt sie sich, daß auch bigotte Vollidioten Liebe brauchen, und beschließt, den Rest ihres Lebens mit Liam zu verbringen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann drücken sie sich heute wahrscheinlich die Nasen an den Fensterscheiben ihres Hauses platt und passen auf, daß die Nachbarn keinen Schweinkram machen. Oder vielleicht haben sie eine Bürgerinitiative gegen das öffentliche Ausstellen von Aktbildern gegründet.
Als Zoe Ford ein Teenager war, nahmen ihre Eltern Liam Masters nach dem Tod seiner Mutter bei sich auf. Zoe verliebte sich bis über beide Ohren in ihn (da war sie 15 und er 17) und er sich in sie, doch weil er fand, er sei nicht gut genug für sie, verließ er Zoes Elternhaus überstürzt. 12 Jahre später treffen sie sich wieder: Zoe arbeitet als Tätowiererin und Rocksängerin, und Liam hat eine florierende Firma, die Motorräder herstellt. Schnell kommt Liam zu dem Schluß, daß so ein Leben für eine anständige junge Frau unangemessen ist, und gibt sein bestes, um Zoe zu helfen.
Ich fange mal mit etwas positivem an: ich mag Sarah Mayberrys Schreibstil wirklich, sowohl die Art, wie sie die Personen charakterisiert (damit meine ich aber ausdrücklich nicht, daß ich die Personen sympathisch finde), als auch wie sie die Handlung beschreibt. Wenn sie es mal schafft, sich ein paar bessere Charaktere und eine gute Handlung auszudenken, könnte dabei ein richtig gutes Buch herauskommen.
Und jetzt zu den negativen Aspekten des Buches - also zu allem anderen.
Liam, der Held, ist ein Riesen-Ar....mleuchter. Genau das, was die Amerikaner als "knuckledragger" bezeichnen: ein Rückfall in die Zeit der Neandertaler, dem quasi die überlangen Arme über den Boden schleifen, wenn er sie nicht gerade benutzt, um kreischende, unwillige Frauen in seine Höhle zu schleppen. Übrigens hat Liam tatsächlich außerordentlich lange Arme, und das erfahren wir schon auf Seite 25. Da entdeckt er nämlich auf einer Kunstausstellung ein Aktbild von Zoe. Oh no! Kreisch! Eine nackte Frau! Wo doch jeder weiß, daß Aktmalerei nichts weiter ist als eine Vorstufe der Prostitution! Da muß unser Liam natürlich sofort eingreifen, und er verliert keine Zeit, bevor er das Bild packt, von der Wand nimmt und es mit der unbemalten Seite zum Betrachter an die Wand lehnt. Das interessante an dieser Szene - abgesehen davon, daß sie eindrucksvoll zeigt, daß Liam ein bigotter Idiot ist - ist die Tatsache, daß dieses Bild 8 x 10 Fuß (= 2,4384 x 3,048 Meter) groß ist. Nun entspricht der Abstand von einer Hand zur anderen bei waagerecht ausgestreckten Armen bei einem normal proportionierten Menschen seiner Körperhöhe. Ich habe das extra gerade mal ausprobiert und bei mir stimmt es: genau 162,5 cm. Wenn also Liam das Bild problemlos und ohne Hilfe von der Wand nehmen kann, ist er entweder über 2,40 m groß, oder seine Arme schleifen beim Gehen hinter ihm her.
Aber weiter im Text: unser tüchtiger Liam findet heraus, wo Zoe arbeitet und verklickert ihr direkt, daß mit ihr etwas nicht stimmen kann, wenn sie sich so ganz nackelig malen läßt (pfui) und als Tätowiererin arbeitet. An dieser Stelle ist Zoe immerhin schlau genug, ihn rauszuschmeißen, aber da Liam auch als Stalker nicht ganz unbegabt ist, beschließt er, ihr nach der Arbeit nach Hause zu folgen. Dies wiederum führt dazu, daß er herausfindet, daß sie in einer schmuddeligen Kneipe als Rocksängerin auftritt. Oh mein Gott, wie grauenhaft! Ganz klar: Zoe braucht Hilfe, und die bietet Liam ihr an. Da Zoe aber eigenartigerweise darauf beharrt, keine Hilfe zu wollen, schieben sie noch schnell eine Nummer, bevor sie ihrer Wege gehen; natürlich nicht, ohne daß Liam Zoe schnell noch klarmacht, daß anständige Frauen auch kein Makeup benutzen (zu schade, daß er kein Deutsch kann, denn sonst hätte er meine Oma zitieren können: Mit Schminke und mit Puder beschmiert sich jedes Luder).
Die nächste Zeit verbringt Liam damit, Zoe zu verfolgen. Schließlich bringt er sie dazu, in seiner Motorradwerkstatt zu arbeiten - sie soll eines der Motorräder bemalen. Umgehend läßt er alle seine Angestellten wissen, daß a) er nichts von ihr will - nein, nein, sie sind nur Freunde und b) keiner von ihnen es wagen soll, Zoe anzubaggern, jedenfalls nicht, wenn er in Zukunft noch feste Nahrung zu sich nehmen will. Danach überlassen sich Zoe und Liam mehr oder weniger ihren Trieben, nicht ohne in einer Endlosschleife sich selbst und dem Leser zu versichern, daß es wirklich nichts ist außer einer heißen Affäre.
Zoe ist nämlich fest überzeugt, daß sie einem Mann nichts zu bieten hat, und Liam hat eine schlimme Kindheit gehabt.
Liam zeigt uns die noch arschlochigere Seite seiner ohnehin schon nicht gerade gewinnenden Persönlichkeit, als er Zoe zwingt (wirklich zwingt), ihm etwas zu erzählen, worüber sie nicht sprechen möchte.
Was passiert noch? Tja, er überrascht sie damit, daß er Zoes Bilder (sie malt auch) einer Galeriebesitzerin zeigt, schnallt irgendwann, daß er sich doch in sie verliebt hat, und prügelt einen Typen krankenhausreif, der sie belästigt.
Zoe kommt glücklicherweise zu dem Schluß, daß sie trotz allem ein vollwertiges menschliches Wesen ist, aber statt sich einen netten, normalen Mann zu suchen, sagt sie sich, daß auch bigotte Vollidioten Liebe brauchen, und beschließt, den Rest ihres Lebens mit Liam zu verbringen.
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann drücken sie sich heute wahrscheinlich die Nasen an den Fensterscheiben ihres Hauses platt und passen auf, daß die Nachbarn keinen Schweinkram machen. Oder vielleicht haben sie eine Bürgerinitiative gegen das öffentliche Ausstellen von Aktbildern gegründet.
Sonntag, 13. September 2009
Nora Roberts: High Noon
Phoebe MacNamara ist ein hostage negotiator - wie nennt man das auf deutsch? Jedenfalls ist sie eine von denen, die auf Verbrecher, oder auch mal Selbstmordkandidaten, solange einfühlsam einreden, bis diese von ihrem Vorhaben ablassen. Sie trifft Duncan Swift, als sie versucht, einen seiner ehemaligen Angestellten vom Selbstmord abzuhalten. Phoebe und Duncan fühlen sich zueinander hingezogen, doch Phoebe hat gute Gründe um zu glauben, daß eine Beziehung niemals funktionieren könnte. Natürlich treffen sie sich trotzdem immer wieder, doch dann wird Phoebe von einem gefährlichen Kriminellen terrorisiert, den sie finden müssen, bevor schlimmeres passiert...
Nora Roberts ist ja eine ausgesprochene Vielschreiberin. Trotzdem sind viele ihrer Bücher unterhaltsam und gut geschrieben, solange darin keine Geister oder sonstige übersinnliche Elemente vorkommen - letzteres kann sie nicht so gut, finde ich. Hier gibt es keine Geister, aber ich fand High Noon dennoch eher mittelmäßig. Das liegt hauptsächlich an den äußerst seltsamen Konversationen von Phoebe und Duncan. Die beiden sind ehrlich, was ja eigentlich eine gute Sache ist, und sagen sich alles, aber auch wirklich im wahrsten Sinne des Wortes alles, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Die Dialoge kamen mir dadurch sehr eigenartig vor, wie in diesem Beispiel:
Phoebe wurde übelst verprügelt und vermutet, daß der Täter ein Arbeitskollege ist, mit dem sie Ärger hatte. Duncan, hat sie mit Tee und gefrorenen Erbsen (für die Schwellungen) versorgt, und deutet an, daß er es dem Täter mal so richtig zeigen will. Phoebe gibt ihm aber zu verstehen, daß sie sich selbst darum kümmern will. Duncan: "Well, that's fine and good for you, and glad to be of assistance. But that's not much help for me when I'm in the mood to pound somebody's face in like it was rotten wood, then twist his useless dick off and feed it to the dog I keep thinking about getting." Heldin: "No", Phoebe said after a long moment. "No, I don't guess it is. I'm going to confess that I find myself surprisingly comforted, and just a little aroused, by the sentiment." Held daraufhin:"I don't know what this is yet, this you-and-me thing. I didn't figure I had to think about it all that much as yet. So putting that aside - whatever this is or isn't here, you should know my natural inclination, and you go right ahead and consider it sexist or outdated or whatever the hell you like - my natural inclination when some cowardly son of a bitch beats on a woman is to get out that goddamn white charger and kick some ass."
Meine Reakton auf diesen und viele andere Dialoge des Buches war: Häh??
Und wegen der Sexszenen sollte sich das Buch meiner Ansicht nach auch keiner kaufen. Die fand ich nämlich eher abtörnend. Beim ersten Mal treiben sie es hastig und stehend an eine Tür gelehnt, und wenn ich mich richtig erinnere (es ist schon ein paar Wochen her, daß ich das Buch gelesen habe), essen sie danach noch ein Stück Pizza und dann fährt Phoebe nach Hause. Nennt mich altmodisch, aber ein bißchen romantischer darf es für mich dann doch ganz gerne sein.
Die zweite Hälfte des Buches, in der es um den unbekannten Stalker geht, der Phoebe verfolgt, war da schon spannender, und so habe ich bis zum Happy End weitergelesen. Positiv war auch, daß ich die Nebenfiguren, besonders Phoebes Mutter und Tochter, gut leiden mochte. Phoebes Mutter hat ein besonderes (schlimmes) Problem, für das es keine Lösung gibt, und es war interessant zu lesen, wie sie und ihre Familie damit umgingen. Alles in allem ist High Noon kein mieses, aber auch kein besonders gutes Buch.
Nora Roberts ist ja eine ausgesprochene Vielschreiberin. Trotzdem sind viele ihrer Bücher unterhaltsam und gut geschrieben, solange darin keine Geister oder sonstige übersinnliche Elemente vorkommen - letzteres kann sie nicht so gut, finde ich. Hier gibt es keine Geister, aber ich fand High Noon dennoch eher mittelmäßig. Das liegt hauptsächlich an den äußerst seltsamen Konversationen von Phoebe und Duncan. Die beiden sind ehrlich, was ja eigentlich eine gute Sache ist, und sagen sich alles, aber auch wirklich im wahrsten Sinne des Wortes alles, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Die Dialoge kamen mir dadurch sehr eigenartig vor, wie in diesem Beispiel:
Phoebe wurde übelst verprügelt und vermutet, daß der Täter ein Arbeitskollege ist, mit dem sie Ärger hatte. Duncan, hat sie mit Tee und gefrorenen Erbsen (für die Schwellungen) versorgt, und deutet an, daß er es dem Täter mal so richtig zeigen will. Phoebe gibt ihm aber zu verstehen, daß sie sich selbst darum kümmern will. Duncan: "Well, that's fine and good for you, and glad to be of assistance. But that's not much help for me when I'm in the mood to pound somebody's face in like it was rotten wood, then twist his useless dick off and feed it to the dog I keep thinking about getting." Heldin: "No", Phoebe said after a long moment. "No, I don't guess it is. I'm going to confess that I find myself surprisingly comforted, and just a little aroused, by the sentiment." Held daraufhin:"I don't know what this is yet, this you-and-me thing. I didn't figure I had to think about it all that much as yet. So putting that aside - whatever this is or isn't here, you should know my natural inclination, and you go right ahead and consider it sexist or outdated or whatever the hell you like - my natural inclination when some cowardly son of a bitch beats on a woman is to get out that goddamn white charger and kick some ass."
Meine Reakton auf diesen und viele andere Dialoge des Buches war: Häh??
Und wegen der Sexszenen sollte sich das Buch meiner Ansicht nach auch keiner kaufen. Die fand ich nämlich eher abtörnend. Beim ersten Mal treiben sie es hastig und stehend an eine Tür gelehnt, und wenn ich mich richtig erinnere (es ist schon ein paar Wochen her, daß ich das Buch gelesen habe), essen sie danach noch ein Stück Pizza und dann fährt Phoebe nach Hause. Nennt mich altmodisch, aber ein bißchen romantischer darf es für mich dann doch ganz gerne sein.
Die zweite Hälfte des Buches, in der es um den unbekannten Stalker geht, der Phoebe verfolgt, war da schon spannender, und so habe ich bis zum Happy End weitergelesen. Positiv war auch, daß ich die Nebenfiguren, besonders Phoebes Mutter und Tochter, gut leiden mochte. Phoebes Mutter hat ein besonderes (schlimmes) Problem, für das es keine Lösung gibt, und es war interessant zu lesen, wie sie und ihre Familie damit umgingen. Alles in allem ist High Noon kein mieses, aber auch kein besonders gutes Buch.
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