Sonntag, 15. Mai 2011

Erin McCarthy: The Chase

The Case ist der vierte Teil von Erin McCarthys Rennfahrer-Serie. Die ersten beiden Teile diese Serie fand ich richtig gut, den dritten, Hot Finish, bestenfalls mittelmäßig. In The Chase geht es um Kendall Holbrook (total doofer Name für eine Frau), eine junge, aufstrebende Rennfahrerin und Evan Monroe, einen erfahrenen Rennfahrer, der im Augenblick einen Mißerfolg nach dem anderen erlebt. Die beiden hatten als Teenies eine Beziehung und nachdem diese schlecht endete, sind sie sich gegenseitig immer aus dem Weg gegangen. Als ihr Chef sie allerdings verpflichtet, gemeinsam in einem Werbespot aufzutreten, geht das nicht mehr. Und von der längst fälligen Aussprache bis zu der Erkenntnis, daß der jeweils andere vielleicht doch keine so üble Person ist, dauert es gar nicht lange.

Ich hatte wirklich einen ganzen Schwung von Problemen mit diesem Buch. Vor einem Auftritt in meiner Rubrik "Bücher die man nicht lesen kann" wird es hauptsächlich durch den sehr unterhaltsamen und lesbaren Schreibstil von Erin McCarthy und durch den zwar etwas zu nachgiebigen, aber doch sehr sympathischen Helden gerettet.

Das erste Problem ist, daß die Handlung sich durch kaum mehr als Namen und Alter des Helden und der Heldin von seinem Vorgänger unterscheidet. Wir haben wieder ein Paar, das vor vielen Jahren durch ein Mißverständnis getrennt wurde, das innerhalb von fünf Minuten durch ein simples Gespräch hätte aufgeklärt werden können. Das wirft kein besonders gutes Licht auf die Protagonisten und ihre Geistesgaben. Wobei man Evan zugestehen muß, daß er damals wohl tatsächlich versucht hat, mit Kendall zu reden.

Das nächste Problem ist die Heldin. Kendall ist, man kann es nicht anders sagen, eine zickige dumme Kuh. Nicht die ganze Zeit, aber meistens. Katy Perry hat mal ein Lied über sie gesungen (ihr wißt schon: "You're hot and you're cold"... usw.) Mal ist Evan ihre große Liebe und sie kann von ihm gar nicht genug bekommen - aber kaum tut oder sagt er etwas, das ihr nicht in den Kram paßt, spricht sie noch nicht mal mehr mit ihm. Der arme Mann weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Kendall hat manchmal ganz plötzlich seltsame Anwandlungen von mangelndem Selbstbewußtsein, denn scheinbar reicht es ihr nicht, daß sie erfolgreich in ihrem Beruf, schön und reich - na ja, ziemlich wohlhabend - ist. Offenbar fühlt sie sich irgendwie nicht weiblich genug.  Die schlechte Laune, die sie durch diese Anwandlungen bekommt, läßt sie dann auch mal gerne an anderen aus.

Und dann machen die beiden noch etwas total dämliches. Okay, wer keinen Spoiler will, der sollte jetzt mal lieber nicht weiterlesen. Kann's losgehen? Gut, unsere beiden Helden waren also als Teenies ein Paar und haben sich wegen eines total beknackten Mißverständnisses getrennt, das in der Gegenwart innerhalb eines 5-Minuten-Gesprächs geklärt wurde. Jetzt sind sie also verliebt und glücklich zusammen, seit ungefähr einer Woche. Und jetzt kommts: Sie beschließen spontan, zu heiraten, und machen das dann auch sofort! Und alle ihre Freunde halten das für eine famose Idee! Also ehrlich, geht's noch? Was zum Teufel soll das? Was ist daran süß, romantisch oder liebenswert, wenn man mal ganz spontan jemanden heiratet, den man de facto gar nicht besonders gut kennt und den man in den letzten 10 Jahren für den Antichristen gehalten hat? Ihr Chef hat den beiden klargemacht, daß er nicht davon entzückt ist, daß die beiden eine Beziehung haben - eben deswegen, weil er negative Konsequenzen fürchtet, wenn sie sich mal trennen. Aber solange sie sich nicht wie Lothar Matthäus und seine Ex benehmen und sich jeden Tag in Interviews gegenseitig übelst beschimpfen, dürfte das ja wohl kein so großes Problem sein. Aber nein, sie müssen ja heiraten. Und sich wenig später wieder zoffen. Oder besser gesagt: Evan versucht, sich zu zoffen. Kendall spricht einfach nicht mehr mit ihm, und er weiß gar nicht, was genau ihr denn nun eigentlich quersitzt.

Also bitte, ein Appell an alle amerikanischen Liebesromanautorinnen: bitte keine Spontanhochzeiten mehr. Das ist total bescheuert und nicht liebenswert oder romantisch.

So. Alles in allem bietet The Chase einen angenehmen, unterhaltsamen Schreibstil, ein paar wirklich gelungene, witzige Dialoge, einen sympathischen Helden mit Pantoffelhelden-Veranlagung, einen ausgelutschten Plot und eine zickige, kommunikationsunfähige Heldin, die mir ganz furchtbar auf den Keks gegangen ist.

Ich werde das nächste Buch der Serie wohl auch noch lesen (ich glaube, es erscheint im November), aber wenn das auch wieder so enttäuschend ist, muß ich Erin McCarthy wohl aufgeben.

Kommentare:

  1. Echt? Du willst dir das nächste Buch auch noch antun? Also ich sicher nicht, für mich ist die Serie mit dem hier gestorben. Ich reg mich jetzt noch auf, wenn ich an den doofen (und völlig unnötigen) Plottwist denke und was für ein Waschlappen Evan ist.
    Und Tuesday - um die geht's nämlich im nächsten Buch - konnte ich schon in "Hot Finish" nicht leiden, mir ist völlig schnuppe, was mit ihr passiert.
    Angeblich kriegt ja sogar die kleine Mutti-Schlampe ein Buch. WTF? Wen interessiert das bitte?

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  2. Das Buch ist für mich wie ein rotes Tuch, sobald ich nur daran denke, werde ich ganz aggressiv.
    Leider hat sich mit diesem Buch das Thema Erin McCarthy für mich erst einmal erledigt, auch weil ich nicht mehr von Kendall's Freundin lesen will (nächstes Buch der Serie) und ich schon gar keine Kurzgeschichte zu der schwangeren Tussi aus "The Chase" lesen will.

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  3. Also irgendwie kommt es mir so vor, als hätte euch das Buch nicht gefallen.

    Was ich von Tuesday halte, weiß ich noch nicht so genau - außer, daß ich ganz froh bin, nicht Dienstag zu heißen. Wobei Dienstag immer noch besser als Montag - aber schlechter als Samstag ist. Und das schwangere Mädel schien mir bisher eher ein Fall für diese Pseudo-Dokusoaps auf RTL (Familien im Brennpunkt oder wie das heißt? Evi, ich weiß nicht, ob es so einen Schwachsinn im österreichischen Fernsehen auch gibt) als für ein Buch zu sein...Aber okay, das nächste Buch bekommt noch eine Chance. Anita Blake habe ich schließlich auch bis zum 10. Band durchgehalten, und da hatte ich die Beschreibungen von sinnlosen Vampir- bzw. Werviecher-Ritualen sowie Jean-Claudes Rüschenhemden und Anitas Lederfummeln eigentlich schon längst satt!

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  4. Susi, das kommt dir nicht nur so vor!

    Ich glaub bei uns im Fernsehen gibt's so einen Schwachsinn noch nicht, aber das macht ja nix, denn wir können ja euren Schwachsinn empfangen. ;-)

    Oh, du hast also Anita bis Band 10 gelesen. Ich hab ja erst 4 (und die nächsten 4 am SuB), ich werd mal sehen, wie weit ich komme. Aber was hast du bloß gegen Rüschenhemden? *lach*

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