Sonntag, 23. Mai 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 10

Ha, Drama, endlich! Na ja, wenigstens ein bißchen. Wird aber auch Zeit, denn immerhin habe ich schon mehr als die Hälfte von diesem Buch gelesen.

Nachdem Jake schweißgebadet von seinen fürchterlichen Albträumen erwacht ist, ist erstmal eine kalte Dusche angesagt. Da seine nichtsnutzigen Brüder immer noch nicht aufgetaucht sind, lungert Isabelle derweil unbehelligt im Gang vor seinem Schlafzimmer herum. Damit der Leser nicht einnickt, versucht es die Autorin nun wieder mal mit einer halbherzigen Sexszene: eine wilde Fummelei im Gang folgt, Isabelle hat den tollsten Höhepunkt ihres Lebens, und anschließend ziehen sich unsere beiden Helden in Jakes Schlafzimmer zurück, um noch ein wenig zu kuscheln. Nun hat vielleicht jeder Mensch eine andere Vorstellung vom perfekten Liebesgeflüster; das von Jake und Isabelle ist jedenfalls irgendwie anders als das, was ich kenne.

Die beiden erzählen sich nämlich erneut und diesmal in epischer Breite, wie schwer sie es hatten. Jake wurde als 15jähriger während seiner NavySEAL-Ausbildung gefoltert ("aber mach dir nichts draus, Schätzelein, was mich nicht umbringt, härtet mich ab"). Während er diese tragische Geschichte seitenlang der entsetzten Isabelle erzählt, ist er selbst kaum weniger entsetzt. Er hat sich in Isabelle verliebt! Wat nu??

Anschließend gesteht Jake, daß er von Onkel Cal damit beauftragt wurde, Isabelle zu beschützen, weil Rafe immer noch auf freiem Fuß ist. Isabelle ist schwerstens beleidigt, nimmt sich aber dennoch die Zeit, in aller Ausführlichkeit, sehr detailreich und in Kursivschrift von ihren Erlebnissen mit Rafe in Afrika zu berichten. Nachdem das auch geklärt ist, fängt sie wieder an zu zetern: sie will sofort zurück zu Onkel Cal. Und zwar JETZT GLEICH!!

Bei Onkel Cal angekommen, geht das Drama weiter, und zum ersten mal seit ich angefangen habe, dieses Buch zu lesen, muß ich breit grinsen. Und mit den Augen rollen. Es ist mal wieder so eine richtige WTF?-Szene. Anfangs macht Isabelle Onkel Cal heftigste Vorwürfe, weil er ihr verschwiegen hat, daß Rafe noch lebt, und weil er Jake damit beauftragt hat, auf sie aufzupassen. Es dauert aber gar nicht lange, bis sie unbedingt von ihm wissen will, warum er denn nicht mit ihrer Mama zusammen sei? Yup, das Liebesleben dieser beiden rüstigen Senioren muß genau jetzt dringend geklärt werden. Onkel Cal bringt aber gerade mal die ersten paar Sätze hervor, die er sich beim mühsamen Auswendiglernen des Buches "Liebesromanklischees für Dummies" gemerkt hat ("es war nur zu ihrem Besten"), da ruft Isabelles Mama an und wird natürlich direkt auch von ihr angepfiffen.

Wie jetzt? Ja klar, Isabelle pflaumt ihre Mutter zuerst wegen der Rafe-Geschichte an. Aber das "du hast meinen Papa mit Onkel Cal betrogen"-Thema muß natürlich auch dringend ausdiskutiert werden. Anschließend willigt sie widerwillig ein, sich weiterhin von Jake und seinen Brüdern beschützen zu lassen, bevor sie sich auf den Weg zur Arbeit macht.

In Afrika sind die Vorgänge derweil nicht minder dramatisch, denn Sarah und Clutch/Wachholder versuchen, Rafe am Flughafen abzufangen. Dabei wird Wachholder von einem unbekannten Angreifer (an dessen raubtierhaften Bewegungen Sarah sofort erkennt, daß er vom Militär ist) niedergeschlagen und gefesselt. Sarah erschießt seinen Angreifer und macht sich auf die Socken, um Rafe aufzuhalten. Rafe zielt mit einer Pistole auf Sarah, woran sie erkennt, daß dies ein ausgezeichneter Zeitpunkt ist, um ihn anzuzicken. Du hast mich betrogen und belogen!!, nörgelt sie. Rafe hat offenbar eine Schwäche für hysterische Frauen, denn statt Sarah zu erschießen, bietet er ihr sofort an, sie mitzunehmen.

Leider taucht just in diesem Moment Clutch auf und wirft sich auf Sarah, die gerade mit Rafe das Flugzeug besteigen wollte. Es gibt eine Schießerei, bei der weder Menschen noch Flugzeuge ernsthaft zu Schaden kommen, und schon ist Rafe entschwunden. Ich möchte an dieser Stelle der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß Stephanie Tyler nicht das Drehbuch für die nächste Folge von Stirb Langsam oder irgendeinen anderen Actionfilm schreibt. Dieser Film würde etwa so aufregend wie ein Kaffeekränzchen in einer Seniorenbegegnungsstätte.

Jedenfalls bleiben Sarah und Wachholder zurück und müssen nun noch mit der geheimen Geheimorganisation fertigwerden, die immer noch nicht von GOST in BULLSHIT umbenannt wurde und deren Mitglieder fortwährend Wachholders Handy anrufen und Todesdrohungen ausstoßen.

Ich muß mich jetzt erstmal wieder von dieser wundervollen literarischen Erfahrung erholen und überlasse unsere wackeren Helden fürs erste sich selbst!

Kommentare:

  1. Na, da hat die Autorin aber wirklich ein Blick für Prioritäten bei ihren Figuren! *kopfschüttel* Immerhin ist es doch schön, dass es hier am Ende wie bei der Arche Noah zugehen wird: Die Guten enden paarweise zusammengepfercht, die Bösen gehen leer aus ... *dumdidum*

    AntwortenLöschen
  2. Hm, haben die damals auf der Arche Noah nicht alles mitgenommen was kreuchte und fleuchte? Ich meine, sonst gäbe es doch heute weder Grippeviren noch Stechmücken oder Dirk Bach, nicht?

    AntwortenLöschen
  3. Aber bestimmt nur, wenn das Gekreuche und Gefleuche auch einen Partner an der Seite hatte - alles andere wäre ja contraproduktiv gewesen. ;)

    AntwortenLöschen
  4. Interessante Theorie - also wer ein Happy End will, muß einen Partner/eine Partnerin vorweisen ;-) Wenn man das auf andere Bücher überträgt, ist das eine ausgezeichnete Erklärung, warum Anita Blake nicht kaputtzukriegen ist - bei den vielen Typen, die was von ihr wollen...

    AntwortenLöschen
  5. ... allerdings fragt man sich dann wieder, warum all die Typen anscheinend soviel Pech haben! ;)

    AntwortenLöschen