Samstag, 4. Januar 2014

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 9: Andrea Mertz: Raven - 1

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kinder, herzlich willkommen auf unserer Rundreise durch das Buch Raven von Andrea Mertz. Mein Name ist Susi, und ich bin Ihre Reiseleiterin.

Lassen Sie uns zunächst ein paar organisatorische Details besprechen, bevor wir uns ins Vergnügen stürzen. Für Ihre Übernachtungen haben wir Ihnen Zimmer im 4 Sterne-Hotel "The Mishapen Metaphor" in London gebucht, und selbstverständlich gehört dazu auch die Halbpension, wobei Sie morgens und abends jeweils zwischen Bohnen mit Toast oder Toast mit Bohnen wählen können. Abends wird Ihnen dazu gratis ein Glas warmes Bier ohne Schaumkrone gereicht.

Hin und wieder werden wir an einigen wohlbekannten Klischees vorbeikommen. An diesen Stellen haben wir für Sie sogenannte Klischee-Aussichtspunkte eingerichtet, damit Sie ein paar besonders schöne Fotos machen können. Selbstverständlich werde ich Sie jeweils rechtzeitig auf die Aussichtspunkte aufmerksam machen.

Beginnen wir unsere Rundreise nun mit dem Prolog, der in Libyen spielt. Wie Sie sehen, wird er aus der Sicht eines gewissen Frank Morgan, genannt Eagle, erzählt. Er denkt auf einer Fahrt durch die libysche Wildnis an seine Schwester Lianne, die Heldin des Buches. Dadurch erfahren wir, daß Lianne eine attraktive, kluge und modebewußte Frau mit einem Schuhtick ist, und daß sie eine Reporterin ist.

Hier sehen Sie, wie Frank und seine Kollegen, die alle übersinnliche Fähigkeiten haben und einer streng geheimen Geheimorganisation angehören, in einen Kampf geraten, in dem zunächst einmal ihr Jeep explodiert.

Ah, sehen Sie, hier kommt schon der nächste Protagonist. Es ist John McDermott, genannt Raven. Er besitzt genau wie Frank übersinnliche Fähigkeiten und ist Mitglied der streng geheimen Geheimorganisation.

- Ja, die Dame mit der hellblauen Leinenjacke - Frau Schneider, nicht wahr? - Sie haben eine Frage?

- Nun, wir haben einen Adler und einen Raben, da erscheint es mir durchaus logisch, anzunehmen, daß die Autorin weitere Bücher über übersinnlich begabte Helden mit Vogelnamen plant. Ich kann Ihnen leider noch nicht sagen, ob auch ein Geier, ein Huhn und ein Kanarienvogel dabei sein werden. Ich persönlich finde die Idee ganz bezaubernd, der Kanarienvogel könnte beispielsweise ein Opernsänger sein...nur die Sache mit dem Geier wäre ein wenig unappetitlich, finden Sie nicht? Aasfressen ist ja so unsexy.

So, jetzt gebe ich Ihnen erstmal eine Broschüre des literarischen Instituts Sankt Infodumping. Wenn Sie sich die Broschüre nachher in Ruhe durchlesen, werden Sie alles über Wesen und Geschichte der streng geheimen Geheimorganisation erfahren. Fürs erste reicht es, wenn Sie im Hinterkopf behalten, daß sie als Shadow Force oder auch Schattenkrieger bezeichnet wird und ein Teil des britischen MI6 ist.

- Ja, Herr...äh...Waldmann?

Oh, sie haben natürlich recht. Ich finde es auch etwas...ungewöhnlich, daß unsere großen, starken Alphahelden den Tod eines Kumpels und des Fahrers des soeben explodierten Jeeps mit "Verdammter Mist" und "Das kannst du laut sagen" kommentieren, und dem guten Frank ansonsten höchstens mal ein "holy moly" entfleucht. Vielleicht hat die Autorin nicht gewußt, wie man "fuck" oder "scheiße" buchstabiert?

Okay, ich muß jetzt noch mal eine Unterlage vom literarischen Institut Sankt Infodumping verteilen. Helfen Sie mir mal tragen, Herr Kaczmarek? Danke. Ja, die sind schwer. Dick wie Telefonbücher. Also, lassen Sie uns mal kurz (hihi) querlesen. Der Rabe ist davon überzeugt, daß es unter den Schattenkriegern einen Verräter gibt, der sie immer wieder in Fallen lockt. Wir erfahren, daß der Rabe in den Augen des Adlers ein hochgewachsener, sturer und wortkarger Schotte ist, den er zunächst für einen arroganten, selbstgefälligen, oberflächlichen Draufgänger und gefühllosen Frauenvernascher (ja, ein süßer Ausdruck, nicht?) hielt. In Wirklichkeit ist er aber 'n ganz netten Kerl, der intelligent, loyal und verläßlich ist. Der Adler glaubt nun auch, daß es einen Verräter gibt, aber auf gar keinen Fall kann es der Rabe sein.

So. Hier sehen Sie nun, wie der Rabe sein Maschinengewehr wegschmeißt und die Feinde mittels seiner übersinnlichen Kräfte in die Flucht schlägt. Hier tauchen noch zwei Schattenkrieger auf, ein Falke und ein Habicht. Diese beiden werden von Frank angewiesen, sich und einige Verletzte mit einem noch fahrtüchtigen Jeep in Sicherheit zu bringen und einen Hubschrauber zu rufen, der Frank  und John vom Ort des Kampfes abholt.

Oh! Hier haben wir ein besonders schönes Exemplar von...nun, ich kann wirklich nicht sagen, was das ist...aber sehen Sie selbst:

Ravens Wangenknochen mahlten, doch er schwieg.

Mahlende Wangenknochen! Wer weiß, wo der gute Rabe noch überall Gelenke hat, wo Normalsterbliche keine haben.

Aber Scherz beiseite. Der arme Frank verspürt urplötzlich am ganzen Körper unerträgliche Schmerzen, die offenbar durch einen bösen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten verursacht werden. Der Rabe hat offensichtlich das gleiche Problem. Franks letzter Gedanke gilt seiner Schwester Lianne, dann verliert er das Bewußtsein und der Prolog ist vorbei.

Nun, meine Damen und Herren, liebe Kinder, das war doch mal ein furioser Einstieg in das Buch! Und morgen geht es gleich mit ganz viel Action weiter. Wir treffen uns um 9 Uhr vor dem Hoteleingang. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend und eine angenehme Nachtruhe!

Kommentare:

  1. Lol, das ist ja, also, ja...ohne Worte.

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  2. Ich bin mir nicht sicher, ob diese Reise der geistigen Gesundheit zuträglich ist. Vertraue mich aber gutgläubig Reiseleiterin Susi an, um weitere abenteuerliche Ausblicke auf die Lehren des Sankt Infodumping und ... äh .. einzigartige Fotos an den Klischee-Aussichtspunkte zu schießen. Die Bohnen-Diät verweigere ich aber zugunsten der Mitreisenden. ;)

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  3. Es lebt!
    Hoffentlich gesund und munter ;-)
    Bei dem Autorennamen habe ich kurz gezuckt, weiß aber nicht mehr warum. Habe wahrscheinlich auch mal was gelesen.

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  4. Und wenn Raven nun ein arroganter, selbstgefälliger, oberflächlicher Draufgänger und gefühlloser Männer oder Männer- und Frauenvernascher mit mahlenden Wangenknochen ist - das wäre ja was für den Adler ;)

    Ich werde mich garantiert zur nächsten Führung einfinden!

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  5. Hallo zusammen! Und danke fürs mitlesen :-)

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