Sonntag, 4. Juli 2010

Letizia Conte: Villa Monteverde

Anne Martin ist eine Archäologin, die in einem Museum in Hamburg arbeitet. Als sie entdeckt, daß ihr Chef und Liebhaber Johann Wedekind in dunkle Machenschaften verstrickt ist und offenbar plant, dem Museum gefälschte etruskische Artefakte unterzujubeln, flieht sie überstürzt nach Italien. Dort besitzt ihre Hippie-Mutter ein Häuschen auf einem Landgut, das der Familie Casagrande gehört. Dieses Häuschen hat seit Jahren niemand betreten. Gegen den Willen von Patrizio Casagrande, dem Erben des Guts, macht sich Anne daran, das Häuschen zu renovieren. Schon bald findet sie Freunde in der Gegend, und ihre Mutter und ihr bester Freund Harry kommen zu Besuch. Doch warum ist Patrizio ihr gegenüber so feindselig, und was hat es mit dem geheimnisvollen Fund auf sich, den Anne und ihre Freunde beim Ausheben eines Brunnens machen?

Das Buch hat mir die Autorin geschickt, dafür nochmals vielen Dank. Ich würde es in die Kategorie "leichte Urlaubslektüre" einordnen, was ja erstmal nicht schlecht ist. Es hat eine ganz interessante Geschichte (der Fund!) und ein paar sympathische Charaktere. Auch Anne und Patrizio sind, einzeln gesehen, keine üblen Romanhelden, wobei ich anfangs Patrizio etwas besser beschrieben fand als Anne. Patrizio hat nämlich ein Problem: er ist ein Schönheitschirurg, der in Rom die Nasen und Brüste der oberen 10.000 richtet. In letzter Zeit empfindet er jedoch einen gewissen Überdruß für diese Tätigkeit und er überlegt, ober er nicht auf das elterliche Landgut zurückkehren und sich auf die Nachfolge seines Vaters als Besitzer vorbereiten soll - zumal die Gesundheit seines Vaters nicht mehr die Beste ist.

Anne dagegen wünscht sich Ruhm und Ehre als Archäologin sowie ein bürgerliches Leben mit einem netten Mann - nicht notwendigerweise in dieser Reihenfolge. Ihre Hippie-Mama Esmeralda hat sie zwar gern, aber die beiden verstehen einander nicht wirklich. Diese Situation wird dadurch verschärft, daß beide in Hamburg unter einem Dach wohnen. Ihren wesentlich älteren Chef Johann wollte Anne eigentlich heiraten, doch auch mit ihm gibt es Probleme: er hindert Anne immer wieder daran, an Ausgrabungen teilzunehmen und so ihre Karriere zu fördern. Dazu kommt, daß er ganz und gar nicht der Mann ist, für den sie ihn gehalten hat.

Soweit, so gut. Aber ich habe ein Problem mit dem Buch, und das ist die Beziehung zwischen Anne und Patrizio. Daß die beiden sich ineinander verlieben, dürfte ja wohl für niemanden eine Überraschung sein, der schon mal ähnliche Bücher gelesen hat. Aber die anfängliche Feindseligkeit der beiden und ihr Kleinkrieg sind einfach nur dumm und lächerlich. Die beiden verhalten sich, als würden sie in Gegenwart des jeweils anderen ihr Gehirn ausschalten. Da sie sich aber nun ständig nur anpflaumen, weiß ich weder, was Anne an Patrizio findet, noch was Patrizio an Anne findet. Die beiden wissen ja gar nichts übereinander, außer: er/sie ist umwerfend attraktiv und er/sie ist ein blödes Arschloch. Verliebt man sich in ein blödes Arschloch, nur weil es gut aussieht? Wohl kaum!

Die folgende Szene fand ich beispielsweise absolut furchtbar. Es ist die zweite Begegnung von Anne und Patrizio, die beiden haben sich vorher nur einmal getroffen und sich auch da schon heftigst angezickt. Patrizio kommt zu Anne und trifft sie an, während sie gerade an der Renovierung arbeitet. Nun passiert dies:

Er suchte nach den richtigen Worten und sagte zu seinem eigenen Entsetzen: "Wie ich sehe, sind Sie in die Maurergilde eingetreten." Verdammt! Warum hatte er seinen Zynismus nicht in der Villa zurückgelassen?
Eine tiefe Falte bildete sich auf ihrer hohen Stirn, und sie fragte: "Haben Sie immer noch etwas dagegen?"
"Und ob. Die Ruine wird nämlich demnächst abgerissen."
Er hätte sich selbst ohrfeigen können, aber diese Frau brachte ihn zur Raserei. Das Blut rauschte durch seine Adern, und er war zu keiner vernünftigen Überlegung mehr fähig. Ohne sein eigenes Zutun griffen seine Hände nach ihr, zogen sie zu ihm heran, und sein Mund fand ihre vollen staubigen Lippen. Sie schmeckte nach Pfefferminz und ein wenig nach Zement. Ihr Körper, eben noch steif, schmiegte sich an ihn, und ihr Atem streichelte seine Wange. Tief in seinem Inneren breitete sich Wärme aus, und Patrizio berührte mit seiner Seele die Liebe.

Ich berührte mit meiner Seele an dieser Stelle eher den Wunsch, etwas anderes zu lesen.

Nach einer Weile stellt der gute Patrizio in Annes Haus sogar Wasser und Strom ab, um sie loszuwerden. Das mit dem Abreißen stimmt: er will das Grundstück nämlich als Weide benutzen. Aber es fehlt der Versuch, Anne auf normale Weise - d. h. durch Argumente - zum Verlassen der Hütte zu bringen.

Natürlich gibt es am Ende ein Happy End, aber die Anne/Patrizio-Geschichte hat mir das Vergnügen an diesem Buch doch recht gründlich verdorben.

Kommentare:

  1. "... ,aber die Anne/Patrizio-Geschichte hat mir das Vergnügen an diesem Buch doch recht gründlich verdorben."

    Ich seh das doch richtig, dass dies schon den Hauptteil der Geschichte ausmacht, oder? Auf jeden Fall finde ich schon die Grundidee nicht so ganz ansprechend und die von dir zitierte Stelle lässt mich regelrecht vor dem Buch zurückschrecken. Ich hoffe, du hast inzwischen eine bessere Lektüre vor der Nase! :)

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  2. Na ja, genaugenommen verbringen Anne und Patrizio nicht so viel Zeit miteinander. Oft dreht sich die Handlung mehr um die Renovierung des Hauses, die Machenschaften von Johann und vor allem den archäologischen Fund (kein Spoiler, steht auf dem Klappentext). Aber wenn in einem Buch eine Liebesgeschichte vorkommt, dann möchte ich eben nicht nur lesen "X ist verückt nach Y" - sondern dann möchte ich auch wissen, warum sich die beiden gegenseitig so einzigartig, attraktiv, charmant usw. finden. Er/sie sieht gut aus ist mir da einfach zu wenig.

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  3. Okay, die Liebesgeschichte ist also eher Nebensache - aber trotzdem verstehe ich, warum die dir das Buch so verdorben hat, rein äußerliche Anziehung reicht nicht für eine nachvollziehbare Beziehung. Außerdem ist die zitierte Passage abschreckend genug! ;)

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