Sonntag, 20. November 2011

Robyn Carr: Neubeginn in Virgin River

Originaltitel: Virgin River

Melinda Monroe ist eine Krankenschwester und Hebamme aus Los Angeles, die nach dem tragischen Tod ihres Mannes dringend einen Tapetenwechsel braucht. So hält sie es für eine gute Idee, in ein kleines, abgelegenes Bergdorf namens Virgin River zu ziehen um als Gehilfin des einzigen dort ansässigen Arztes zu arbeiten. Als sie allerdings in Virgin River ankommt, würde sie am liebsten sofort wieder abreisen: das Haus, das man ihr zur Verfügung stellt, ist eher eine Bruchbude, der Arzt ist ein übellauniger alter Kauz, und es scheint auch nicht wirklich viel für sie zu tun zu geben. Dann findet Mel allerdings ein Findelkind, stellt fest, daß die Landschaft bezaubernd ist, und schließt die meisten Bewohner von Virgin River in ihr Herz - allen voran den Barbesitzer Jack Sheridan. So wird es nichts mit der überstürzten Abreise.

Wenn mein schwaches Gedächtnis mich nicht trügt, habe ich dieses Buch auf der Booklover Conference ertauscht. Ich war ziemlich mißtrauisch als ich anfing, es zu lesen, denn obwohl ich schon viel Gutes über die Virgin River Serie gehört hatte, befürchtete ich, daß es ein langweiliges "wir sind alle supertoll und perfekt, haben uns alle ganz doll lieb und leben in einem Idyll"-Leseerlebnis wird. Das war es aber gar nicht! (Jaha, aber nur um mich in Sicherheit zu wiegen. Von den nächsten Büchern der Virgin River Serie bekommt man Karies, aber dazu später mehr).

Zunächst mal ist Mel nicht die typische Liebesromanheldin. Anfangs wirkt sie eher, als habe sie sich aus einem Chicklit-Roman in das Buch verirrt. Sie fährt ein BMW-Cabrio, liebt schicke und teure Klamotten und ist etwas unwirsch ob der Tatsache, daß es in Virgin River keinen kompetenten Friseur zum Auffrischen ihrer Strähnchen gibt. Jack ist da schon eher typisch: er ist ein ehemaliger Soldat, der seine Kneipe in Virgin River aufgemacht hat, weil er wohl nichts besseres vorhatte. Und natürlich ist er heldenhaft, gutaussehend und ein Ex-Frauenheld.

Nach und nach schließt Mel, und damit der Leser, Virgin River und seine Bewohner ins Herz. Es sind Freaks dabei, die alle möglichen Probleme haben. In den Wäldern hausen finstere Bösewichter und bauen Cannabis an. Manchmal bedrohen sie die aufrechten Bürger des kleinen Städtchens, so daß das Buch auch ein wenig Action aufweist.

Jack ist von Anfang an an Mel interessiert, und es dauert lange - nicht gerade realistisch lange, da sie ihren verstorbenen Mann ja noch immer sehr vermißt, aber doch sehr lange - bis Mel ihn wenigstens ein bißchen an sich heranläßt, obwohl er ihr schon gefällt. Jack legt dabei eine ebenfalls nicht völlig lebensechte Engelsgeduld an den Tag.

Aber bitte sehr: das Buch ist wirklich unterhaltsam und stellenweise sogar überraschend, weil nicht genau das geschieht, was ich erwartet habe. Es ist bestimmt nicht das tollste Buch, das ich je gelesen habe, aber das Lesen hat mir Spaß gemacht - und mehr kann man doch eigentlich nicht wollen.

Mittlerweile habe ich übrigens noch einige andere Virgin River Bücher gelesen, und sie werden schlechter und schlechter. Bei all diesen heldenhaften...äh, Helden und zauberhaften Heldinnen, denen die jeweiligen Helden den Arsch mit einem mehr oder minder zaghaft gemurmelten "Liebste, wie fühlst du dich jetzt?" hinterher tragen, könnte ich echt einen Zuckerschock bekommen. Aber das ist gar nicht so schlimm. Ich habe nämlich komischerweise herausgefunden, daß diese Bücher wie Baldrian auf mich wirken. Wenn ich einen schlechten Tag hatte oder traurig bin, lese ich einfach ein bißchen in einem Virgin River Buch und kann meinen Kummer für ein Weilchen vergessen. Wie gut, daß es davon so viele gibt und ich sie ratzfatz auf mein iPad laden kann.

Aber es wäre trotzdem nicht verkehrt, wenn Robyn Carr ihren Patriotismus mal ein kleines bißchen weniger raushängen lassen könnte. Männer können auch liebenswert sein, wenn sie Freiheit und Demokratie nicht im Irak verteidigt haben!

Kommentare:

  1. yep, genau! :)

    Robyn Carr bietet genau jenes amerikanische Bild vom MANN, welches die Frauen da drüben gerne hätten --- der "gezähmte Rebell", oder auch als "der Held der jetzt wegen IHR Rasen, anstatt rambo-mäßig Bösewichte niedermäht" bekannt. Das zieht einem schonmal die Plompen raus und verursacht Kopfschmerzen vom vielen Augen verdrehen ...

    Gelesen habe ich aber auch ein paar Teile bis es mir zu bunt wurde mit den vielen rumzickenden Schwangeren und den Stillgeschichten und wickelnden Helden ... ;)

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  2. Auf mich hatte ja Nora Roberts eine Zeitlang diese Baldrianwirkung - und dann kam der Tag, an dem mein Gehirn sich nicht mehr betäuben ließ und seitdem kann ich diese verflixten Bücher einfach nicht mehr genießen. *g*

    Dir wünsche ich aber, dass du vielleicht noch weitere Autorinnen findest, die so entspannend sind, aber dafür vielleicht weniger "amerikanisch". ;)

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  3. Cleopatra - ja stimmt, ich versteh auch nicht, warum die Amerikanerinnen solche "enteierten" (das Wort hat mein Chef erfunden) Typen wollen. Und diese Virgin River Bevölkerungsexplosion find ich auch ein bißchen nervend. Aber egal - Baldrian!

    Winterkatze - na mal sehen. Die letzten paar Nora Roberts Bücher hatten jedenfalls nicht diese Wirkung bei mir. Über einige davon hab ich mich sogar ziemlich geärgert, weil die Heldinnen so mega-zickig waren. Fürs erste komme ich aber mit Robyn Carr noch klar ;-)

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  4. Die letzten Nora Roberts, die ich gelesen habe, haben vor allem mich zickig gemacht ... *g* Genieß Robyn Carr, solange ihre Bücher diese entspannende Wirkung auf dich haben! :)

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