Samstag, 27. März 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 6

Chuck Norris hat die Schlümpfe blau geschlagen.

Als wir unsere beiden Evolutionsumkehrer zuletzt verlassen hatten, waren sie gerade in Jakes Auto gestiegen, um zu seinem Haus zu fahren, wo, der geneigte Leser erinnert sich, Isabelle hinfort wohnen und Jake und seine Brüder bekochen wird. Erst wird das Radio eingeschaltet (Heavy Metal), dann machen sie sich auf den Weg und Jake fährt wie immer wie ein sturzbetrunkener spastisch Gelähmter auf Speed und bahnt sich den Weg durch eine Schneewehe auf die Straße. Das findet Isabelle total geil und will direkt noch eins draufsetzen, weswegen sie ihren Sicherheitsgurt löst, das Schiebedach öffnet und ihren Oberkörper raushängt, wobei sie sich erst an der Skihalterung und dann gar nicht mehr festhält. Dann fängt sie an zu schreien.

Etwas später setzt sie sich wieder hin und schüttet Jake ihr kleines Herzchen aus. Naiv wie ich bin, dachte ich ja immer, daß die Ärzte ohne Grenzen sich in Entwicklungsländer begeben um den Menschen dort zu helfen, aber bei Isabelle war das anders: sie war nämlich in Afrika, und will auch wieder hin, um sich selbst zu finden. Denn in der amerikanischen Heimat ist sie ja eine Senatorentochter. Heul! Der man angeboten hat, als Ärztin in einer angesehenen Praxis zu arbeiten. Quengel! Und verlobt war sie auch. Kreisch! Und dann will ihre Mutter sie auch noch von Leibwächtern bewachen lassen. Oh wie gräßlich!!

Als nächstes baggert Isabelle Jake auf eine etwas eigenartige Weise an, in dem sie ihn dazu auffordert, zu versuchen, sie zu begrabschen. Jake findet die Idee klasse, und so wird zur Belohnung Isabelles Küchendienst um einen Tag verschoben. Die beiden gehen in ein Restaurant. Hier beweist Isabelle, daß gutes Benehmen nicht unbedingt mit einem wohlhabenden Elternhaus einhergeht, denn ich erfahre, daß sie noch immer ihren OP-Kittel anhat. Um es sich ein bißchen gemütlich zu machen, zieht sie ihre Schuhe aus kniet sich auf die Sitzbank.

Wenig später fangen die beiden an zu essen und quatschen dabei weiter: Isabelle erzählt, wie ihr Vater von einem Waffenschmuggler erschossen wurde, der dann seinerseits von Onkel Cal getötet wurde. Jake ist so hin und weg von Isabelle, daß er sie sogar seine Pommes essen läßt obwohl er - es erstaunt mich kein bißchen - nicht gerne etwas teilt.

Isabelle erzählt, daß Onkel Cal in Wirklichkeit ihr leiblicher Vater ist. Ihre Mutter und Onkel Cal wissen aber nicht, daß Isabelle das weiß.

Später kommen die beiden in Jakes Haus an und Isabelles Bewunderung für ihren starken Beschützer kennt wieder mal keine Grenzen:

"Nothing about him was overtly pushy or blatant or cocky. He didn't have to be. He moved with the quiet confidence other men envied, tried to emulate and failed. His commanding presence wasn't something to be copied, it was something to be earned."

Was für ein Traummann. Wenn's mal eine Sendung namens "America's next Top NavySeal" gibt, sitzt er bestimmt in der Jury.

Anschließend üben die beiden ein wenig Selbstverteidigung und einen guten Rat von Jake gibt's auch noch gratis dazu: niemals ohne Pistole aus dem Haus gehen.

Und jetzt wollen wir uns alle mal vorstellen, wir stünden bei Aldi an der Kasse und vor uns tauchten plötzlich George Clooney, Clive Owen, Gerard Butler und, für die Jüngeren unter uns, vielleicht noch Robert Pattinson auf. OMG!!!!!! KREISCH!!!!!!!!!!!!!!!!!! ICH KANN VOR BEGEISTERUNG NICHT MEHR AUFHÖREN ZU HYPERVENTILIEREN!!!!!

Genau. So fühlt sich Isabelle auch. Und zwar, als sie sieht, daß Jake ihr Bett frisch bezogen und ihr saubere Handtücher hingelegt hat.

Wenn Isabelle normal wäre, würde ihre Begeisterung allerdings gleich wieder einen Dämpfer bekommen, denn Jake läßt sie wissen, daß sie hinfort nicht nur ihn und seine Brüder bekochen, sondern auch ihre Wäsche waschen wird. Zaghaft wendet sie ein, daß sie einen Vollzeitjob als Ärztin hat, aber außer einem "na und?" fällt Jake nichts dazu ein.

Nun hätte ich - genauso wie die meisten anderen Frauen, die ich kenne - Jake an dieser Stelle dorthin getreten, wo's weh tut, hätte ihm erklärt, wo er sich diesen Macho-Schwachsinn hinstecken kann, und hätte dann direkt das Weite gesucht. Isabelle ist aber nicht wie andere Frauen. Sie ist entweder pervers oder eine Dumpfbacke oder beides. Deswegen fühlt sie sich durch Jakes Gehabe auch angeturnt und fängt an, mit ihm zu flirten. Die beiden küssen sich, und das ist so wundervoll, daß Isabelle eine Erleuchtung hat: Jake kann einfach nichts falsch machen. Obwohl er Sekunden zuvor noch selbst zugegeben hat, daß er eine launische Nervensäge ist.

Etwas später trennen sich die beiden und Isabelle beschließt, vor lauter Verliebtheit wie auf Wolken schwebend, Jakes Whirlpool-Badewanne auszuprobieren. Und weil sie mir heute wieder so fürchterlich auf die Nerven gegangen ist, lasse ich sie da jetzt erstmal ein paar Tage einweichen.

Kommentare:

  1. Danke, danke, danke! Ein weiterer Teil aus diesem Drama war genau das, was ich nach dem Kommentar der Missionarin auf meinem Blog heute zur Zerstreuung brauchte! *lach*

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  2. Gut, daß du mich auf diesen tollen Kommentar aufmerksam gemacht hast, sonst hätte ich den übersehen (experimentelle Literatur ist nicht so meins). Ich überlege gerade, ob ich mir ein T-Shirt mit der Aufschrift "Banaldenkende Möchtegernkritikerin - und stolz darauf" besorge und anfange, alle zu beschimpfen, die meine Lieblingsbücher nicht mögen.

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  3. merci Susi, für diese neuen Einblicke in Isabelles und Jakes Leben :) Wie immer klasse :))

    @irina, da bin ich doch auch gleich mal schauen gegangen. Ich finde du hast sehr gut reagiert, und meine Hochachtung dafür, dass du den Beitrag hast stehen lassen.

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  4. Irgendwie kommt es mir so vor, als ob mein Gehirn sich zum Teil abschaltet, wenn ich nur diese (wunderbaren!) Zusammenfassungen lese. Wie muss es dann erst sein, wenn man das Buch direkt in den Händen hält? Ist es nur erträglich, wenn man dabei sämtlichen Verstand abschaltet und nur genug Kapazität übrig behält, damit die Augen noch den Text wahrnehmen können?

    Und meine Spekulationen, wie diese Dame an ihren Doktor gekommen ist - wie kann so jemand ein Studium durchhalten? - verkneife ich mir lieber ... *dumdidum*

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  5. Tja, gute Frage...vielleicht hatte sie einen Ghostwriter für ihre Doktorarbeit? Egal, Hauptsache sie kann gut kochen.

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  6. Immerhin kann man sagen, dass ein so dämliches Weibchen wohl nichts besseres als einen Jake verdient hat. *seufz*

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