Sonntag, 3. Januar 2010

Michelle Beattie: What A Pirate Desires - Teil 7: Liebeskummer lohnt sich nicht, my darling

Wenn ich's mir recht überlege, ist dieses Buch noch viel bescheuerter als ich dachte. Rekapitulieren wir doch mal, was in den letzten paar Kapiteln geschehen ist: Luke hat Samantha in Bezug auf den Aufenthaltsort von Dervish und seine Gründe für das Ansteuern von Barbados angelogen. Samantha und ihr väterlicher Freund Joe waren knatschig und wollten Luke loswerden, bis er argumentierte, daß sie seine Hilfe im Kampf gegen Dervish gut gebrauchen könnten.

Was ist hier seltsam?

Na zum Beispiel die Tatsache, daß niemand auf die Idee kommt, daß Luke Samantha das Superhirn noch mal belügen und betrügen könnte, oder daß er vielleicht mit Dervish unter einer Decke steckt - die Geschichte, wie er sein Auge verloren hat, könnte schließlich auch erlogen sein.

Aber wie auch immer, man macht sich also auf den Weg nach Santa Placidia und Samantha verdrückt sich in ihre Kabine, um ihren Liebeskummer zu pflegen. Wenig später ist Santa Placidia erreicht und da liegt auch schon Dervishs Boot am Strand und ein paar zombiegleiche Piraten versuchen, es zu reparieren.

Samantha ist schwer bewaffnet, denn in ihrem Gürtel stecken eine Pistole und eine Donnerbüchse, die, der geneigte Leser befürchtet es bereits, aufgrund von Samanthas profunder Inkompetenz als Piratenanführerin völlig nutzlos sein werden.

Nachdem die Revenge vor Anker gegangen ist, geht Samantha mit Luke, Joe und einem weiteren Mannschaftsmitglied namens Willy von Bord. Sie stapfen auf die ersten beiden ungepflegt aussehenden Piraten zu, die ihnen begegnen, und fragen sie nach Dervish. Sehr listig, das. Vielleicht hat der gute Mann ja auch eine Sekretärin, mit der sie einen Termin vereinbaren können.

Zur großen Überraschung aller wird Samantha von den feindlichen Piraten nicht ernst genommen! Na sowas! Dabei war die Gleichberechtigung von Mann und Frau doch ein enorm wichtiges Thema für alle Piraten, die im 17. Jahrhundert die Karibik heimsuchten! Wirklich ganz und gar unfaßbar, und Samantha flippt aus. Nun erfahren unsere tapferen Helden, daß der gefürchtete Dervish unpäßlich ist.

Nachdem einigem Hin und Her werden Joe, Luke und Samantha jedoch ein Stück weit ins Landesinnere geführt wo - sorry Leute, es war auch für mich eine Enttäuschung - nicht etwa ein Hinterhalt auf sie wartet, sondern ein improvisiertes Feldhospital. Dervish hat nämlich, wie man hier im Ruhrgebiet sagen würde, ein appes Bein und sieht auch sonst nicht gerade wie das blühende Leben aus. Der arme Kerl leidet offenbar an Gelbsucht oder er hat den falschen Selbstbräuner erwischt: seine Hautfarbe erinnert jedenfalls an überreife Bananen.

Joe läßt Dervish wissen, daß sie gekommen sind, weil er Samanthas Familie getötet und ihr wehgetan hat. Alle Anwesenden lassen in einem Moment der gemeinschaftlichen Trauer ihre Köpfe hängen und versprechen, ihre Beute hinfort wohltätigen Organisationen zu spenden.

Okay, das letzte war nur erfunden. In Wirklichkeit läßt unsere von Besonnenheit und Intelligenz durchdrungene Samantha endlich mal wieder die Drama Queen raushängen (tut mir leid, aber dafür fällt mir einfach kein angemessenes deutsches Wort ein) und gibt mit ihrer Pistole einen Warnschuß ab. Scheißegal, daß die Piraten sie dreimal erstechen und zweimal vergewaltigen könnten, bevor sie diesen Vorderlader nachgeladen hat! Schließlich zählt die Geste.

Immerhin hat der Schuß Dervish vom Anblick von Samanthas Brüsten abgelenkt, und so hat sie seine nahezu ungeteilte Aufmerksamkeit, als sie die folgenden Worte an ihn richtet:

"You killed my parents, my sister, and our crew. You destroyed our ship. Then you turned your back and walked away. How can you be so cold?"

Ich bin sprachlos. Dervish aber nicht, denn er kann Samanthas Familie offenbar nicht so richtig einordnen und möchte erstmal wissen, ob er ihre Mutter und ihre Schwester vergewaltigt hat (weil er das nur gaaaanz selten getan hat??)

Samantha ist wütend und knurrt ihn an, aber Dervish, immerhin ein schwerkranker Mann mit einem appen Bein, hat die Konversation mit unserer Heldin gründlich satt und meint, sie solle endlich das tun, weswegen sie gekommen ist:

Dervish rolled his eyes. "Well, then, get on with it."

Ich kann ihn ja so gut verstehen. Nur leider fängt Samantha an zu zittern und bricht in Tränen aus, bevor sie die Pistole senkt und weglaufen will. Ich könnte auch heulen. Für dieses Buch mußten Bäume sterben!

Plötzlich aber hört Samantha einen Schuß und nachdem sie zu ihrem Erstaunen festgestellt hat, daß ihre nutzlose Person keine neuen Löcher hat, wo vorher keine waren, geht ihr auf, daß Luke Dervish erschossen hat.

So'n Scheiß! Samantha ist beleidigt. Sekunden später ist auch Luke beleidigt, denn Samantha hat ihn als Bastard beschimpft. Die einzigen, die nicht beleidigt sind, sind Dervishs Piratenkumpels, die das Ableben ihres Anführers mit Gelassenheit hinnehmen. Und so stapfen unsere tapferen Helden zurück zum Strand und gehen an Bord ihres Schiffs, um sich auf den Rückweg nach Barbados zu machen.

Was sie nicht wissen ist, daß irgendwo noch Oliver Grant, der Plantagenbesitzer lauert, um sein Schiff und Samantha wieder in seinen Besitz zu bringen. Was sie auch nicht wissen ist, daß ihm dafür wohl nicht mehr allzuviel Zeit bleibt, denn auch er wird's nicht mehr lange machen:

"The words died on his lips as a sharp slice of pain ripped from his chest and down his left arm to his fingers. Instinctively, he grabbed his elbow and pressed his arm to his chest. His eyes blurred with a pain as bright as lightning in a midnight sky."

Yep, noch ein Patient. Er bekommt bestimmt einen Herzinfarkt, sobald er sich Samantha nähert. Was lernen wir daraus? Samantha macht alle Männer krank.

Kommentare:

  1. Hast du's bald geschafft, du Tapfere? *lach*

    Übrigens hat der Blanvalet-Verlag dieses Machwerk tatsächlich eingekauft; im April 2010 wird es unter dem Titel "Freibeuterin der Liebe" erscheinen. Ich weiß schon, was ich NICHT kaufen werde!

    Der Oberhammer ist ja, dass das Buch bei Amazon.com bei drei Bewertungen viereinhalb Sterne hat (eine der 5-Sterne-Bewertungen kommt übrigens von Harriet Klausner! *g*) und von AAR ein B+ gekriegt hat. Bei Romantic Times schau ich gar nicht, da gibts ja eh nichts unter viereinhalb Sternen! ;)

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  2. Noch 40 Seiten, dann hat das Leid ein Ende ;-) Kurioserweise mag scheinbar jeder dieses Buch außer mir, und da zähle ich die legendäre Harriet Klausner noch nicht mal mit. Habe gerade diese Rezension bei The Romance Reader gefunden.

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