Sonntag, 17. Januar 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 5: Katie MacAlister: Ein Vampir kommt selten allein

Originaltitel: Zen and the Art of Vampires

Ich würde ja gerne eine kurze Inhaltsangabe des Buches schreiben, aber das geht nicht, weil ich es nur bis Seite 45 ertragen habe. Deshalb zitiere ich hier erstmal den Klappentext des Buches:

Ein Leben in der Vorstadt mit Ehemann und Kindern? Für manche ein Albtraum, für Pia Thomason der Stoff, aus dem ihre Tagträume sind. Nun aber naht ihr vierzigster Geburtstag mit Riesenschritten, und ihr Traummann ist noch immer nicht in Sicht. Pia entschließt sich zu einem radikalen Schritt und bucht kurzentschlossen eine Single-Tour durch das romantische Europa. Leider ist keiner der mitreisenden Männer nach ihrem Geschmack. Doch bald gerät Pia in ganz andere Schwierigkeiten: In Island wird in ihrem Hotel eine Frau ermordet, und Pia kommt in den Besitz eines magischen Amuletts. Eine dunkle Bruderschaft hält sie für ihre Auserwählte, die die Welt von den Kreaturen der Nacht befreien soll. Und dann sind da noch die beiden äußerst attraktiven Männer, die ebenfalls ein ganz spezielles Interesse an Pia haben. Sie ahnt nicht, daß die mysteriösen Fremden in Wahrheit Vampire sind...

"Ein Vampir kommt selten allein" war ein impulsiver Buchkauf: ich guckte mir in der Bücherabteilung bei Real, oder vielleicht war es auch Kaufland, wie so oft beim Einkaufen wieder einmal die Bücher an, sah dieses hier, fand es interessant und kaufte es. So hatte ich vorher keine Rezensionen gelesen und ahnte nicht, was mich erwartet.

Was mich an dem Buch gereizt hat, war wohl der ungewöhnliche Handlungsort - man findet nicht alle Tage ein Vampirbuch, das in Island spielt - und die Tatsache, daß die Heldin scheinbar eine ganz normale Frau ist, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation wie ich befindet. Irgendwann braucht man ja mal eine Pause von den übersinnlich begabten Kick Ass-Heldinnen!

Ich hatte aber erst wenige Seiten gelesen, als mir klar wurde, daß man das Wort normal nicht in einem Satz mit dem Namen dieser "Heldin" verwenden sollte.

Das Buch beginnt damit, daß Pia auf einem isländischen Volksfest eine angeregte Unterhaltung mit einem 4jährigen Jungen führt und mit ihm tanzt, aber das muß ja noch nicht unbedingt heißen, daß sie eine Loserin ist - vielleicht ist sie einfach eine nette Person und mag Kinder. Und so kommt Pias wahrer Charakter erst ab Seite 13 zum Vorschein - bis dahin hatte ich jedoch im Laden nicht gelesen. Pia läßt sich nämlich von Denise, einem Mitglied ihrer Reisegruppe, in ein Gespräch verwickeln, obwohl sie Denise nicht leiden kann. Denise labert eine Menge Schwachsinn, aus dem hervorgeht, daß sie und Pia sowieso keinen Mann abkriegen werden, weil sie zu dick sind. Dafür braucht sie übrigens 5 Seiten! Inzwischen ist mir natürlich klargeworden, daß Pia tatsächlich eine Versagerin ist, denn warum sonst würde sie sich von dieser Denise, die sie eh nicht ausstehen kann, 5 Seiten lang erzählen lassen, daß sie scheiße aussieht und kein attraktiver Mann sich jemals für sie interessieren wird?

Es gäbe eine Menge Möglichkeiten, sich Denises und ihres verbalen Durchfalls zu entledigen: ein "hm...jaja..." wird heute gewöhnlich selbst von den begriffstutzigsten Leuten korrekt als "leck mich am Arsch" interpretiert. Pia hätte genausogut aufstehen und weggehen können. Oder vielleicht hätte eine Ausrede sie von Denises unerwünschtem Redeschwall befreien können: "Ich muß zurück ins Hotel, um meinen Fußnägeln beim Wachsen zuzusehen".

Nun tauchen allerdings zwei gutaussehende Männer auf, und unsere clevere Pia läßt sich auf eine Wette mit Denise ein: sie soll die Aufmerksamkeit der beiden Typen auf sich ziehen, und falls einer von beiden ihr hinterherschaut, hat Pia die Wette gewonnen. Falls nicht, behält Denise recht und es steht ein für allemal fest, daß Pia keinen Mann abkriegt.

Das Unterfangen stellt Pia leider vor nahezu unüberwindliche Schwierigkeiten, denn offenbar wäre es zu einfach, an den beiden nur vorbeizugehen. Pia denkt also gefühlte zwei Tage lang über das Problem nach (tatsächlich sind es nur zwei Seiten) und beschließt, sich in einer Buchhandlung zu verstecken, bis Denise weggeht. Weil sie gerade schon mal da ist, kauft sie einige Bücher und verläßt, Selbstgespräche führend, das Geschäft.

Inzwischen ist Denise verschwunden, aber die Typen sind noch da. Nun steht Pias Ehre auf dem Spiel, und sie muß einfach auf die beiden Männer zugehen. Immer noch Schwachsinn vor sich hinbrabbelnd, wird sie prompt von einer Französin angerempelt und führt mit ihr noch eine kurze, aber angeregte Diskussion über Bücher, bevor sie weitergeht. Kaum ist sie damit fertig, suchen die beiden Männer das Weite, aber Denise taucht wieder auf, um unsere bedauernswerte Pia zu verhöhnen. Mittlerweile sind wir auf Seite 26, und Pia tut endlich das, was sie schon 13 Seiten eher hätte machen sollen: sie türmt.

Dummerweise verirrt sich unsere wackere Heldin auf dem Weg ins Hotel und stößt wieder mal mit jemandem zusammen. Diesmal ist es ein Isländer. Er hilft Pia, ihre heruntergefallenen Sachen aufzuheben, und dabei hat er plötzlich eine Art Mondsteinamulett in der Hand, von dem Pia vermutet, es sei aus einem der gerade gekauften Bücher gefallen.

Nun stellt sich der Mann als Mattias vor und ist fest davon überzeugt, daß Pia genau wie er selbst zu einer Sekte namens "Ilargi" gehört. Clever wie immer, läßt Pia sich auch gleich von ihm zu einer Kirche ziehen, in der offenbar die Ilargi ihren Kult ausüben. Nach einigem Geschwätz läßt man sie dort wissen, daß sie die "Zorya" sei, und sich mit dem "Sakristan" - das ist Mattias - vermählen müsse.

Einige Seiten dummen Gelabers später verfällt unsere Heldin endlich auf den Gedanken, daß es eine gute Idee sein könnte, sich aus dem Staub zu machen. Ohne ihre zunehmend nervenden Selbstgespräche zu unterbrechen, ergreift sie die Flucht. Natürlich wollten die Ilargi ihre Zorya nicht einfach so mir nichts, dir nichts entwischen lassen, und so nimmt Mattias die Verfolgung auf.

Pia wäre aber nicht Pia, wie der Leser sie jetzt schon 38 qualvolle Seiten lang ertragen mußte, wenn sie sich davon beirren ließe. Sie läuft ein wenig ziellos durch die Gegend - so lange, bis sie derart außer Atem ist, daß sie fast zwei Absätze lang keine Selbstgespräche führen kann. Dann versteckt sie sich ein paar Minuten lang unter einer Brücke und verliert keine Zeit, bis sie sich wieder in ein überflüssiges Gespräch verwickeln läßt. Diesmal quatscht sie mit den Geistern eines Paares, das offenbar in den 1920er Jahren dahingeschieden ist (was? Wenn es Vampire gibt, kann es auch Geister geben, oder?).

Die Geister haben nämlich entdeckt, daß Pia immer noch das Mondsteinamulett hat, und denken, daß sie sie zum Licht führen kann. Pia weiß zwar genausowenig wie ich, was zum Teufel diese beiden eigentlich von ihr wollen, aber das hält sie keineswegs davon ab, die verworrene Lage gründlich mit ihnen auszudiskutieren.

Mittlerweile ist auch unserer nicht gerade überreichlich mit Geistesgaben gesegneten Pia klar, daß mit dem Amulett etwas nicht stimmt, und tatsächlich: kaum haben die beiden Geister die Szene verlassen, wirft sie, mich mit weiteren sinnlosen Selbstgesprächen beglückend, ihre neuerworbenen Bücher nebst Amulett in den Mülleimer, weil sie keine Lust mehr hat, diese Dinge auf ihrem offenbar äußerst beschwerlichen Weg zurück ins Hotel mitzuschleppen. Nur ein einziges Selbstgespräch später fischt sie das Amulett aber wieder aus dem Mülleimer, weil sie meint, sie müsse den rechtmäßigen Besizer ausfindig machen.

An dieser Stelle hatte ich genug von Pia und ihren Selbstgesprächen und habe das Buch weggelegt.

Zum Abschluß dieses überlangen Berichts über ein grottenschlechtes Buch, das ich nicht gelesen habe, möchte ich einfach mal eine Frage in den Raum stellen: warum gibt es so viele haarsträubend dumme Romanheldinnen, besonders in "lustigen" Büchern? Warum denken Schriftsteller(innen) und Verlage, daß Dummheit amüsant und liebenswert ist? Die meisten Leute, die diese Bücher kaufen und lesen, sind doch auch nicht dumm! Mich machen Romanfiguren wie Pia aggressiv, und ein Katie MacAlister-Buch werde ich garantiert nie wieder anrühren.

Kommentare:

  1. Der Frage, warum es so viele haarsträubend dumme Romanheldinnen besonders in "lustigen" Büchern gibt, schließ ich mich gern an!

    Zu Katie MacAlister: Ich kenn zwei Bücher von ihr, das erste aus dieser Dark-Ones-Serie ("A Girl's Guido to Vampires") fand ich ganz nett, dem hab ich immerhin 12 Punkte gegeben – was aber natürlich nicht heißen soll, dass es immerhin der Serie nicht auch schlechte Bücher geben kann. Außerdem hab ich noch Band 1 aus der Dragon-Love-Serie gelesen (You Slay Me), den fand ich auch ganz in Ordnung (10 Punkte). Ich mag MacAlisters Humor ganz gerne, soweit ich ihn nach zwei Büchern beurteilen kann, er ist allerdings in der Tat oft grenzwertig.

    Ich stell aber ja immer wieder fest, dass es gerade bei Büchern, die von ihrem Humor leben (oder auch nicht), einfach nicht viel gibt zwischen Schwarz und Weiß. Entweder man mag es oder nicht. Ich hab mit den "humorigen" Büchern mit extrem dummen/hilflosen/tolpatschigen Heldinnen auch sehr oft meine Probleme.

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  2. Dazu fällt mir noch ein, daß mir diese Heldin hier ganz besonders auf die Nerven gegangen ist, weil sie immer ewig lange Selbstgespräche geführt hat, bevor sie irgendwas getan hat. Und MacAlisters Humor liegt mir wohl einfach nicht, ich habe kein einziges Mal auch nur ein wenig geschmunzelt. Janet Evanovichs Stephanie Plum-Serie ist ein gutes Gegenbeispiel! Ich lese die Serie mittlerweile nicht mehr, weil es einfach nichts neues mehr darin gibt, aber die ersten 6 oder 7 Bücher waren großartig. Stephanie Plum war auch nicht die allerhellste und hat z. B. nie eingesehen, daß es unsinnig ist, eine Pistole zu besitzen, wenn man sie immer nur in der Keksdose liegenläßt, sogar wenn mordlustige Mafiosi hinter einem her sind. Aber es gab in jedem Buch rasante Action, originelle Charaktere und Stephanie hatte diesen gewissen Hauch von Selbstironie.

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  3. Die ersten paar Bücher von Katie MacAlister fand ich auch noch okay, auch wenn mich der Humor nicht vom Hocker gehauen hatte. Da mir die Bücher aber extra als sehr witzig empfohlen wurde, wollte ich nicht aufgeben. Aber irgendwann konnte ich den ziemlich plumpen Humor nicht mehr ertragen.

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