Sonntag, 13. März 2011

Elizabeth Hoyt: Notorious Pleasures

Lady Hero Batten, Schwester des Herzogs von Wakefield und Mitglied des englischen Hochadels, hat eingewilligt, den Marquis von Mandeville zu heiraten. Es ist eine Vernunftehe, denn Heros Bruder und Thomas, ihr Verlobter, haben gemeinsame politische Ziele. Da Hero nie etwas anderes als eine Vernunftehe erwartet hat und Thomas recht gut leiden mag, ist sie ganz zufrieden mit der Vereinbarung. Dann jedoch lernt sie Thomas' Bruder Griffin kennen, der als schwarzes Schaf der Familie gilt. Hero und Griffin sind wie vom Blitz getroffen und verlieben sich sofort ineinander. Aber die Tatsache, daß Hero mit Griffins Bruder verlobt ist, ist nicht das einzige Hindernis ihrer Liebesbeziehung. Obendrein ist Griffin in höchst gefährliche illegale Geschäfte verstrickt, und die Staatsmacht in Gestalt von Heros Bruder ist hinter ihm her...

Nachdem Irina sich ja sehr positiv über das Buch geäußert hatte, bekam ich große Lust, es zu lesen. Ich hatte noch einen Abebooks-Gutschein und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Bis ungefähr zur Mitte des Buchs war ich auch direkt hin und weg vor Begeisterung. Ich mochte die Protagonisten: Hero wird zunächst als vernünftige, pragmatisch denkende junge Frau mit einem gesunden Selbstbewußtsein dargestellt. Griffin ist nicht annähernd der Wüstling, für den man ihn hält - er ist eher ein hart arbeitender Geschäftsmann und Gutsbesitzer, der seinen Aufenthalt in London anläßlich der Verlobung seines Bruders dazu nutzt, mal so richtig einen draufzumachen. Er ist auch gar nicht der Typ, der aus Prinzip alles flachlegt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, und geschworen hat, sich niemals zu binden. Er amüsiert sich einfach ein bißchen, bis er die Richtige, natürlich unsere Heldin Hero, findet. (Ich mußte bei dem Namen übrigens ständig an Marmelade denken).

Ich mochte auch die Nebenfiguren. Heros Bruder und ihr Verlobter sind keine finsteren Bösewichte, wie sie das in den meisten Büchern wohl wären. Hero hat eine liebenswert-schrullige Tante und eine reizende kleine Schwester, und auch Griffins und Thomas' Geschwister sind ganz normale Menschen. Das Buch spielt im Jahr 1737, was mal eine angehme Abwechslung ist. Die Handlung ist spannend und unterhaltsam, und die Sexszenen - oh, wow. Die können wirklich was. Endlich schwitzt mal jemand dabei!

Leider hielt meine gute Meinung vom Buch nur bis ungefähr zur Mitte an. Da werfen praktisch alle Charaktere ihre Intelligenz aus dem Fenster und treten Vernunft und gesunden Menschenverstand in die Tonne, um melodramatischen Schwachsinn zu verbreiten. Gerade bei Hero ist diese Kehrtwende extrem bestürzend, weil sie ja vorher als ganz vernünftige Person dargestellt wurde. (Meine Vermutung ist, daß der Autorin Bruce Darnell im Traum erschienen ist und sie nachdrücklich zu mehr "Drama, Baby!!" aufgefordert hat. Wenn es so war, kann er jetzt stolz auf sie sein, denn Drama gibt es nun wirklich in Hülle und Fülle).

Hero zeigt allen bisher dagewesenen TSTL-Romanheldinnen, und das sind, wie wir alle wissen, ganze Heerscharen, wo die Glocken hängen. Sie turnt alleine in ihrer (höchstwahrscheinlich mit dem Wappen ihrer Familie geschmückten) Kutsche in ganz London herum, läßt selbige Kutsche stundenlang vor Griffins Stadthaus stehen, wandert bei Bedarf in St. Giles - offenbar zu der Zeit das schlimmste Ghetto von London - herum und stürzt sich zuletzt sogar unbewaffnet in einen mit Pistolen und Schwertern ausgefochtenen Kampf.

Griffin ist auch nicht viel besser. Er, der angeblich so etwas wie ein Finanzgenie ist, macht alle Anstalten, sich zu ruinieren, um einen Konkurrenten aus dem Geschäft zu treiben. Betriebswirtschaftlich gesehen, ist Griffin so etwas wie ein Super-GAU. Und gerade, als er sich in den Kopf gesetzt hat, daß unbedingt er selbst und nicht sein Bruder Hero heiraten muß, läßt er vor Heros Bruder den Alpha-Mann raushängen und macht auf dicke Hose, anstatt sich mal ein bißchen beliebt zu machen.

Man kann nur hoffen, daß diese beiden Blitzbirnen kinderlos bleiben.

Alles in allem hat bei mir aber das Vergnügen an diesem Buch überwogen. Ich mochte vor allem Griffin, der in vieler Hinsicht anders ist als die meisten anderen Liebesroman-Helden. Er macht keinen Hehl aus der Tatsache, daß er sich Hals über Kopf in Hero verliebt hat, und zögert auch nicht, ihr das zu sagen. Ein oder zweimal wird er sogar ein klein wenig sentimental - goldig! Andererseits hat er eine sehr lässige Einstellung zum Thema Kinderarbeit, aber nun ja - das Buch spielt schließlich 1737.

Obwohl sich fast alle Charaktere in der zweiten Hälfte des Buches wie die größten Deppen verhalten, werde ich das nächste Buch in der Serie sicherlich auch lesen. Wo sonst trifft man schon mal einen Romanhelden namens Mickey? (Na ja, in den Lustigen Taschenbüchern. Aber das sind ja keine Romane).

Kommentare:

  1. Das ist wieder so ein Moment, wo ich mir zusätzlich zur formulierten Kritik eine Sternchenbewertung wünschen würde, weil ich mir nicht sicher bin, wie schrecklich du die zweite Hälfte fandest und wie du das Buch insgesamt einordnen würdest! Offenbar ja doch ganz okay, nachdem du die Serie weiterverfolgen willst. (Band 1 hattest du nicht gelesen, oder?)

    Dass Hero sich naiv bis lebensmüde verhält, hatte ich ja auch angemerkt – ich fands aber zwar unwahrscheinlich, jedoch nicht so schlimm, weil sich davon abgesehen genug positives über sie sagen lässt. Fandest du Manderville und seine Obsession auch so lächerlich wie ich?!

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  2. Eine Sternchenbewertung ist ja immer schwierig, finde ich. In diesem Fall würde ich wie beim Eiskunstlauf eine A- und eine B-Note vergeben wollen: dann wären es in der A-Note für die Handlung 2,5 von 5 Sternchen und in der B-Note für den Schreibstil und die Unterhaltsamkeit 4 von 5 Sternchen. Und nein, Band 1 kenne ich nicht. Hast du übrigens die Bewertungen von Mrs Giggles zu den beiden Büchern gelesen?

    Die Sache mit Mandeville und seiner Obsession fand ich eigentlich ganz witzig, das hätte gern auch ein bißchen ausführlicher dargestellt werden können. Extrem eigenartig fand ich übrigens die Nomenklatur der Waisenkinder, aber vielleicht gibt's ja dafür eine Erklärung im Vorgängerbuch?

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  3. Oh, das wär aber ne schlechte Note! Da scheiden sich die Geister ja doch ganz schön! Auch an Mandeville! ;)

    Ich erinnere mich nicht, obs in Band 1 ne Erkärung für die Kindernamen mit Mary und Jospeh gibt. Der Bruder will das, aber ob man erfährt, warum genau, das weiß ich nicht mehr.

    Und die Bewertungen von Mrs Giggles kenn ich nicht; die hat m.W. keinen Feed, deshalb les ich sie nicht mehr. Ich geh gleich mal schauen!

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  4. Also so schlecht finde ich meine Note gar nicht! Der Unterschied ist eben, daß du fandest, daß der Charakter von Hero in sich schlüssig ist, und das war er für mich nicht so ganz. Aber das Buch hat mir schon Spaß gemacht. Wie fandest du denn Mandevilles Angebetete? Auch doof? Ich mochte sie ;-)

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  5. Stimmt, im Vergleich zu Mrs Giggles Bewertung war deine noch ziemlich gut! *gg*

    Mandevilles Angebetete fand ich super – nur Mandeville war mir zu lächerlich!

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