Sonntag, 21. Februar 2010

Bücher die man nicht lesen kann, Teil 6: Stephanie Tyler: Hard to Hold - 2

Chuck Norris kann Zwiebeln zum Weinen bringen.

Jake Hansen hingegen gibt sich mit ungekochtem Gemüse gar nicht erst ab, aber dazu kommen wir gleich.

Nachdem Isabelle und Jake das Gebäude verlassen haben, geht es weiter mit einem Kracher nach dem anderen. Im Ernst. Wenn neben dem Buch eine Kapelle säße, die wie bei einer Karnevalsveranstaltung nach jedem Witz einen Tusch posaunt, dann müßte diese Kapelle im Dreischichtbetrieb arbeiten UND bezahlte Überstunden machen. Und eine Gefahrenzulage bekommen, denn dieses Buch gefährdet Gehirnzellen.

Jake sieht nämlich ein wenig angeschlagen aus, und Isabelle fragt ihn, ob andere Leute oft Streit mit ihm suchen. "Nur die dummen", sagt er, und da fällt es Isabelle wie Schuppen aus den Haaren: Jakes Hände gelten offiziell als tödliche Waffen. Wenig später stellt sich heraus, daß Supermans kräftigerer Bruder blutet und Isabelle will ihn in die Notaufnahme des Krankenhauses bringen. Aber das geht mal gar nicht, meint Jake: die Ärzte, die fiesen Spritzen...igittigitt. Nö, Isabelle soll ihn verarzten. Zur Belohnung darf sie ihn vorher in seinem Auto zu seinem Haus fahren. Isabelle ist gerührt.

Nachdem sie Jakes Wunden verbunden hat, läßt er sie wissen, daß sie bei ihm übernachten wird. Sie darf sogar in seinem Bett schlafen, während er draußen die Couch nimmt. Wow, das ist...einfach nur...wow. Isabelle sagt vor lauter Ehrfurcht nicht mehr viel, und das mit gutem Grund: schließlich ist das noch besser, als hätten in diesem Bett vorher George W. Bush, John Wayne und der komplette Vorstand der NRA genächtigt.

Draußen tobt ein Schneesturm, der Strom fällt aus, und Jake und Isabelle können nicht schlafen - er, weil er eine schlimme Kindheit hatte und sie, weil das Bett den wundervollen maskulinen Duft von Jakes Körper verströmt. Also verläßt Isabelle Jakes Schlafzimmer und sie lungern herum und quatschen ein wenig.

Dann kommt sie. Die Konversation, die mich davon überzeugt hat, daß es nach dem Piratenbuch noch eine Steigerung geben kann. Die Konversation, die mir klargemacht hat, daß, wenn es einen Oscar für Arschlöcher gäbe und wenn dieser Oscar an fiktive Charaktere verliehen werden könnte, Jake ihn gewinnen müßte. Jedes Jahr aufs neue. Seid ihr bereit? Natürlich nicht, für sowas kann man gar nicht bereit sein. Aber egal, ich habe gelitten, jetzt dürft ihr mit mir leiden:

Jake sagt:

"Are you hungry?"

"Maybe a little."

"You could make us food, then," he said. And he was completely serious. "Stove's gas - it'll light, no problem."

"This is your house, what about you making us breakfast?"

He shook his head impatiently. "I don't cook. And I want pancakes. Can you make pancakes?"

Während ich noch voller Panik meine Schreibtischschubladen nach einer Kotztüte durchwühle, betrachtet Isabelle Jakes muskulöse Arme und fühlt sich angeturnt. Ob sie sich wohl gerade vorstellt, wie er sie zur Strafe auspeitscht, wenn sie die Pfannkuchen anbrennen läßt? Ich werde es niemals erfahren, denn Jake setzt direkt noch eins drauf und macht Isabelle ein total tolles Angebot: sie darf bei ihm einziehen, Miete zahlen und für ihn und seine Brüder (die im selben Haus wohnen) kochen!

Oh mein Gott, ich könnte vor Begeisterung kreischen wie ein Teenie bei einem Tokio Hotel-Konzert, wenn ich nicht befürchten müßte, daß meine Nachbarn dann die Polizei holen! Ich geh' jetzt erstmal ein bißchen hyperventilieren. Bis die Tage!

Kommentare:

  1. Wow, das ist ja echt übel!
    Was sich wohl eine Autorin dabei denkt, ihren Helden sich so aufführen zu lassen? *grübel*

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  2. Ist ja zum kreischen! Und der Roman ist wirklich nicht aus den Achtzigern? Viellicht handelt es sich ja um eine alte Ausgabe, die neu aufgelegt wurde? Wer liest denn so 'nen Käse? Als Buchzusammenfassung ist es jedoch echt ein Brüller und bereichert deinen Blog.

    Ich muss ja sagen, ich liebe ja diese Gruselbücher, die von Lesern ausführlich beschrieben werden in Foren und Blogs. Da kann man sich amüsieren und muss nicht das ganze Buch lesen und dafür dann auch noch Geld ausgeben.

    Also ein Held, der ein Date mit der Heldin abschlägt-das ist mal was neues...aber irgendwie erinnert mich der Typ ein wenig an die Anne Stuart-Helden, die überhaupt nie in die Heldin verliebt zu sein scheinen und sich auch null Mühe mit ihr geben. Nicht mal die Mühe, sie vor irgendwelchen Schurken zu retten, selbst das machen andere und der Held schaut zu, gähnt und langweilt sich während die Heldin fast vergewaltigt wird. "Devil's waltz" war in der Hinsicht der Oberknaller für mich. Aber das Buch kam sehr gut an, auch bei AAR.

    Ich glaube der amerikanische Geschmack ist doch sehr speziell. In einem anderen Blog-Beitrag hast du über die typische Liro-Heldin geschrieben, die Ende zwanzig ist und beruflich sehr erfolgreich, trotzdem mit einem Loser verlobt ist, den sie weder als Mensch leiden mag noch mit dem sie guten Sex hat und über den sie permanent bei Bekannten und Freunden ablästert wie scheisse der Typ doch ist.

    Natürlich wird er dann sofort eiskalt und ziemlich fies abserviert, nachdem der Held aufgetaucht ist. Also sonst müssen die Heldinne doch immer charakterlich so perfekt sein-aber was Verlobte betrifft, dürfen sie sich aufführen wie eine Drecksau :-( Erkläre mir einer die Welt, das kapier' ich nicht.

    LG Kerstin

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  3. Also, das Buch ist wirklich nicht aus den 80ern - Ersterscheinung November 2009! Ich habe gerade mal einen Blick auf die Bewertungen bei Amazon geworfen: 8 x 5 Sterne, 4 x 4 Sterne, 1 x 3 Sterne, 2 x 2 Sterne und 5 x 1 Stern. Und bei den 1- und 2-Sterne Bewertungen hat sich keiner darüber beschwert, daß der Held ein fieses Macho-Arschloch! Ich kann mir unmöglich vorstellen, daß alle diese Leserinnen so einen Typen im wirklichen Leben tolerieren würden!...Übrigens habe ich ein einziges Anne Stuart-Buch gelesen (Black Ice) und das war so gar nicht mein Fall. Der Held hat zwar nicht gerade danebengestanden, während die Heldin vergewaltigt wurde, und gerettet hat er sie auch, sogar zweimal. Aber einen Hau hatten sie trotzdem beide, und die Handlung war komplett logikfrei. Außerdem waren sie in dem Buch alle dauernd auf so einem "Europäer taugen nicht viel, wenn die glorreichen Amerikaner sich nicht um alles kümmern würden, würde wirklich alles auf der Welt schiefgehen"-Trip. Das hat mich auch genervt.

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  4. ...mir fällt noch ein zu deinem Chuck Noris Schinken, dass die Helden oft solche Superhurenböcke sind. Es reicht nicht aus, dass sie einfach ein erfülltes Sexualleben mit diversen Frauen hatten bevor die Heldin kommt, sie müssen die Warren Beatty-Nummer mit 13.000 Frauen in 20 Jahren inklusive Orgien mit mehreren Girls durchziehen. Obwohl "dein" Held ja sogar da neue Maßstäbe setzt: Er braucht nicht nur drei Frauen am Tag sondern auch noch 3-4 mal am Tag Sex.

    Also erklär mir einer bitte, was daran attraktiv sein soll. Mal von Aids und diversen Geschlechtskrankheiten ganz abgesehen, sowas kriegt selbst ein sexsüchtiger Hollywood-Promi nur hin, wenn er regelmäßig Callgirls bucht (siehe Charlie Sheen und Heidi Fleiss), außerdem gilt das inzwischen längst als ernsthafte psychische Störung und erfordert genauso langwierige Behandlung wie Alkoholismus. Als ernstzunehmende Krankheit wird das in diesen Büchern aber nie gesehen.

    Und soll das jetzt toll sein, dass die Heldin dann dem Helden zukünftig regelmäßig drei-viermal am Tag zur Verfügung stehen muss, damit er sich nicht mit anderen vergnügt? Ein Nümmerchen vor dem Frühstück, schnell in der Mittagspause ein Treffen im Stundenhotel eingeplant statt Kantinenfuttern (macht eh nur dick) und abends beim Fernsehen noch mal schnell und dann vor dem zu Bettgehen auch noch mal. Also ehrlich, das ist doch absoluter Horror!!!

    Ist ja schön wenn ein Held potent ist, aber das ist doch krankhaft. Anscheinend sehen das die meisten aber nicht so, sonst würden sich diese Art Helden nicht solcher Beliebtheit erfreuen und von Amazonrezensenten wird das als Problem generell nicht wahrgenommen. *Grübel*

    Wieder so was was ich nicht kapiere.

    Kerstin

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  5. Also zur Ehrenrettung des guten Mannes - nicht, daß er tatsächlich noch zu retten wäre - muß ich sagen, daß das mit der außer Kontrolle geratenen Manneskraft ja etwas ist, was andere über ihn sagen. Ich habe noch nicht soviel von dem Buch gelesen, daß ich mit Bestimmtheit sagen kann, daß er mit Frauen Sex hat, wenn er sie nicht gerade zum Pfannkuchen backen nötigt. Aber ich mußte gerade ein bißchen kichern, als ich mir die logistischen Probleme vorstellte, die so etwas gerade einem Soldaten bereiten würde:

    Ein amerikanisches Militärflugzeug kreist über den unwirtlichen Gebirgszügen Afghanistans. Ein kleines Trüppchen kampferprobter Navy SEALs schnallt sich Fallschirme um und bereitet sich gewissenhaft auf den Absprung vor. Doch was ist das? Einer von ihnen scheint außerordentlich viel Gepäck zu haben, weswegen ihn sein Vorgesetzter fragt:

    "Lieutenant Hansen, warum ist Ihr Fallschirm doppelt so groß wie die Ihrer Kollegen? Was zum Teufel haben Sie da drin?"

    Jake (schmunzelnd): "Eine Blondine, eine Rothaarige und eine Brünette, Sir!"

    Der Vorgesetzte (erzürnt): "Sie sind entlassen! Unehrenhaft!! Verlassen Sie sofort dieses Flugzeug!!!"

    Jake (springt)

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