Mittwoch, 7. August 2013

Tu ma' die Möhrchen

Jeder hat's schon gehört: die Grünen haben eine fabelhafte Idee gehabt. In bundesdeutschen Kantinen soll es einmal in der Woche einen fleischfreien Tag geben. Tjaha. Eigentlich gar nicht so dumm. Ich will mich aus der Diskussion eigentlich ganz heraushalten, denn 1.) gehe ich sowieso meistens nur freitags morgens in die Kantine, um dort mein ich-feiere-den-Endspurt-zum-Wochenende-Schokoladencroissant zu kaufen und 2.) bin ich zwar kein Vegetarier und werde auch nie einer sein, aber ich hege eine gewisse Bewunderung für fleischlos lebende Menschen. Und ein einziger fleischfreier Tag pro Woche würde mich wohl nicht umbringen.

ABER: die ganze Debatte nervt mich total ab, und das aus einem einzigen Grund. WARUM ZUM TEUFEL MUSS MAN DIESES PROJEKT ALS VEGGIE-DAY BEZEICHNEN????????

Warum, warum, warum??? Ist ein Veggie Day geiler als ein Gemüsetag? Sind veggies in irgendeiner Art nahrhafter, gesünder, verdauungsfördernder oder schlank/klug/sexy/reich machender als Gemüse? Oder gibt's an Veggie Days lila Kartoffeln und Möhren, während an Gemüsetagen grundsätzlich nur die gewöhnliche bleiche bzw. orange Variante serviert wird?

Und könnten wir, wenn schon der allgemeine Konsens dahin geht, daß alle anderen Sprachen viiiiiiiiiiiiiiel toller sind als unsere eigene, vielleicht mal 'ne andere Sprache als Englisch benutzen?

Mal sehen.

Wie wär's mit el día de la verdura?

Hm. Vielleicht etwas sperrig.

Auf Finnisch heißt Gemüse lt. dict.cc "vihannes". Das ist doch schon mal ganz putzig. Wie Hannes. Hihi.

Auf Türkisch scheint es sebze zu heißen. Dieses Wort hat aber definitiv ein ü-defizit.

Das schwedische grönsak hat auch einen gewissen Charme.

Oder wir nehmen das serbische поврће. Das kann dann wenigstens garantiert keiner aussprechen, außer den Serben, versteht sich.


Kommentare:

  1. Ich verstehe auch nicht, warum man immer so "knackige" englische Begriffe wählen muss, die von der Hälfte der deutschen Bevölkerung weder verstanden noch ausgesprochen werden kann. Auf der anderen Seite ist Englisch - wenn schon eine Fremdsprache - eben doch die logischte Wahl, da eben weltweit (theoretisch) verbreitet.

    Oh, und was das vegetarische Essen angeht: Das ist supereinfach, wenn man 1. eh kein Fleisch mag und 2. als Kind zu viele Bilder von miesen Haltungsbedingungen bei Schlachtvieh gesehen hat. ;)

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  2. Ja klar, Englisch ist eine Weltsprache und jede Sprache nimmt Fremdwörter auf und verändert sich im Lauf der Zeit. Aber ich ärgere mich halt immer, wenn man solche (englischen) Begriffe benutzt, nur um ein englisches Wort benutzt zu haben. Ich bin da vielleicht auch ein bißchen überempfindlich, weil ich beruflich im Moment öfter mit Unternehmensberatern zu tun habe. Das sind die größten Sprachpanscher überhaupt, ich könnte jedesmal in die Tischkante beißen, wenn die mal wieder eine Powerpoint-Präsentation voller teilweise selbsterfundener englischer Ausdrücke abliefern.

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  3. Glaub mir, ich beiß mit in die Tischkante. :D Sehr schön fand ich eine Studie, die belegte, dass ein Großteil der Deutschen mit all den (pseudo)englischen Werbefilmchen gar nichts anfangen kann, weil die eben nicht auf Deutsch sind. Aber das stört natürlich keinen Werbefutzi, wenn es auf denglisch doch alles so toll klingt oder man damit die größten Banalitäten ganz groß rausstreichen kann. ;)

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  4. Aber irgendwie muß diese Werbung doch funktionieren, sonst würden die Leute doch nicht massenhaft die beworbenen Produkte kaufen...?

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